Energiewende
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FILE - In this Dec. 16, 2009 file photo, steam and smoke rise from a coal burning power plant in Gelsenkirchen, Germany. The state governors Dietmar Woidke of Brandenburg, Michael Kretschmer of Saxony, Reiner Haseloff of Saxony-Anhalt and Armin Laschet of North Rhine-Westphalia meet in Berlin for the adoption by the Bundestag and Bundesrat of the laws on coal phase-out and structural strengthening in the affected federal states. (AP Photo/Martin Meissner, File)

Wasserdampf und Rauch steigen aus den Kaminen des Kohlekraftwerks in Gelsenkirchen empor: Die Kohleländer Deutschlands sollen 40 Milliarden Hilfsgelder bekommen. Bild: keystone

Deutschland will seine Kohlekraftwerke bis 2038 abschalten – zu langsam für Greenpeace



Deutschland wird nach der Atomenergie nun auch aus der Kohlestromgewinnung aussteigen. Bundestag und Bundesrat (Länderkammer) beschlossen am Freitag die Abschaltung aller Braun- und Steinkohlekraftwerke bis spätestens 2038. Ausserdem wurde ein Gesetz verabschiedet, das Hilfen von 40 Milliarden Euro für die Kohleländer vorsieht.

Die Kohle, bei deren Verbrennung grosse Mengen des Treibhausgases CO2 entstehen, hat in Deutschland traditionell einen hohen Anteil an der Stromversorgung. Europas grösste Volkswirtschaft verfügt über grosse heimische Braunkohlevorkommen. Wegen teurer Emissionsrechte ist der Kohlestromanteil aber schon deutlich gesunken. Voriges Jahr stammten noch 18.8 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms aus heimischer Braunkohle und 9.4 Prozent aus importierter Steinkohle.

FILE-In this Nov. 24, 2019 file photo supporters of the climate movement Ende Gelaende protest at the coal-fired power station Lippendorf near Leipzig, Germany. The state governors Dietmar Woidke of Brandenburg, Michael Kretschmer of Saxony, Reiner Haseloff of Saxony-Anhalt and Armin Laschet of North Rhine-Westphalia meet in Berlin for the adoption by the Bundestag and Bundesrat of the laws on coal phase-out and structural strengthening in the affected federal states. (AP Photo/Jens Meyer)

Alle deutschen Kohlekraftwerke sollen bis 2038 abgeschaltet werden: Lippendorf bei Leipzig. Bild: keystone

Die Strukturhilfen sollen in den Kohleregionen in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg beim Umbau der Wirtschaft sowie beim Ausbau der Infrastruktur helfen. Betreiber von Kohlekraftwerken sollen Entschädigungen von etwa 4.3 Milliarden Euro für das vorzeitige Abschalten ihrer Anlagen bekommen.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bezeichnete den Kohleausstieg als historisches Generationenprojekt. «Wir sind das einzige Industrieland dieser Grösse, das aus der Nutzung der Kernenergie und 15 Jahre später aus der Kohleverstromung aussteigt», sagte er im Bundestag.

Greenpeace kämpft weiter für 2030

Grünen-Chefin Annalena Baerbock kritisierte, der Ausstieg komme viel zu spät. Die Bundesregierung sei an entscheidenden Stellen vom Konzept der Kohlekommission abgewichen. Der FDP-Abgeordnete Lukas Köhler sprach von einem «extrem teuren Gesetz». Denn wegen der stark gestiegenen Preise für Emissionsrechte werde die Kohleverstromung ohnehin unrentabel. «Die Kohle geht aus dem Markt, und das völlig ohne Entschädigung», sagte Köhler.

Greenpeace-Aktivisten kletterten aus Protest gegen das Gesetz auf das Dach des Reichstagsgebäudes. Unter dem Schriftzug «Dem deutschen Volke» am Architrav des Westportals brachten sie ein grosses Transparent mit der Aufschrift «Eine Zukunft ohne Kohlekraft» an. Greenpeace will weiter für einen Kohleausstieg bis 2030 kämpfen.

Activists of Greenpeace extendet the inscription 'Dem deutschen Volke' (To the German People) on top of the entrance of the Reichstag building, home of the German parliament Bundestag, with the slogan 'Eine Zukunft Ohne Kohlekraft' (a future without coal power) in Berlin, Germany, Friday, July 3, 2020. (AP Photo/Michael Sohn)

Greenpeace will weiter für einen Kohleausstieg bis 2030 kämpfen: Slogan am Reichstag in Berlin, 3. Juli 2020. Bild: keystone

Der schrittweise Kohleausstieg ist Teil der deutschen Energiewende, die mit dem von der rot-grünen Regierung Anfang des Jahrtausends eingeleiteten Atomausstieg begonnen hatte. Derzeit sind in Deutschland noch sechs Kernkraftwerke in Betrieb, von denen drei im nächsten und drei im übernächsten Jahr vom Netz gehen sollen. 2019 steuerte Atomenergie noch zwölf Prozent zum deutschen Strommix bei.

Erneuerbare Energie aus Wind, Sonne und Biomasse wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Deutschland mit Subventionen in dreistelliger Milliardenhöhe gefördert. Bezahlt wurden diese von den Stromkunden mit einer Umlage auf den Strompreis. Der Anteil der Erneuerbaren am Gesamtstrom soll in Deutschland von jetzt gut 40 Prozent auf 65 Prozent im Jahr 2030 und 80 Prozent 2050 steigen. (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Q anon = B annon 05.07.2020 07:34
    Highlight Highlight Anstatt die Deutschen für ihr Langsames Kohleausstieg zu Kritisieren, sollten wir sie Loben!
    Denn im Gegensatz zu dem Rest, haben sie gehandelt! Alle anderen suchen doch immer nur Gründe warum es ja nicht geht. So wie wir auch.
    Mir kommt die Energiewende vor wie wen man seinem Kind erklärt, gute Noten sind für seine Zukunft wichtig! Aber wenn er aber für die Prüfungen diese Woche nicht lernt, ist nicht so schlimm eventuell macht er es ja für die von nächster Woche oder für die nächstes Semester!
    Mit dieser Art von Denken sind wir nicht teil der Lösung sondern des Problems!
  • rodolofo 04.07.2020 14:05
    Highlight Highlight
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  • Rethinking 04.07.2020 07:42
    Highlight Highlight Sobald Deutschland keine Kohlekraftwerke mehr hat, muss sich die Schweiz was einfallen lassen, wenn sie in Sachen erneuerbarer Energie nicht abgehängt werden will...
    • infomann 04.07.2020 15:41
      Highlight Highlight Wir müssten uns dringend etwas einfallen lassen, besser noch machen was wir schon lange wissen.
      Solar-Wind- und Wasser Strom gibt es in unbeschrenkter Menge.
      Wir müssten entlich wollen und nicht Milliarden für Energie und Ausland schicken.
  • Dieter123 03.07.2020 22:28
    Highlight Highlight Die Dreckschleudern können nicht schnell genug abgeschaltet werden. Der richtige Zeitpunkt wäre vorvorgestern gewesen.
  • Do not lie to mE 03.07.2020 21:05
    Highlight Highlight Michael Shellenberger, der Ex-Alarmist: »Im Namen der Umweltschützer in aller Welt möchte ich mich formell für die Klimaangst entschuldigen, die wir in den letzten 30 Jahren geschaffen haben.«
    Kein Witz.
    https://quillette.com/2020/06/30/on-behalf-of-environmentalists-i-apologize-for-the-climate-scare/


  • Vergugt 03.07.2020 20:08
    Highlight Highlight Es ist eine, sorry, beschissene Situation. Politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich gesehen sind das eigentlich tatsächlich relativ weitreichende Änderungen. Umwelttechnisch gesehen ist es aber nicht genug, um den Klimawandel auf ein halbwegs verkfraftbares Mass zu begrenzen. Und damit rechtlich auch nicht genug, um das Pariser Abkommen zu erfüllen.

    Ein Schritt in die richtige Richtung, hoffen wir, dass es weitergeht.
  • ingmarbergman 03.07.2020 19:36
    Highlight Highlight Was heisst hier zu langsam für Greenpeace?
    Zu langsam für jeden wissenschaftlich denkenden Menschen.

    Je länger wir warten, desto schlimmer wird es. Danke Babyboomer für die Welt die ihr uns hinterlässt!

18 oder gar 24 Milliarden Franken? Grosser Zahlenstreit um Kampfjets

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