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Analyse

Disney, Apple und weitere US-Konzerne haben die Schnauze voll von Trumps Krieg gegen China

Trumps Wirtschafts-Restriktionen gegen WeChat und Huawei treffen auch scheinbar unbeteiligte US-Unternehmen. Den Betroffenen droht, Milliarden einzubüssen. Nun fordern sie eine Lockerung der Einschränkungen.



Trumps Feldzug gegen chinesische Tech-Unternehmen hat zuletzt wieder an Fahrt aufgenommen, als er äusserte, TikTok und WeChat zu verbieten. Anfangs August hat der US-Präsident dafür ein Dekret unterschrieben. Dieses tritt am 20. September in Kraft und verbietet US-Unternehmen jegliche Transaktionen mit TikTok oder WeChat.

FILE - President Donald Trump points to a question as he speaks during a briefing with reporters in the James Brady Press Briefing Room of the White House, in Washington.  TikTok and its U.S. employees are planning to take the Trump administration to court over a sweeping order that could ban the popular video app, according to a lawyer preparing one of the lawsuits. The employees

Für Trump gefährden TikTok und WeChat die nationale Sicherheit. Bild: keystone

Zwar ist es aktuell noch fraglich, ob Trump dieses Verbot wirklich durchsetzen kann. Schafft er dies aber, hat das auch für einige US-Unternehmen unschöne Konsequenzen. Prominentestes Beispiel dafür ist Apple. Sollte WeChat verboten werden, müsste die Anwendung aus dem App Store entfernt werden, was iPhones für Chinesen höchst uninteressant machen würde. Experten schätzen, dass die Auslieferungen von iPhones und Zubehör von Apple so um bis zu 30 Prozent zurückgehen könnten.

WeChat ist die Lebensader für Online-Zahlungen

Doch auch Unternehmen, die im ersten Moment nichts mit Smartphones zu tun haben, sehen sich in Bedrängnis: In China wird ein grosser Teil der Online-Zahlungen wie WeChat abgewickelt. Wer seiner Kundschaft etwas im Netz verkaufen möchte, kommt nicht um WeChat als Kontakt- und Bezahlschnittstelle herum. Damit ist grundsätzlich jedes ausländische Unternehmen, das in China etwas online verkaufen möchte, auf WeChat angewiesen.

WeChat ist bei der chinesischen Bevölkerung so weit verbreitet und so tief verankert, dass ein Dienst, der WeChat nicht anbietet, automatisch weg vom Fenster ist. Das wissen auch die US-Unternehmen, die in China tätig sind – einem der wichtigsten Wachstumsmärke der Welt.

Aus diesem Grund haben mehr als ein Dutzend international agierende US-Unternehmen das Gespräch mit dem Weissen Haus gesucht. Das berichtet das Wall Street Journal und beruft sich dabei auf gut informierte Quellen. Teilgenommen an diesen Gesprächen hätten unter anderem Disney, Apple, Ford, Protector & Gamble und UPS.

Multis sind unsicher, wie es weiter geht

Hauptthema der Unterredung sollen vor allem diverse Unklarheiten gewesen sein. Das von Trump unterschriebene Dekret sei sehr unpräzise formuliert und lasse viele Fragen offen.

Icons for the smartphone apps TikTok and WeChat are seen on a smartphone screen in Beijing, Friday, Aug. 7, 2020. President Donald Trump has ordered a sweeping but unspecified ban on dealings with the Chinese owners of the consumer apps TikTok and WeChat, although it remains unclear if he has the legal authority to actually ban the apps from the U.S. (AP Photo/Mark Schiefelbein)

Diese zwei Apps sind Trump ein Dorn im Auge. Bild: keystone

Beispielsweise sei nach wie vor unklar, ob US-Unternehmen WeChat nur in den USA nicht mehr nutzen dürften oder weltweit. Wäre letzteres der Fall, wäre das für US-Firmen der Super-GAU. Craig Allen, Präsident des U.S.-China Business Councils, bestätigt dies gegenüber dem «Wall Street Journal»:

«Diejenigen, die nicht in China leben, verstehen nicht, wie gewaltig die Auswirkungen sind, wenn amerikanische Unternehmen [WeChat] nicht nutzen dürfen. Sie werden gegenüber jedem Konkurrenten stark benachteiligt sein.»

Ebenfalls sei unklar, ob das Dekret wirklich nur für WeChat gelte oder auch für andere Produkte der Mutterfirma Tencent. In so einem Fall wäre das Ausmass des Schadens für US-Firmen noch viel grösser, denn Tencent ist in China eine marktbeherrschende Macht. Diverse der wichtigsten Online-Plattformen gehören Tencent. Wäre es US-Firmen nicht mehr möglich, diese Plattformen zu nutzen, würde ihnen dies praktisch verunmöglichen, mit chinesischen Kunden (ohne grossen finanziellen Aufwand) in Kontakt zu treten.

Aktuell lasse die Formulierung «jegliche Transaktionen in Verbindung mit WeChat» zu viel Interpretationsspielraum. Die Unternehmen würden daher verlangen, dass das Dekret präziser ausgearbeitet werde.

Auch gegen den Huawei-Bann regt sich Widerstand

Bereits etwas länger kennt sich Huawei mit US-Restriktionen aus. US-Unternehmen ist es seit Mai 2019 nicht mehr gestattet, mit dem chinesischen Handy-Hersteller zusammenzuarbeiten. Ausnahmen gibt es nur mit einer speziellen Genehmigung. Microsoft soll diese unter anderem erhalten haben, während Qualcomm und Google schon länger darauf warten. Qualcomm soll sogar schon rund ein Jahr darauf warten, endlich wieder mit Huawei Handel treiben zu dürfen.

Huawei CEO Richard Yu displays a new Huawei MateBook X Pro laptop at the Mobile World Congress, in Barcelona, Spain, Sunday, Feb. 24, 2019. The fair started with press conferences on Sunday, before the doors open on Monday, Feb. 25, and runs until Feb. 28. (AP Photo/Manu Fernandez)

Richard Yu mit einem Huawei-Notebook. Dank der Ausnahmelizenz von Microsoft läuft Windows darauf ohne Einschränkungen. Bild: AP/AP

Der amerikanische Chiphersteller war 2019 einer der ersten, der die Auswirkungen des Huawei-Banns zu spüren bekam: Zwar verbaut Huawei mehrheitlich seine eigenen HiSilicon-Chips, dennoch waren die Chinesen auch Kunde von Qualcomm. Laut einem Bericht von Reuters bezog Huawei vor dem Bann rund 22 Prozent seiner Chips von Qualcomm. Bedenkt man, dass Huawei 2019 über 200 Millionen Smartphones ausgeliefert hat, dürfte der Verlust von Huawei als Kunde für Qualcomm schmerzhaft gewesen sein.

Trump stellt politische Interessen vor wirtschaftliche

Für Qualcomm ist die ganze Situation aber spätestens seit Mai dieses Jahres potenziell noch lukrativer geworden. Nach der Verschärfung der US-Restriktionen kann Huawei seine eigenen Chips ab dem 15. September nicht mehr fertigen lassen. Somit ist der Handy-Hersteller erstmals komplett auf Zulieferer angewiesen. Qualcomm sieht nun natürlich seine Chance gekommen. Mit einer Ausnahmelizenz könnte man für Huawei zu einem Hauptlieferanten für Chips werden. Laut einer internen Qualcomm-Präsentation, die das Wall Street Journal gesehen haben will, lägen für den US-Chiphersteller bis zu acht Milliarden US-Dollar drin.

Der US-Chiphersteller erwartet einen Einbruch beim Smartphone-Absatz aufgrund der Coronakrise. (Archivbild)

Die USA kostet Qualcomm sehr viel Geld. Bild: sda

Qualcomms Lobbying-Kampagne soll daher versuchen, Trump klar zu machen, dass es einen anderen Weg geben muss. Aktuell stünden die politischen Prioritäten der Trump-Administration in Konflikt mit den wirtschaftlichen Interessen vieler grosser US-Firmen.

Man wolle Trump klarmachen, dass viele US-Firmen ein Interesse am chinesischen Markt hätten und diesen sogar bräuchten. Die jetzigen Restriktionen würden eine ganze Industrie mit komplexen Beziehungen und Zusammenhängen, die sich um den ganzen Globus erstrecken, zerreissen. Es bestünde die Gefahr, dass die US-Technikbranche erheblichen Schaden davon trage oder sogar in Rückstand gerate.

Es verwundert also nicht, dass Qualcomm einigen Aufwand ins Lobbying investiert. Eine Ausnahmelizenz oder die Lockerung des Banns muss her, und zwar rasch. Qualcomm wird dabei nicht das einzige US-Unternehmen sein, das versucht, die Trump-Administration zu einer Lockerung zu bewegen. Unter dem Strich geht es für die Tech-Wirtschaft schlicht um zu viel. Mittlerweile scheinen das alle begriffen zu haben – ausser Trump.

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45 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
bebby
14.08.2020 19:27registriert February 2014
Trump ist sicher zu einem Deal bereit: Ausnahmen für US Unternehmen, die seine Wiederwahl unterstützen, egal mit welchen Mitteln.
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Füürtüfäli
14.08.2020 21:21registriert March 2019
Ich frage mich, wie lange es dauert, bis insbesondere große Firmen anfangen den Unternehmensstandort USA als gravierenden Wettbewerbsnachteil zu begreifen und anfangen abzuwandern. Wenn Europa schlau wäre, würden sie das aktiv unterstützen. und Rechtssicherheit und eine gewisse Neutralität zum Wettbewerbsvorteil machen.
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Fischra
14.08.2020 21:17registriert July 2016
Er musste ja zuerst alles zerstören was vorhanden war um es jetzt als Deal wieder zu verkaufen. Die slte Möchtegern Sanierer Mentalität welche ausser Spesen nichts bringt.
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