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Der Böögg in Uri? Zehn weitere Kuriositäten aus der Geschichte des Sechseläuten



Bereits im Dezember entschieden sich die Zunftmeister, das Sechseläuten wegen zu unsicheren Zukunftsaussichten abzusagen. Der Gastkanton Uri wurde damit ein zweites Mal vertröstet und entschied sich kurzerhand, sich vom Gast- zum Gastgeberkanton zu mausern. Denn das Zentralkomitee und der Kanton Uri einigten sich darauf, dass der Böögg 2021 nicht auf dem Sechseläutenplatz, sondern auf der Teufelsbrücke in der Schöllenenschlucht verbrannt wird.

«Der Böögg kann in der Schöllenenschlucht wegen der abgeschiedenen Lage besser vom Publikum abgeschirmt und sicher verbrannt werden, damit die BAG-Vorschriften eingehalten werden können», so die Veranstalter in einer Mitteilung. Das Ritual des Frühlingsfestes wird damit erstmals nicht im Kanton Zürich ausgeführt. Das Ganze wird aber live auf SRF1, TeleZüri und Tele1 übertragen.

Es ist jedoch nicht die erste kuriose Böögg-Verbrennung. Immer wieder kam am Sechseleuten-Montag zu kuriosen, lustigen aber auch traurigen Szenen. Wir haben euch die interessantesten Begebenheiten herausgesucht:

Am traditionellen Sechselaeuten vom 19. April 1993 in Zuerich will der Boeoegg nicht so abrennen wie erwartet, sondern stuerzt zur Seite und entgeht so den Flammen. Schliesslich muss der Kopf des Boeoeggs eigenhaendig ins Feuer geworfen werden. (KEYSTONE/Str)

1993 wollte der Böögg nicht so recht – und stürzte mitsamt Scheiterhaufen zu Boden. Bild: KEYSTONE

Sechseläuten

Das Sechseläuten ist ein Feuerbrauch und Frühlingsfest in Zürich. Das Verbrennen des «Bööggs» symbolisiert die Vertreibung des Winters. Der «Böögg» ist ein mit Holzwolle und Knallkörpern gefüllter künstlicher Schneemann. Auf einem 10 Meter hohen Scheiterhaufen gesetzt, wird er um Schlag 18 Uhr (Sechseläuten) angezündet. Je schneller er verbrennt, desto schneller soll der Sommer beginnen und dementsprechend auch länger und sonniger ausfallen – das behauptet zumindest der Volksmund.

Entführt und sabotiert

ZUR ABSAGE DES KANTONS LUZERN AM DIESJAERIGEN SECHSELEUTEN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Mit Luzern hat erstmals ein Kanton seine Zusage als Gast am Zuercher Sechselaeuten zurueckgezogen. Die Regierung begruendet die Absage mit mehreren aehnlichen Auftritten und der finanziellen Belastung. Sie rechnete wie andere Kantone mit Ausgaben gegen 500'000 Franken. ---  Die Schweizer Luftwaffe fliegt mit Propeller-Flugzeugen vorbei wahrend der Boeoegg brennt, anlaesslich des traditionellen Sechselaeutens am Montag, 15. April 2013, in Zuerich. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Zu früh angezündet und geklaut – auch das kam in der Geschichte des Bööggs schon vor. Bild: KEYSTONE

1921 brannte der Böögg bereits um halb zwei Uhr. Eine Gruppe von Kommunisten hatte einen Knaben angestiftet, das Feuer zu legen. Sie wollten damit gegen die hohe Zahl von Arbeitslosen protestieren. In Windeseile wurde der Ersatzböögg auf der Brandstätte aufgerichtet. Und Punkt sechs Uhr brannte er ein zweites Mal. Als Zeichen des zünftischen Protestes war ihm eine rote Fahne mitgegeben worden, die mit in den Flammen unterging.

Noch schlimmer kam es im Jahr 2006 – damals wurde der Böögg noch bevor er auf den Scheiterhaufen gestellt werden konnte, geklaut. Am Tatort wurde ein Schreiben hinterlegt, die Gruppe «1. Mai – Strasse frei» bekannte sich zur Tat. Am Sechseläuten selbst kam ein Ersatzböögg zum Einsatz, der eigentlich für den Kinderumzug vorgesehen war.

Zack und weg 'is er!

Ein eher lustiger Fauxpas passierte einst Alt-Bundesrat Christoph Blocher. Der fiel nämlich während Gillis-Talkshow vom Podest – und das wurde live im Fernsehen von Tele Züri aufgezeichnet.

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«Ui, jesses jetzt gheit dä Herr Blocher no vom Podest» Video: YouTube/loofighter

Trauriger Todesfall

2015 kam es zu einem tragischen Todesfall: Ein Pferd starb während der Verbrennung des Bööggs. Der Tierschutzbund Zürich kritisierte den Anlass darauf als zu stressig für die Tiere. Die anschliessende Obduktion ergab aber, dass nicht Stress zum Tod des 24 Jahre alten Pferdes geführt hatte, sondern eine Herzrhythmusstörung.

Reiter einer Zunft galoppieren um den brennenden Boeoegg, anlaesslich des traditionellen Sechselaeutens am Montag, 13. April 2015, in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Members of a guild ride around the

Bild: KEYSTONE

Die Teilnahme eines Pferdes am Zürcher Sechseläuten ist für das Tier aber nicht stressiger als eine Spring- oder Dressurprüfung. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich, die später veröffentlicht wurde.

The «Brätli-Place» to be

Menschen verweilen und grillieren auf dem Platz nach dem traditionellen Sechselaeutens am Montag, 13. April 2015, in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Alle kommen nur zum Würste grillieren. Bild: KEYSTONE

Egal was behauptet wird – Tradition hin oder her. Eigentlich strömen die Besucher des Sechseläuten nur zum Böögg, weil sie nach dessen Explosion ihre Würstchen bräteln wollen. Denn auf der Glut des Scheiterhaufens lässt sich's wunderbar grillieren.

Update:

Dieser Artikel wurde bereits 2017 publiziert. Wir haben uns aus aktuellem Anlass entschieden, ihn in überarbeiteter Form nochmals zu bringen.

Keine Frauen

Strahlende Gesichter der Frauenzunft beim traditionellen Umzug Zug der Zuenfte am Sechselaeuten in Zuerich am Montag, 13. April 2015. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Bild: KEYSTONE

Lange waren Frauen vom Sechseläuten-Umzug ausgeschlossen. Dank eines Kniffs dürfen sie nun aber doch mitlaufen – die Frauenzunft wird zum Dauergast der «Gesellschaft zur Constaffel». Mitmarschieren dürfen die Damen aber nur tagsüber – am Abend sind die Zunft-Aktivitäten weiterhin nur den Männern vorbehalten.

Köppel der Kameltreiber

Roger Köppel am Sechseläuten: Beim Umzug der Zünfte verkleidete sich der SVP-Politiker als Kameltreiber, inklusive Blackfacing.

Roger Köppel ist wohl das bekannteste Mitglied der Zunft Kämbel: Als Kameltreiber lief er 2016 über die Bahnhofstrasse. bild: keystone

Kuriose Verkleidungen gehören zu den Zünften dazu. Auch dass sich ab und an Politiker in «Schale» werfen und am Umzug als Ehrengäste mitmarschieren gehört dazu. Manchmal findet sich aber auch der eine oder andere modische Fehltritt – wie damals, als sich Roger Köppel noch ein bisschen braune Farbe ins Gesicht schmierte, um als Kameltreiber noch authentischer zu wirken.

Der gefallene Böögg

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Ab 00:48 stürzt der Böögg seinem Unheil entgegen. Video: YouTube/araravideos

Dramatische Szenen ereigneten sich im Jahr 1993: Damals wollten weder Böögg noch Scheiterhaufen so richtig. Letzterer fiel nämlich mitsamt Schneemann auf den Platz und brannte dort munter weiter. Der Kopf des Bööggs musste anschliessend von Hand wieder ins Feuer geworfen werden, damit er überhaupt explodierte.

Fliegende Fische

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«Rotauge», so heisst der Fisch, der am Sechseläuten in die Menge geworfen wurde. Er galt lange als ungeniessbar, weil er zu viele Gräte hat. bild:wikipedia/kallerna

Die Zunft zur Schiffleuten pflegte einen ganz besonderen Brauch. Die Jungzünfter warfen nämlich tote Fische ins Publikum – an der Bahnhofstrasse gerne auch in geöffnete Fenster in den oberen Etagen oder auf Balkone.

Doch das ist nun vorbei, seit 2016 werden keine echten Fische mehr geworfen. Die Zunft reagiert auf Kritik von Tierschützern und Berufssfischern. Der Fischwurf war ein Zeichen für die Ernährung des Volkes in vorreformatorischen Zeiten. Damals wurden die Bewohner nämlich freitags und in der Fastenzeit mit Fischen versorgt.

Kürzeste Brenndauer

Der Boeoegg brennt und explodiert teilweise, anlaesslich des traditionellen Sechselaeutens am Montag, 13. April 2015, in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza) 

The head of the

Am längsten brannte der Böögg 2016 – und das qualvolle 43 Minuten lang. Bild: KEYSTONE

1956 jagte es dem Böögg den Kopf schon nach weniger als 4 Minuten weg. Das ist die kürzeste Brennzeit seit es die Tradition gibt. Am längsten brannte er 2016 – nach qualvollen 43 Minuten war es dann endlich um den Schneemann geschehen.

Obwohl im Volksmund behauptet wird, dass die Brennzeit des Bööggs einen direkten Einfluss auf die Anzahl Sommertage hat, gibt es statistisch gesehen keinen signifikanten Zusammenhang. Die Prognosen stimmen folglich nicht immer – ausser im Jahr 2003. Damals explodierte das Haupt des Bööggs schon nach 5 Minuten und 42 Sekunden und die Schweiz wurde mit sagenhaften 65 Sommertagen beschenkt.

Der Böögg im Hafen

Tiefgeflogen

Eine Luftaufnahme von 1951 – da konnte der Böögg wieder auf der Sechseläuten-Wiese verbrannt werden. Bild: ETH-bibliothek Zürich/Werner Friedli

Während der Anbauschlacht, 1944 fand das Sechseläuten im Hafen Enge statt, da auf der Sechseläutenwiese Gemüse angepflanzt wurde. Dabei kippte der «Böögg» in den Zürichsee.

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