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Beim nachträglichen Anhören sollen Apple-Mitarbeiter herausfinden, welche Worte oder Geräusche die versehentliche Aktivierung auslösten. bild: shutterstock

Hey, Siri, kann ich nun wieder unbelauscht Sex haben?

Als erster Anbieter von Sprachassistenten will Apple explizit um Erlaubnis zum Anhören von Mitschnitten fragen und kündigt weitere Änderungen an.



Was ist passiert?

Apple wird als erster Anbieter von Sprachassistenten die User ab Herbst ausdrücklich um eine Erlaubnis zum nachträglichen Anhören von Mitschnitten durch Mitarbeiter fragen.

Dies dürfte mit iOS 13 im September passieren.

Der iPhone-Konzern hatte diesen Schritt bereits Anfang des Monats in Aussicht gestellt, nachdem das Bekanntwerden der Praxis massive Kritik ausgelöst hatte.

Ausserdem wird Apple von Unterhaltungen der Nutzer mit der Sprachassistentin Siri keine Aufzeichnungen mehr langfristig speichern.

Zu den nun von Apple angekündigten Änderungen gehört auch, dass die ausgewählten Mitschnitte nur noch von Apple-Mitarbeitern und nicht mehr bei externen Dienstleistern angehört werden. Bereits vergangene Woche war von Kündigungen bei einem entsprechenden Dienstleister in Irland berichtet worden.

Wo ist das Problem?

Bei sprachgesteuerter Assistenzsoftware wie Amazons Alexa, dem Google Assistant und Siri wurden Fragmente von Mitschnitten seit Jahren zum Teil auch von Menschen angehört und abgetippt, um die Qualität der Spracherkennung zu verbessern. Es geht dabei zum Beispiel um Fälle, in denen die Sprachassistenten den Befehl nicht verstanden, die falsche Erkennung von Aktivierungswörtern sowie den Umgang mit neuen Sprachen und Dialekten.

Die Anbieter betonen, dass die Aufnahmen davor anonymisiert würden. Den Nutzern war die Praxis allerdings weitestgehend nicht bewusst, bis vor einigen Monaten erste Medienberichte dazu auftauchten.

Was ist mit Google, Amazon und Microsoft?

Google und Apple setzten die Auswertung der Sprachaufnahmen durch Menschen vor einigen Wochen aus, Amazon gibt Nutzern die Möglichkeit, die Nutzung von Mitschnitten zur Verbesserung des Dienstes abzulehnen.

Microsoft hatte ebenfalls eingeräumt, dass Gespräche von Nutzern über Skype und und mit dem Sprachassistenten Cortana von Mitarbeitern nachträglich angehört werden können. Dies diene der Verbesserung von auf Spracherkennung basierenden Angeboten. Voraussetzung für eine Auswertung sei aber die Zustimmung der Nutzer.

Warum prescht Apple vor?

Der Fokus auf Siri war durch einen Bericht der Zeitung «Guardian» Ende Juli gelenkt worden. Der Mitarbeiter eines Apple-Dienstleisters erzählte, auf den Aufnahmen seien zum Teil sehr private Details zu hören. So schnappe Siri auch Fragmente von Gesprächen mit medizinischen oder geschäftlichen Inhalten, mögliche kriminelle Aktivitäten oder auch Nutzer beim Sex auf, sagte er.

Apple geriet durch die Enthüllungen besonders unter Druck, weil der Konzern sich seit Jahren als Hüter der Privatsphäre seiner Nutzer gegen Konkurrenten wie Google oder Facebook profilieren will. Der Konzern verwies aber ursprünglich nur in einem Sicherheitsdokument darauf, dass auch «eine geringe Anzahl von Transkriptionen» für die Verbesserung des Dienstes eingesetzt werden könne. Nach dem Papier im Bereich für Entwickler musste man allerdings erst suchen – und die Nutzer wurden bei der Einrichtung von Siri bisher nicht explizit auf diese Möglichkeit hingewiesen.

Was ist mit «Hey, Siri»?

Die fehlerhaften Aktivierungen, bei denen Apples Sprachassistentin glaubt, die Weckworte «Hey, Siri» gehört zu haben, sind ein besonderes Problem. Denn dabei können Sätze und Unterhaltungen aufgezeichnet werden, die nicht an die Sprachassistentin gerichtet waren.

Beim nachträglichen Anhören sollen die Mitarbeiter herausfinden, welche Worte oder Geräusche die versehentliche Aktivierung auslösten, um die Software entsprechend anzupassen.

Apple verspricht nun:

«Unser Team wird daran arbeiten, jede Aufnahme, die als unbeabsichtigter Auslöser von Siri erkannt wurde, zu löschen.»

Sprich: Man will sich Mühe geben, kann aber nicht garantieren, dass nicht auch in Zukunft sensible Gespräche ungewollt von Dritten mitgehört und ausgewertet werden.

Wer auf Nummer sicher gehen will, muss Siri wohl oder übel in den System-Einstellungen vollständig deaktivieren.

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screenshot: watson

Wie will Apple Anonymität gewährleisten?

Das ungewollte Zuhören Dritter ist das eine, richtig gefährlich würde es aber, wenn die Identität der abgehörten Personen bekannt wären. Dies sei laut Apple nicht möglich, zumindest nicht, was den registrierten Besitzer oder die Besitzerin des betroffenen Gerätes betrifft. Der Konzern betont die Vorkehrungen zur Gewährleistung der Anonymität:

«Siri verwendet eine zufällige Kennung – eine lange Folge an Buchstaben und Zahlen, die einem einzelnen Gerät zugeordnet sind – um Daten während der Verarbeitung zu verfolgen, anstatt diese über Apple-ID oder Telefonnummer mit der Identität zu verknüpfen.»

Wie lange werden Audio-Aufnahmen gespeichert?

Nach früheren Angaben von Apple wurde weniger als ein Prozent der Aufnahmen in meist nur wenige Sekunden langen Fragmenten von Menschen ausgewertet.

Laut den Angaben in dem Sicherheitspapier für Software-Entwickler konnten Mitschnitte bisher bis zu zwei Jahre lang für die Verbesserung des Dienstes verwendet werden, dabei wurde nach sechs Monaten eine Kopie ohne persönliche Informationen abgespeichert.

Die Ankündigung von Apple deckt sich weitgehend mit den Forderungen auch von deutschen Datenschützern, die unter anderem verlangen, dass die Nutzer explizit um eine Erlaubnis zur Auswertung von Mitschnitten durch Menschen gefragt werden müssten.

Mehr Informationen:

(dsc/sda/awp/dpa)

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