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Über ein Datenvisualisierungs-Tool ist ersichtlich, wo Menschen in Bewegung sind. screenshot: youtube

Die USA verlieren den Kampf gegen das Coronavirus – hier der Beweis

Zwei US-Unternehmen visualisieren Bewegungsdaten, die mit Smartphone-Tracking gesammelt wurden. Ziel sei es, die Welt zu sensibilisieren.



Smartphones verraten jeden Schritt, den wir tun. Dazu braucht's keine Hacker oder Geheimdienste, die heimlich in Mobilgeräte eindringen, um sie anzuzapfen.

Die folgenden Visualisierungen stammen aus einer Kooperation von zwei US-Unternehmen: X-Mode und Tectonix arbeiten laut eigenen Angaben zusammen, «um die Veränderungen der menschlichen Bewegungen in den von COVID-19 betroffenen Städten auf der ganzen Welt zu verfolgen».

Sogenannte «Heat Maps» bilden ab, wie viele Smartphones sich an einem Ort befinden. Je mehr Smartphones, desto heller leuchtend wird es auf der Karte angezeigt. Und dies kann nun auch verwendet werden, um aufzuzeigen, wie sich Menschen in Zeiten der Corona-Pandemie bewegen.

Das Resultat: «Erschreckend», titelt Slash Dot.

«Spring Break» in Florida

Das Video oben zeigt Smartphones während einer Spring-Break-Party an einem Strand in Fort Lauderdale, Florida, also während der US-Frühjahrsferien. Als das kollektive Besäufnis endet, reisen die Mobilgeräte mit ihren Besitzern in alle Teile der Vereinigten Staaten und ins Ausland. Und tragen möglicherweise das Coronavirus in alle Ecken: Denn trotz eindringlicher Warnungen und der Aufforderung der US-Regierung, zu Hause zu bleiben, feierten die US-Studenten munter und ausgelassen, mit Teilnehmern aus aller Welt.

New York City

Abgesehen von Florida gibt es auch eine Bewegungsdaten-Analyse von New York City, das derzeit das Epizentrum der Pandemie in den USA ist. Genau wie Florida zeigten die Daten über New York, insbesondere Manhattan, eine weit verbreitete Bewegung während des gesamten Monats März. Sprich: Viele Leute hielten sich nicht an #StayHome.

Die Tracking-Firma schreibt:

In den nächsten Wochen wird X-Mode Berichte und Erkenntnisse veröffentlichen, die auf den Standortdaten unserer Plattform bezüglich der laufenden COVID-19-Pandemie basieren. Diese datenbasierten Erkenntnisse – die sowohl von X-Mode als auch von unseren Partnerorganisationen zur Verfügung gestellt werden – sollen in einer Zeit der Unsicherheit klare Antworten geben.

quelle: xmode.io

Smartphone-Tracking in Pandemie-Zeiten

Wie ist das möglich?

Hunderte Millionen Smartphone-User weltweit geben ihren Standort, bzw. den des Geräts, mehr oder weniger freiwillig preis. Die Daten werden an Firmen-Server übermittelt. Dort werden sie gespeichert und aggregiert, also zwecks Auswertung zusammengeführt.

Häufig akzeptierten User beim Installieren einer Anwendung, dass entsprechende Informationen über sie gesammelt und verwertet werden: Allerdings nicht zuhanden des Gemeinwohls, sondern aus kommerziellen Gründen, für einen relativ jungen Wirtschaftszweig, der sich in den USA und weltweit auf die Verwertung von «Location Data» spezialisiert hat.

Jedem Mobilgerät wird eine einzigartige Werbe-ID zugewiesen. Diese Geräte-ID ermöglicht es zahlreichen Unternehmen, personalisierte Werbeinhalte auszuliefern, auf der Grundlage der Browsing-Historie und der Aktivität der User.

Wie funktioniert das Smartphone-Tracking?

Es handelt sich um ausgeklügelte Methoden, die immer zum Ziel haben, den genauen Aufenthaltsort eines Mobilgeräts zu bestimmen und an einen Server zu übermitteln.

Dies geschieht über:

Das SDK von X-Mode war 2018 bei mehr als 300 Smartphone-Apps implementiert. Das Unternehmen konnte schon damals 15 Prozent der US-Bevölkerung ständig «überwachen». Die Daten wurden zu Werbezwecken monetarisiert.

Die aktuellen Angaben der Firma:

Tectonix beschreibt sich selbst als eine Plattform zur Visualisierung von Geodaten, die speziell für die Verarbeitung grosser Datensätze in nahezu Echtzeit entwickelt wurde. Mit einer Rechenleistung, die mit keiner anderen Engine dieser Art vergleichbar sei, könne man Milliarden von Datenpunkten gleichzeitig visualisieren, so dass sich «in einer einzigen Erkundungs-Session» Muster und Trends auf globaler, nationaler, staatlicher und lokaler Ebene erkennen liessen.

Ist die Anonymität wirklich gewährleistet?

Nein.

X-Mode versichert zwar, dass die verwendeten Daten «anonymisiert» seien, das heisse, der Standort eines Mobiltelefons sei nicht mit der Identität des Nutzers verknüpft.

«Wir sammeln, verarbeiten oder speichern niemals persönlich identifizierbare Informationen, wie z. B. Ihren Namen, Ihre Telefonnummer, E-Mail, Ihr Geburtsdatum oder Ihr Geschlecht.»

Doch haben Forscher mehrfach belegt, dass sich trotzdem Rückschlüsse auf die Identität der Smartphone-User ziehen lassen. Datenschützer zeigten sich alarmiert.

Die meisten Benutzer haben, oft unwissentlich, eingewilligt, dass ihre Daten zu Werbezwecken gesammelt werden.

X-Mode erwähnt auf der Firmen-Website, dass die eigene Technologie sowohl mit dem DSGVO der EU als auch mit dem kalifornischen Datenschutzgesetz konform sei. Die Nutzer hätten zudem die Möglichkeit, sich gegen die Verwendung ihrer Daten durch das Unternehmen zu entscheiden.

Was hat das mit den Handy-Daten zu tun, die die Swisscom dem Bund zur Verfügung stellt?

Der Bund verwertet gemäss eigenen Angaben keine Daten, die von Smartphone-Tracking stammen.

Wie wir seit Donnerstag wissen, meldet die Swisscom, als grösste Mobilfunk-Anbieterin der Schweiz, dem Bund, wo sich grössere Menschenansammlungen bildeten. Aber nicht in Echtzeit, sondern mit 24 Stunden Verspätung, wie die Verantwortlichen an einer Medienkonferenz versicherten.

Laut Swisscom-Sprecher Christian Neuhaus signalisiere das Unternehmen dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Orte, in denen sich 20 oder mehr Handys auf einer Fläche von 100 mal 100 Meter befinden.

Diese Analysen würden nur im öffentlichen Raum durchgeführt. Wohngebäude und Geschäftsräume seien nicht betroffen, sagte Neuhaus. Nur wenige BAG-Mitarbeiter hätten Zugriff auf diese Daten. Die Informationen dürften nur für die Pandemie-Bekämpfung verwendet werden.

Innenminister Berset ist jedoch der Ansicht, dass eine Diskussion über eine breitere Verwendung dieser Technologie in Zukunft erforderlich ist. So müsse darüber diskutiert werden, der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, freiwillig persönliche Informationen zu teilen, die es den Behörden ermöglichten, die Entwicklung einer Epidemie zu verfolgen.

Mit Material der SDA

Quellen

(dsc)

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Srslyguys? 28.03.2020 22:14
    Highlight Highlight Ausserdem gut zu wissen, sind die ganzen Kameras in London und das milliardenschwere Überwachungsnetz der Briten bei leeren Strassen jetzt richtig rentabel. Vielleicht doch aufs falsche Pferd gesetzt? Aber bestimmt lässt sich das eine oder andere Virus bei frischer Tat ertappen.... Keep calm and continue surveillance.
  • Srslyguys? 28.03.2020 22:09
    Highlight Highlight George Orwell 1984. Gut durchs Video zu wissen, das sich mit Spider auch ein einzelner Punkt auswählen lässt, den man "anonym" verfolgt und dadurch zum Glück nicht rausfinden kann wo er/sie wohnt, heisst, arbeitet, abends in welchen Verein zum Sport machen geht, in welchen Supermarkt man bevorzugt geht und vll sogar religiöse oder politische Einrichtungen besucht. Mit welchen vom Staat/Geheimdienst deklarierten "anonymen" sich Terroristenpünktchen man sich trifft oder zufällig in der Nähe ist, damit der Drohnen Pilot auch beruhigt sein kann, das er in eine Gruppe aus Staatsfeinden schiesst.
  • Therealmonti 28.03.2020 16:36
    Highlight Highlight Werden hier Äpfel mit Birnen verglichen?
  • Black hat (minus hat) 28.03.2020 11:35
    Highlight Highlight Tectonix: *präsentiert spannende Daten, die zeigen wie die Ausbreitung der Pandemie mit dem Verhalten der Bevölkerung zusammenhängt*

    Schurter: "Die bösen Techfirmen sammeln unsere Daten!!!1elf"
  • jaqk 28.03.2020 10:27
    Highlight Highlight Könnte man das ganze auch für das Championsleaguespiel Atalanta Bergamo vs. Valencia aufzeigen? Das sollte doch der Auslöser in Italien gewesen sein. Würde mich wirklich wunder nehmen.
    • Krakoki 28.03.2020 11:32
      Highlight Highlight Amerikanische Forscher meinen, der europäische Covid-19-Ausbruch könnte von Deutschland ausgegangen sein (Bayern). So wie ich es verstanden habe, soll der Patient-0 in der Lombardei den Pantient-1 angesteckt haben (nicht belegt), also der Mann der diese Woche genesen ist. Deswegen soll auch die Eindämmung der Seuche nicht funktioniert haben, Italien das einzige Land ist, dass überrascht wurde und sich nicht wie andere Länder habe sich vorbereiten können. Das mit dem Match war dann dein riesiges Dilemma aber wohl auch niemand einen Vorwurf gemacht werden kann. Schluss-Zahlen werden mehr zeigen.
    • Auric 28.03.2020 16:51
      Highlight Highlight von den Fussballdeppen werden die allerwenigsten krank werden oder gar dran sterben, Ihre alten und kranken Angehörigem allerdings werden daran zu leiden haben.
  • Satan Claws 28.03.2020 01:35
    Highlight Highlight Während einer Pandemie so etwas einzuführen ist doch Unsinn, besonders wenn man die Dunkelziffer nicht kennt und die Inkubationszeit derart hoch ist.

    Ein Überwachungssystem müsste man vor einem solchen Vorkommnis einsetzen, was natürlich hiesse immer.

    Das ist so als würde man einen Vulkanausbruch nachträglich vorhersehen oder einem Einbrecher bei der Arbeit zusehen.
  • JaAber 28.03.2020 00:23
    Highlight Highlight Die Daten, die der Bund von Swisscom erhält, haben m.E. nichts mit Smartphone-Tracking zu tun. Nicht das Handy wird hier verfolgt, sondern nur die Ansammlung von Geräten. Dies wird seit Jahren gemacht, um zB auf Staus auf Autobahnen aufmerksam zu werden. Statt Menschen mit einer Drohne aus der Luft zu zählen, lässt man die Mobilfunkantenne die Geräte an einem Ort zählen. Da damit keine Personen bestimmbar werden, kommt der Datenschutz nicht zum Zug.
    • Satan Claws 28.03.2020 01:21
      Highlight Highlight @JaAber

      Wenn sich ein Gerät regelmässig über längere Zeit am selben Ort befindet kann man folgende Schlüsse ziehen. Wo der Träger wohnt, arbeitet, welche Hobbies er hat, ob er ein Auto oder Fahrrad besitzt. Ungenauer wird es das Alter zu schätzen.

      Wenn man Bewegungsmuster genauer auswertet findet man das ungefähre Alter heraus und auch welches Parteiprogramm er bevorzugt.

      Kurz, da ist gar nichts anonym.

  • qolume 28.03.2020 00:15
    Highlight Highlight US is doomed... Das wird leider ganz böse enden. Dank hervorragender Führung und einem teilweise ignoranten Volk das sich keine Freiheiten nehmen lässt.
    • Auric 28.03.2020 16:52
      Highlight Highlight qolume for Präsident!!
  • Hoci 27.03.2020 21:05
    Highlight Highlight Der Titel passt null. Es geht umTracking und Datenschutz und Bewegungen zu Speingbreak. Ob es dadurch tatsöchlich zur massiven Ausbreitung kam ist hingegen nicht belegt.
    • Nordlicht 27.03.2020 22:00
      Highlight Highlight Tatsöchlich?
    • woo-hoo 27.03.2020 22:59
      Highlight Highlight Das neue tschuldigom 😅
    • Alice36 28.03.2020 09:54
      Highlight Highlight Na ja wenn ich mir die Infektionsraten in den USA so ansehe bin ich geneigt anzunehmen das "tatsöchlich" eine Ausbreitung stattgefunden hat.
      Dazu muss ich kein stabiles Genie sein 🤯
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