Coronavirus
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Shitstorm nach Geburtstags-Ständchen für Ueli Maurer – so wehren sich die Beteiligten

Ueli Maurer wurde am Dienstag 70 Jahre alt. Im Parlament wurde deshalb ein «Happy Birthday» angestimmt. Das stösst in Zeiten von Corona bei vielen sauer auf. Nun nehmen die Involvierten Stellung.



Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat auf seiner Website Tipps für das Weihnachtsfest veröffentlicht. Dort steht unter anderem:

«Gemeinsames Singen und das Spielen von Blasinstrumenten können das Ansteckungsrisiko erhöhen. Hören Sie besser Weihnachtslieder auf Ihrer Musikanlage.»

Spätestens seit ein Jodel-Konzert in Schwyz zum Superspreader-Event mutierte, weiss die ganze Schweiz, dass die Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken, mit dem Singen steigt. Die ganze Schweiz? Nun, nicht ganz.

Am Dienstagmorgen stimmten im gut gefüllten Nationalratsaal zahlreiche Parlamentarier ein «Happy Birthday» an. Dabei erhoben sie sich applaudierend von ihren Sitzen und begaben sich aus dem Schutz des Plexiglases.

Grund für die Standing Ovation und das Ständchen: Ueli Maurers Geburtstag. Der Bundesrat wurde heute 70 Jahre alt, weshalb dem SVP-Magistraten ebenso viele Ballone mit Schweizer-Kreuzen überbracht wurden.

Politikerinnen und Politiker aller Parteien teilten in der Folge ihre Eindrücke auf Social Media. Dabei fällt auf: Längst nicht alle trugen eine Maske.

Viel Kritik für Geburtstagsfeier

Diese Aktion stösst bei vielen watson-Userinnen und Usern sauer auf. Nicht zuletzt, weil bereits gestern Volksmusik-Legende Carlo Brunner im Ständeratsaal zum Sopransaxophon griff und die Parlamentarierinnen und Parlamentarier sich schon während des ersten Lockdowns zuprosteten.

Nachfolgend drei watson-Kommentare, die für den Grundtenor in der Kommentarspalte stehen:

Nicht nur auf watson stösst das Verhalten der Parlamentarierinnen und Parlamentarier auf Kritik. Unter einem Tweet von Grünen-Präsident Balthasar Glättli sammeln sich Dutzende negative Kommentare. Eine Userin schreibt etwa:

«Meine Kinder feiern dieses Jahr wegen #Corona ihre Geburtstage nur im kleinsten Familienkreis, ohne Gspänli. Meine Frau und ich ebenfalls. In jedem Chindgsi ist singen verboten. Aber das Parlament lässt es krachen für den Herrn Bundesrat #ChumeNödDrus. Mit Gesang. #SwissCovidFail»

Twitter-userin: @gwendolan1

Auch von offizieller Seite gab es am Dienstagnachmittag einen Rüffel. Virginie Masserey, Leiterin der Sektion Infektionskontrolle beim BAG, sagte die Feier sei «keine Superidee» gewesen.

Das sagen die Involvierten

Stellt sich die Frage: Wie erklären die Parlamentarierinnen und Parlamentarier ihr Verhalten den Schweizerinnen und Schweizern, die gerade auf private Feiern verzichten, um das Coronavirus einzudämmen?

Barbara Steinemann, Nationalraetin SVP-ZH, spricht waehrend einer Medienkonferenz zum Thema

SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann: «Zudem trugen die allermeisten Nationalräte eine Maske, was viele ‹Wutbürger› gerne übersehen.» Bild: keystone

Barbara Steinemann, deren Twitter-Video von Dienstagmorgen bereits über 40'000 Mal angeschaut wurde, versichert, dass die Parlamentarier «auch alle auf private Feiern verzichten» würden. Sie schreibt auf Anfrage von watson: «Kein Grund zur Aufregung.» Die SVP-Nationalrätin meint: «Der Gesang dauerte rund 20 Sekunden, nicht die kritischen 15 Minuten, die gesetzliche Massnahmen auslösen können. Zudem trugen die allermeisten Nationalräte eine Maske, was viele ‹Wutbürger› gerne übersehen.»

Andrea Sommer, Leiterin Kommunikation bei der SVP, schreibt: «Die Fraktion der SVP hat Bundesrat Ueli Maurer heute im Nationalratssaal lediglich zum Geburtstag gratuliert und ihm dabei 70 Ballone überreicht – was nachweislich nur wenige Minuten gedauert hat.» Von einer Geburtstagsfeier im vollen Nationalratssaal könne keine Rede sein. Zudem hätten sich alle SVP-Fraktionsmitglieder an die Maskenpflicht gehalten, so Sommer weiter.

Das SP Copraesidium, Cedric Wermuth, AG, links, und Mattea Meyer, ZH, diskutiert waehrend der Debatte um das Covid-19 Gesetz, an der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 1. Dezember 2020 im Nationalrat Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Cédric Wermuth (links) findet die Aktion «unangebracht». Bild: keystone

Cédric Wermuth kann die Empörung hingegen «sehr gut verstehen». Der SP-Co-Präsident sagt gegenüber watson, er habe von der Aktion nichts gewusst und finde sie «unangebracht». Er selber habe nur applaudiert. «Zu verantworten haben das der neue SVP-Parlamentspräsident Andreas Aebi und SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi.»

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