Coronavirus
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Darstellung von an Aerosolen angedockten SARS-CoV-2, Coronavirus, Covid-19, Infektion

Darstellung von an Aerosole angedockten Coronaviren. Bild: Shutterstock

Forscher weisen hochinfektiöses Coronavirus in Aerosolen nach

Eine US-Studie hat zum ersten Mal nachgewiesen, dass Aerosole viable Coronaviren enthalten können.



US-Forscher aus Florida haben in Versuchen bestätigt, dass von Corona-Infizierten ausgestossene Aerosole intakte Viruspartikel enthalten können. Damit gelang ihnen zum ersten Mal, an Aerosole angedockte Sars-Cov-2-Lebendviren nachzuweisen. Bisher hatte man jeweils nur das Genom des Erregers belegen können, aber diese genetischen Spuren hätten theoretisch auch von toten, inaktiven Viren stammen können.

Das sei eine Bestätigung dafür, dass Sars-CoV-2 wahrscheinlich auch über die winzigen, lange in der Luft verbleibenden Schwebeteilchen übertragen werden kann. In Räumen eineinhalb oder auch zwei Meter Sicherheitsabstand zu wahren, könne mithin ein falsches Gefühl von Sicherheit vermitteln, heisst es in der Studie. Diese ist allerdings noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht und damit noch nicht von unabhängigen Gutachtern geprüft.

Was sind Aerosole?

Aerosole sind sehr kleine Schwebeteilchen. Sie können beim Reden und sogar Atmen entstehen, vor allem aber beim Singen und Schreien. Anders als beim Husten oder Niesen ausgestossene Tröpfchen, die schnell zu Boden sinken, können die unter fünf Mikrometer kleinen und leichteren Partikel noch längere Zeit in der Luft schweben und ansteckend sein. Eine Infektion kann dann auch ohne direkten Kontakt zu einer infizierten Person erfolgen. Es gibt Krankheiten, die nachweislich über Aerosole übertragen werden können, beispielsweise Tuberkulose.

Dass Sars-CoV-2 nicht nur über grössere Tröpfchen, sondern auch über winzige Schwebeteilchen übertragen werden kann, gilt schon länger als gesichert. Unklar ist allerdings, wie gross der Anteil der Aerosole bei den Ansteckungen ist. Generell gilt das Risiko in Innenräumen als wesentlich höher als draussen, wo sich Partikel rascher verflüchtigen.

Die Forscher um John Lednicky von der University of Florida in Gainesville untersuchten nun Proben der Raumluft aus der Umgebung zweier Covid-19-Patienten in einem Klinikzimmer. Sie verwendeten dafür eine spezielle Apparatur, die mit Wasserdampf-Kondensat arbeitet und so eventuelle Viren in der Luft intakt erhält.

Selbst aus Proben, die in fast fünf Metern Abstand zu den Patienten genommen worden waren, seien noch aktive Sars-CoV-2-Partikel isoliert worden, berichten die Forscher. Über genetische Analysen konnten sie bestätigen, dass diese von dem Patienten mit Covid-19-Atemwegssymptomen im Raum stammten – und nicht etwa aus einem anderen Bereich der Klinik eingetragen wurden.

Die Luft im Klinikzimmer wurde pro Stunde sechsmal ausgetauscht. Das Zimmer war zudem mit effizienten Luftfiltern und einer Einrichtung zur UV-Bestrahlung ausgerüstet, die die Virenlast in der Luft massiv reduzieren sollen, bevor sie wieder in den Raum eingeleitet wird. Aus diesem Grund dürfte die Zahl der aktiven Viren pro Liter Raumluft (74) so niedrig ausgefallen sein – dies bedeutet aber zugleich auch, dass die Virenlast in lediglich normal gelüfteten oder sogar geschlossenen Räumen deutlich höher liegen dürfte.

Die Analyse sagt nichts darüber aus, ob die Virenlast in der Luft ausreicht, um weitere Menschen anzustecken. Die an der Studie nicht beteiligte Aerosol-Expertin Linsey Marr hält die deren Resultate jedenfalls für einen eindeutigen Beweis, dass Aerosole ansteckend sind, wie sie auf Twitter mitteilte.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt Ansteckungsgefahr über die Luft trotz der neuen Erkenntnisse nach wie vor als gering ein. Sie hält die Infektion über Tröpfchen – die grösser sind und meist nur etwa anderthalb Meter weit kommen, bevor sie zu Boden sinken – für den Hauptübertragungsweg. Superspreader-Ereignisse etwa bei Chorproben weisen allerdings schon seit längerem darauf hin, dass Viruspartikel in Aerosolen die Infektion vieler Menschen im Umkreis zur Folge haben können.

(dhr/sda/dpa)

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54Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 14.08.2020 08:31
    Highlight Highlight Nach wie vor gelten Viren nicht als Lebewesen. Viren sind demnach weder lebendig, noch tot.

    Viren können sich nicht bewegen, haben keinen Stoffwechsel und können sich nicht vermehren. Viren sind DNA-Schnipsel in einer Hülle. Es sind eingepackte Erbgutfragmente, die - für sich genommen - zu nichts in der Lage sind.

    Viren sind am ehesten als Programmcode zu verstehen. Erst wenn der Programmcode in eine passende Maschine mit passendem Betriebssystem gespiesen wird, wird er aktiv. So ist das auch bei Viren. Sie müssen in ein Lebewesen (Bakterium bis Säuger) gelangen und zum Organismus passen.
  • San_Fernando 13.08.2020 22:39
    Highlight Highlight Sehr üerraschend...
    Dieser Corona-Virus verhält sich gleich wie alle anderen Corona-Viren auch...
  • Rethinking 13.08.2020 19:03
    Highlight Highlight Und genau darum sollte die Home Office Empfehlung wieder ausgesprochen werden...

    Diverse Branchen können ohne Probleme grossflächig auf Home Office umstellen und dadurch beitragen, dass das Ansteckungsrisiko für die eigenen Mitarbeitenden, aber auch für all jene die kein Home Office machen können, reduziert wird...

    Ich denke da an Banken, Versicherungen, Krankenkassen, Informatik, Telekommunikation, Pharma, Behörden und Medien...
  • Füürtüfäli 13.08.2020 17:05
    Highlight Highlight Wie überraschend...
  • champedissle 13.08.2020 16:34
    Highlight Highlight Einmal mehr zeigt sich wie wichtig es ist, in geschlossenen Räumen gut zu lüften, bzw. Frischluftzufuhr zu haben. Gleichzeitig wird das Tragen von Masken als sinnvoll gezeigt, sobald sich mehrere Leute im gleichen Raum aufhalten.
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 14.08.2020 08:35
      Highlight Highlight Viel Spass, falls es wieder einmal einen kälteren Winter geben sollte... 😁
  • lilie 13.08.2020 16:28
    Highlight Highlight Ein weiteres kleines Puzzlesteinchen, das uns wieder etwas mehr Einblick gibt.

    Was man aber auch nicht vergessen darf: In dieser Studie wurde in einem Spitalzimmer gemessen, in dem sich ein Covid-19-Kranker vermutlich 24 h am Tag aufhält - schwer krank.

    Im Alltag hingegen begegnet man vermutlich eher symptomlosen oder präsymptomatischen Fällen, welche ziemlich lange und intensiv atmen müssen (Chorprobe, Konzertbesucher etc.), bis die Virenlast in den Aerosolen tatsächlich ansteckend wird.
    • Garp 13.08.2020 16:40
      Highlight Highlight Woher hast Du die Daten, dass ein Symptomloser, präsymptomatischer Mensch intensiv atmen muss um Aerosole zu verbreiten? Superspreader sind z.T. auch symptomlos. In einem Konzert atme ich nun nicht unbedingt intensiv, hängt vom Konzert ab. Zudem wurde das Zimmer extrem gut belüftet und die Luft gereinigt. Warten wir doch einfach einmal weitere Studien ab und treffen uns möglichst im Freien, solange Sommer ist, kaufen zügig ein usw.
    • bmin 13.08.2020 17:07
      Highlight Highlight Das mag sein, aber die Aerosol-Übertragung deswegen als bedeutungslos abzutun ist zu kurz gegriffen.

      Wir waschen uns ja auch noch die Hände, obwohl die Übertragung via Oberflächen an Bedeutung verloren hat.

      Die Aerosol-Übertragung wird wohl aus politischer Motivation heruntergespielt, da der Schutz vor Aerosolen komplizierter ist als 2m-Abstand & Händewaschen. Masken sind in der CH auch nicht sehr beliebt.

      Die Schweizer Corona-Taskforce weist bereits am 4. Juni auf das Risiko durch Aerosole hin: https://ncs-tf.ch/de/policy-briefs.

      Die Übertragung via Aerosole wird auch von der Schweizer
    • DunkelMunkel 13.08.2020 17:52
      Highlight Highlight “ Im Alltag hingegen begegnet man vermutlich eher symptomlosen oder präsymptomatischen Fällen, welche ziemlich lange und intensiv atmen müssen (Chorprobe, Konzertbesucher etc.), bis die Virenlast in den Aerosolen tatsächlich ansteckend wird.”

      Woher hast du diese Information?
      Das Spitalzimmer wurde mehrmals pro Stunde gelüftet und die Luft gefiltert und trotzdem fand man genügend Viren. Diesen hohen Grad an Reinigung hat kein normaler Raum.
    Weitere Antworten anzeigen
  • BHappy 13.08.2020 16:26
    Highlight Highlight Wie machen die das, wenn bis heute meines Wissens nach noch kein wirklicher Nachweis eines ganzen „neuen“ Virus gelungen ist? Es werden nur RNA-Fragmente nachgewiesen, jedoch kein „ganzes“ Virus. Wenn es jemand besser weiss, bitte (!) melden!
    • ManOnTheMoon 13.08.2020 17:27
      Highlight Highlight Hast du das aus einem Youtube Video?

      Bei so wenig Ahnung von Genetik weiss ich jetzt nicht ganz wo mit erklären anfangen...

      Hör doch einfach auf die Virologen die vom Fach sind und nicht auf irgendwelche Internet-"Experten"
    • BHappy 13.08.2020 17:42
      Highlight Highlight Wie ich sehe, fällt es unglaublich leicht „zu blitzen“. Währt ihr wenigstens so fair, mir dei Dokumentation zugänglich zu machen, auf Grund derer ihr es besser wisst? Ich habe leider, trotz redlichem Bemühen, keine gefunden!
    • butch3r 13.08.2020 17:46
      Highlight Highlight Da hast du was falsch verstanden. Der PCR Test basiert auf dem Nachweis von RNA Fragmenten. Das gesamte Virus an sich ist schon lange isoliert und momentan wahrscheinlich in diversen Forschungseinrichtungen zu finden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • De-Saint-Ex 13.08.2020 16:20
    Highlight Highlight könnte... hätte... würde... und am Schluss: „Diese (Studie) ist allerdings noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht und damit noch nicht von unabhängigen Gutachtern geprüft...
    hört doch bitte damit auf...
    Danke.
    • champedissle 13.08.2020 16:35
      Highlight Highlight Es verlangt kein Mensch von Ihnen, dass Sie das lesen wenn sie sich nicht dafür interessieren. Aber lassen Sie uns doch mit Ihren Belehrungen in Frieden.
    • fabsli 13.08.2020 16:44
      Highlight Highlight Morgen kommt die Gegenstudie.
    • maude 13.08.2020 16:49
      Highlight Highlight ich wär langsam für eine Petition, dass nur noch gesicherte Infos von den Medien veröffentlicht werden dürfen. Hab nach 7 Monaten echt sooooo genug von den ganzen ' ja auso..nei doch nöd..aber so..äh nei momänt☝🏻' Klar einfach nicht mehr lesen, aber solls das sein? Blitzt mich aber ich bin diese 'Infos' müde..
    Weitere Antworten anzeigen
  • Leisure- Goth 13.08.2020 15:48
    Highlight Highlight Das Drama geht weiter und noch immer haut keiner dem Verursacher auf die Finger😤
    • Firefly 13.08.2020 17:33
      Highlight Highlight Sie meinen der toten Fledermaus? Die haben aber keine Finger!
  • TheKen 13.08.2020 15:44
    Highlight Highlight Bei Schulbeginn haben sie allen untersagt mitzusingen, nur ab Band kam die Musik. Wie wollen die Verbände den Fangesang unterbinden an Fussball- und Eishockeyspielen?
    • Peter Vogel 13.08.2020 20:14
      Highlight Highlight Mit Geisterspielen, wie bisher.
  • Peter Vogel 13.08.2020 15:39
    Highlight Highlight Das heisst im Umkehrschluss wohl auch, dass Papier- und Stoffmasken weitgehend nutzlos sind. Die Viren fliegen einfach zwischen den Fasern hindurch. Nur FFP2 Masken schützen wirksam.
    • bmin 13.08.2020 17:10
      Highlight Highlight Papier und Stoffmasken sind gegen bereits herumschwirrende Aersole in der Tat nutzlos. Wenn jedoch alle eine Papier/Stoffmaske tragen, dann wird bereits beim Verursacher verhindert, dass Tröpfchen in die Luft geraten und sich in kleinere Aerosole aufteilen können.

      Wenn ALLE eine Maske tragen nützt also auch eine Hygiene-Maske.
    • ManOnTheMoon 13.08.2020 17:29
      Highlight Highlight Bitte google doch zuerst was ein Aerosol ist bevor du solche uninformierte Aussagen machst.
    • BHappy 13.08.2020 17:34
      Highlight Highlight Und das ist auch nicht sicher!
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