Türkei
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Members of rescue services search in the debris of a collapsed building for survivors in Izmir, Turkey, early Saturday, Oct. 31, 2020. A strong earthquake struck Friday in the Aegean Sea between the Turkish coast and the Greek island of Samos, killing several people and injuring hundreds amid collapsed buildings and flooding. (AP Photo/Emrah Gurel)

Rettungskräfte auf einem eingestürzten Gebäude in Izmir. Bild: keystone

Mindestens 25 Tote und hunderte Verletzte bei Erdbeben in der Ägäis

In der Nacht zu Samstag wurde in der westtürkischen Metropole Izmir nach 17 Stunden eine Frau aus den Trümmern gerettet, wie CNN berichtet.



Nach dem Erdbeben in der Ägäis ist die Zahl der Todesopfer in der Westtürkei auf 25 gestiegen. Mehr als 800 Menschen seien verletzt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf die Katastrophenschutzbehörde Afad.

Am Samstagmorgen gab es nach Afad-Angaben in der Region des westtürkischen Bezirks Seferihisar ein Nachbeben der Stärke 5,0. In der Nacht hatte es schon Hunderte Nachbeben gegeben.

Rettungskräfte und Helfer suchten am Freitagabend noch in den Trümmern eingestürzter Häuser nach Überlebenden. Das Beben, das auch in Istanbul und Athen zu spüren war, löste nach Angaben der Behörden einen «Mini-Tsunami» aus, der Überschwemmungen nach sich zog.

In der Nacht zu Samstag wurde in der westtürkischen Metropole Izmir nach 17 Stunden eine Frau aus den Trümmern gerettet, wie der Sender CNN Türk berichtete. Die Helfer suchten auch am Samstagmorgen in Izmir weiter nach Überlebenden. Nach Anadolu-Angaben gingen die Arbeiten in den Trümmern von neun Gebäuden weiter. Griechische Behörden hatten zwei Tote auf der Insel Samos gemeldet.

Angst um die Familie

Das erste Beben Freitagnachmittag hatte nach Angaben der türkischen Katastrophenbehörde eine Stärke von 6,6. Das Zentrum lag demnach in der Ägäis vor der türkischen Provinz Izmir. Die für Erdbeben zuständige US-Behörde USGS gab die Stärke des Bebens sogar mit 7 an.

«Es fühlte sich an wie zehn Minuten, als würde es nie enden», sagte Gökhan Kan über die Dauer des Erdbebens in Izmir. «Ich hatte in diesem Moment nicht um mich selbst Angst, sondern um meine Familie, meine Frau und meinen vierjährigen Sohn.»

Die türkischen Behörden meldeten zunächst 20 Todesopfer und 800 Verletzte. Laut Berichten von Nachrichtenagenturen und türkischen Medien stieg die Opferzahl weiter an.

Laut dem Bürgermeister von Izmir, Tunc Soyer, stürzten 20 Gebäude ein. Über der Stadt stieg eine zeitlang dichter weisser Rauch auf. Im Sender TRT war zu sehen, wie Rettungskräfte, Polizisten und Einwohner versuchten, sich mit Hilfe von Kettensägen und per Hand Zugang zu möglichen Verschütteten in einem komplett zerstörten siebenstöckigen Wohngebäude zu verschaffen.

Andernorts brach Jubel aus, als die Retter eine Frau aus den Trümmern zogen. Nach Angaben des Gouverneurs der Region Izmir, Yavuz Kösger, konnten insgesamt 70 Verschüttete lebend gerettet werden.

Auch griechische Insel Samos betroffen

Auf der griechischen Insel Samos wurden zwei Schüler im Alter von 15 und 17 Jahren von einer einstürzenden Mauer erschlagen, wie der Fernsehsender Ert berichtete. Mehrere Gebäude auf Samos wurden zerstört, mindestens vier Menschen wurden nach Behördenangaben verletzt. «Es herrschte Chaos», sagte der Vize-Bürgermeister der Insel, Giorgos Dionysiou. «So etwas haben wir noch nie erlebt.»

Die Bewohner von Samos waren dazu aufgerufen, die Nacht im Freien – gegebenenfalls in ihren Autos – zu verbringen. Griechische Geologen waren nicht sicher, ob es sich bereits um das Hauptbeben gehandelt hatte. Auch könnten stärkere Nachbeben manche ohnehin schon beschädigte Häuser endgültig zum Einsturz bringen, warnten sie. In der Provinz Izmir boten Moscheen und Hotels den Menschen kostenlos Obdach, wie TRT berichtete.

Wie auf Samos trat auch in der dem Bebenzentrum am nächsten gelegenen türkischen Stadt Seferihisar das Meer über die Ufer und überflutete mehrere Strassen.

EU steht für Hilfe bereit

Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bekundete via Twitter ihre Anteilnahme. «Wir stehen bereit, um in jeder denkbaren Weise zu helfen», erklärte sie. Frankreich sicherte beiden Ländern volle Solidarität zu.

epa08787245 Rescue and health workers carry a dead body from a collapsed building after a 7.0 magnitude earthquake in the Aegean Sea, at Bayrakli district in Izmir, Turkey, 31 October 2020. According to Turkish media reports, at least twenty people died while more than eight  hundreds were injured and dozens of buildings were destroyed in the earthquake.  EPA/ERDEM SAHIN

Bild: keystone

Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis rief den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an, um seine Trauer über die Opfer des Bebens zum Ausdruck zu bringen, wie er im Online-Dienst Twitter schrieb. «Ungeachtet unserer Differenzen müssen wir in diesen Zeiten zusammenstehen», fügte er mit Blick auf die jüngsten Spannungen zwischen Athen und Ankara hinzu.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan antwortete auf Twitter: «Vielen Dank, Herr Premierminister. Dass sich zwei Nachbarn in schwierigen Zeiten solidarisch zeigen, ist wertvoller als viele Dinge im Leben.» Die Aussenminister beider Länder sagten sich zudem in einem Telefonat gegenseitige Hilfe zu, wie die türkische Regierung mitteilte.

Immer wieder Erdbeben

In der Türkei gibt es immer wieder schwere Erdbeben, da das Land auf mehreren seismischen Platten liegt. Im Januar waren mehr als 40 Menschen nach einem Erdbeben der Stärke 6.7 in Elazig im Osten des Landes ums Leben gekommen. 2011 starben bei einem Beben der Stärke 7.1 in der Provinz Van mehr als 600 Menschen. Und 1999 kamen bei einem Beben der Stärke 7.4 mehr als 17'000 Menschen in Izmit, Istanbul und anderen Orten ums Leben.

(dsc/sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Illegale Abschiebungen: Schweiz droht mit Abzug von Frontex-Beamten

Die Europäische Grenzschutzagentur Frontex ist Vorwürfen über illegale «Pushbacks» ausgesetzt. Die Schweiz, die ebenfalls Frontex-Beamte an die EU-Aussengrenze schickt, zieht jetzt eine rote Linie.

Die Europäische Union mag immer öfter den Eindruck eines zerstrittenen Haufens erwecken. In einem aber ist man sich einig: Der Schutz der Aussengrenzen muss gestärkt werden. Nie wieder soll sich der Kontrollverlust von 2015 wiederholen, als hunderttausende von Migranten irregulär in die EU eingewandert sind.

Und auch die Schweiz als Schengen-Mitglied stimmt regelmässig in den Chor ein und fordert einen besseren Schutz der Aussengrenzen. Zuletzt beim Treffen der EU-Justizminister Mitte November, …

Artikel lesen
Link zum Artikel