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Davos' Sportchef Raeto Raffainer, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und Geneve-Servette HC, am Samstag, 16. November 2019, im Eisstadion in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Natürlich keine echte Ente: Raëto Raffainer. Bild: KEYSTONE

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Eine lahme HCD-Ente wartet auf den Flug nach Bern

Noch vor Saisonende soll HCD-Sportdirektor Raëto Raffainer seine Arbeit in Bern aufnehmen. Vorerst bleibt er beim HC Davos und hat nichts mehr zu sagen.



Der künftige «Chief Sport Officer» – Google übersetzt diesen hochtrabenden Titel schlicht mit «Sportchef» – beantwortet alle Erkundigungen zum SC Bern gleich: «Ich bin noch nicht in Bern. Ich bin nach wie vor in Davos.» Lediglich in einer Sachfrage gibt Raëto Raffainer Auskunft: «Magnus Nygren ist kein Thema für den SCB». Es gibt Gerüchte, der 30-jährige HCD-Schwede werde nächste Saison beim SCB verteidigen.

Ein Lesetipp des Eismeisters

In anderthalb Jahren hat der SC Bern eine meisterliche Dynastie durch sportliches Missmanagement ruiniert. Es ist nicht einfach, für solche hockeyhistorischen Vorgänge die richtigen Worte zu finden. Aber hier sind sie: «Kein Chäs u Brot in Chäs u Brot». Thomas Roost ist nicht nur ein hoch angesehener NHL-Scout. Als Personalchef einer international tätigen Firma verfügt er auch über Führungserfahrung in der Wirtschaft.

Der Grund, warum Raffainer sein Büro in Bern noch nicht bezogen hat: SCB-Manager Marc Lüthi hat den Davosern den Sportchef hinterrücks abgeworben. Nun müssen die Konditionen für einen Übertritt vor Ablauf der sechsmonatigen Kündigungsfrist erst noch ausgehandelt werden.

Lüthis Gesicht bleibt gewahrt

HCD-Präsident Gaudenz Domenig sagt: «Im Grundsatz sind wir uns einig. Raëto Raffainer soll noch vor Saisonende seine Arbeit in Bern aufnehmen.» Aber Arbeitsbeginn und Ablöse - es geht um eine finanzielle Satisfaktion – stehen halt noch nicht fest. Mit einer zeitnahen Lösung ist zu rechnen. Wie diese Lösung aussehen wird, sagt der HCD-Obmann nicht: «Es gibt keinen Grund, Details in dieser Sache in die Öffentlichkeit zu tragen.» Lüthi wird sein Gesicht wahren können.

Der SCB löst hochbezahltes Führungspersonal bei der Konkurrenz aus einem laufenden Vertrag heraus. Was kostet. Und schickt zugleich teure Führungskräfte (Ex-Trainer Don Nachbaur) ohne Not aus einem laufenden Vertrag weg. Was noch viel mehr kostet. Das kann sich nur leisten, wer im Geld zu schwimmen scheint.

In Davos nicht mehr viel zu sagen

Bei der Verpflichtung einer zusätzlichen Führungskraft in der Sportabteilung gibt es eigentlich keinen Grund für unbernische Hast. Was die sportliche SCB-Führung auf dem Transfermarkt in den letzten Monaten versäumt hat, ist ohnehin nicht mehr wettzumachen. Es wäre möglich gewesen, die an und für sich richtige Anstellung von Raëto Raffainer unter Wahrung des Anstandes und der sechsmonatigen Kündigungsfrist ablösefrei über die Bühne zu bringen.

Bis zum Amtsantritt in Bern ist Raffainer eine «lame duck». So werden Führungskräfte oder Präsidenten bezeichnet, die für den Rest einer Amtszeit keinen Einfluss mehr auf künftige Entwicklungen nehmen. Nun wartet eine «lahme Ente» in Davos oben auf den Weiterflug nach Bern hinab.

Wohlwend wohl weiter in Davos

Die Vertragsverlängerung mit seinem langjährigen Freund Christian Wohlwend – sozusagen eine Herzensangelegenheit – und die Besetzung der Ausländerpositionen handelt Raffainer nicht mehr aus. Er sagt: «Dafür ist die Sportkommission zuständig.» Sie führt bis zur Einstellung eines neuen Sportchefs die sportlichen HCD-Geschäfte und besteht aus Marc Gianola, René Müller und Urs Winkler.

Davos' Cheftrainer Christian Wohlwend waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SCL Tigers und dem HC Davos, am Freitag, 18. Dezember 2020, im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Muss künftig ohne Raffainer auskommen: HCD-Trainer Christian Wohlwend. Bild: keystone

Das Trio arbeitet Vorschläge aus, der Verwaltungsrat entscheidet. Einer Verlängerung mit Christian Wohlwend um ein drittes Jahr steht auch unter den neuen Voraussetzungen nichts im Wege. Die Bewährungsprobe für den HCD-Trainer folgt sowieso erst nächste Saison, wenn er sich dauerhaft ohne seinen Mentor Raffainer behaupten muss.

Übersportchef, Untersportchefin und Nebensportchef in Bern

Wenn der neue Sportdirektor sein Büro in Bern bezogen hat, wird der SCB der erste Klub sein, der gleich viele Sportchefs wie ausländische Feldspieler löhnt. Nämlich drei. Den neuen Übersportchef Raëto Raffainer, die Untersportchefin Florence Schelling und den Nebensportchef Alex Chatelain. Das Trio verursacht Kosten von weit mehr als einer halben Million Franken.

epa08468875 Visitors wearing protective face masks in the Galerie des Glaces (Hall of Mirrors) during the reopening day of the Chateau de Versailles in Versailles, near Paris, France, 06 June 2020. After a neartly two-month closure due to the Coronavirus pandemic, the Chateau de Versailles reopens to public.  EPA/JULIEN DE ROSA

Blick in den berühmten Spiegelsaal von Versailles – der ohne pandemiebedingte Auflagen stets rappelvoll mit Touristen ist. Bild: keystone

Wer ein Faible für Historie und einen boshaften Charakter hat, kommt zum Schluss: Die Zustände in der sportlichen SCB-Administration mahnen an die Hofhaltung in Versailles unter König Louis XIV. Und für die kamen in erster Linie die kleinen Leute auf. Also darf sich auch Marc Lüthi, der König von Bern, seine byzantinische Hofhaltung von den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern und von den Saisonabo-Käuferinnen und Saisonabo-Käufern bezahlen lassen.

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Wenn ein Date kommentiert würde wie ein Sport-Event

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SCB-Sportchef Raeto Raffainer bestätigt Trainer Lundskog in Bern

Am 2. Februar hat Raeto Raffainer seinen Job als Ober-Sportchef in Bern begonnen. Und er kennt schon den Trainer für nächste Saison.

Er hat Johan Lundskog (36) nach Davos geholt. Als Assistenten für Trainer Christian Wohlwend. Nun nimmt er den Schweden mit nach Bern. Als Cheftrainer. Er bestätigt: «Ja, ich gehe davon aus, dass Johan Lundskog nächste Saison in Bern unser Trainer sein wird.»

Der Schwede war schon im letzten Sommer SCB-Trainerkandidat. Aber er hatte noch einen weiterlaufenden Vertrag mit Davos. Nun ist er frei und stellt sich zum ersten Mal in seiner Karriere auf diesem Niveau der Herausforderung als Cheftrainer.

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