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Tim Berners-Lee, 43, director of the World Wide Web Consortium at the Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, Mass., poses in his office Monday, June 1, 1998. Berners-Lee, a native of London, is a recipient of the 1998 MacArthur Fellowship carrying a stipend of $270,000 for his work in pioneering the World Wide Web. (KEYSTONE/AP/Elise Amendola) === ELECTRONIC IMAGE ===

Da war er noch jung – und das World Wide Web unschuldig. Internet-Pionier Tim Berners-Lee, 1998. Bild: AP

So will der WWW-Erfinder das Internet revolutionieren

Einst erfand er in Genf das World Wide Web, nun will uns Tim Berners-Lee die Kontrolle über unsere Daten zurückgeben.



Worum geht's?

Der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee, 63, ist unzufrieden mit seiner Erfindung respektive dem, was Amazon, Google, Facebook und Co. daraus gemacht haben.

«Das Netz ist zu einem Motor von Ungleichheit und Spaltung geworden; beeinflusst von Mächtigen, die es für ihre eigenen Agenden nutzen.»

Tim Berners-Lee quelle: medium.com

Am Samstag hat Berners-Lee bei medium.com einen Beitrag mit dem Titel «One Small Step for the Web» veröffentlicht. Darin erklärt der Internet-Pionier, wie er das Internet «reparieren» will. Und zwar mit seinem Open-Source-Projekt Solid.

Was ist «Solid» und wie funktioniert das?

Solid steht für «Social Linked Data», eine neue Online-Plattform, die den Usern die Kontrolle über ihre Daten zurückgeben soll.

Mit anderen Wissenschaftlern hat Berners-Lee am Massachusetts Institute of Technology (MIT) die Plattform entwickelt. Im Zentrum stehen Daten-Tresore, «Solid POD» genannt, in denen die User alle wertvollen Daten ablegen können, seien dies persönlichen Informationen, Digitalfotos oder anderes.

Statt dass die User «kostenlose» Tools von Google und Co. verwenden und dabei mit ihren persönlichen Daten bezahlen, können sie die Funktionen ihres Pods nutzen. Dazu gehören gemäss futurezone.at:

Eigene Daten-Tresore kann man beim Internet-Provider seiner Wahl anlegen, die erforderliche Software ist als Open-Source-Code verfügbar.

«Der Solid Pod kann in deinem Haus oder an der Arbeit stehen oder bei einem Solid-Pod-Betreiber deiner Wahl. Da dir deine eigenen Daten gehören, bist du jederzeit frei, damit umzuziehen, ohne eine Unterbrechung des Services.»

Erklärung auf der Solid-Website quelle: t3n

Berners-Lee hat mit Mitstreitern die Firma Inrupt gegründet, um die nötige Infrastruktur bereitzustellen.

Kann man das ausprobieren?

Ja. Guckst du hier.

Wobei das Projekt noch in den Kinderschuhen steckt. Sprich: Der Nerd-Faktor ist riesig, der praktische Nutzen kleiner. 😉

Inrupt solle das werden, was Netscape einst für das WWW war: ein erster einfacher Zugangsweg, fasst Spiegel Online zusammen. «Ab dieser Woche sollen Entwickler überall auf der Welt ihre eigenen Apps für Solid bauen können, mithilfe der Werkzeuge, die Inrupt ihnen zur Verfügung stellt.»

Wer ist Berners-Lee?

1989 entwarf der britische Informatiker am CERN in Genf die Grundidee für das World Wide Web (WWW).

Nun will der preisgekrönte WWW-Erfinder zurück zu seiner ursprünglichen Vision. Denn:

«Wir haben gesehen, dass das Netz die Menschheit im Stich gelassen hat, statt ihr zu dienen, wie es eigentlich vorgesehen war. Ohne bewusstes Zutun der Menschen, die die Grundlagen geschaffen haben, ist ein weltumspannendes Phänomen entstanden, das menschenfeindlich ist.»

In this Monday, April 3, 2017, photo, Tim Berners-Lee poses outside his office at the Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, Mass. Berners-Lee, best known as the inventor of the World Wide Web, is this year's recipient of the A.M. Turing Award, computing's version of the Nobel Prize. The honor comes with a $1 million prize funded by Google, one of many companies that made a fortune thanks to Berners-Lee's efforts to make the internet more accessible and useful. (AP Photo/Charles Krupa)

Tim Berners-Lee vor seinem Arbeitsort, dem Massachusetts Institute of Technology in Cambridge. Bild: AP

Berners-Lee hat sich schon verschiedentlich gegen Datenmissbrauch und Massenüberwachung ausgesprochen.

«Das Netz, das viele vor Jahren verwendet haben, ist nicht mehr vergleichbar mit dem, was neue Nutzer heute vorfinden. Was einst ein reichhaltiges Angebot an Blogs und Webseiten war, ist unter dem Gewicht von ein paar mächtigen Plattformen komprimiert worden.»

quelle: inrupt.com

Ist die Idee neu?

Nein. Es gibt bereits dezentral organisierte Netzwerke, wie zum Beispiel Mastodon, das unter anderem auch von den Machern des Dokumentarfilms «The Cleaners» erwähnt wird.

Solid sei nicht der erste Versuch, die Marktmacht von Online-Giganten wie Facebook oder Google zu durchbrechen, hält futurezone.at fest. Das soziale Netzwerk Diaspora sei gescheitert, weil es von den Nutzern nicht angenommen wurde.

Doch halte Berners-Lee den Zeitpunkt für den Start von Inrupt für perfekt. «Facebook sei seit dem jüngsten Datenskandal rund um Cambridge Analytica in Bedrängnis geraten, so der Informatiker.» In Europa werde zudem gerade darüber diskutiert, wie man die Marktmacht der Online-Riesen eindämmen könne.

Wird Berners-Lee das Internet retten?

(dsc)

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29 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Domimar
02.10.2018 07:30registriert August 2016
Es beruhigt mich, dass ursprüngliche Pioniere/Entwickler erkennen, was mit ihrem Baby passiert ist/passiert und versuchen Gegensteuer zu geben. Ob es Chancen hat werden wir sehen. Ich mach jetzt da jedenfalls mal mit und fange an, das zu nutzen.
2003
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Rectangular Circle
02.10.2018 07:37registriert December 2017
Bin gespannt, wie lange es geht, bis irgendjemand einen Weg findet, Solid ad absurdum zu führen und damit geld zu verdienen.
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Madison Pierce
02.10.2018 08:11registriert September 2015
Sieht aus wie eine Kombination aus Diaspora, Mastodon, Nextcloud und Mailserver. Eine gute Idee, nur bezweifle ich, dass man damit den normalen Internetnutzer ansprechen kann. Die Anmeldung mag einfach sein, aber schon das Einrichten von E-Mail wird für viele eine zu grosse Hürde sein.
Zudem sind Nutzer träge: alles, was die PODs können, haben sie schon. Und dass der Datenschutz kein überzeugendes Argument ist, sieht man an den Nutzerzahlen von Facebook.
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