Gesellschaft & Politik
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Szene aus dem

Screenshot aus dem Ibiza-Video. Bild: APA/SPIEGEL/SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

«Dieses Video hat mein Leben gefressen»: 10 Zitate vom Mann, der das Ibiza-Video drehte

2017 stellte Österreichs späterer Vizekanzler Strache einer vermeintlichen russischen Investorin öffentliche Aufträge in Aussicht. Doch das Angebot war ein Fake und das heimlich gefilmte Video wurde zum Politskandal. Jetzt hat einer der Filmer ein Interview gegeben.



Es war einer der grössten Politskandale Österreichs. Am 17. Mai 2019 wurde ein Video veröffentlicht, das den damaligen FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache zusammen mit Parteifreund Johann Gudenus und einer angeblichen Oligarchennichte zeigte.

Das Ibiza-Video hatte zum Sturz der Regierung von ÖVP und FPÖ geführt. Der damalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wirkte auf dem heimlich aufgenommenen Video anfällig für Korruption. Denn in dem gefilmten Gespräch zeigt sich, wie Strache der Frau Staatsaufträge in Aussicht stellt, sollte sie ihm im Gegenzug zum Wahlsieg verhelfen. Auch Wege von Parteifinanzierung an den Behörden vorbei waren für Strache kein Tabu.

Das Ibiza-Video:

abspielen

Video: YouTube/FALTER

Die ganze Aktion war von langer Hand geplant und Strache sollte mit dem Video der Bestechlichkeit überführt werden. Als Urheber gelten ein Wiener Anwalt und ein Privatdetektiv. Letzterer hat dem «Spiegel» und der «Süddeutschen» nun erstmals ein Interview gegeben.

Die wichtigsten Auszüge aus dem Gespräch:

«Es war der Versuch, Heinz-Christian Strache Korruption und Untreue nachzuweisen.»

Der Privatdetektiv über das Motiv. Straches Ex-Bodyguard, ein ehemaliger Polizist, hatte über Jahre hinweg brisantes Material über seinen Chef gesammelt. Gemäss dem Privatdetektiv sollte das Video den Informationen des Leibwächters mehr Glaubwürdigkeit verleihen. Der Leibwächter wollte beim Bundeskriminalamt aussagen, sei jedoch abgeblitzt. Sein Problem war wohl, dass es nur Aussage gegen Aussage gab. Das sollte mit dem Video geändert werden.

«Die Leute stellen sich ohnehin alles weit professioneller vor, als es tatsächlich war.»

Der Privatdetektiv auf die Frage, ob er Geld für das Video kassiert habe. Er habe niemanden bezahlt oder angeheuert. Alles in allem habe die Aktion 100'000 Euro gekostet.

«Den Namen nehme ich mit ins Grab.»

Der Privatdetektiv auf die Frage, wer die vermeintliche Oligarchennichte in Wirklichkeit ist. Die Frau gehöre zu seinem Bekanntenkreis und sei eine jener Personen, die ihm entweder einen Gefallen schulden oder die er für vertrauenswürdig hielt. Auch sie habe für ihre Rolle kein Geld bekommen, beteuert der Mann.

«Gudenus ist sofort darauf eingegangen, es war unglaublich einfach.»

Der Mann erzählt, dass die ganze Sache ihren Anfang im Frühling 2017 nahm. Damals habe er zusammen mit der vermeintlichen Oligarchin Straches Vertrauten Johann Gudenus getroffen und ihm die Legende aufgetischt, dass die Oligarchin Schwarzgeld nach Österreich transferieren wolle.

Bei einem zweiten Treffen habe dann Gudenus selbst die Idee gebracht, dass sich die Oligarchin mit 200 Millionen Euro an der «Kronen Zeitung» beteiligen und so politische Einflussnahme zugunsten Straches ausüben könne.

«Das einzige Briefing, das es gab, war am Vorabend und hat 40 Minuten gedauert.»

Der Privatdetektiv über die Vorbereitung seiner «Oligarchin» auf das Treffen in Ibiza. Die Frau sei hochintelligent, es habe kein monatelanges Briefing gegeben.

«Wir haben solche Sorge bekommen, dass wir Türen und Fenster verbarrikadiert und nicht geschlafen haben.»

Der Privatdetektiv über den Moment, als Strache und Gudenus die Villa verliessen und sie über kompromittierendes Material verfügten. Strache habe vor der Abreise die Villa durchsucht und dies damit begründet, dass er das Handy von Gudenus Frau suche. Das schien dem Mann verdächtig. Zudem hätten sie so intensiv über Russland gesprochen, dass der Privatdetektiv nicht mehr ausschliessen wollte, dass die FPÖ Kontakte zu russischen, regierungsnahen Kreisen hatte.

«Um strafbar ging es nicht allein. Es ging auch um seine mangelnde charakterliche Eignung für politische Spitzenämter.»

Der Privatdetektiv auf die Frage, ob er Strache strafbare Handlungen nachweisen wollte. Er habe auch kein Geld mit dem Video verdienen wollen und er habe das Video nie für Geld angeboten, behauptet der Mann. Sein Mitstreiter (der Anwalt) habe geglaubt, um das Video würden sich alle reissen und er habe 2.5 Millionen herausholen wollen um den Leibwächter zu sichern und die Kosten zu decken.

Der Anwalt habe dann erst versucht, das Video dem Unternehmer Haselsteiner schmackhaft zu machen. Doch er sei ebenso abgeschmettert wie bei Straches politischen Gegenspielern aus der SPÖ.

«Es gab Angebote nach der Veröffentlichung. Zwei, drei Millionen, wenn ich mich öffentlich bekennen und die SPÖ oder Haselsteiner (Anm.: einen Unterstützer der liberalen Neos) belasten würde.»

«Ich sah keine Alternative. Das lag auch an dem Druck, der plötzlich da war.»

Der Privatdetektiv über den Grund, weshalb das Video schliesslich an die Redaktionen von «Spiegel» und «Süddeutsche Zeitung» gelangte. Er habe den Anwalt zu diesem Schritt gedrängt, nachdem klar wurde, dass sie keine Abnehmer finden. Geld haben die Redaktionen gemäss eigenen Angaben keines bezahlt.

«Dieses Video hat mein Leben gefressen.»

Der Privatdetektiv über den Moment, als das Video veröffentlicht wurde. Er habe fast zwei Jahre unter permanenter Anspannung gestanden. Jede freie Minute habe er darüber nachgedacht und sich überlegt, wie man es veröffentlichen könnte. Als es schliesslich veröffentlicht wurde, habe er ein paar Tränen verdrückt.

«Ich habe mich nicht versteckt, sondern war auf der Hut, weil ich Angst vor Racheaktionen hatte.»

Der Privatdetektiv auf die Frage, wie er fast anderthalb Jahre unentdeckt bleiben konnte. Der Sicherheitsberater sitzt in Deutschland in Auslieferungshaft. Die österreichische Justiz ermittelt gegen ihn wegen Drogenhandels und Erpressung.

(meg)

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