Forschung
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Hochdosierte Schmerz-Tabletten: Paracetamol-Vergiftungen in letzten Jahren verdoppelt



Paracetamol wirkt schmerzlindernd, eine Überdosis kann jedoch tödlich sein. Seit 2003 sind die Tabletten in der Schweiz mit einer höheren Wirkstoffdosis erhältlich. Seither haben sich die Vergiftungsfälle mehr als verdoppelt, wie ETH-Forschende im Fachmagazin «Jama Network Open» berichten.

Demnach schossen die Paracetamol-Vergiftungen zwischen 2005 und 2018 gemäss Meldungen an Tox Info Suisse von 561 auf 1188 Fälle in die Höhe, wie Andrea Burden, Professorin für Pharmakoepidemiologie an der ETH Zürich, gemeinsam mit ihren Kollegen feststellte. Sie gehen davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen den vermehrten Vergiftungen und der Verfügbarkeit der 1000-Milligramm-Tabletten besteht.

Das Schmerzmittel Paracetamol ist in der Schweiz rezeptfrei in Tabletten zu 500 Milligramm erhältlich. Mit Rezept kann sich ein Schmerzpatient seit 2003 auch mit doppelt so hoch dosierten Pillen eindecken. Tatsächlich gehen letztere inzwischen zehnmal häufiger über die Ladentheke als die schwächer dosierten Tabletten.

Lebervergiftungen bis hin zum Tod

Das Tückische an dem Wirkstoff: Er wirkt nicht bei jedem Patienten und nicht gegen alle Schmerzen. «Ist das Medikament bei einer Person wirkungslos, könnte sie in Versuchung geraten, die Dosis ohne Absprache mit einer Fachperson zu erhöhen», sagte Andrea Burden gemäss einer Mitteilung der Hochschule.

Tablette Frau Jugendliche Paracetamol

Die empfohlene Maximaldosis des eigentlich sicheren Medikaments beträgt pro Tag 4000 Milligramm für Erwachsene. Schluckt man mehr, kann das zu schweren Lebervergiftungen oder sogar zum Tod führen. Mit den 1000-Milligramm-Tabletten kann die Tageshöchstdosis bereits mit wenigen zusätzlichen Tabletten überschritten werden, während das Risiko einer irrtümlichen Überdosierung mit den weniger hoch dosierten 500-Milligramm-Tabletten geringer sei, sagte Burden.

Kleinere Packungen

Die ETH-Professorin fordert, dass zumindest die 1000-Milligramm-Tabletten nur noch in Packungen mit weniger Tabletten angeboten werden. Gerade auch deshalb, weil sich die Hinweise erhärten würden, dass sich das Medikament nicht für die chronische Schmerzbekämpfung eigne. Ausserdem sollten Ärzte eher die 500-Milligramm-Tabletten verschreiben, um das Risiko einer versehentlichen Überschreitung des Tageslimits zu reduzieren.

Im Jahr 2019 war die grösste Anzahl an schweren und tödlichen Vergiftungen in der Schweiz auf Drogen, Gifttiere und Medikamente zurückzuführen. Fünf der sieben Todesfälle gingen gemäss Tox Info Suisse auf das Konto der Medikamentenvergiftungen. Von den schweren Fällen seien 72 Prozent durch Medikamente und 14 Prozent durch Genussmittel und Drogen verursacht worden. (aeg/sda)

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