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Huawei-Boss kauft seiner Familie iPhones – und Analysten sehen schwarz

Die US-Sanktionen könnten schwerwiegende Folgen für den chinesischen Smartphone-Hersteller haben. Doch den Firmengründer lässt das scheinbar kalt.



Während sich der Handelskonflikt zwischen China und den USA diese Woche weiter zuspitzte, schien ein wichtiger Akteur nicht wirklich geschockt zu sein. Im Gegenteil.

Huawei-Gründer Ren Zhengfei outete sich in einem Interview mit der «South China Morning Post» überraschend als Liebhaber von Apple-Produkten und liess zum Erstaunen vieler verlauten, er habe seiner Familie iPhones gekauft.

Seine Begründung:

«Das iPhone hat ein gutes Ökosystem und wenn meine Familie ausser Landes ist, kaufe ich ihnen immer noch iPhones, also sollte man nicht engstirnigerweise denken, Huawei zu lieben, heisst auch Huawei-Handys zu lieben.»

Sein Beweggrund: unklar.

Ren Zhengfei, founder and CEO of Huawei, gestures during a round table meeting with the media in Shenzhen city, south China's Guangdong province, Tuesday, Jan. 15, 2019. The founder of network gear and smart phone supplier Huawei Technologies said the tech giant would reject requests from the Chinese government to disclose confidential information about its customers. (AP Photo/Vincent Yu)

Zhengfei, 75, Multimillionär. archivBild: AP

Fakt ist: Die Chinesen lieben Huawei.

Ein Video, das noch vor den US-Sanktionen, entstand:

Fakt ist auch: In der Volksrepublik mit ihren 1,4 Milliarden Einwohner überbordet gerade der Nationalismus.

«Die Ära von 5G ist angebrochen. Huawei hat viel mehr Spitzentechnologien als Apple.»

Chinesischer Start-up-Gründer quelle: scmp.com

Immer lauter und energischer werden die Stimmen, die fordern, das US-Unternehmen Apple zu boykottieren, um damit auf die US-Sanktionen gegen Huawei zu reagieren.

Auf das staatsnahe chinesische Vorzeigeunternehmen, das sich gerade aufmachen wollte, den Smartphone-Weltmarktführer Samsung zu entthronen, kommen brutal-schwierige Zeiten zu. Falls keine gütliche Einigung gefunden wird mit dem zornigen weissen Mann im Weissen Haus.

Tschüss Europa?

Das Geschäftsverbot für Huawei in den USA hat nach Ansicht von Analysten schwerwiegende Folgen für den chinesischen Netzwerkausrüster und Handyhersteller.

Die Smartphone-Auslieferungen des Konzerns könnten in diesem Jahr um bis zu 24 Prozent zurückgehen, wenn die US-Blockade nicht aufgehoben werde. Dies prognostizieren Analysten der beiden Forschungsinstitute Fubon Research und Strategy Analytics am Freitag.

«Huawei könnte über kurz oder lang aus dem westeuropäischen Markt verschwinden, wenn es den Zugang zu Google verliert.»

Linda Sui, Strategy Analytics

Andere Finanzexperten rechnen in den kommenden sechs Monaten ebenfalls mit starken Einbrüchen, scheuen vor konkreten Prognosen aber zurück, da die Unsicherheiten rund um das Geschäftsverbot zu gross seien.

Studien des Branchendienstes IDC zufolge hat Huawei am globalen Smartphone-Markt einen Anteil von 30 Prozent und lieferte 2018 rund 208 Millionen Smartphones aus. Die Hälfte davon ging in Länder ausserhalb Chinas. Wichtigste Region ist nach Angaben von Huawei Europa.

Huawei werde vermutlich dank der Grösse des heimischen Marktes überleben, heisst es.

Handyhersteller wie Samsung und Apple könnten die entstehende Lücke nach Ansicht der Experten schliessen. Zumindest was den Absatz ausserhalb Chinas betrifft.

Tim Cooks Goodwill-Touren

Der chinesische Nationalismus könnte die iPhone-Verkäufe im Reich der Mitte massiv beeinträchtigen. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass Apple in den vergangenen Jahren wertvolle Aufbauarbeit geleistet hat in China.

Das US-Unternehmen unterstützt direkt oder indirekt rund 5 Millionen Arbeitsplätze in China, davon rund 1,8 Millionen über sein App-Store-Ökosystem (iOS), laut eigenen Angaben. Foxconn, der taiwanesische Zulieferer für Apple, unterhält zudem mehr als 1 Million Arbeitsplätze in China.

CEO Tim Cook reist immer wieder nach China und hat dort laut staatlichen Medien viel Goodwill aufgebaut. Im Namen des US-Unternehmens spendete er grosse Summe für das Wohlergehen von Kindern und die Linderung von Naturkatastrophen und investierte in lokale Unternehmen wie Didi Chuxing sowie Daten- und Forschungszentren.

In this Oct. 10, 2018 photo released by China's Xinhua News Agency, Apple CEO Tim Cook, center, talks with Qu Zhangcai, left, and Liu Zhipeng, right, founders of the Xichuangzhu software app, during a visit to the Confucius Tempe in Beijing. Cook's visit to China, where many of Apple's products are manufactured, comes amid rising trade tensions between China and the United States. (Cai Yang/Xinhua via AP)

Apple-Chef Tim Cook, mit Software-Entwicklern, vor dem Konfuzius-Tempel in Peking. archivBild: AP/Xinhua

Cook sei auch Mitglied des Beirates der höheren Wirtschafts- und Managementsschule der Tsinghua-Universität, bekannt als Wiege der chinesischen Wirtschaftspolitik.

Was dies dem iPhone-Hersteller im sich zuspitzenden globalen Wirtschaftskrieg der beiden Nationen bringt, werden die kommenden Quartalszahlen zeigen.

Die USA hatten Huawei vergangene Woche auf eine schwarze Liste gesetzt, die es US-Firmen untersagt, mit dem Unternehmen Geschäfte zu tätigen. US-Präsident Donald Trump wirft dem Konzern vor, dass mit seinen Produkten Spionage für den chinesischen Staat betrieben werden könne. Huawei hat das entschieden zurückgewiesen.

Mit Material der SDA

(dsc)

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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • RatioRegat 25.05.2019 11:02
    Highlight Highlight "In der Volksrepublik mit ihren 1,4 Milliarden Einwohner überbordet gerade der Nationalismus."

    Das und ein unbedacht handelnder US-Präsident... Kann ja nur gut kommen.
  • Avenarius 25.05.2019 10:49
    Highlight Highlight Cool, die Apple Aktie fällt und fällt, Microsoft und Alphabet Google auch, Facebook ebenfalls. Thank you, Mr. President! You already lost the game ! Because of your so large brain :-)
    • Typu 25.05.2019 11:12
      Highlight Highlight Apple ab 170 wieder kaufen. Kannst mir später danken. Hoffentlich korrigiert sie so weit.
    • Miikee 25.05.2019 11:16
      Highlight Highlight Der Trump liesst hier wohl nicht mit. Du kannst bei der Deutschen Schreibweise bleiben. Adieu Merci
    • dmark 25.05.2019 12:13
      Highlight Highlight The largest brain ever... ;)
    Weitere Antworten anzeigen
  • dä seppetoni 25.05.2019 09:52
    Highlight Highlight Neun von zehn finden mobbing völlig ok
    • Ueli der Knecht 25.05.2019 13:12
      Highlight Highlight Und jeder Zehnte ist ein Mobbing-Opfer?
    • dmark 25.05.2019 13:44
      Highlight Highlight @Ueli:
      Deshalb 9 von 10 ;)
    • dä seppetoni 25.05.2019 13:52
      Highlight Highlight Scharf kombiniert, Watson 🧐😉
    Weitere Antworten anzeigen
  • Team Insomnia 25.05.2019 09:35
    Highlight Highlight Mal einer der nicht Wasser predigt und Wein trinkt. Gutes Statement.
  • Typu 25.05.2019 09:35
    Highlight Highlight Er kauft iphones weil diese nicht ohne weiteres abgehört werden können. Er wird schon wissen, was mit huawei alles möglich ist.
    • TanookiStormtrooper 25.05.2019 12:43
      Highlight Highlight Er wird viel eher wissen, was mit Googles Android möglich ist. Ganz freiwillig setzen sie wohl nicht auf Google, es gibt schlicht keine Alternative, denn iOS ist ja Apple vorbehalten. Ein eigenes (sicheres) System ist ein Risiko, oder kennst du jemanden mit einem Windows Phone?
    • Ueli der Knecht 25.05.2019 13:26
      Highlight Highlight Apple kooperiert mit amerikanischen Behörden genauso wie jedes andere amerikanische Unternehmen. Die amerikanischen Behörden haben Zugriff auf Apples Technik genauso wie auf Google, Facebook, Cisco, Intel usw.

      Um Zhengfeis Schmeicheleien gegenüber Apple zu verstehen und einzuordnen, ist es vermutlich ratsam, sich mit den chinesischen Traditionen, und insbesondere mit deren jahrtausenden alten konfuzianischen Kultur, und zB. auch mit der Kriegskunst von Sunzi auseinanderzusetzen.

      "Alle Kriegshandlung beruht auf Täuschung"
      -Sunzi.

      Schliesslich herrst Krieg. Ein ausgewachsener Handelskrieg.
  • Zeit_Genosse 25.05.2019 08:55
    Highlight Highlight Als Chef eines staatsnahen Grossbetriebs in China wäre ich auch entspannt. Da fliessen Gelder ohne Ende und verzerren den privatwirtschaftlichen Wettbewerb. Auf nationaler Ebene sind sich Samsung (Südkorea) und Apple (USA) näher und profitieren jetzt auch gemeinsam von staatlichen Massnahmen gegen China um die Zoll-/Handelsbilanzen zu korrigieren. Staatlicher Protektionismus ist in Mode gekommen.
    • DerTaran 25.05.2019 15:34
      Highlight Highlight China betreibt seit Jahren heftigst Protektionismus. Bis jetzt hat man ihnen immer verziehen, weil wir im Gegenzug in China billigst und mit wenig Auflagen produzien konnten. Aber das Kosten-Nutzen-Verhältnis hat sich über die Jahre verschlechtert, vor allem weil China ihren Markt mehr und mehr für auslänische Produkte schliesst. Das Konzept, erst für uns zu produzieren, dann uns zu kopieren um uns am Ende aus China zu verdrängen hat bis jetzt sehr gut funktioniert.
      Man darf trotz Trump nicht vergessen, dass auch in China eine nationalistische, populistische Regierung die Macht hat.

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