DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this Aug. 27, 2018 file photo, President Donald Trump smiles as pastor Paula White prepares to lead the room in prayer, during a dinner for evangelical leaders in the State Dining Room of the White House. White, now has a formal role in the administration with the Public Liaison office, which oversees outreach to constituent groups seen as key parts of the presidentâÄ™s base. The move giving the Florida-based, tele-evangelist an administration job is seen as another step to solidify his evangelical base as his re-election bid ramps up. (AP Photo/Alex Brandon, File)

Trump und seine persönliche Pastorin und Wahlkampfhelferin Paula White. Bild: keystone

Sektenblog

Wie Donald Trump das Weisse Haus in ein religiöses Tollhaus verwandelt

Der amerikanische Präsident machte seine persönliche Pastorin zu seiner Mitarbeiterin. Sie soll im Wahlkampf Freikirchler motivieren, wieder Trump zu wählen.



Der amerikanische Präsident steckt bereits tief im Wahlkampf. Neben der Waffenlobby und den rechten Patrioten umgarnt Donald Trump vor allem die Millionen von Freikirchlern, die ihn bei den letzten Wahlen zu rund 80 Prozent gewählt hatten.

Nun hat der Präsident seine persönliche Pastorin und spirituelle Beraterin Paula Michelle White offiziell angestellt. Die attraktive Multimillionärin soll im Büro für Öffentlichkeitsarbeit die spirituelle Aufsicht übernehmen. Und ihre Glaubensgeschwister motivieren, Trump nächstes Jahr wieder ihre Stimme zu geben.

abspielen

Trumps persönliche Pastorin haut auf den Putz. Video: YouTube/NowThis News

Pastorin White verkündet das Wohlstandsevangelium. Wie viele andere freikirchliche Prediger glaubt sie, dass Gott die Rechtgläubigen mit Reichtum und Wohlstand segnet. In Wahrheit kommt der Geldsegen aber nicht von Gott, die Millionen und Milliarden der Pastoren und ihrer Freikirchen tragen die Gläubigen zusammen.

Ihnen wird verheissen, dass jeder Dollar, den sie spenden würden, mehrfach zurückkomme. Frei nach dem kuriosen Motto: In der Bibel hat Jesus die Fische vermehrt, um die Massen zu verpflegen, weshalb soll dies nicht auch mit dem Geld funktionieren?

Doch was ist das Wohlstandsevangelium? Um das Phänomen zu verstehen, ist ein Blick zurück hilfreich.

abspielen

Pastorin Paula Whites Auftritt bei einer Wahlveranstaltung von Donald Trump. Video: YouTube/Right Side Broadcasting Network

Freikirchen sind überzeugt, dass die Bibel das authentische Wort Gottes ist. Sie weihen Gott ihr Leben und eifern seinem Fleisch gewordenen Sohn nach. Jesus ist ihr Vorbild.

Am weitesten treiben diese religiöse Vorstellung gewisse Quäker-Vereinigungen und Amishpeople in den USA. Die Gläubigen versuchen, ein Leben wie die Urchristen zu führen. Sie schotten sich ab, um nicht vom modernen, hedonistischen Lebensstil angesteckt zu werden. Manche verzichten gar auf alle technischen Errungenschaften wie Strom und andere technische Hilfsmittel.

Weniger radikale Freikirchen integrierten sich zwar in die Gesellschaft, verlangten aber von ihren Gläubigen ein Leben in Armut, geprägt von Sühne und Busse. Der Volksmund sagte, sie lebten in «Sack und Asche». Die Frauen mussten ihre Reize verstecken, bodenlange Röcke tragen und die Haare hochstecken.

abspielen

Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff bezeichnet das Wohlstandsevangelium als Irrglauben. Video: YouTube/DOMRADIO

Mit dem wachsenden Wohlstand nach dem Zweiten Weltkrieg drang das süsse Gift der materiellen Verführung bis in die Freikirchen. Kinder der frommen Christen rebellierten gegen die strengen Normen, der Zeitgeist nagte an den religiösen Grundfesten.

Um den Exodus zu stoppen, warfen viele Freikirchen die rigiden Verhaltensregeln über Bord. Die gleiche Bibel, aus der sie das Gebot der Armut herausgelesen hatten, musste nun Gegenargumente liefern.

Gott belohnt die Rechtgläubigen

Die Prediger und Pastoren mussten nicht lang suchen. Es gibt genügend Stellen, in denen es sinngemäss heisst, dass Rechtgläubige in der Gunst Gottes stehen und belohnt werden.

Amerikanische Pastoren und Prediger haben schliesslich das Wohlstandsevangelium bis zur Perversion umgesetzt und ausgelebt. Mit moralischem Druck und Brandreden drängen sie selbst arme Gläubige zu immer neuen Spenden. Weltmeister darin waren und sind vor allem Fernseh-Prediger.

Ein Beispiel: Zu den grössten Abzockern gehörte Benny Hinn von der «Mission Bible Church». Sein Neffe Costi unterstützte ihn jahrelang beim Geldeintreiben. Mit der Zeit hatte er das schmutzige Geschäft satt und packte aus.

«Jesus starb nicht am Kreuz, um einen stetigen Strom von Bentley's, grossen Diamanten und Botox zu liefern.»

Pastor Costi Hinn

Wörtlich sagte er: «Während Wohlstandsprediger das, was Glück zu sein scheint, verkaufen, ist es eigentlich die verdammende Ketzerei, die den Weg zur Hölle ebnet. Ist das zu stark formuliert? Nicht, wenn man das wahre Evangelium mit dem Wahnsinn vergleicht, den Wohlstandsverkünder versprechen.»

Jesus sei nicht gekommen, um die Menschen schnell reich zu machen, es sei eine Beleidigung, ihn zu einem Lotterielos zu degradieren, sagte er weiter und fügte an: «Jesus starb nicht am Kreuz, um einen stetigen Strom von Bentley's, grossen Diamanten und Botox zu liefern.»

Hotelsuite für 25'000 Dollar

Weiter schilderte Costi Hinn ihre gemeinsamen Missionsreisen ins Ausland. In Dubai hätten sie in Hotelsuiten logiert, die 25'000 Dollar pro Nacht gekostet hätten.

Ähnlich dreist und skrupellos geht Paula White vor, Trumps spirituelle Personaltrainerin und Mitarbeiterin. Sie behauptet, finanzieller Reichtum sei ein direktes Geschenk Gottes. Kein Wunder, ist sie mehrfache Millionärin und besitzt unter anderem eine 3,5-Millionen-Dollar-Luxuswohnung in einem Wolkenkratzer von Trump.

Zitate aus einer Rede dokumentieren das geistige Niveau und die religiösen Vorstellungen von White: «Wenn ich durchs Weisse Haus gehe, geht Gott durchs Weisse Haus. (...) Ich hatte die Befugnis, das Weisse Haus als heiligen Grund und Boden zu erklären – weil ich dort stand. Wo ich stehe, ist der Boden heilig. (...) Den Präsidenten abzulehnen, heisst Gott abzulehnen. (...) Du musst 3500 Dollar spenden. Du musst 35'000 Dollar spenden. Du musst einen 100'000-Dollar-Scheck einsenden ... und wenn du es nicht tust, sterben deine Träume und Chancen.»

Der amerikanische Regierungssitz ist seit der Wahl von Trump nicht nur ein politisches Tollhaus geworden, sondern auch ein religiöses.

Hugo Stamm; Religionsblogger

Hugo Stamm

Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

Du kannst Hugo Stamm auf Facebook und auf Twitter folgen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Diese Demokraten kandidieren gegen Trump

So schimpft Bernie Sanders über Donald Trump

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Sektenblog

Der Glaube an ein Leben nach dem Tod sinkt ständig – und das steckt dahinter

Eine Umfrage besagt, dass nur noch die Hälfte der Katholiken an ein Leben nach dem Tod glaubt. Was von der Zahl zu halten ist.

Gemessen an den langsamen Prozessen der Erdgeschichte und der Evolution ist unser Leben kurz. Ein Fingerschnippen und weg. Der Tod beschliesst das kleine Intermezzo auf unserem Planeten.

Das Bewusstsein der Endlichkeit macht das Leben zum Schicksal. Sterbe ich bei der Geburt? Bekomme ich als Zehnjährige Krebs? Verunfalle ich mit zwanzig tödlich? Oder habe ich das Glück, aus Altersgründen zu verschwinden?

Die Angst vor dem unberechenbaren Ende des Lebens war bisher das Kapital der meisten …

Artikel lesen
Link zum Artikel