USA
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Hier wird Trumps Ex-Wahlkampfchef festgenommen – nach Notruf von Ehefrau



epa08255954 Brad Parscale (R), campaign manager for Trump's 2020 re-election campaign, and Lara Trump (L), the wife of Eric Trump, speak at the 47th annual Conservative Political Action Conference (CPAC) at the Gaylord National Resort & Convention Center in National Harbor, Maryland, USA, 28 February 2020. The American Conservative Union's CPAC continues through 29 February.  EPA/ERIK S. LESSER

Trumps Ex-Wahlkampfchef Brad Parscale im Gespräch mit Lara Trump, Februar 2020. Bild: EPA

Der im Juli degradierte frühere Wahlkampfchef von US-Präsident Donald Trump, Brad Parscale, ist von der Polizei festgenommen und in eine Psychiatrie gebracht worden.

Aus dem am Montag (Ortszeit) veröffentlichten Bericht der Polizei in Fort Lauderdale im US-Bundesstaat Florida geht hervor, dass Parscales Ehefrau Candice Parscale die Beamten am Sonntag gerufen hatte, weil sie einen Suizidversuch ihres Ehemannes befürchtet habe. Nachdem der unter Alkoholeinfluss stehende 44-Jährige auf Aufforderung der Polizei aus seinem Haus gekommen sei, sei er von Einsatzkräften überwältigt worden.

Mitte Juli gefeuert – wegen Tulsa?

Der Republikaner Trump hatte Parscale Mitte Juli durch dessen Stellvertreter Bill Stepien ersetzt. Trump teilte damals mit, Parscale bleibe hochrangiger Berater des Wahlkampfteams und zuständig für digitale Strategien.

Zuvor war ein wegen der Corona-Pandemie umstrittener Wahlkampfauftritt von Trump in Tulsa im Bundesstaat Oklahoma zu einem Debakel geworden, weil Tausende Plätze in der Halle leer blieben.

Parscale geriet auch wegen seiner Wahlkampfausgaben in die Kritik. Trump liegt in Umfragen hinter seinem Herausforderer Joe Biden von den US-Demokraten. Die Wahl ist am 3. November.

Parscale arbeitete schon lange für Trump, schon bevor dieser das Präsidentenamt anvisierte. In der Wahlkampagne 2016 galt er als Digital-Spezialist, der es dem Team um Trump ermöglichte, Wähler sehr gezielt mit auf sie zugeschnittenen Botschaften in sozialen Medien zu ködern. Er galt damit als Schlüsselfigur im Skandal um die Datenfirma Cambridge Analytica, die Facebook-Daten verwendete. Der Wahlkampf-Manager bestritt, dass die Firma eine massgebliche Rolle in Trumps Kampagne spielte.

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Video: watson/Emily Engkent, Corsin Manser

Das steht im Polizeibericht

Im Polizeibericht hiess es, Candice Parscale habe die Polizisten vor dem Haus empfangen. Sie habe ausgesagt, dass Brad Parscale bei einem Streit vor ihren Augen eine Waffen geladen habe – er sei dabei betrunken gewesen. Sie sei daraufhin aus dem Haus geflohen und habe danach einen lauten Knall gehört.

Vehicles are parked in the driveway of house belonging to President Donald Trump's former campaign manager Brad Parscale, Monday, Sept. 28, 2020, in Fort Lauderdale, Fla. Florida police and campaign officials say Parscale has been hospitalized after he threatened to harm himself the day before. (AP Photo/Wilfredo Lee)
Andrew Gillum

Das Haus von Parscale. Bild: keystone

Brad Parscale habe in der vergangenen Woche mehrfach damit gedroht gehabt, sich zu erschiessen. Die Polizei veröffentlichte die Aufnahme einer Körperkamera, auf der zu hören ist, wie ein Beamter Parscale am Telefon dazu überredet, unbewaffnet aus seinem Haus zu kommen.

Auf der Aufnahme ist zu sehen, wie Parscale – bekleidet nur mit einer Shorts und einer Schirmmütze und mit einer Bierdose in der Hand – das Haus verlässt. «Sie fing damit an, diese ganze Scheisse zu sagen», sagt Parscale, bevor der fast zwei Meter grosse Mann von Einsatzkräften auf den Boden geworfen und mit den Händen auf dem Rücken gefesselt wird. «Ich habe nichts getan», ruft er mehrfach. Im Polizeibericht hiess es, Candice Parscale habe Prellungen an den Armen gehabt, die nach ihren Angaben von einer früheren körperlichen Auseinandersetzung mit ihrem Ehemann stammten.

Das Video der Verhaftung:

Weiter hiess es im Polizeibericht, Polizisten hätten zehn Schusswaffen von Parscale sichergestellt. Wegen Parscales gewalttätigem Verhalten, wegen seines Alkoholkonsums, seines aufgewühlten Geisteszustands und früherer Suiziddrohungen sei beschlossen worden, den 44-Jährigen in eine Psychiatrie zu bringen. Grundlage ist ein Gesetz in Florida, das eine psychiatrische Untersuchung auch gegen den Willen des Betroffenen erlaubt, wenn dieser eine Bedrohung für sich selbst oder für andere darstellen könnte.

So äussert sich Trumps Wahlkampfteam

Der Sprecher von Trumps Wahlkampfteam, Tim Murtaugh, teilte am Montag mit: «Unsere Gedanken sind bei Brad und seiner Familie, während wir darauf warten, dass alle Fakten ans Licht kommen.» Am Sonntag hatte Murtaugh nach Angaben von US-Medien noch Angriffe von Demokraten und Trump-kritischen Republikanern auf Parscale mitverantwortlich für den Vorfall gemacht.

«Sie sollten sich dafür schämen, was sie diesem Mann und seiner Familie angetan haben», teilte er demnach mit. Trump äusserte sich zunächst nicht zur Festnahme Parscales, der bereits im erfolgreichen Wahlkampf 2016 eine wichtige Rolle gespielt hatte. (jaw/t-online/sda/dpa)

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Steasy 29.09.2020 21:36
    Highlight Highlight Vielleicht könnte man den Herrn mal fragen, wie es sich anfühlt am empfangenden Ende von "Law and order" zu sein.
  • So oder so 29.09.2020 19:57
    Highlight Highlight Da hatte er aber Glück das er Weiss ist - die Bierdose hätte Gut für eine Waffe gehalten werden können.

    Ein Bisschen Tasern hätten sie schon können.
  • Nony 29.09.2020 19:00
    Highlight Highlight Den Falschen verhaftet
  • Bratansauce 29.09.2020 17:35
    Highlight Highlight Perfektes Beispiel des Mindsets amerikanischer Polizisten: Einfach erstmal eindreschen
  • Evan 29.09.2020 14:58
    Highlight Highlight komplett unnötige Gewalt
  • insert_brain_here 29.09.2020 14:05
    Highlight Highlight Auch wenn der Typ ein Kotzbrocken ist: "Festgenommen" und "wegen Selbstgefährdung in die Psychiatrie eingewiesen" sind zwei ganz unterschiedliche Dinge.
  • GERTY 29.09.2020 12:47
    Highlight Highlight Was zum Teufel stimmt mit den Cops in den USA nicht?! Der Mann hat den Berichten zufolge ein psychisches Problem, ja. Er ist im Besitz von Waffen, ja. Und in Florida gibt es Gesetze, die es der Polizei erlaubt Menschen in oben genannter Lebenssituation "abzuholen" und in eine Psychiatrie einzuliefern, ja.

    Aber so, wie diese Cops einen sich ruhig verhaltenden Menschen runtertackeln ...das darf es einfach nicht sein. In keinem Fall.

    Ich erwarte von PolizistInnen kein Soziale Arbeit-Studium. Aber was zum Teufel lernen die US-Cops in ihrer Ausbildung bezüglich gewaltfreier Kommunikation.
  • Bluestar Bannen 29.09.2020 12:29
    Highlight Highlight Eigendlich nur ein Bericht über eine Persönliche Tragödie!
    Hoffe für die Familie, das der Herr sich wieder in den griff bekommt!
    Das Wahlkampf Team das die Demokraten dafür Verantwortlich machen, sind nur Lächerlich!
    Wen der Meister, der König der Dreckschleudern ist, ist es wirklich nur Peinlich, andere wegen angeblichen Diffamierungen, den kollaps eines Mitarbeiters, in die Schuhe zu schieben.
    Was mussten sich andere von Trump anschwärzen lassen. Und dass auf allen Kanälen!
  • ConcernedCitizen 29.09.2020 12:12
    Highlight Highlight Ok, und warum genau wurde er zu Boden geworfen? Die US Polizei spinnt ja echt.
  • Toerpe Zwerg 29.09.2020 11:32
    Highlight Highlight Wieso schmeissen die den Mann um?
    • ItsMee 29.09.2020 11:40
      Highlight Highlight in den USA wäre die Alternative zu schiessen ... ist doch schon viel besser :P
    • Vanessa_2107 29.09.2020 11:57
      Highlight Highlight So können sie ihn wohl besser festnehmen, brachial, da könnte man sich effektiv verletzen. Er ist ja fast 2 m gross. Bin auch gerade erschrocken..😱😳
    • Kampfsalami 29.09.2020 12:36
      Highlight Highlight Auch wenn ich den Typen nicht leiden kann: Ausnahmsweise Mal der gleichen Meinung wie du. Aber besser als erschiessen🤷.
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