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27.05.2020, Baden-Württemberg, Stuttgart: Eine Passantin hält auf der Königstraße einen Mund-Nasen-Schutz und ein Smartphone in der Hand. Die CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl in Baden-Württemberg 2021 und Kultusministerin im Bundesland, Eisenmann, hat sich für eine verständlichere Grundlage für die Corona-Verordnung ausgesprochen. Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Marijan Murat)

Die Schweizer Corona-Warn-App könnte demnächst offiziell starten. Könnte ... Bild: DPA

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Brennende Fragen zur SwissCovid-App und ein kalifornischer Elefant im Raum

National- und Ständerat entscheiden über die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Schweizer Corona-Warn-App. Das sind die wichtigsten Punkte.



Dieser Tage entscheidet sich das «Schicksal» der Schweizer Corona-Warn-App. Das eidgenössische Parlament berät an seiner Sommersession in Bern die gesetzlichen Rahmenbedingungen, damit SwissCovid lanciert werden kann.

Die Ausgangslage

Es braucht eine Änderung des Epidemiengesetzes (EpG). Nur wenn die vom Bundesrat erarbeitete dringliche Vorlage angenommen wird, kann das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Smartphone-App noch im Juni offiziell lancieren.

Seit dem 25. Mai läuft die offizielle Pilotphase, um das Tracing-System zu testen. Das Entwicklerteam von DP-3T prüft in separaten Experimenten die Genauigkeit der Bluetooth-Distanzschätzungen, die über die Apple-Google-Software (Exposure Notification API) auf iPhones und Android-Handys ablaufen. Wobei anzumerken ist, dass die Ingenieure von Apple und Google auch noch an der Kalibrierung der Proximity-Technologie arbeiten und die API fortlaufend verbessern.

Der Ständerat befasst sich am Mittwoch, 3. Juni, mit dem Tracing-System, der Nationalrat am Montag, 8. Juni.

Wenn man die Vorberatungen in den parlamentarischen Kommissionen betrachtet, dürfte die Schweizer Corona-Warn-App problemlos genehmigt und lanciert werden.

Die folgenden Punkte werden bei den eidgenössischen Politikerinnen und Politikern zu diskutieren geben. Und ihre Klärung ist mitentscheidend über Erfolg oder Misserfolg: Aus epidemiologischer Sicht gilt es, möglichst viele Smartphone-Besitzer zu überzeugen, die App freiwillig zu nutzen.

Wann ist der frühestmögliche Termin für die offizielle Lancierung der SwissCovid-App? Dazu teilt das Bundesamt für Gesundheit auf Anfrage mit:

«Das Parlament wird beraten und abstimmen, danach muss die zugehörige Verordnung durch den Bundesrat verabschiedet werden. Ein genaues Datum können wir Ihnen nicht nennen.»

Gregor Lüthy, BAG

Gratis-Tests für App-Nutzer?

Die nationalrätliche Kommission verlangt, dass für die App-User kostenlose Covid-19-Tests verfügbar sind. Dies aber nur für diejenigen Smartphone-Besitzer «die eine Benachrichtigung der SwissCovid-App erhalten, weil sie sich zu lange nahe einer infizierten Person aufgehalten haben».

Die ständerätliche Kommission hat dem Bundesrat empfohlen, die Kostenübernahme für diese Covid-19-Tests von App-Nutzern möglichst «rasch zu klären».

Lohnfortzahlung bei freiwilliger Quarantäne?

Die ständerätliche und die nationalrätliche Kommission empfehlen dem Bundesrat übereinstimmend, eine Lösung zu finden für den Erwerbsausfall bei Personen, die sich nach einem Warnhinweis in Quarantäne begeben. So sollen Anreize für eine breite Nutzung der App geschaffen werden.

Eine Minderheit der nationalrätlichen Kommission beantragt, dass Personen, die sich nach einer Benachrichtigung durch die App testen lassen und in Quarantäne begeben, dafür gegebenenfalls Erwerbsersatz erhalten sollen.

Überprüfbarkeit der Software?

Der Bundesrat sieht in seiner Vorlage zum Tracing-System vor, dass die technischen Details und der Quellcode der SwissCovid-App öffentlich gemacht werden müssen.

Die ständerätliche Kommission möchte dies um einen Passus ergänzen, «wonach die App nachweislich aus dem veröffentlichten Quellcode erstellt worden sein muss».

Damit käme man einer Forderung nach, die schon die unabhängigen IT-Sicherheitsexperten vom Chaos Computer Club (CCC) formuliert hatten. Nämlich dass die App-Funktionen durch Quelloffenheit (Open Source) und Reproduzierbarkeit («Reproducible Builds») gewährleistet sein müssen.

Bekanntlich können Dritte den vom DP-3T-Entwicklerteam veröffentlichten App-Programmcode von der Github-Plattform beziehen und eigenhändig kompilieren, also daraus eine App erstellen. Und diese App muss in wichtigen Punkten identisch sein mit der offiziellen App-Version, die im App Store von Apple, bzw. Google Play Store, erhältlich ist.

Der kalifornische Elefant im Raum

Die Westschweizer Informatik-Professorin Solange Ghernaouti, eine international bekannte Expertin für Cybersicherheit, formuliert in einem aktuellen Blogbeitrag Fragen, die sich in Zusammenhang mit der SwissCovid-App stellen.

Dabei legt sie den Finger auf den wunden Punkt, den auch andere unabhängige Experten als möglichen Schwachpunkt ausgemacht haben: die Abhängigkeit der Schweizer App von der Apple-Google-Software, die nicht quelloffen (Open Source) ist.

Bekanntlich ist die SwissCovid-App von Schweizer Software-Spezialisten entwickelt worden (massgeblich von Entwicklern der Zürcher Firma Ubique, die sich früh dem DP-3T-Team angeschlossen hatte). Und auch die Server-Infrastruktur ist eine «Schweizer Lösung», sie stammt vom Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) und weiteren Amtsstellen.

Ghernaouti ruft in Erinnerung, dass die Apple-Google-Software (siehe unten) aber nicht überprüfbar sei.

«Wie kann Vertrauen in einen von Apple/Google entwickelten, implementierten und verwalteten Computercode aufgebaut werden, wenn es unmöglich ist, ihn von unabhängigen Stellen testen oder prüfen zu lassen?»

Bekanntlich baut die Bluetooth-basierte Proximity-Tracing-App auf der «Exposure Notification»-Schnittstelle (API) auf, die in die mobilen Betriebssysteme iOS und Android integriert ist. Die Apple-Google-Software ist ein unverzichtbares Kernstück des Schweizer Tracing-Systems, das die automatischen Distanzschätzungen über Bluetooth Low Energy (LE) durchführt und relevante Werte an die Tracing-App weitergibt. Ausgehend von diesen Werten berechnet die App das Infektionsrisiko, das heisst die Wahrscheinlichkeit einer Covid-19-Ansteckung, wenn zwei Smartphones über eine gewisse Zeit (15 Minuten pro Tag) relativ nah (2 Meter) beieinander waren. Dabei müssen verschiedene Einflüsse berücksichtigt werden, wie etwa die Dämpfung, Signalstärke etc.

Die grosse, bislang unbeantwortete Frage ist, wie zuverlässig und genau die Distanzschätzung über Bluetooth-LE-Signale funktioniert. Apple und Google sind immer noch am Kalibrieren der Technik, weil die App ja auf sehr vielen verschiedenen Smartphone-Modellen läuft, die sich bezüglich Bluetooth-Funksignalen teils massiv unterscheiden. Das Entwicklerteam von DP-3T führt seinerseits Experimente durch, um die Zuverlässigkeit der Apple-Google-Schnittstelle zu prüfen und um die eigenen Risikoberechnungen zu verbessern.

Bleibt abzuwarten, welche Messwerte und wissenschaftlich überprüfbaren Informationen DP-3T in den kommenden Tagen und Wochen zur Bluetooth-basierten Proximity-Technologie von Apple und Google zur Verfügung stellt.

Das Problem der vollständigen Überprüfbarkeit dürfte bestehen bleiben. Informatik-Professorin Ghernaouti:

«Welche unabhängigen Stellen können ohne Interessenkonflikt die Robustheit, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Einhaltung der Vorschriften des SwissCovid-Systems in seiner Gesamtheit überprüfen?»

Die unbestrittenen Punkte

Parlament und Bundesrat sind sich schon in weiten Teilen einig, was das geplante Tracing-System betrifft.

Wirst du die SwissCovid-App freiwillig nutzen?

Quellen

Alles über die Schweizer Corona-Warn-App

Was Schweizer und Ausländer unbedingt über die SwissCovid-App wissen sollten

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SwissCovid ist da – das sind die wichtigsten Fragen zum offiziellen Start der Tracing-App

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alnothur 03.06.2020 22:02
    Highlight Highlight Ich kann die App nicht mal nutzen, weil mir keine Google Play Services auf mein Handy kommen.
  • Gubbe 03.06.2020 10:26
    Highlight Highlight Sollte diese App wirklich mal aufgeschaltet werden, ist sie dann nicht schon 'veraltet'? Damit möchte ich sagen, dass es schon sehr lange dauert. Ich möchte mit so einer App eigentlich viel weiter gehen, und sie so gestalten, dass der Anwender verschiedene ansteckende Krankheiten für sich auswählen kann. Da ich kein IT-ler bin, weiss ich nicht, ob das möglich ist. Vielleicht ist es aber ein kleiner Anstoss...
    • Töfflifahrer 03.06.2020 16:56
      Highlight Highlight Ist theoretisch machbar, dazu braucht es aber den Gesetzgeber, die Ärzte und denselben Viren-Übertragungsweg und auch Kontakdauer, einfach dieselben Parameter wie das jetzige Corona Virus aufweist. Das ist dann eher unüblich. Also macht dies auch keinen Sinn.
  • Schaaggi 03.06.2020 09:14
    Highlight Highlight Könnte Watson mal abchecken, ob es generell so ist, dass GPS aktiviert sein muss damit die App funktioniert?

    Ich weiss, dass DP-3T auf Bluetooth basiert. Und ich vertraue den App-Herausgebern auch, dass sie nicht plötzlich GPS Daten zugreifen.

    Auf meinem Android 9 erscheint aber folgende Warnung, dass Location eingeschaltet werden muss. Es ist auch via schnelle Google Suche sichtbar, dass Google das so designt hat. (https://www.google.com/search?q=why+ble+needs+Location)

    Gibt es Möglichkeiten das zu Unterdrücken? Die "Immuni" App aus Italien hat bei mir das gleiche Verhalten.

    Benutzer Bild
    • aye 03.06.2020 12:08
      Highlight Highlight GPS kann man deaktivieren, ohne dass die Fehlermeldung erscheint.

      Die Standortbestimmung muss aber aktiviert sein. Grund dafür ist, dass über einen Bluetooth-Scan unter Umständen die Position des Nutzers hergeleitet werden kann. Damit dies dem Benutzer beim Verwenden einer App klar ist, macht Google die Bluetooth-Berechtigung von der Zustimmung zur Positions-Berechtigung abhängig.

      Kann es sein, dass du nicht nur GPS sondern die Standortbestimmung komplett deaktiviert hast? Versuch doch mal, in den Einstellungen zumindest die Option über «W-Lan, Bluetooth oder Mobilfunknetz» zu aktivieren...
    • darkgrey 03.06.2020 15:15
      Highlight Highlight Soweit ich weiss braucht die Google/Apple Schnittstelle rudimentäre Ortung.
      Die App selber kann nicht auf GPS zugreifen.
    • Schaaggi 04.06.2020 07:48
      Highlight Highlight @aye: Exakt, von früheren Versionen als Android 9 kenne ich diese Einstellung "WLAN, Bluetooth und Mobilfunk".
      Entweder liegt's an Android 9, oder Sony hat's verändert (ist bei den Xperias sonst recht nahe an Vanilla dran), oder ich bin zu dumm die Einstellung zu finden obwohl ich länger gesucht habe.

      Irgendwie hab ich das Gefühl, dass ich diese App dann wohl doch nicht benutze. Bin ausser im Supermarkt (dort ist die Zeitdauer sowieso zu kurz) aktuell ohnehin nicht unter den Leuten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • ands 03.06.2020 08:42
    Highlight Highlight «Wie kann Vertrauen in einen von Apple/Google entwickelten, implementierten und verwalteten Computercode aufgebaut werden, wenn es unmöglich ist, ihn von unabhängigen Stellen testen oder prüfen zu lassen?»
    Nach dieser Logik kann keine App getestet oder geprüft werden. Schliesslich nutzt jede App Schnittstellen zum Bildschirm, zur Tastatur, zur Internetverbindung, ... Die sind alle nicht Open Source. Wer so wenig Vertrauen in den Hersteller seines Betriebssystems hat, sollte das Betriebssystem wechseln.
  • joe 03.06.2020 07:38
    Highlight Highlight Ich hab das App ein paar Tage getestet (gut was will man da gross testen). Der Link war ja hier bei Watson. Inzwischen hab ich es wieder gelöscht. Für mich war wichtig, dass der Ladezustand nicht leidet. Da tat er auch nicht. Zumindest nicht merklich. Was ich aber bei den Einstellungen bei Batterie gefunden habe, gefiel mir gar nicht (siehe Bild).

    Health von Apple führt anscheinend ein Covid-19 Kontaktprotokoll. Wenn ich ein App unnütz und als Datensammler betrachte dann ist es Apple Health. Somit brauche ich jetzt gute Begründungen, dass ich es mir wieder lade!
    Benutzer Bild
    • Michele80 03.06.2020 08:08
      Highlight Highlight Weiss jemand ob das z.B. bei Samsung Heath auch der Fall ist?
    • @schurt3r 03.06.2020 08:23
      Highlight Highlight Hey Joe, ich verstehe deine Bedenken zu «Apple Health» nicht. Die SwissCovid-App (auf dem iPhone) legt die nicht zurückverfolgbaren Kontaktdaten ab unter > Einstellungen > Datenschutz > Health > COVID-19-Kontaktprotokoll

      Das Kontaktprotokoll speichert die anonymen Daten der letzten 14 Tage. Wo ist das Problem?

    • ands 03.06.2020 08:44
      Highlight Highlight Du installierst eine App, deren einzige Funktion es ist, anonymisierte Kontaktdaten lokal zu speichern und wunderst dich, dass sie anonymisierte Kontaktdaten lokal speichert?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Kaktus Salat 03.06.2020 07:17
    Highlight Highlight Punkt 1 & 2 vs. "gesetzliches Diskriminierungs-Verbot"

    Zum Glück wurde nicht beim EU Pausenclown Axel Voss abgekupfert.

    Der Elefant im Raum ist DER Grund warum es das Diskriminierungs-Verbot braucht. Was Appoogle in der API (oder im Zusammenhang damit) machen ist grösstenteils unbekannt. Die Möglichkeiten der Datensammelei und anderer Schummeleien gross.
  • Dave1974 03.06.2020 07:14
    Highlight Highlight Mal eine Frage:
    Könnt ihr bei euren "Umfragen" auch einblenden, wieviele vermeintlich dabei mitgemacht haben?

    Einfach nur um abschätzen zu können wie repräsentativ die Chose in Wahrheit ist.
    • Sarkasmusdetektor 03.06.2020 15:54
      Highlight Highlight Die Anzahl macht solche Umfragen auch nicht repräsentativer. Vor allem, weil man durchaus ohne grössere Probleme mehrfach abstimmen kann.
  • DrDeath 03.06.2020 07:07
    Highlight Highlight Wenn man Google/Apple dahingehend nicht vertraut, sollte man sich vielleicht generell überlegen, was man da im Hosensack mit sich herumträgt. Die Geräte der Hersteller zu verwenden, aber die App aus Misstrauen gegen die gleichen Hersteller zu boykottieren, wäre ziemlich schizophren.
  • lilie 03.06.2020 07:00
    Highlight Highlight Gratistests für App-Benutzer: Das verletzt eindeutig das Diskriminierungsverbot.

    Zudem können sich ja auch App-Nutzer bei Nicht-App-Nutzern anstecken und kriegen dann Symptome, aber keine Warnung. Würden sie dann plötzlich für den Test bezahlen müssen? Das gibt nur Chaos.

    Am besten Gratistests für alle. Oder auch gut: Eine kleine Kostenbeteiligung, z.B. Fr. 20.-.
    • kettcar #lina4weindoch 03.06.2020 08:01
      Highlight Highlight Naja, es geht einfacher: Gratistest für potentiell exponierte Personen. Das heißt, egal ob über App oder Offline Contact Tracing (durch den Kantonsarzt). Viele scheinen zu vergessen, dass die App nur eine Unterstützung für das Contact Tracing und nicht das Contact Tracing an sich ist.
    • lilie 03.06.2020 08:29
      Highlight Highlight @kettcar: Das stört mich auch an der App-Diskussion.

      Finde ich eine gute Lösung: Gratistest für alle, die mit einer infizierten Person in Berührung kamen. 👍

      Und was machst du mit den Leuten mit Symptomen? Volle Kosten, Kostenbeteiligung oder auch gratis?
    • Burn 03.06.2020 10:31
      Highlight Highlight Finde auch, dass unnötigen Hürden angebaut werden sollten. Obligatorische Krankenkassen sollten den Test übernehmen müssen unter Befreiung von Franchise (evt auch ohne Selbstbehalt) wenn ein Kontakt mit einer infizierten Person stattgefunden hat oder Symptome auftreten. Liegt doch im Allgemeininteresse. Bei wenigen Präventivuntersuchungen ist dies schon üblich.
      Bisher wurde der Coronatest nur auf die Liste genommen, welche die KK bezahlen muss, was aber wenig nützt mit Franchise.
    Weitere Antworten anzeigen
  • skynet 03.06.2020 06:30
    Highlight Highlight Go for it... I'm waitin'

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