Gesellschaft & Politik
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Komitee präsentiert Ziele: Erst Vaterschaftsurlaub, dann Elternzeit



ZUM AUFTAKT DER KAMPAGNE UEBER DIE ABSTIMMUNG UM DEN VATERSCHAFTSURLAUB DIESEN SONNTAG STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - WEITERE BILDER FINDEN SIE AUF visual.keystone-sda.ch --- Ein Vater umsorgt an seinem freien Tag gemeinsam mit seiner Frau zu Hause seinen vier Montate alten Sohn, fotografiert am 15. Mai 2020 in Aarau. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bild: keystone

Ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub, so kurz er auch sein möge, ist für das Komitee «Vaterschaftsurlaub jetzt» ein erster Schritt in die richtige Richtung in der Gleichstellungspolitik. Das Fernziel bleibe eine Elternzeit, wie es sie etwa in Deutschland gibt.

Angesichts moderner Familienmodelle sei es höchste Zeit, dass die Schweiz einen gesetzlich geregelten Urlaub einführe, heisst es im Argumentarium des Ja-Komitees, das am Donnerstag präsentiert wurde.

Eine Volksinitiative wollte ursprünglich einen vierwöchigen Urlaub einführen. Das geänderte Erwerbsersatzgesetz, das am 27. September an die Urne kommt, ist ein vom Parlament verabschiedeter indirekter Gegenvorschlag zum Volksbegehren «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie».

Die Initianten zogen ihr Begehren unter der Bedingung zurück, dass die Gesetzesgrundlage für den zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub in Kraft tritt.

Finanzierung wie bei Mutterschaftsurlaub

Das ist deshalb umstritten, weil SVP-Vertreter und Jungfreisinnige das Referendum dagegen ergriffen haben. Sie sehen keinen Grund dafür, dass Väter nach der Geburt eines Kindes bezahlten Urlaub erhalten sollen. Kritisiert werden die «Gratis-Ferien», die alle mit Lohnabzügen finanzieren müssten.

Vaterschaftsurlaub: So sieht es in den Nachbarländern aus

Gemäss dem Parlamentsentscheid könnten Väter in den ersten sechs Monaten nach der Geburt des Kindes zwei Wochen bezahlten Urlaub nehmen. Dieser würde wie der Mutterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung (EO) finanziert. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 229 Millionen Franken pro Jahr. Dafür sollen 0,06 zusätzliche Lohnprozente je hälftig bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern erhoben werden.

Zeichen stehen gut

Das vom Arbeitnehmerverband Travail Suisse angeführte Ja-Komitee zur Vorlage ist breit abgestützt. Es sitzen Vertreter aller grossen Parteien darin.

Gemäss einer im Juni veröffentlichten Umfrage befürworten fast drei Viertel der Stimmberechtigten den zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub. Nur rund 16 Prozent lehnen das Projekt komplett ab. Als die beiden Hauptargumente für ein Ja nannten die Befragten die Unterstützung der Mütter und die Gleichberechtigung der Geschlechter. Umgekehrt sind bei rund 20 Prozent die Kosten das Hauptargument für ein Nein.

Bereits gibt es indes Pläne für eine neue Volksinitiative, die eine längere Elternzeit verlangt, welche die Eltern zu einem Teil frei unter sich aufteilen könnten. Linke hatten sich im Parlament für ein solches Modell ausgesprochen. Dieses stösst auch bei Mitte-Politikern auf Zustimmung. Ob und wann daraus eine Volksinitiative wird, ist aber noch offen. (aegsda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • ingmarbergman 06.08.2020 20:46
    Highlight Highlight Die Lösung ist doch ganz einfach: Elternzeit aus der EO finanzieren und die Männer, welche Kinder haben, müssen dafür weniger in WKs.

    Dem Vaterland bringt es mehr, wenn kleine Kinder mit einem Vater aufwachsen, der sich auch um die Kinder kümmert.
  • Rethinking 06.08.2020 16:47
    Highlight Highlight Schön wäre es, wenn mal nicht immer nur die Familien im Fokus stehen und unterstützt werden, sondern Kinderlose Paare und Singles...

    https://m.tagesanzeiger.ch/articles/15075431
  • Nik G. 06.08.2020 14:50
    Highlight Highlight Der einzig richtige Schritt zur Gleichberechtigung von Mann und Frau ist eine Elternzeit die frei aufteilbar ist. Da ist als Arbeitgeber nicht von vornherein klar ob die Frau oder der Mann aussetzen wird.
  • Meinsch 06.08.2020 14:45
    Highlight Highlight Ich finde Vaterschaftsurlaub nicht so treffend. Wie wäre es mit Vaterkindbindungsarbeitsverbot, später dann Familienbindungsarbeitsverbot.
  • Hans12 06.08.2020 13:16
    Highlight Highlight Am besten gefällt mir eine Regel, wo der "Babyurlaub" flexibel zwischen den Eltern aufgeteilt werden kann.
    • Rethinking 06.08.2020 16:51
      Highlight Highlight @ Hans12: Ha finde ich ok... Er sollte einfach von den Wochen her nicht weiter ausgebaut werden...

      Letztlich muss man sich immer bewusst sein, dass die Arbeitskollegen das Fernbleiben kompensieren müssen. Der Arbeitgeber stellt kaum eine Temporärkraft dafür ein und erhöht auch nicht die Stellenprozente...

      Bei uns schiebt sich so das Problem immer von einem zum andern... Ist jemand in den Ferien machen die anderen Überstunden... Baut jemand Überstunden ab... macht jemand anders Überstunden... Letztlich steigen die Saldi unaufhörlich...

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