Kommentar
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Rapper wie Capital Bra haben einen Einfluss auf den Drogenkonsum von Jugendlichen. bild: watson/shutterstock/screenshot youtube capital bra

Kommentar

Die Gangster-Rapper sind nicht schuld, wenn Kinder Drogen nehmen

Tilidin ist wieder im Aufwind. Auch dank der Rap-Szene. Capital Bra und andere Rapper haben einen grossen Einfluss auf den Drogenkonsum von Jugendlichen. Doch kann man den Rappern wirklich die Schuld geben?



«Du kannst nicht ohne. Du sitzt da wie ein vercrackter Junkie» – so beschreibt der Rapper Capital Bra die Auswirkungen vom Medikament Tilidin in einem Interview mit «STRG-F».

Was ist Tilidin?

Ein Opdiat, das üblicherweise bei starken und sehr starken Schmerzen verschrieben wird. Das Medikament wirkt stark betäubend und geht direkt auf das Nervensystem. Es kann sehr abhängig machen. Zusammen mit Alkohol kann es im schlimmsten Fall zum Atemstillstand führen.

Keine schöne Droge, dieses Tilidin. So einfach es ist, damit anzufangen, umso schwieriger ist es, davon wegzukommen. Auch Experten sehen darin ein Problem.

Durch die Thematisierung von Tilidin in seinen Raptexten hatte der Rapper einen grossen Einfluss auf den Bekanntheitsgrad des Medikaments. Vor einem Jahr wurde das Lied «Tilidin» releast – spätestens seit dann kannte jeder eingefleischte Deutschraphörer dieses Medikament. Und seit dann sind gemäss Angaben des deutschen Apothekenverbandes die Verschreibungen des Medikamentes an Jugendliche in die Höhe geschossen – um das 30-fache.

Doch um hier nicht nur Capital Bra an den Pranger zu stellen: Diverse andere Rapper, wie beispielsweise Bonez MC von 187 Strassenbande und Samra thematisieren das Medikament des Öfteren in ihren Raptexten.

Bild

Capital Bra schämt sich im Interview für die Auswirkungen seiner Texte auf seine Fans und deren Drogenkonsum. Bild: screenshot: youtube/strg_f

Der Rapper spricht im Interview davon, dass er «doch nie ein Vorbild sein wollte». Doch ist man kein Vorbild, nur weil man es nicht sein will? Hat es sich der Bratan damit nicht zu einfach gemacht?

Alle Personen, die im öffentlichen Raum stehen, sind gewissermassen Vorbilder und tragen eine Verantwortung. Wer vorlebt, was cool ist, muss sich auch den Konsequenzen bewusst sein. Vor allem wenn man Drogen verherrlicht und die Zuhörer vorwiegend Jugendliche und Kinder sind.

Dennoch stellt sich hier die Frage, ob sie diese Verantwortung auch wahrnehmen müssen. Denn im eigentlichen Sinne, das sagt auch Capital Bra selbst, rappen die Rapstars über ihr Leben. Der Rapper habe selbst Tilidin konsumiert und habe das in seinen Raptexten ausdrücken wollen. «Ich wollte doch nur zeigen, wie wir leben», sagte der Rapper dazu im Interview mit «STRG-F».

Beim Rap ist es wie bei allen anderen Formen der Kunst: Es gilt die künstlerische Freiheit. In der Musik darf man machen, was man will. Dazu gehört nun Mal auch die Thematisierung von Drogen, ob positiv oder negativ. Rapper wie Capital Bra können nichts dafür, dass ihre Musik und ihre Texte genau das ist, was die Menschen hören wollen. Der Konsument will, was der Konsument will.

Was ist also die Lösung? Den Kids verbieten, Rap zu hören? Oder die Raptexte zensieren? Die Rapper einsperren?

Natürlich nicht. Es wäre zu einfach, die Schuld einfach jemand anderem zuzuschieben – denn wer viel mehr in der Verantwortung steht als die Rapper, sind die Eltern der Jugendlichen. Es ist bewiesen, dass Jugendliche aus einem guten Elternhaus weniger zu Drogen greifen als Jugendliche mit einem schlechteren Verhältnis zu ihren Eltern. Die Lösung: Mit den Kindern reden. Ihnen zuhören. Sie ernst nehmen.

Und ist es nicht auch die Entscheidung eines jeden Jugendlichen selbst, Drogen zu nehmen? Nur weil ein Rapper darüber rappt, muss es ja nicht automatisch bedeuten, dass man ebenfalls konsumieren muss. Capital Bra hat auf Spotify 5'129'104 monatliche Hörer. Die meisten davon können Musik und Kunst von der Realität unterscheiden.

Mit 14 oder 15 Jahren ist man noch jung und durchaus beeinflussbar, aber nicht komplett hirnlos. Drogen zu nehmen ist und bleibt, trotz all den Faktoren von Aussen, immer eine freie Entscheidung. Ein Rapper spielt da vielleicht als Einfluss von Aussen eine Rolle, aber bestimmt nicht als der Schuldige.

Was denkst du? Haben Rapper eine Verantwortung darüber, was sie in ihren Texten thematisieren?

Haben Rapper eine Verantwortung gegenüber Jugendlichen?

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Drogen-Funde aus aller Welt

«Hip Hop bringt uns sprachlich weiter»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

29 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Chrigu91
26.09.2020 18:12registriert November 2014
Nein nicht die Gangster-Rapper alleine sind schuld. Aber unter anderem. Sowie sie auch Mitschuld haben an der Homophobie und Frauenfeindlichkeit gewisser Hörer
28451
Melden
Zum Kommentar
Konsortin Sha'ira
26.09.2020 18:06registriert July 2020
Diverse Studien haben gezeigt, dass bei Nagern nur dann ein exzessives Suchtverhalten auftritt, wenn das Umfeld nicht genug stimuliert. Allerdings reden wir da von Koks, Zucker und LSD, nicht von biologisch abhängig machenden Substanzen.
Das Ganze den Eltern zuzuschanzen ist meiner Meinung nach auch zu einfach gedacht. Jugendliche suchen ja gerade Abgrenzung vom Elternhaus, die Rebellion, den Konflikt. Drogensucht (v.a. bei Medikamenten) ist ein gesellschaftliches Problem, das kein Einzelspieler lösen kann. So lange die Teenies unter viel Druck stehen, werden sie Wege suchen, um zu fliehen.
10317
Melden
Zum Kommentar
Konsortin Sha'ira
26.09.2020 17:58registriert July 2020
Es wäre für den Lesefluss viel besser, ihr würdet die Infoboxen und Links nicht mitten im Text platzieren, sondern unterhalb.
9415
Melden
Zum Kommentar
29

Glauben eigentlich wirklich 97% aller Wissenschaftler an den menschgemachten Klimawandel?

Die Klima-Demo auf dem Bundesplatz ist beendet. Die Besetzung wurde ohne Gewalt aufgelöst. In Erinnerung werden vor allem zwei Dinge bleiben: der Fingerzeig, dass der menschgemachte Klimawandel auch in Zeiten von Corona weiter geht. Und die Verbissenheit, mit der einige Parlamentarier den mehrheitlich jungen und friedlichen Demonstranten eine möglichst schmerzhafte Polizeierfahrung wünschten.

Zwischen den Zeilen fiel aber noch etwas Drittes auf: Dass auch im Jahr 2020 noch viele nicht daran …

Artikel lesen
Link zum Artikel