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FILE - In this Friday, Oct. 25, 2019, file photo, Facebook CEO Mark Zuckerberg speaks about

Mark Zuckerberg reagiert auf Kritik, Trumps umstrittenen Posts nicht gelöscht bzw. gekennzeichnet zu haben. Bild: keystone

«Wenn Plünderungen beginnen, wird geschossen»: Facebook prüft Umgang mit Trump-Posts

«When the looting starts, the shooting starts», schrieb Donald Trump in den sozialen Medien. Facebook liess den Post zunächst stehen, weil er nicht gegen die Regeln verstosse. Nun aber prüft man Warnhinweise, wie sie bereits auf Twitter zu sehen sind.



Facebook stellt nach massiver Kritik an der Untätigkeit des Online-Netzwerks bei umstrittenen Äusserungen von US-Präsident Donald Trump einige seiner Regeln auf den Prüfstand. Das Unternehmen werde seinen Umgang mit staatlichen Gewaltandrohungen und mit Veröffentlichungen, welche die Wahlbeteiligung beeinflussen könnten, prüfen, erklärte Mark Zuckerberg. Es werde auch geprüft, neben der bisherigen Vorgehensweise einen Post entweder zu löschen oder stehenzulassen, Alternativen zu finden. Denkbar wäre beispielsweise Warnhinweise einzublenden, wie dies Twitter neuerdings tut.

Zuckerberg prüft Warnhinweise à la Twitter, aber man dürfe nicht gegen andere Meinungen vorgehen, nur weil sie Facebook nicht gefielen.

An die Facebook-Angestellten schrieb er: «Ich weiss, viele von euch denken, wir hätten die Posts des Präsidenten in der vergangenen Woche auf irgendeine Weise mit Hinweisen versehen sollen.» Zuckerberg warnte allerdings, einen solchen Weg einzuschlagen, könnte Facebook dazu bringen, auch gegen Posts vorzugehen, die dem Unternehmen schlicht inhaltlich nicht gefielen, die aber nicht klar gegen die Regeln der Plattform verstiessen. «Ich glaube, wir müssen hier sehr vorsichtig vorgehen», schrieb er.

Auch will Facebook Massnahmen, die dafür sorgen sollen, dass Menschen nicht von der Teilnahme an Wahlen abgehalten werden, an die Coronakrise anpassen. Dabei steht zunächst die US-Präsidentenwahl im Mittelpunkt. «Es ist wahrscheinlich, dass es beispiellose Angst und Verwirrung rund um den Urnengang im November geben wird – und einige dürften versuchen, diese Verwirrung auszunutzen», räumte Zuckerberg ein. Das werfe zum Beispiel die Frage auf, wann Diskussionen von Politikern über Briefwahlen in verschiedenen US-Bundesstaaten als legitime Debatten einzuordnen seien und wann als Versuch, Wähler von der Stimmabgabe abzuhalten.

Diese Themen waren auch der Auslöser der aktuellen Kontroverse um den Umgang mit Trump, in der Facebook ausdrücklich eine andere Position als Twitter bezog. Erst unterzog Twitter einen Tweet von Trump, in dem er behauptete, Briefwahl erhöhe das Risiko von Wahlfälschung, einem Faktencheck. Trumps Aussage wurde darin als falsch eingeordnet. Auch versteckte Twitter einen Tweet von Trumps hinter einem Warnhinweis, weil er gegen das Verbot von Gewaltverherrlichung auf der Plattform verstosse.

Aufruf an die Polizei?

In dem Tweet, der auch auf Trumps Facebook-Profil gespiegelt wurde, reagierte der Präsident auf erste Ausschreitungen nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeigewalt mit den Worten «wenn Plünderungen beginnen, wird geschossen». Sein Tweet wurde von vielen als Aufruf an die Polizei verstanden, hart gegen die vorwiegend schwarzen Demonstranten durchzugreifen. Mit diesem Satz hatte 1967 der damalige Polizeichef von Miami ein hartes Vorgehen in Wohnvierteln von Schwarzen angekündigt. Facebook liess den Beitrag Trumps auf der Plattform, während Zuckerberg persönlich die Äusserungen verurteilte. Er argumentierte aber unter anderem, für Menschen sei es wichtig, zu wissen, wann der Staat Gewalt gegen sie anwenden wolle.

Zuckerberg prüft Warnhinweise

Zuckerberg vertrat bisher die Ansicht, dass solche Warnhinweise keine gute Lösung seien – ein Beitrag müsse entfernt werden, wenn er gegen Regeln verstosse, argumentierte er. Jetzt will er Alternativen prüfen lassen, die am Ende auch auf Warnhinweise hinauslaufen könnten.

«Während wir weiterhin dafür einstehen werden, dass jeder seine Stimme hörbar machen kann und im Zweifel für die Redefreiheit entscheiden – selbst wenn es Ansichten sind, mit denen wir zutiefst nicht einverstanden sind – will ich dafür sorgen, dass wir auch für die Teilnahme an Wahlen und Gerechtigkeit in Rassenfragen kämpfen.»

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Als eine der Massnahmen soll auf Facebook ein Informationsbereich mit verlässlichen Informationen zu Wahlen eingerichtet werden. Ähnlich informiert das Online-Netzwerk bereits über das Coronavirus, auch um Verschwörungstheorien oder falsche Angaben zu kontern.

Der 36-jährige Unternehmensgründer war wegen seiner Haltung beim Umgang mit Trumps Äusserungen zuletzt stark unter Druck geraten, unter anderem bei den eigenen Beschäftigten. Seine erklärte Position ist, dass eine Plattform wie Facebook nicht entscheiden dürfe, was falsch und was richtig sei. Deshalb sind bei Facebook Äusserungen von Politikern grundsätzlich von Faktenchecks ausgenommen.

Vor einer internen Videokonferenz mit Zuckerberg wurde die Aufforderung, diese Ausnahme aufzuheben, von 5500 Mitarbeitern unterstützt, wie die «Washington Post» berichtete. Zuckerberg hält Facebook-Aktien mit mehr Stimmrechten, was ihm letztlich die volle Kontrolle bei dem Online-Netzwerk sichert. (oli/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Shisha 08.06.2020 13:01
    Highlight Highlight Sofern der Schusswaffeneinsatz gegen Plünderer erlaubt ist, muss es doch auch die Ankündigung ebendessen sein? (Sachliche Kritik willkommen, platte Polemik weniger.)
    • Wiedergabe 08.06.2020 14:02
      Highlight Highlight Gab es Plünderungen - ja
      Gab es Schusswaffeneinsatz dagegen - nein
      Ergo: ein nächster Tropfen in den Ozean der Trumpschen Lügen (absichtlich gross geschrieben).
      Ob der Einsatz überhaupt zulässig wäre in der USA weiss ich nicht, in der CH wäre er es nicht.
    • Shisha 08.06.2020 15:19
      Highlight Highlight @Wiedergabe. Meines Wissens ist es in den USA erlaubt. Und dann finde ich die Androhung besser als den unvermittelten Einsatz.
    • Wiedergabe 08.06.2020 16:01
      Highlight Highlight Aber es war keine Androhung, weil es keinen Einsatz gab, gibt, geben wird.
      Es war dass, als was es durch Twitter bezeichnet wurde: Gewaltverherlichung. Eine solche Bezeichnung ist ja auch nichts Schlimmes, ausser für einen im Stolz verletzlichen Egomanen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ökonometriker 08.06.2020 10:42
    Highlight Highlight Wenn soziale Medien Fake-News zensieren sollen, dann muss das gesetzlich vorgeschrieben und staatlich geprüft werden. Zensur ist sehr gefährlich und muss unbedingt einer demokratischen Kontrolle unterliegen.

    Hier in China wird genau das Bekämpfen von Fake-News als Ausrede für die Zensur verwendet. Im Westen sollte es nicht so weit kommen, wenn wir das mit der Demokratie ernst meinen...
    • ELMatador 08.06.2020 12:39
      Highlight Highlight Dass Problem ist ja dass Fake News nicht immer nur Bagatellen sind. Teilweise werden Fakten so verdreht dass anschliessen ein Lynchmob draus resultiert. Bzw ein Lynch Mob fühlt sich bestätigt, "Good people on both sides".

      Das Problem ist wo dass eine Linie gezogen wird ohne die Freie Meinungsäusserung (Zensur) einzuschränken. Gemäss gesundem Menschenverstand endet die eigene Freiheit dort, wo die Freiheit der anderen beginnt. Nur ist die Freiheit gewisser (z.B. Mr Trump) sehr gross und anderer (minderheiten), nichtexistent.
    • Shisha 08.06.2020 12:58
      Highlight Highlight Und gerade China beweist, dass auch staatliche Zensur willkürlich erfolgen kann. Meinungsfreiheit bringt sicher auch gewisse Probleme mit sich, ist aber - wie die Demokratie - das beste der schlechten Systeme. Deshalb: Freie Rede! Und zwar nicht ein bisschen, sondern vollständig.
    • Wiedergabe 08.06.2020 14:26
      Highlight Highlight 1. soll nichts zensiert werden, sondern als mit einem Hinweis versehen
      2. dürfen private Unternehmen eigene Regeln erlassen und diese nach eigenem Gutdünken durchsetzen. Es gibt kein Menschenrecht auf einen Twitteraccount!
    Weitere Antworten anzeigen
  • ELMatador 08.06.2020 10:22
    Highlight Highlight Interessant ist dass ein Medienunternehmen, dass für rechte Publikationen bekant ist, für das Faktenchecking bei Facebook zuständig ist.

    ich frage mich wiso dass wir bei FB und co eine 200 Seitige AGB durchlesen müssen wenn sie dann faktisch nicht umgesetzt wird, bzw dan eingesetzt wird wenn es den Unternehmen passt.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 08.06.2020 11:01
      Highlight Highlight Ich wage zu behaupten, es handelt sich um puren Opportunismus.
      Man will wohl gewissen Menschen nicht ans Bein pinkeln, um sich gewisse Optionen offen zu halten.
      Aber was genau hinter dieser komischen Doppelmoral steckt, kann ich auch nicht sagen. Nur meine Vermutung äußern.
    • ELMatador 08.06.2020 11:26
      Highlight Highlight Facebook hat angeblich interne Untersuchungen durchgeführt die ergeben, dass anscheinenend ein grossteil der aktiven amrikanischen FB-Community stark von FAKE News / Verschwörungen / Extremeismus lebt. Somit macht es rein wirtschaftlich Sinn, dass sie ihre Eierlegende Wollmilchsau nicht schlachten.
  • Bartli, grad am moscht holä.. 08.06.2020 10:11
    Highlight Highlight Omg könnt ihr bitte bei der internet-lösch bildstrecke ein anderes erstes bild nehmen? 😅 ich kenne es und weiss dass es völlig harmlos ist, aber es schüttelt mich jedesmal wenn ich so unschuldig eure artikel durchscrolle und unverhofft darauf stosse 🙈😂

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