Interview
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Berns Simon Moser, Mitte, jubelt nach seinem Tor zum 1-0 mit Teamkollegen Jesper Olofsson, Postfinance Topscorer Ted Brithen, Mika Henauer und Dustin Jeffrey, von links, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem HC Ambri-Piotta, am Dienstag, 5. Januar 2021 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der SC Bern kehrt heute nach 21 Tagen aufs Eis zurück. Bild: keystone

Interview

Der SCB-Arzt über 33 Spiele in 55 Tagen: «Das geht aus medizinischer Sicht nicht»



Der SC Bern kehrt heute aufs Eis zurück. Zum ersten Mal seit dem 3:1-Sieg gegen Ambri am 5. Januar darf der SCB wieder ein Spiel austragen. Dazwischen mussten wegen diversen Corona-Fällen und den Return-To-Play-Empfehlungen der medizinischen Kommission von Swiss Ice Hockey ganze sieben Spiele verschoben werden.

Für die Berner steht nun dafür ein umso anstrengenderes Programm an. Bis zum geplanten Ende der Regular Season am 22. März 2021 sind noch 33 Spiele zu absolvieren – in 55 Tagen. Alleine bis zum 20. Februar ist der SCB 14 Mal im Einsatz.

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Dichtes Programm beim SC Bern in den nächsten Wochen. screenshot: sihf.ch

Vorerst muss der amtierende Meister aber einen Kaltstart heute in Lugano vermeiden. Das Team konnte erst gestern wieder richtig trainieren. Immerhin sind ausser Verteidiger Yanik Burren – er muss noch bis am Mittwoch warten – die anderen elf positiv auf das Coronavirus getesteten Spieler wieder zurück.

Doch ist ein solches Mammutprogramm überhaupt zu bewältigen? Dr. Martin Schär ist Teamarzt beim SC Bern. Wir haben ihm die dringendsten Fragen zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs beim SC Bern gestellt.

Haben Sie Bedenken, dass nach der langen Quarantäne-Abwesenheit ein höheres Verletzungsrisiko besteht?
Dr. Martin Schär:
Das Verletzungsrisiko ist auf jeden Fall höher, wenn man ohne Rhythmus direkt in den Wettkampf steigt. Man muss bedenken, dass unsere halbe Mannschaft weg war und beim SCB nicht richtig trainiert werden konnte.

Läuft alles nach Plan, hat der SCB in den nächsten 55 Tagen 33 Spiele. Können die Körper das aushalten?
Nein, aus meiner Sicht nicht. Klar, in den Playoffs hat man auch bis zu 21 Spiele in sechs Wochen. Aber der aktuelle Spielplan geht aus medizinischer Sicht nicht. Erst hatte der SCB so wenig Spiele und dann auf einmal eine so grosse Belastung. Das ist nicht praktikabel. Man müsste mehr «spatzig» haben.

Was schlagen Sie vor?
Man müsste die Meisterschaft verlängern.

Wo liegt das grösste Problem?
Bei so vielen Spielen ist es nicht nur eine hohe physische Belastung, sondern auch eine mentale. Nicht nur die Beine werden müde, sondern auch der Kopf. Das heisst, irgendwann ist man weniger konzentriert, weniger bereit. Und wer nicht mit 100 Prozent bei der Sache ist, hat wiederum ein höheres Verletzungsrisiko.

Wie steht es um die zwölf Spieler des SC Bern, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben? Sind diese wieder fit?
Wir haben uns an den Return-to-Play-Empfehlungen orientiert und die Belastung langsam gesteigert. Die Spieler sind auf einem körperlichen Niveau, um wieder ins Spiel integriert zu werden. Allerdings kennen wir die Nachwirkungen einer Corona-Infektionen natürlich nicht. Und jetzt geht es gleich los mit einer so intensiven Phase.

Der SCB hätte mehr als jeden zweiten Tag ein Spiel.
Genau. Jetzt heisst es nur noch essen, schlafen, spielen.

Training liegt nicht mehr drin?
Ein vernünftiges Training nicht, nein. Es wird an den spielfreien Tagen nur noch darum gehen, sich so gut wie möglich zu regenerieren.

Was geben Sie Ihren Spielern für Ratschläge für diese Phase?
Viel schlafen, gesund essen – aber das muss ich eigentlich nicht mehr speziell ansprechen. Wir haben zum Glück eine sehr erfahrene Mannschaft mit Spielern, die wissen, wie sie sich verhalten müssen. Zudem ist die Ablenkung in dieser Zeit sowieso gering. Freizeit gibt es praktisch keine mehr.

Die Spiele des Abends:

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Der Brief, mit dem der SCB die Fans zum Verzicht aufruft

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