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epa04421429 Jeff Bezos, Founder and Chief Executive Officer of Amazon.com, waves for a photograph in Bangalore, India, 28 September 2014. Bezos is promoting Amazon's investment in kitty for India.  Amazon, the world's biggest online retailer, announced in July 2014 that it will invest an additional 2 billion dollars to expand in India, where competition is heating up. The move came a day after Flipkart, India's largest online retailer, announced that it had raised a record 1 billion dollars, the most ever by an Indian internet company in a single round.  EPA/JAGADEESH NV

Amazon-Chef Jeff Bezos treibt seine Angestellten so gnadenlos an wie früher Steve Jobs bei Apple. Bild: EPA/EPA

«Wir sind die neuen Leibeigenen und Jeff Bezos ist der neue König»

Eigentlich sollen neue Technologien wie künstliche Intelligenz und Big Data Unternehmen helfen, produktiver zu werden. Bei Amazon setzt man die digitalen Waffen gegen die eigenen Mitarbeiter ein. 



Lange Arbeitszeiten, Intrigen und Diskriminierung sind bei vielen Firmen an der Tagesordnung. Ob Banker bei Goldman Sachs, Manager bei Tesla oder Apple-Store-Mitarbeiter, die Arbeitsbedingungen sind oft grenzwertig. Jeff Bezos' umstrittener Tech-Konzern scheint es aber auf die Spitze zu treiben: Der Online-Warenhaus-Gigant nutzt modernste Datenanalyse und künstliche Intelligenz nicht nur zur Optimierung der eigenen Produkte, sondern auch zur gezielten Überwachung der Mitarbeiter. 

Jeff Bezos ist ein Datenfreak. Alles und jedes wird gemessen: die Leistung, die Pinkelpausen. Algorithmen entscheiden über Lohn, Beförderung – oder Entlassung.

Am Montag deckten Recherchen der britischen Zeitung «The Guardian» mehrere neue Vorfälle auf, bei denen Amazon-Mitarbeiter nach Arbeitsunfällen in Logistikzentren arbeitsunfähig oder gar obdachlos wurden. Die Arbeitsunfälle wären laut Bericht vermeidbar gewesen. Der Online-Gigant kümmere sich zu wenig um verunfallte Angestellte, so die Kritik. In vielen Fällen müssten sich verunfallte Mitarbeiter an die Temporärbüros wenden, die sie angestellt haben, wodurch die Verantwortung auf einen Dritten verlagert wird. So wird es für die Arbeitnehmer schwieriger, eine angemessene Behandlung und Entschädigung zu erhalten.

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Vickie Shannon Allen lebt derzeit aus ihrem Auto auf dem Parkplatz eines Amazon-Logistikzentrums in den USA. Nach einem Arbeitsunfall wurde sie von Amazon fallen gelassen. Video: YouTube/Shannon Allen

Die Lagerhäuser von Amazon stehen auf der Liste «Das dreckige Dutzend», einer Aufstellung der gefährlichsten Arbeitsplätze in den USA, die von einer US-Organisation für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz herausgegeben wird. Auf der Liste figurieren auch die Autowerke von Tesla.

Ehemalige Amazon-Mitarbeiter erzählen, wie es wirklich ist, unter Jeff Bezos – reichster Mann auf dem Planeten und «schlechtester Chef der Welt» – zu arbeiten:

«So ist es wirklich, für Amazon zu arbeiten.»

Die Videos sind Teil einer politischen Kampagne des parteilosen US-Senators Bernie Sanders zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Konzernen wie Amazon, Disney, McDonald’s oder Walmart.

«Jeff Bezos, Amazon-Chef, sagt, er sei ‹sehr stolz› auf die Arbeitsbedingungen bei Amazon. Vielleicht sollte er sich die Geschichte dieser ehemaligen Amazon-Arbeiterin anhören, die, nachdem sie sich bei der Arbeit den Fuss gebrochen hatte, aufgefordert wurde, ein Schmerzmittel zu nehmen und ihre Schicht zu Ende zu führen oder unbezahlt nach Hause zu gehen.»

«Amazon hat gerade angekündigt, dass sie im letzten Quartal 2,5 Milliarden Dollar Gewinn erzielt haben. Warum weigert sich Jeff Bezos immer noch, seine Arbeiter mit Respekt und Würde zu behandeln?»

«Dieser ehemalige Amazon-Manager erlitt einen kleinen Schlaganfall, nachdem er kontinuierlich 16-Stunden-Tage geleistet hatte – manchmal zwei Wochen lang ohne Pause. Sowas sollte im reichsten Land der Weltgeschichte nicht passieren.»

Wo immer sich Bezos blicken lässt, demonstrieren die Gewerkschaften. Die Kritik perlt an ihm ab: «Ich bin stolz auf unsere Arbeitsbedingungen», lautet seine Standardantwort seit Jahren.

epa06689673 A protester wears a Jeff Bezos mask as he joins a protest against the working conditions at Amazon near the Axel Springer Verlag building in Berlin, Germany, 24 April 2018. Amazon CEO Jeff Bezos, who also owns US newspaper 'The Washington Post', receives the Axel Springer Award in Berlin the same evening. Axel Springer SE is one of the largest digital publishing houses in Europe and owner of numerous multimedia news brands.  EPA/ALEXANDER BECHER

Bezos ist berüchtigt für Sätze wie: «Sind Sie faul oder nur inkompetent?» Bild: EPA/EPA

Bereits 2015 enthüllte eine Reportage der «New York Times» die brutale Arbeitskultur bei Amazon. So erzählt der ehemalige Amazon-Manager Bo Olson: «Du verlässt einen Konferenzraum und siehst, wie erwachsene Männer ihre Hände vor das Gesicht halten. Fast jede Person, mit der ich zusammengearbeitet habe, habe ich mindestens einmal am Pult weinen sehen.»

Laut Zeitungsbericht werden Mitarbeiter angehalten, sich gegenseitig hart zu kritisieren, bis hin zur Demontage. Jedes Jahr werden diejenigen gefeuert, die am meisten Verzeigungen von anderen erhalten haben. 

Amazon hat allein im letzten Jahr über 130'000 Arbeitsplätze geschaffen und beschäftigt heute weltweit über 560'000 Menschen. Gleichzeitig hat Amazon den Gewinn verzwölffacht. Bezos ist nun der reichste Mensch der Welt und seine Firma ist drauf und dran, Apple als wertvollstes Unternehmen der Welt abzulösen. 

Was bleiben wird, ist Bezos Firmenkultur – zumindest bis er sein Arbeitsheer durch Roboter, sprich automatisierte Verteilzentren, ersetzen kann. 

Update:

Amazon schreibt:

«Die Vorwürfe zeichnen kein wahrheitsgetreues Bild der Arbeit bei Amazon. Wir sind stolz auf unsere Sicherheitsstandards und tausende Mitarbeiter, die jeden Tag daran arbeiten, sie zu verbessern. Amazon hat allein im letzten Jahr 130.000 Arbeitsplätze geschaffen und beschäftigt weltweit nun über 560.000 Menschen. Unsere Priorität ist es, für alle Mitarbeiter sichere Arbeitsbedingungen zu bieten. Wir fordern jeden dazu auf, sich selbst ein Bild zu machen und ein Logistikzentrum zu besuchen. Eine Anmeldung ist unter www.de.amazonfctours.com möglich.»

80 Rappen inklusive Versand für ein Ladekabel aus China

Video: watson/Lya Saxer

So mies können die Bewertungen bei Amazon und Tripadvisor sein

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