Blogs
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Sektenblog

Die Menschheit hat ein Ablaufdatum – und den Göttern geht es nicht besser



Ich war in diesen Tagen auf dem Pizol und bekam auf der Wanderung eine Lektion in Erdgeschichte. Schautafeln verrieten mir, dass die Sardona-Tektonikarena wie der Grand Canyon in den USA zum UNESCO-Welterbe zählt.

Lukas Irmler balances on a 800 meter long highline 200 meters above Segnesboden with view Piz Segnas, left, and Piz Dolf, on Friday, June 28, 2019, in Flims, Switzerland. The highline is Switzerland's longest and will be set up untill Sunday in the Sardona World Heritage Region. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Der fragile Mensch: Slackline-Profi Lukas Irmler balanciert 2019 im Bündner Teil der Sardona-Tektonikarena. Bild: KEYSTONE

Die ältesten Gesteine dieser Region sind mehr als 300 Millionen Jahre alt. Vor 200 Millionen Jahren bedeckte ein Meer die Schweiz, die Alpen existierten noch nicht. In der Eiszeit vor 500‘000 Jahren war die Gegend unter Gletschern begraben.

Weiter erfuhr ich, dass unser Planet ursprünglich so heiss war, dass alles Wasser verdampfte. Deshalb war die Erde umgeben von einer riesigen Dampfwolke. Als der Planet abkühlte, soll es Tausende Jahre lang geregnet haben. Dabei entstanden Flüsse, Seen und Meere.

Es dauerte mehr als vier Millionen Jahre, bis der Homo sapiens seinen Auftritt auf dem blauen Planeten hatte. Das war vor etwa 300‘000 Jahren.

Ein denkendes Wesen, das die Fähigkeit der Abstraktion besitzt, sind wir aber erst seit rund 30'000 Jahren. An einen momotheistischen Gott glauben wir gerade Mal ein paar tausend Jahre. Und Maschinen bauen wir erst seit kurzem. All dies ist gemessen an den vier Milliarden Jahren, die die Erde auf dem Buckel hat, ein gefühlter Bruchteil einer Sekunde.

Endlich – und extrem kurz

Wir Menschen wurden weitgehend zu alleinigen Herrschern auf dem Planeten, weil sich die Evolution beim Homo sapiens auf die Entwicklung des Hirns konzentrierte. Dies erlaubte unseren Vorfahren, ein Bewusstsein für unser Sein und für die Zeit zu entwickeln.

Seither wissen wir, dass der Tod das Ende der irdischen Existenz bedeutet. Dass also unser Gastspiel auf der Erde endlich ist. Und dass dieses erdgeschichtlich gesehen extrem kurz ist.

In diesem Dilemma kamen unsere Vorfahren auf die Vorstellung von Gott und und einem Leben nach dem Tod. Seither haben wir das Gefühl, die Krone der Schöpfung zu sein. So suggerieren es uns zumindest mehrere Religionen und viele Glaubensgemeinschaften. Auch die christlichen behaupten, Gott habe uns nach seinem Ebenbild geschaffen.

Geben wir der Erde den Rest?

Da stellen sich ein paar einfache Fragen: Warum hat Gott mehrere Milliarden Jahre gebraucht, bis er auf die Idee kam, uns zu erschaffen? Schliesslich soll er es gemacht haben, um ein Gegenüber zu bekommen. Angesichts der zeitlichen Dimensionen unseres Planeten fragt man sich auch, weshalb er uns nur einen kurzen Augenblick des irdischen Daseins gönnt und uns rasch wieder verschwinden lässt.

Es drängen sich auch Fragen zur Zukunft der Menschheit auf. Wie verändert sich unser Planet in 1000, 10‘000, 100‘000 Jahren? Wie sieht er in Millionen und Milliarden von Jahren aus? Explodiert er eines Tages? Kühlt er irgend wann ab? Kommt es zu einem interplanetaren Grossereignis, das die Erde zerstört? Wie lang bleibt sie noch bewohnbar? Geben wir Menschen ihr gar den Rest?

Soche Überlegungen zeigen, wie sehr wir Menschen aus unserer subjektiven Perspektive heraus unser Dasein interpretieren. Und wie sehr wir getrieben sind von Ängsten und Sehnsüchten. Deshalb können wir uns nur schwer vorstellen, nach einem kurzen Intervall auf der Erde endgültig zu verschwinden.

Auch wenn es eine narzisstische Kränkung ist: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir dereinst auf der langen Liste der bedrohten Tierarten stehen werden, ist gross. Ähnlich gross wie die Option, dass auch Gott oder alle Götter dieser Welt ein Ablaufdatum haben. Wie übrigens auch unsere schöne Erde.

Mehr aus dem Sektenblog

Wenn Missionierung tödlich endet – der Fall Beatrice Stöckli

Link zum Artikel

Was Donald Trump vom indischen Guru Osho lernen kann

Link zum Artikel

Steht der Tag unseres Todes schon fest? Ich glaube nicht

Link zum Artikel

Hallo Schöpfergott, wieso müssen wir Menschen leiden und sterben?

Link zum Artikel

Der Traum vom Wassermann-Zeitalter ist geplatzt

Link zum Artikel

Wenn Leichen lächeln und Leberkäse leben – willkommen bei der Bioresonanz

Link zum Artikel

Warum es nicht überrascht, dass eine Heilpraktikerin zum Sturm auf den Reichstag aufruft

Link zum Artikel

Wie Glaubensgemeinschaften Familien zerstören – und was du dagegen tun kannst

Link zum Artikel

Wenn aus Gott intelligentes Design wird, macht das auch nichts besser

Link zum Artikel

Ist die Idee, dass der Glaube glücklich macht, eine Selbsttäuschung?

Link zum Artikel

Franziskus im Vatikan – oder der «letzte Aufschrei einer sterbenden Religionsdiktatur»

Link zum Artikel

Die Menschheit hat ein Ablaufdatum – und den Göttern geht es nicht besser

Link zum Artikel

Judenhass und Antisemitismus nehmen in der Schweiz zu

Link zum Artikel

Warum die DNA der christlichen Missionierung rassistisch ist

Link zum Artikel

Hast du die Tür geöffnet, als Gott anklopfte? Oder sie ihm vor der Nase zugeschlagen?

Link zum Artikel

Ist nach dem Tod Lichterlöschen – oder beginnt die Party erst recht?

Link zum Artikel

Die Sektenlandschaft ist nicht mehr, was sie einmal war (– aber besser wurde sie nicht)

Link zum Artikel

16 Dinge, die mich an der Geschichte von Sodom und Gomorrha irritieren

Link zum Artikel

Student klagt an: «Meine Ausbildung zum Naturheilpraktiker trägt sektiererische Züge»

Link zum Artikel

Corona-Pandemie löst bei ängstlichen Leuten apokalyptische Ängste aus

Link zum Artikel

«Esoterik ist die erste wirkliche Weltreligion»

Link zum Artikel

Die Corona-Pandemie bringt Impfgegner arg ins Schwitzen

Link zum Artikel

Warum auch traditionelle Glaubensgemeinschaften in der Sektenfalle stecken

Link zum Artikel

«Waldbaden» und Fasten: Die esoterischen Wundermittel gegen das Coronavirus

Link zum Artikel

Wenn Ostern auf Corona trifft, leiden Geistliche und Schlechtwetter-Christen

Link zum Artikel

Nicht Jesus machte das Christentum zur Weltreligion, sondern der «Heide» Konstantin

Link zum Artikel

Wenn der Glaube zum Feind der Vernunft wird, schnappt die Sektenfalle zu

Link zum Artikel

Spielt es eine Rolle, ob ich Gott oder die heilige Kuh anbete? Wohl kaum

Link zum Artikel

Gott schützt bei der Kommunion vor dem Coronavirus, behauptet der Churer Weihbischof

Link zum Artikel

Was verbreitet sich schneller als das Coronavirus? Die Verschwörungstheorien dazu

Link zum Artikel

Wenn wir unsterblich werden, brauchen wir keinen Gott mehr

Link zum Artikel

Wenn Aliens unsere Babys essen – und was das eventuell mit dir zu tun hat

Link zum Artikel

Exorzismus: Die katholische Kirche treibt noch immer den Teufel aus – auch in der Schweiz

Link zum Artikel

Christen und Muslime missionieren überall, Hindus und Buddhisten nicht – weshalb?

Link zum Artikel

Warum die Swiss genug hatte: Der radikale Glauben der Schoko-Familie Läderach

Link zum Artikel

Abtreibungen, Medis, Suizid: Pfuschen wir Gott ins Handwerk?

Link zum Artikel

«WACHT ENDLICH AUF»: Was 5G mit dem Hirn einer Verschwörungstheoretikerin macht

Link zum Artikel

Wir brauchen keinen Gott, um zu wissen, was Gut und Böse ist

Link zum Artikel

Wunderheiler missbrauchte Hunderte Anhängerinnen – jetzt sitzt er hinter Gittern

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
Hugo Stamm; Religionsblogger

Hugo Stamm

Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

Du kannst Hugo Stamm auf Facebook und auf Twitter folgen.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

So können wir auf einem anderen Planeten leben

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen
376 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
GianniR
11.07.2020 08:28registriert April 2020
Die gleichen Überlegungen wie Stamm habe ich mir auch gemacht. Deshalb bin ich auch zu den gleichen Schlussfolgerungen gekommen. Wir sind Teil der Natur und als solcher wird es uns "am Schluss" gleich ergehen wie jedem anderen Lebewesen. Der Rest ist Romantik oder Selbstüberschätzung.
20615
Melden
Zum Kommentar
N. Y. P.
11.07.2020 08:35registriert August 2018
Spannend, dem Sektenblog noch einen Hauch Astronomie beizugeben.
Dass es Gott gibt oder nicht gibt, kann nicht bewiesen werden.
Ein sehr starkes Indiz,
wie Hugo Stamm schreibt, dass es Gott aber nicht gibt, ist:
Warum hat Gott mehrere Milliarden Jahre gebraucht, bis er auf die Idee kam, uns zu erschaffen?
DAS ist schon eine berechtigte Frage.
10826
Melden
Zum Kommentar
rodolofo
11.07.2020 14:00registriert February 2016
Gestern kam auf srf ein interessanter Dok-Film über die weibliche Lust und wie sie bei 4 Frauen in 4 Weltregionen im Namen von 4 Kuluren und ihren Religionen unterdrückt bis aufs grausamste beschnitten wurde:
Eine Japanerin, eine Inderin, eine Amerkanerin und eine Somalische Engländerin.
Alle diese Frauen leiden nicht nur unter Natur-Beherrschern, sondern noch viel mehr unter gewalttätigen, vergewaltigenden Frauen-Beherrschern!
Religionen sind (in der Regel) Vehikel des Patriarchats zur Unterdrückung der "Besseren Hälfte"...
3611
Melden
Zum Kommentar
376

Sektenblog

Wenn Leichen lächeln und Leberkäse leben – willkommen bei der Bioresonanz

«Der Leberkäse-Test ist der kürzeste und präziseste Beweis, dass Bioresonanz-Geräte Betrug sind», sagt der deutsche Kinder- und Allergiearzt Walter Dorsch. (Der bayerische Leberkäse ist vergleichbar mit unserem Fleischkäse.) Für den Arzt ist der Leberkäse in diesem Zusammenhang symbolträchtig: «Leberkäse enthält weder Käse und Leber – er ist eigentlich ein Etikettenschwindel, genau wie die Bioresonanz», sagt er.

Walter Dorsch versucht zusammen mit anderen Allergologen seit vielen Jahren, …

Artikel lesen
Link zum Artikel