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epa04203516 (FILE) A file picture dated 21 October 2004 shows a man passing by a Google logo in Frankfurt, Germany. Internet search engine operators must remove links to outdated personal data from their results pages, the European Union's top court ruled 13 May 2014, in a case brought by Google against the Spanish data protection authorities. The case relates to a Spanish man whose name was published in a newspaper in 1998 as the owner of a property to be auctioned off because of debts. Links to this information continued to appear in Google searches for his name. Since 2009, the man has attempted to have the online information erased, arguing that the proceedings had concluded many years previously and were no longer relevant. Spain's data protection agency sided with him in 2010, ordering Google to remove the links. The internet giant appealed, and a Spanish court turned to the European Court of Justice for advice.  EPA/BORIS ROESSLER *** Local Caption *** 50863882

Heute schon gegoogelt? Bild: EPA

Netflix, Google, Instagram, Pornos: So klimaschädlich ist das Internet wirklich

Täglich werden Milliarden Suchanfragen gestellt, Videos geguckt und Social-Media-Postings abgesetzt. Dabei wird mit jedem Klick CO2 freigesetzt.

Saskia Leidinger / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Fliegen und Autofahren ist schädlich fürs Klima. Das dürfte den meisten Menschen mittlerweile bewusst sein. Aber die wenigstens machen sich darüber Gedanken, dass es ebenso klimaschädlich ist, sich ein Video bei YouTube anzusehen, kurz etwas bei Google zu suchen, oder online einzukaufen.

Netflix ein Klimakiller?

Den Grossteil ihrer Zeit verbringen Menschen im Internet aber nicht mit Google-Suchen, sondern mit dem Ansehen von Videos. Bei einem Drittel davon handelt es sich um pornografisches Material.

Wären die Streamingdienste wie Netflix und Amazon ein Land, würden sie in einem Jahr so viel CO2 produzieren wie Chile, wie eine Untersuchung des «Shift Projects» zeigt.

Doch auch in analogen Zeiten war nicht alles besser. Matt Brennan von der Universität Glasgow hat verschiedene Musikdatenträger auf ihre Umweltfreundlichkeit hin getestet. Er kam zu dem Ergebnis, dass Musikdownloads und Streaming in der Zeit von 2013 bis 2016 deutlich mehr CO2 produzierten als CDs, Kassetten oder Vinyl-Schallplatten.

Allerdings spart die digitale Musik deutlich an Plastik ein und ist zumindest in diesem Aspekt umweltfreundlicher. Wer umweltfreundlich Musik hören möchte, kann dies laut Greenpeace nur bei Apple bedenkenlos tun. Spotify beispielsweise schnitt in der Untersuchung schlecht ab.

Die Server sind das Problem

Die Ursache für den hohen CO2-Ausstoss sind die Rechenzentren. Waren vor fünf Jahren noch die privaten Geräte mit Abstand die grössten Stromverbraucher, so zeigt sich eine stärkere Verschiebung hin zu Rechenzentren, denn Cloud-Dienste liegen im Trend.

Gerade Videos benötigen viel Speicherkapazität. Ein zehnstündiges HD-Video benötigt so viel Speicherplatz, wie alle englischen Wikipedia-Artikel im Textformat. Rechenzentren verbrauchen nicht nur den Strom, den sie für den Betrieb benötigen. Die zahlreichen Server produzieren auch viel Wärme. Deshalb müssen sie stets gekühlt werden. Das verbraucht zusätzlichen Strom.

«Mehr als 40 internationale Rechenzentrumsbetreiber sind mittlerweile in Frankfurt am Main angesiedelt. Sie machen zusammen inzwischen ein Fünftel des gesamten Strombedarfs der Stadt aus. Im Jahr 2017 haben die Rechenzentren 1'037 Gigawattstunden Strom verbraucht. Das heisst, sie verbrauchen mehr Strom als alle Haushalte in Frankfurt zusammen», heisst es in der CO2-Bilanz der Stadt Frankfurt vom November 2019.

Die Energieversorgung wird zum Problem

In Frankfurt ist allerdings auch die Börse angesiedelt, die mit ihrem weltweiten Hochgeschwindigkeitshandel zum Datenverkehr beiträgt. Auch der Internetknotenpunkt DE-CIX steht in der Mainstadt und trägt dazu bei, dass dort der Bedarf an leistungsfähigen Rechenzentren besonders gross ist. 

Mehr Rechenzentren bedeuten auch einen höheren Energiebedarf. Das bestätigt eine Studie des Borderstep-Instituts. Demnach hat der Energieverbrauch von Rechenzentren in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Ein Grund dafür ist nach Ansicht der Wissenschaftler der Anstieg an Cloud-Diensten.

Ab dem nächsten Jahr gilt für Server und Datenspeicher die EU-Ökodesign-Verordnung. Dadurch sollen die Server energieeffizienter werden und Strom einsparen. Facebooks Server haben nach eigenen Angaben im Jahr 2018 rund 339'000 Tonnen CO2 emittiert.

Vom Rechenzentrum zur Heizung

Doch die grossen Technologieunternehmen haben das Problem erkannt und versuchen gegenzusteuern. Apple betreibt seit 2018 alle seine Büros, Rechenzentren, Einkaufsläden und Fabriken weltweit komplett mit erneuerbaren Energien.

Auch Facebook und Google bekamen 2017 in einer Studie von Greenpeace für ihren Strommix die Note A. Am schlechtesten schneiden in diesem Report die US-Firma Oracle, der südkoreanische Hersteller Samsung und die chinesische Plattform Alibaba ab. Ihr Strom werde hauptsächlich in Kohle- und Atomkraftwerken produziert.

Mittlerweile haben zahlreiche IT-Unternehmen verkündet, ihren Strom auf 100 Prozent erneuerbare Energien umzustellen. Und auch neben dem Strommix gibt es Ideen, wie sich Rechenzentren klimaneutraler gestalten lassen. So wird die Abwärme von Datenzentren in Stockholm beispielsweise genutzt, um die Stadt zu heizen, und das Rechenzentrum des TÜV Nord in Hannover muss dank eines effizienten Energiemanagements erst ab einer Aussentemperatur von 24 Grad heruntergekühlt werden. In Paris werden Schwimmbäder durch die Abwärme von Rechenzentren geheizt.  

Doch den Bemühungen um eine klimaneutrale Stromversorgung steht ein wachsender Energiebedarf gegenüber. Denn in Zukunft werden noch mehr Rechenzentren benötigt. Von der smarten Lampe oder dem Kühlschrank, die sich mit dem Internet verbinden, bis hin zu Industrie 4.0 – das Datenaufkommen wird steigen. So erwarten Experten, dass sich der Stromverbrauch durch WLAN, Festnetz und Mobilfunk bis 2030 von 722 Terrawattstunden (TWh) auf 3725 TWh pro Jahr verfünffachen wird.

Und daran trägt jeder, der das Internet nutzt, seinen Anteil. Übrigens: Die Recherche für diesen Artikel hat 239 Gramm CO2 verbraucht. Das entspricht einer Autofahrt von 1.3 Kilometern.

Quellen

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