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Gott, dich gibt es nicht – oder würdest du unschuldige Kinder im Kugelhagel sterben lassen?



Fromme Christen aus freikirchlichen Vereinigungen zitieren immer wieder «Studien», die angeblich belegen, dass Beten das Leben verlängert. Man mag den Gläubigen gönnen, dass sie länger leben, weil sie Gott um Beistand bitten. Den Kausalzusammenhang darf man aber trotzdem bezweifeln.

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Die Sache hat nämlich einen fundamentalen Haken.

Ich bezweifle, dass es ein wissenschaftlich fundiertes Untersuchungsdesign gibt, mit dem ein direkter Zusammenhang zwischen dem Beten und der Lebenserwartung bewiesen werden kann.

Da ist vielmehr der Wunsch der Vater des Gedankens. Denn viele Gläubige sehen in dieser These eine Art Gottesbeweis: Wer betet, der geniesst den besonderen Schutz Gottes und wird durch ein längeres Leben beschenkt.

Längeres Leben als Gottesbeweis

Für viele Gläubige ist vermutlich wichtiger, dass sie endlich einen (vermeintlichen) Gottesbeweis haben als ein längeres Leben. Und: Sie glauben nun zu wissen, dass Gott in den Lauf der Welt eingreift und seine frommen Schäfchen für ihr gottesfürchtiges Leben belohnt.

Kurz: Sie sind deshalb sicher, dass es sich lohnt, zu beten. Sie verdienen sich damit nicht nur das Himmelreich, sondern auch ein längeres und schöneres Leben.

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Warum lässt Gott das alles zu?

Ich glaube schlicht nicht, dass Gott in den Alltag von uns Menschen eingreift, denn dieser Glaube führt zu fundamentalen Widersprüchen.

Das Paradox des Heilungsgottesdienstes

An diesem Beispiel lässt sich ein weiteres, himmelschreiendes Paradox aufzeigen: An Heilungsgottesdiensten können sich Gläubige in vielen Freikirchen von allen möglichen Unpässlichkeiten oder Gebrechen angeblich heilen lassen. Ein «Klassiker» sind die Gläubigen mit zwei vermeintlich ungleich langen Beinen.

Zuerst demonstriert der Pastor, dass die Beine des Gläubigen tatsächlich unterschiedlich lang sind. Doch dies ist ein Irrtum, denn durch ein leichtes Verschieben der Hüfte wirken sie ungleich. Dann schreitet der Prediger zum Ritual: Durch Beschwörungen und Gebete bittet er Gott oder Jesus um den heilenden Segen. Danach werden die Beine erneut «vermessen» – und siehe da, sie sind dank Gottes Wunderheilung gleich lang.

Könnte oder würde Gott tatsächlich in unseren Alltag eingreifen, müsste man ihm eine Grundlektion in Ethik und Moral verpassen.

In Wirklichkeit liegt der Gläubige diesmal korrekt mit ausgerichteter Hüfte da. Dies ist für die Gläubigen ein weiterer Beweis für die Existenz Gottes und seine Hilfsbereitschaft.

Daraus ergibt sich eine weitere Frage:

Und den Gläubigen, die Gott wegen jeder Kleinigkeit für sich beanspruchen, müsste eine Moralpredigt gehalten werden, die sich gewaschen hat.

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Gottesfürchtige leben seriöser

Übrigens: Natürlich leben Strenggläubige länger als «gewöhnliche» Christen oder Skeptiker. Um dies zu erkennen, braucht es keine Studie. Der einfache Grund: Gottesfürchtige Menschen leben wegen ihres Glaubens seriöser und leben deshalb länger.

Hugo Stamm; Religionsblogger

Hugo Stamm

Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

Du kannst Hugo Stamm auf Facebook und auf Twitter folgen.

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