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Zugs Torhueter Leonardo Genoni im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem EV Zug, am Freitag, 26. Februar 2021 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Meisterliches Zug – aber wie gut ist Leonardo Genoni?

Zwei Siege gegen Meister SC Bern in 24 Stunden – mehr geht für Zug nicht. Aber ist Leonardo Genoni (33) nach wie vor noch ein Magier?



Einer der treusten der Treuen und aufrechtesten der Aufrechten unter den SCB-Funktionären trifft in der zweiten Pause zufällig einen Chronisten.

Er ist knurrig wie ein aus dem Winterschlaf aufgescheuchter alter Bär. «Was schreiben Sie da von Pausenplatz-Hockey? Es ist schlimmer. Wenn wir auf dem Pausenplatz so gespielt hätten wie der Goldhelm, dann wären wir nach Hause geschickt worden – Strafaufgaben inklusive.»

Er meint die Szene, die den Meister die Zuversicht und wahrscheinlich auch das Spiel gekostet hat. Völlig unbedrängt verursacht SCB-Topskorer Dustin Jeffrey in der eigenen Zone mit einem Fehlpass das 2:2 (38. Minute).

Zug's Head coach Dan Tangnes talks to his players, during a National League regular season game of the Swiss Championship between Geneve-Servette HC and EV Zug, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Tuesday, February 23, 2021. The game is played behind closed doors due to the coronavirus COVID-19 pandemic. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

EVZ-Coach Dan Tangnes. Bild: keystone

Ausgerechnet Zugs Trainer Dan Tangnes wird nach dem Spiel die tröstenden Worte für den SCB-Kanadier finden: «Unser intensives Forechecking provoziert Fehler …» Was tatsächlich stimmt: Als seine Männer nach einem viel zu passiven Beginn das Tempo erhöhen und mit Störarbeit (Forechecking) das SCB-Spiel bei der Wurzel packen, purzelt die SCB-Defensive durcheinander wie fallende Domino-Steine.

Ist Zug nach zwei Siegen in 24 Stunden gegen den «Pausenplatz-Titelverteidiger» nun ein Meisterkandidat? Im Prinzip ja. Die Zuger haben diese zwei Siege auch ohne Verteidigungsminister Raphael Diaz (geschont) und Grégory Hofmann (verletzt) eingefahren. Aber wir wissen nicht, ob Leonardo Genoni immer noch ein Magier ist. Und nur seine Magie kann den Zugern den zweiten Titel nach 1998 bringen.

Diese Frage ist eigentlich eine ungeheuerliche Respektlosigkeit. Leonardo Genoni ist nach wie vor das Mass aller Dinge. Meister mit Davos (2009, 2011, 2015) und mit dem SC Bern (2017, 2019, beide Male im Final gegen Zug), plus WM-Silberheld von 2018.

Zugs Torhueter Leonardo Genoni im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem EV Zug, am Freitag, 26. Februar 2021 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Wirklich nach wie vor das Mass aller Dinge? Leonardo Genoni. Bild: keystone

Aber wenn ein Scout am Donnerstag in Zug (7:1) und am Freitag in Bern (5:4) den Auftrag gehabt hätte, Zugs Goalie streng zu beurteilen, und nichts von der ruhmreichen Vergangenheit gewusst hätte, dann würde die Schlussfolgerung seiner Analyse sein: «Von den insgesamt fünf Gegentreffern in den zwei Partien waren drei nicht ganz unhaltbar.» Und auf die Statistik beim 5:4 in Bern verweisen: Leonardo Genonis Fangquote (85,19 %) lag unter seinem Saison-Schnitt (92,37 %).

Tatsächlich hat ein Chronist Zugs Trainer Dan Tangnes nach dem Spiel in Bern gefragt, ob Leonardo Genoni nach wie vor magisch sei. Nun wird der Muezzin zu Mekka eher ein Vaterunser vor dem Freitagsgebet ausrufen als ein Trainer eine provokative Frage zu seinem Goalie beantworten.

Doch der kluge Diplomat findet die richtige Antwort auf eine im Grunde unsinnige Frage:

«Leonardo Genoni ist in jeder Beziehung ein aussergewöhnlicher Goalie. Achten Sie einmal darauf, wie aktiv er mitspielt und wie weit er aus dem Tor herauskommt, um Pucks abzufangen. So erschwert er das gegnerische Forechecking und leitet oft einen Gegenangriff ein.»

Dan Tangnes

Das ist die Magie der Diplomatie: Der Trainer rühmt die offensive Rolle seines Torhüters.

Doch Dan Tangnes hat recht: Der 91-fache Internationale ist ein offensiver letzter Mann. Nicht gerade so wie einst Kolumbiens mitstürmender Nationaltorhüter René Higuita im Fussball mit 3 Toren in 68 Länderspielen (1987 und 1999).

Goalkeeper Rene Higuita kicks the ball during his farewell match between a team of Colombia all-stars and top players from the 1990s of the Colombian club Atletico Nacional in Medellin, Colombia, Sunday, Jan. 24, 2010.  Higuita, 43, was famous for his frizzy hair and daring moves in goal. (AP Photo/Luis Benavides)

Ob Leonardo Genoni die Pucks demnächst im Stil von René Higuita abwehrt? Bild: AP

Aber Leonardo Genoni steht immerhin bei bisher 22 Assists seit dem Debüt in der höchsten Liga vor 14 Jahren. Dieser Einfluss auf die Offensive dokumentiert seine fabelhafte Spielintelligenz.

Die Frage nach seiner Magie erübrigt sich während der Qualifikation sowieso: Zugs Nummer 1 kann nicht nach der Statistik oder der Ausstrahlung in gewöhnlichen Qualifikationspartien beurteilt werden.

Er ist – wie alle herausragenden Goalies – ein Mann der grossen Spiele. Für die Playoff-Dramen oder den WM-Final. Aber er hat für Zug nach wie vor kein Playoff-Spiel bestritten. Ob er nach wie vor ein magischer Torhüter ist, wissen wir erst nach den nächsten Playoffs.

Diese zwei Partien gegen den Titelverteidiger können zur Beurteilung also nicht herangezogen werden: Es waren gewöhnliche Spiele. Weil der SCB seine Magie verloren hat.

Auch beim SCB gibt es eine Torhüterfrage: Am Sonntag beim Cupfinal im Hallenstadion gegen die ZSC Lions Tomi Karhunen (72 % Fangquote beim 1:7 in Zug) oder Philip Wüthrich (85,71 % beim 4:5 in Bern) einsetzen?

Eine seriöse Antwort ist unmöglich. Trainer Mario Kogler sollte zwei Zettel mit den Namen in einen Hockeyhelm legen und Captain Simon Moser ziehen lassen.

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