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FILE - In this May 29, 2018, file photo, philanthropist George Soros, founder and chairman of the Open Society Foundations, attends the European Council On Foreign Relations Annual Meeting in Paris. The FBI and local police responded to an address near Soros' home after an object that appeared to be an explosive was found in a mailbox. The Bedford Police Department said it responded to the address in the hamlet of Katonah, N.Y., Monday, Oct. 22, 2018, after an employee of the residence opened the package. (AP Photo/Francois Mori, File)

Im Fokus: George Soros. Bild: AP

Facebooks schmutziges Geheimnis – Zuckerberg und Co. behaupten, sie wussten von nichts

Facebook reagiert auf Enthüllungen, wonach der Konzern eine PR-Firma bezahlt hat, um den jüdischen Milliardär George Soros und andere Kritiker zu diffamieren. 



Das Wichtigste in Kürze

Angesichts der jüngsten haarsträubenden Enthüllungen zu Facebook werden sich viele Beobachter fragen:

Was muss eigentlich noch passieren, bis der Social-Media-Koloss in die Schranken gewiesen wird?

Zur Erklärung: Wir befinden uns mitten in einem Drama, das nach dem immer gleichen Schema abläuft:

  1. Medien berichten kritisch über Facebook und enthüllen fragwürdige Vorgänge.
  2. Das Unternehmen bestreitet und verharmlost.
  3. Wenn der Druck wächst, kriecht Mark Zuckerberg öffentlich zu Kreuze und verspricht Besserung.
  4. Alles geht wieder seinen gewohnten Gang. Sprich: Facebook verdient Milliarden und die anderen Akteure versuchen, so gut es geht von Facebook zu profitieren.
epa07080416 The image of CEO of Facebook Mark Zuckerberg is seen in the viewfinder of a television camera while testifying before the Senate Commerce, Science and Transportation Committee and the Senate Judiciary Committee joint hearing on 'Facebook, Social Media Privacy, and the Use and Abuse of Data' on Capitol Hill in Washington, DC, USA, 10 April 2018. Zuckerberg is testifying before two Congressional hearings this week regarding Facebook allowing third-party applications to collect the data of its users without their permission and for the company's response to Russian interference in the 2016 US presidential election.  EPA/MICHAEL REYNOLDS

Facebook-CEO Mark Zuckerberg will nichts gewusst haben. Bild: EPA/EPA

Was sind die jüngsten Entwicklungen?

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat nach eigenen Angaben erst aus einem Bericht der «New York Times» erfahren, dass sein Unternehmen eine berüchtigte PR-Firma beschäftigte, um Kritiker in ein schlechtes Licht zu rücken.

«Jemand aus dem Kommunikationsteam muss sie angeheuert haben», sagte Zuckerberg am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Auch Geschäftsführerin Sheryl Sandberg, die sich bei Facebook viel mit politischen Fragen befasst, habe davon nichts gewusst.

Facebook wolle jetzt Beziehungen zu PR-Agenturen auf den Prüfstand stellen, um mögliche weitere ähnliche Fälle herauszufiltern. Auch wenn andere zu solchen Methoden griffen, «das ist nicht die Art, wie ich das Unternehmen führen will», betonte Zuckerberg. Er wies auch Kritik daran zurück, dass er angeblich nicht über diese Geschehnisse informiert gewesen sei. In einem Unternehmen von der Grösse von Facebook werde es immer passieren, dass Mitarbeiter etwas machten, wovon er nichts wisse.

Der österreichische Datenschutz-Aktivist Max Schrems, der zu Europas profiliertesten Facebook-Kritikern gehört, twitterte:

Was bestreitet Facebook?

Facebook räumte am Donnerstag zwar ein, mit der PR-Firma Definers zusammengearbeitet zu haben, die tatsächlich Journalisten ermutigt habe, sich die Finanzierung der Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) Freedom from Facebook genauer anzusehen. In einer Stellungnahme wurden die Beweggründe aber anders dargestellt als von der NYT:

«Die Absicht war, zu demonstrieren, dass es nicht einfach nur eine spontane Basiskampagne war, wie von ihr behauptet, sondern sie von einem bekannten Kritiker unseres Unternehmens unterstützt wurde.»

Dies als antisemitische Attacke darzustellen, wäre «verwerflich und falsch», lässt Facebook verlauten. Und gleichzeitig heisst es, ohne weitere Begründung: Die Geschäftsbeziehung zu Definers sei «vergangene Nacht» beendet worden.

Weiter bestreitet Facebook:

Für kommendes Jahr kündigt Zuckerberg auch ein neues unabhängiges Gremium an, an das sich Nutzer wenden können, die mit der Löschung ihrer Inhalte durch Facebook nicht einverstanden sind. Details dazu gab es zunächst nicht.

Warum ist Soros im Visier?

George Soros, als Sohn einer jüdischen Familie 1930 in Ungarn geboren und später als Investor in den USA zum Milliardär geworden, ist Geldgeber für viele liberale und demokratische Organisationen. Soros’ Stiftung Open Democracy Foundations verurteilte das nun publik gewordene Vorgehen von Facebook scharf.

Immer wieder werde Soros zum Zielobjekt antisemitischer Attacken politisch rechter Kräfte in Europa, fassen die Nachrichtenagenturen zusammen. So sehe etwa Ungarns Premier Viktor Orban in dem US-Milliardär «eine Hintergrundmacht», die auch Drahtzieher der Flüchtlingskrise sei. Orban sprach in seinen «Soros-Verschwörungen» immer wieder auch über die US-Politik.

Auch US-Präsident Trump bezeichnete Soros jüngst als den Drahtzieher der Proteste gegen seinen umstrittenen damaligen Richterkandidaten und jetzigen Obersten Richter Brett Kavanaugh. Expertinnen und Experten werten die Aussagen rund um Soros jedoch als reine Verschwörungstheorien, die sich nicht auf wahre Fakten beziehen.

Vor den Halbzeitwahlen (Midterms) behaupteten dann rechte US-Medien, Soros stecke hinter der «Migrantenkarawane», die durch Mexiko Richtung US-Grenze ziehe.

Im Januar dieses Jahres hatte Soros Facebook und Google am WEF in Davos öffentlich kritisiert: «Internetmonopole zeigen weder Willen noch die Tendenz, die Gesellschaft vor der Konsequenz ihrer Taten zu schützen», sagte er. Und:

«Das macht sie zur Bedrohung, und es wird zur Aufgabe der zuständigen Behörden, die Gesellschaft vor ihnen zu schützen.»

Was sind die Reaktionen?

Rashad Robinson, Vorsitzender der Facebook-kritischen US-NGO Color of Change, bezeichnete die antisemitische PR-Strategie in einer Reaktion als «abscheulich und besorgniserregend». Die Strategie habe einen «wirklich gefährlichen, antisemitischen Unterton über jüdische Menschen, die die Welt kontrollieren würden». Robinson weiter: 

«Sie sind auch gegen Schwarze. Die Idee, dass unsere Strategien, unsere Ideen, unsere Vision von einem Puppenspieler aufgebaut sein sollen (…) Dass Facebook eine rechte Firma dazu beauftragt haben soll, ist zutiefst verstörend.»

Wir erinnern uns: An die US-Adresse von Soros war im Oktober eine Paketbombe geschickt worden. Mutmasslicher Absender: ein polizeibekanntes Mitglied der Republikaner.

In einem offenen Brief an Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg gibt Patrick Gaspard, Leiter der von Soros finanzierten Stiftungsgruppe Open Society Foundations (OSF), Facebook eine Mitschuld an dem Angriff.

Eine Verbindung zu «Freedom from Facebook» weist Gaspard zurück. Die Soros-Stiftung habe zwar zwei Mitglieder-Organisationen der Koalition unterstützt, dies habe aber keinen Bezug zu «Freedom from Facebook» gehabt.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA

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28 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
DunkelMunkel
16.11.2018 09:16registriert November 2017
„Was muss eigentlich noch passieren, bis der Social-Media-Koloss in die Schranken gewiesen wird?“
Die Nutzer müssen aufhören Facebook zu nutzen. Ansonsten werden sie weitermachen und in Zukunft etwas besser darauf schauen, dass missbräuchliches Verhalten besser verschleiert wird.
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bokl
16.11.2018 09:43registriert February 2014
"In einem Unternehmen von der Grösse von Facebook werde es immer passieren, dass Mitarbeiter etwas machten, wovon er nichts wisse."
Korrekt. Als CEO ist er aber dafür verantwortlich, dass im Unternehmen ein griffiges, unabhängiges Controlling vorhanden ist. Auch wenn es gewisse Abläufe erschwert und nicht in die agile, hippe Tech-Welt passt.
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McBeans
16.11.2018 09:36registriert June 2014
Facebook klingt immer mehr nach FIFA...
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