Fussball
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Die Corona Schutzmassanhmen werden im Stadion praesentiert beim Super League Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Lugano vom Sonntag, 12. Juli 2020 in Luzern. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Wegen des Coronavirus müssen derzeit viele Spiele im Schweizer Sport verschoben werden. Bild: keystone

Corona-Schnelltests im Schweizer Profisport: Grosse Hoffnung, aber auch grosses Chaos

Quarantäne hier, Spielverschiebungen dort. Der Schweizer Sport darf sich viel von Corona-Schnelltests erhoffen, doch der Zugang ist erschwert. Eine Übersicht.

Etienne Wuillemin, François Schmid-Bechtel / ch media



Die Ausgangslage

Ab dem 2. November, also nächstem Montag, werden in der Schweiz flächendeckend Schnelltests eingeführt. Bis zu 50'000 Tests pro Tag stehen gemäss dem Bundesrat zur Verfügung. Die Frage lautet darum: Profitiert auch der Schweizer Sport von diesen Schnelltests?

epa08744271 A test cassette of a rapid test for corona and flu with a negative result on display in a laboratory of NAL VON MINDEN pharmaceutical company in Moers, Germany, 14 October 2020. Nal von minden developed the NADAL COVID-19 IgG/IgM test, a combination antigen rapid test for the qualitative detection of anti-SARS-CoV-2 IgG and IgM in human blood, serum or plasma samples. Patients must be tested only once, a smear is taken from the mouth and nasopharynx. The result is already available after approximately 15 minutes.  EPA/SASCHA STEINBACH

Corona-Schnelltests sollen nicht nur im Tennis, sondern auch im Fussball und Eishockey helfen. Bild: keystone

Das Problem

Weil sich das Coronavirus in der Schweiz schnell ausbreitet, sind auch Profis immer mehr davon betroffen. Je nach Kanton hat das zur Folge, dass ganze Teams in Quarantäne müssen. Im Fussball sind Lugano, Sion, Servette und Vaduz betroffen. Im Eishockey Ambri, Fribourg, Zug, Servette, die SCL Tigers Lugano, Biel und Rapperswil-Jona. Es werden täglich mehr. Der Spielbetrieb ist stark beeinträchtigt, es droht der Zusammenbruch. Heute Abend findet nur noch ein National-League-Spiel (ZSC gegen Davos) statt, auch in der Super League steigt am Wochenende nur eines (St.Gallen gegen Basel) der vier geplanten Duelle.

Die Gegenwart

Claudius Schäfer, der CEO der Swiss Football League, verweist auf Gespräche vor der Saison mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Rudolf Hauri, dem Präsidenten der Vereinigung der Kantonsärzte. Es wurden die zu erwartenden Covid-19-Fälle diskutiert. Hauri reicht die Empfehlung weiter, dass bei Einhaltung der Schutzkonzepte nicht automatisch ganze Teams in Quarantäne müssen. Vergeblich, wie sich nun zeigt.

Die vielen Quarantäne-Entscheide sind für Schäfer «nicht nachvollziehbar». Die Swiss Football League hat sich darum nun noch einmal mittels eines Schreibens an alle Kantonsärztinnen und -ärzte gewandt. Die Klubs haben zudem ihre Schutzkonzepte noch einmal erweitert (Maskenpflicht in Fitnessräumen, 4er-Tische beim Essen).

Interessant ist die Regelung in Ländern wie Österreich oder Holland, eine «Quarantäne light». Bedeutet: Wird ein Spieler positiv getestet, begibt er sich sofort in Isolation. Teamkollegen sind fortan in Quarantäne – aber mit zwei Ausnahmen: Training und Spiele sind gleichwohl erlaubt. Der Spielbetrieb kann aufrecht erhalten werden. «Eine solche Regelung würde uns vieles erleichtern», sagt Schäfer. In der Praxis leben einige Vereine bereits heute nach diesem Muster.

Quality Repeat: Claudius Schaefer, CEO Swiss Football League SFL, informiert waehrend einer Medienkonferenz ueber das weitere Vorgehen in den Fussball-Meisterschaften als Folge des Coronavirus, am Montag, 2. Maerz 2020 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Claudius Schäfer erhofft sich viel von den Schnelltests. Bild: KEYSTONE

Die möglichen Lösungen

Wie aber könnten Schnelltests helfen? Grosse Hoffnungen dürfen sich die Profisportler von den Schnelltests machen. Sind diese in grosser Menge verfügbar, könnten sich alle Teammitglieder regelmässig testen. Und es wäre möglich, Covid-19-Fälle sofort zu isolieren, allenfalls eine Quarantäne zu umgehen.

Ein Beispiel aus dem Handball zeigt, wie das gehen könnte. Kadetten Schaffhausen absolvierte am 20. Oktober ein Europacup-Spiel gegen das dänische Team GOG. Der europäische Handballverband EHF stellte Schnelltests kostenlos zu Verfügung. Am Montag, 19. Oktober, wurden die Schaffhauser per Schnellverfahren getestet. Kurz darauf erhielten sie die Nachricht, dass ein Spieler vom BSV Bern positiv getestet worden ist. Das Problem: Am Samstag, 17. Oktober, spielten die Kadetten gegen den BSV Bern. Also schickte die EHF per Express nochmals Schnelltests nach Schaffhausen.

A member of the medical staff performs a rapid IgG/IgM test for COVID-19 antibody detection at a corona test center in Berlin, Germany, Wednesday, Oct. 14, 2020. (Michael Kappeler/dpa via AP)

Bei Schnelltests liegt das Corona-Resultat innert 15 Minuten vor. Bild: keystone

Diese trafen am Spieltag ein, alle wurden nochmals getestet –negativ –, die Partie gegen die Dänen von GOG konnte trotzdem stattfinden. Im Handball ist die Erkenntnis gereift, dass Schnelltests dringlich sind, um den Ligabetrieb aufrecht erhalten zu können. Die eine Hoffnung ist, dass der europäische Verband auch Schnelltests zur Verfügung stellt, die man in der Liga benutzen kann. Die andere: dass sich Swiss Olympic als Dachverband um Schnelltests bemüht.

Die Replik

Swiss Olympic schreibt auf Anfrage, dass ein regelmässiger Austausch mit Epidemiologen und dem Bundesamt für Gesundheit stattfindet. Und weiter: «Wenn der Bedarf nach Schnelltests entsteht, sind wir auf dem aktuellsten Stand und können die Verbände beraten.»

Entscheidend in der Frage ist das BAG selbst. Auf Anfrage von «CH Media» schreibt es: «Eine Empfehlung für die Durchführung von Schnelltests bei Profisportlern, die keinen direkten Kontakt zu positiv getesteten Personen hatten, ist derzeit nicht vorgesehen.» Priorität in der Teststrategie hat die Bekämpfung der Ausdehnung des Coronavirus. Die Kapazitäten von Schnelltests sind noch zu knapp.

Im Sport leider nicht möglich:

Das Fazit

Am Mittwoch empfing Sportministerin Viola Amherd die wichtigsten Player aus dem Sport zum runden Tisch. Die Botschaft war unmissverständlich: Die Politik habe erkannt, wie schlimm es um den Sport steht. Doch jetzt braucht es mehr als Bekenntnisse, dass der Sport ein ernstzunehmender Wirtschaftszweig ist. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, wie gross das Sportherz von Viola Amherd ist – oder ob das Powerplay doch ausbleibt.

Bundesraetin Viola Amherd, links, spricht neben Bundesrat Alain Berset waehrend der Medienkonferenz des Bundesrates zu den Volksabstimmungen, am Sonntag, 27. September 2020, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bundesrätin Viola Amherd ist jetzt gefordert. Bild: keystone

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