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Apple CEO Steve Jobs, left, and Google CEO Eric Schmidt, right, smile as they introduce the iPhone during Jobs' keynote address at MacWorld Conference & Expo in San Francisco, Tuesday, Jan. 9, 2007. (AP Photo/Paul Sakuma)

2007 traten Steve Jobs und der damalige Google-Chef gemeinsam auf, dann folgte ein erbitterter Kampf um die mobile Vorherrschaft. Nun ist in Pandemie-Zeiten Kooperation angesagt. archivBild: AP

Die Schweizer Corona-Warn-App kommt – das erwarten die Macher von Apple und Google

Das schweizerisch-europäische Forscherkollektiv DP-3T hat am Dienstag die erste Testversion seiner Contact-Tracing-Software veröffentlicht. Und man reagiert auf den Vorstoss der US-Techgiganten.



Das Wichtigste in Kürze:

Automatisiertes Contact Tracing per Smartphone wird mit einer nie dagewesenen Kooperation der US-Techkonzerne Apple und Google vorangetrieben, wie wir über das Osterwochenende erfahren haben. Schweizer IT-Experten und Forscher, die im Verbund an einer europäischen Contact-Tracing-Software arbeiten, begrüssen den Vorstoss. Sie äussern aber auch konkrete Verbesserungsvorschläge bezüglich Datenschutz und Transparenz. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat derweil «Vorarbeiten» für eine Schweizer Tracing-App bestätigt. Unter anderem ist zu klären, wie die Verifizierung (von positiven Corona-Tests) per App abläuft.

Was ist passiert?

Schweizer App-Entwickler nimmt Stellung

Der Geschäftsführer der Schweizer IT-Firma Ubique, Mathias Wellig, engagiert sich im europäischen Forschungsverbund DP-3T und hilft mit Arbeitskollegen bei der Entwicklung der Schweizer Tracing-App. Im Interview* nimmt der erfahrene App-Entwickler zum laufenden Projekt Stellung.

Herr Wellig, wie ist eine solche plattformübergreifende Kooperation der Konkurrenten Google und Apple einzuschätzen? Handelt es sich hauptsächlich um eine PR-Aktion oder ist das wirklich einzigartig?
Mathias Wellig:
Diese Zusammenarbeit ist in der Tat einzigartig – soweit ich mich erinnern kann, hat es eine solche Ankündigung, die bis zur CEO-Etage reicht, noch nie gegeben. Die Beweggründe sind denn auch nicht im PR-Bereich zu suchen. Die beiden Unternehmen haben ihre historische Verantwortung in der aktuellen Situation erkannt, einen Standard zu setzen, der die Privatsphäre der Nutzer schützt.

Welche konkreten Auswirkungen hat das für das Software-Projekt von DP-3T?
Wir haben eine klare Roadmap. Nach dem Release (vom 14. April) werden wir das SDK (Software Development Kit) ausbauen, damit es das Google-Apple-Protokoll unterstützt. Wir versuchen vorwärtskompatibel zu sein, damit wir nach der Veröffentlichung der API (Programmierschnittstelle) durch Apple/Google direkt die Vorteile nutzen können.

Sie verfolgten von Anfang den Ansatz, sensitive Daten dezentralisiert und anonym zu speichern. Sieht man sich nun bei DP-3T in dieser Vorgehensweise bestätigt?
Auf jeden Fall.

Wie beurteilen Sie aus technischer Perspektive die Folgen, auch mögliche Nachteile, einer direkten Integration von Contact Tracing in iOS und Android?
Eine Folge wird sein, dass Initiativen, die auf diese Architektur setzen, erfolgreicher sein werden, da sie direkte Unterstützung durchs System erhalten. Das könnte einen de-facto Standard für Contact Tracing setzen, was aus unserer Sicht sehr zu begrüssen ist. Nachteile könnten sein, dass man sich zu fest auf Apple/Google verlässt – da die Apps aber auf deren Betriebssysteme laufen und via deren Stores verteilt werden, ist diese Abhängigkeit ohnehin vorhanden.

* Die Fragen wurden per E-Mail beantwortet.

«Das Gesamtkonzept von Testen, Isolieren, Contact Tracing und Quarantäne ist ein bewährter Ansatz»

Marcel Salathé, Epidemiologe

Was sagt der Epidemiologe?

Professor Marcel Salathé vom Digital Epidemiology Lab der EFPL in Lausanne gehört der Corona-Expertengruppe des Bundes an und nimmt gegenüber watson Stellung.

Herr Salathé, wie beurteilen Sie die Ankündigung von Apple und Google aus schweizerisch-europäischer Perspektive?
Marcel Salathé:
Aus meiner Perspektive begrüsse ich das sehr. Es gibt uns Unterstützung für den dezentralen Ansatz, den wir als DP3T-Gruppe vorgeschlagen haben. Und es wird sicher einfacher, mit einem Standard zu arbeiten.

Wie geht es nun mit der länderübergreifenden Initiative Pepp-PT konkret weiter und was erwarten Sie vom Bund?
Wir diskutieren jeden Tag per PEPP-PT-Telefonkonferenz. Am Wichtigsten ist es, dass wir rasch eine Governance etablieren. Erst dann wird klar sein, wofür PEPP-PT offiziell steht.

Vom Bund erwarte ich eine weiterhin gute Zusammenarbeit zum Thema ‹Digital Contact Tracing›, und da bin ich sehr optimistisch. Das digitale Contact Tracing muss ja in einen gesamtpolitischen Prozess eingebunden werden. Die Technologie ist zwar sehr wichtig, aber bei Weitem nicht der einzige Faktor. Letztlich muss ein solches Projekt von der ganzen Gesellschaft getragen werden.

Was können Sie als Epidemiologe zur Wirksamkeit des Contact Tracing per Smartphone sagen?
Epidemiologisch kann man sagen, dass das Gesamtkonzept von Testen, Isolieren, Contact Tracing und Quarantäne ein bewährter Ansatz ist. Gerade im sich rasch entwickelnden COVID-Kontext wird es allerdings wichtig sein, den Prozess mit technischen Mitteln zu unterstützen, da man ihn so schneller und skalierbarer machen kann.

Aber wir müssen aufpassen, dass wir in der Geschwindigkeit nicht den kühlen Kopf verlieren. Die Privatsphäre muss geschützt bleiben. Gerade zu diesem Punkt kann die Technologie eben auch einen essentiellen Beitrag leisten. Das ist genau der Ansatz des DP3T-Projekts. Wir wollen digitales Contact-Tracing unterstützen, aber ohne Verlust der Privatsphäre im Vergleich zum analogen Contact Tracing.

* Die Fragen wurden per E-Mail beantwortet.

Wie geht es weiter?

Die Kooperation von Google und Apple helfe Gesundheitsbehörden weltweit, Zeit und Ressourcen zu sparen bei der Entwicklung eigener Contact-Tracing-Anwendungen. So zitiert die «New York Times» den Wissenschaftler Daniel Weitzner vom Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Erfreulich aus Schweizer Sicht: Das angekündigte technische Vorgehen von Apple und Google bedeutet den «Durchbruch» für den Dezentralisierungsansatz, den der Schweizerisch-europäische Verbund DP-3T verfolgt. IT-Experten und Wissenschaftler aus acht Ländern arbeiten seit Wochen an einer Referenz-Lösung, die als Open-Source zur Verfügung gestellt wird und nun in einer ersten Testversion vorliegt.

Bild

screenshot: twitter

Zuvor hatte DP-3T auf seiner Projekt-Website bei github.com eine Stellungnahme veröffentlicht zur Kooperation der Rivalen Apple und Google. Darin heisst es, man wisse die Unterstützung der beiden Unternehmen «für unsere Lösung» zu schätzen. Gerne arbeite man mit den Plattform-Betreibern, um die App für iOS und Android zu implementieren.

«Wir sind jedoch auch der festen Überzeugung, dass Apple und Google unsere späteren Verbesserungen, die in späteren Versionen unseres Whitepapers detailliert beschrieben werden, übernehmen sollten, um den Datenschutz der Nutzer zu verbessern. Wir raten beiden Unternehmen ausserdem dringend, eine externe Prüfung ihres Codes zuzulassen, um sicherzustellen, dass seine Funktionalität der Spezifikation entspricht.»

Stellungnahme der DP-3T-Entwickler quelle: github.com

Die internationale Forschergemeinde und unabhängige IT-Experten sind aufgerufen, den Code zu prüfen und Verbesserungsvorschläge zu machen bezüglich der sicheren Funktionsweise und einem möglichst effektiven Datenschutz.

Wie wird kooperiert?

Apple und Google hatten bereits eine «enge Zusammenarbeit und Kooperation mit Entwicklern, Regierungen und öffentlichen Gesundheitsdienstleistern» versprochen. Wie eng diese Kooperation nun ausfällt, wird sich erst noch zeigen.

Auch wenn die Schweizer Tracing-App von unabhängigen Fachleuten entwickelt wird, kommt dem Bund eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung zu. Die Verantwortlichen müssen zusammen mit den IT-Experten und Wissenschaftlern die Vorgehensweise bezüglich der Verifzierung von positiv getesteten Covid-19-Fällen festlegen. Infrage kommt beispielsweise das Scannen eines QR-Codes.

Apple und Google wollen keine eigenen Tracing-Apps veröffentlichen, sondern überlassen dies den Staaten bzw. den Gesundheitsbehörden der jeweiligen Länder. An ihnen liegt es also, die freiwillige, aus datenschützerischer Perspektive heikle Meldung von Erkrankungen in der App zu regeln.

In technischer Hinsicht ist dank der geplanten, relativ tiefen Integration des Contact-Tracing in die mobilen Betriebssysteme mit gewichtigen Vorteilen zu rechnen. Der Stromverbrauch dürfte verringert werden: Die Geräte sollen ja rund um die Uhr registrieren, wenn sich zwei (oder mehr) während einer gewissen Zeit in nächster Nähe befinden. Dies muss auch funktionieren, wenn die Tracing-App nur im «Hintergrund» läuft oder das Smartphone im Ruhezustand ist.

In einer nächsten Phase wollen Apple und Google als Anbieter der beiden weltweit dominierenden Smartphone-Plattformen den Tracing-App-Entwicklern neue Programmierschnittstellen (APIs) zur Verfügung stellen. Dies soll laut den jüngsten US-Medienberichten «ab Mitte Mai» der Fall sein.

In einer zweiten Phase, «in den kommenden Monaten», werde das Contact Tracing direkt in die mobilen Betriebssysteme integriert. Was das bedeutet, ist noch nicht absehbar.

Die Bildstrecke erklärt mit einem Comic, wie das sichere Contact-Tracing, Made in Switzerland, funktioniert:

Das Contact Tracing soll iPhone- und Android-Usern ermöglichen, sich freiwillig anzumelden und einen Warnhinweis zu erhalten, wenn sie mit jemandem in engerem Kontakt waren, der (später) positiv auf COVID-19 getestet wurde.

Google hat bestätigt, dass es die Infrastruktur der Google Play Services nutzen wird, um verschiedendste Android-Smartphones möglichst rasch mit Updates für die Contact-Tracing-Software zu versorgen. Sprich: Man will die wichtigen Aktualisierungen nicht den Geräteherstellern überlassen.

Was ist unklar?

Es gibt diverse Aspekte, die einer Klärung bedürfen. Unabhängige Fachleute haben Bedenken und Kritikpunkte geäussert, die vor einer App-Lancierung diskutiert werden müssen. Nur so kann das Vertrauen der Bevölkerung respektive einer Mehrheit der Smartphone-User gewonnen werden.

Dies ist eine Auswahl von Fragen. Nachdem ab sofort eine erste öffentliche Version der europäischen Tracing-App vorliegt, geht es an die kritische Prüfung und ans Testen.

Und die China-Handys?

Es gebe eine grosse Anzahl von Android-Geräten, die nicht von den Google-Play-Diensten profitieren, hält The Verge fest: Das seien alle Android-Smartphones in China sowie alle Huawei-Geräte, die nach der Einführung der Beschränkungen durch die USA weltweit verkauft wurden.

Zur Erinnerung: Google darf offiziell keine Software an Huawei exportieren, was bedeutet, dass es sein Update-System nicht auf die Huawei-Smartphones anwenden kann.

Für diese Smartphone-Hersteller beabsichtige Google, eine spezielle Software (Framework) zur Verfügung zu stellen, schreibt The Verge. Das könnten die Unternehmen verwenden, um das von Google und Apple entwickelte sichere, anonyme Tracing-System zu replizieren.

Es sei dann an Huawei, Xiaomi und anderen chinesischen Herstellern (oder der chinesischen Regierung), zu entscheiden, ob sie das Corona-Warn-System verwenden wollen.

Quellen

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    Alle Leser-Kommentare
  • arni99 15.04.2020 13:09
    Highlight Highlight An alle die sofort Datenschutz schreien, 99.9% aller Menschen auf diesem Planet sind so unwichtig, dass sich ausser Migros und Coop und andere Geschäfte wegen personalisierter Werbung, und eure SM niemand für euch interessiert. Dass ihr so unwichtig seid, tut wohl richtig weh, und deshalb muss man einfach gegen ein solch nützliches App sein, man muss ja wenigstens gegenüber andern zeigen wie wichtig und überwachungswert man ist.
    • Ueli der Knecht 16.04.2020 11:34
      Highlight Highlight Ich brauche meine Privatsphäre, nicht weil meine Handlungen fragwürdig wären, sondern weil es deine Vorurteile und Absichten sind.

      Praktisch jeder Mensch kann einer Minderheit zugeordnet, ausgegrenzt und unterdrückt werden. Der beste Schutz vor solchen rassistischen Auswüchsen ist der Schutz der Privatsphäre. Gerade auch von unwichtigen Leuten.
  • Primus 15.04.2020 12:05
    Highlight Highlight Ich bin ja bereit einen Schlüsselanhänger zu kaufen, welcher diese Protokolle implementiert. Wenn er nicht mehr als CHF 49.50 kostet. Und der Akku vernünftig lange durchhält (Laufzeit pro Ladung und Lebensdauer). Und keine App auf einem Smartphone benötigt. Ähnlich wie ein Photo-TAN Lesegerät.
  • Statler 15.04.2020 10:11
    Highlight Highlight Es zeigt sich relativ deutlich, dass die meisten keine Ahnung haben, was «Tracking» bedeutet und worin der Unterschied zu der jetzt geplanten App liegt.

    Eine Tracking-App «telefoniert» in regelmässigen Abständen «nach Hause», um Standort- und andere Daten zu übermitteln.

    Das wird, sofern ich den Blueprint richtig verstanden habe, bei dieser App eben NICHT der Fall sein.
    Daten über Kontakte verlassen das eigene Gerät NICHT. Meldet sich jemand als infiziert, werden alle Geräte darüber informiert. Ist die (nicht rückverfolgbare) ID des Infizierten im Gerät vorhanden, schlägt es Alarm.
    • Ueli der Knecht 15.04.2020 12:46
      Highlight Highlight Soweit so gut, Statler. Natürlich kann man dieses Protokoll so implementieren, dass die Privatsphäre geschützt bleibt.

      Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass dieses Protokoll aktiviertes Bluetooth benötigt. Bluetooth-Geräte müssen daher ständig ihre eindeutige(!) Identifikation (ihr Nummernschild) «in die Welt hinaus schreien».

      Das kann dann nicht nur von offiziellen, angeblich Privatsphäre schützenden App mitgehört (getraced) werden, sondern auch von allen anderen auf den Geräten vorhandenen Apps und (Staats-)Trojanern, die dann auch oft und gerne mal «nach Hause telefonieren».
    • Statler 15.04.2020 15:25
      Highlight Highlight @Ueli: zumindest auf iOS müssen Apps aber aktiv sein, damit sie sowas machen können. Im Hintergrund können diese Aktivitäten nicht laufen.

      Ausserdem «schreien» die meisten Handys auch jetzt schon ihr «Nummernschild» in die Welt hinaus, weil viele jetzt mit diesen BT-Ohrhörern unterwegs sind, oder wegen TWINT BT eh eingeschaltet haben.

      Das ist aber kein Problem der Corona-App, sondern liegt im Design von BT zugrunde.
    • Ueli der Knecht 15.04.2020 16:27
      Highlight Highlight Statler: Es muss nur Bluetooth aktiviert sein, damit dein Gerät deine Identifikation ständig deinem näherem Umfeld mitteilt. Die Spionage-App muss nicht unbedingt auf dem gleichen Gerät laufen, sondern kann auch auf anderen Geräten laufen, die dann jeweils merken (und «nach Hause» melden), wenn dein Gerät in der Nähe ist.

      Apps wie Facebook oder Whatsapp sind in der Regel ständig aktiviert. Die haben auch die Möglichkeit, ständig das nähere Bluetooth-und WLAN-Umfeld zu scannen (und Kontakte «nach Hause» zu melden). Apples iOS ist sowieso immer aktiv (und auch immer am Mithorchen).
  • Alpaka 8 15.04.2020 10:10
    Highlight Highlight Ich verstehe ja, dass viele Leute skeptisch sind. Aber es ist immerhin eine App aus europäischer Initiative, Open Source und von vielen Fachleuten geprüft. Ich finde es schade, dass viele Leser einfach per se negativ eingestellt sind, gleichzeitig aber Whatsapp, Google Maps, Apple Wallet und sonstige Datenschutzkraken nutzen. Sind wir ehrlich: Die Amis wissen sowieso bereits mit wem wir uns wann treffen (GPS, Messaging etc.).
    Da vertrau ich meine Daten ehrlich gesagt lieber einer europäischen oder schweizerischen App an, die immerhin Privacy und Anonymität als zentrale Konzepte beinhalten.
  • My Senf 15.04.2020 08:53
    Highlight Highlight Der allerwichtigste Satz „Und man solle ihren Stellenwert auch nicht überschätzen.“
    Danke BAG
    • @schurt3r 15.04.2020 09:43
      Highlight Highlight Aber ja, das ist definitiv so. 👍

      Das sagt auch der Epidemiologe Marcel Salathé. Ich habe den Artikel mit der Stellungnahme des Schweizer Wissenschaftlers, der zum Expertengremium des Bundes gehört, ergänzt.
    • elco 15.04.2020 11:17
      Highlight Highlight Wäre ja noch schöner, dann könnte man uns ja nicht mehr zu Hause einsperren. Wo kämen wir denn da hin...
  • drjayvargas 15.04.2020 08:36
    Highlight Highlight Ich finde die Idee zwar gut und es ist bestimmt auch wichtig die Leute zu schützen. Allerdings bin ich grundsätzlich skeptisch gegenüber solchen Aktionen und Hilfsmitteln. Die Reichweite von Bluetooth ist relativ gross, geht auch durch (dünne) Wände. Was also, wenn ich auf meiner Terrasse sitze und draussen die Leute vorbei laufen? Wie werde ich benachrichtigt? Die anonymen Daten müssten in einem "Warnungsfall" sehr schnell deanonymisiert werden, damit ich auch beurteilen kann, ob es Fehlalarm war oder effektiv jemand den ich kenne. Daher und aus vielen anderen Gründen: Meine Skepsis ist GROSS.
    • @schurt3r 15.04.2020 09:17
      Highlight Highlight Die Genauigkeit/Fehlerhaftigkeit wird sich in Praxistests zeigen. Deanonymisierung kommt nicht infrage, bzw. ist gar nicht möglich.
    • drjayvargas 15.04.2020 09:35
      Highlight Highlight Interessantes Dokument zum Thema Privacy-Bedenken: https://eprint.iacr.org/2020/399.pdf
      TL/DR: "privacy protection measurements by DP3T may have the opposite affect of what they were intended to. Specifically, sick and reported people may be deanonymized, private encounters may be revealed, and people may be coerced to reveal the private data they collect."
    • ulmo 15.04.2020 09:40
      Highlight Highlight Eine generelle deanonymisierung wird es sicher aus Datenschutzgründen nicht geben.

      Wie willst du beurteilen, ob es ein Fehlalarm ist? Das App sagt dir, ob du jemandem sehr nah gekommen bist (nicht einfach Bluetooth Reichweite), welcher später Symptome entwickelt hat. Da ist es doch egal , ob du die Person kennst oder nicht. In Quarantäne musst du sowieso.
    Weitere Antworten anzeigen
  • mrmikech 15.04.2020 08:24
    Highlight Highlight Falls du ein handy hast, wirst du getrackt, von jeder app. Falls du auf social media unterwegs bist, werden profile von dir angelegt. Nur ohne handy (und ohne internet und kreditkarten) kannst du nicht getrackt werden. Diese contact-tracing technologie ist nicht schlimmer als alles andere, und hat zumindest einen guten zweck.
    • @schurt3r 15.04.2020 09:19
      Highlight Highlight Es geht hier eben nicht um Tracking. Wird durch «Privacy by Design» verunmöglicht.

      Die Begriffs-Differenzierung findet man hier:
      https://www.watson.ch/!987694384

  • teukros 15.04.2020 08:08
    Highlight Highlight Was ist die Lösung für die Techgiganten zur Bekämpfung von Covid-19? Natürlich eine App. Ich brauche keine App, die mir sagt, dass ich 2m Abstand halten soll. Zudem kann das Virus ja auch über z.B. eine Türklinke übertragen werden und dafür nützt diese App gar nichts. Was z.B. das Pflegepersonal mit der App anfangen soll, ohne Standortdaten ist auch unklar, die bekommen dann einfach die ganze Zeit Alarme (evtl. via Zeit korrelierbar). Dass Herr Wellig, der sich für DP-3T engagiert, behauptet, dass es keine PR-Aktion ist, ist wohl auch klar.
    • @schurt3r 15.04.2020 08:26
      Highlight Highlight Sollten denn Apple und Google einen Impfstoff entwickeln? 🙈 Zum Glück engagieren sich die Spezialisten in ihrem jeweiligen Spezialgebiet.

      Eine Tracing-App ist kein Wundermittel, sondern eines von vielen Werkzeugen zur Bekämpfung des Coronavirus. Gemäss Wissenschaft sinnvoll, um (unbemerkte) Infektionen einzudämmen. Davon profitieren auch die Pflegefachkräfte!

      Mathias Wellig schätze ich als unabhängigen Fachmann, seine Meinung zur Apple-Google-Kooperation wird von vielen anderen Experten geteilt.
    • hüttechäs 15.04.2020 08:46
      Highlight Highlight Hallo teukros, ich bin kein Experte, aber ich dachte bei den Tracing-Apps gehts nur bedingt darum, den User direkt vor Infektionen zu schützen.

      Meines Wissens gehts vielmehr darum, die Kontakthistorie von Infizierten Personen besser und effizienter nachzuvollziehen. So können alle Menschen (und nur die), die mit Infizierten in Kontakt kamen, in Quarantäne gestellt werden (vgl. Südkorea).

      Dies wiederum ist ein starkes Instrument im „Tanz“ mit dem Virus, den wir in der Zeit von der ersten Lockerung der Massnahmen bis zum Finden eines Medikaments oder einer Impfung führen müssen.

    • ulmo 15.04.2020 09:47
      Highlight Highlight @teukros. Viell Spass beim Abstand halten, bis ein Impfstoff eingesetzt werden kann. Vielleicht in einem Jahr?

      Der Sinn der App besteht darin, wieder in die Phase des Contact Tracing zurückzukehren. Statt wieder dem generellem Lockdown wenn die Ansteckungen steigen. Dies wurde ja nur gemacht, weil wir keine Ahnung mehr hatten, wer sich wann und wo angesteckt hat.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Pbel 15.04.2020 07:48
    Highlight Highlight Finde ich gut. Nichts ist perfekt, aber wenn es mit Datenschutz als Grundidee konzipiert wurde, der Quellcode offen ist und auch fähige Leute mitgearbeitet haben, ist es wohl das Beste, was man erreichen kann.
  • Baumi72 15.04.2020 07:47
    Highlight Highlight Alles viel zu spät. Die Zahlen sind bereits deutlich rückläufig. In ein paar Wochen braucht es eh keine App mehr. Die Natur geht ihren gewohnten Weg und das Virus wird verschwinden.
    • @schurt3r 15.04.2020 07:53
      Highlight Highlight Nein, das sehen die Experten anders.

      Contact-Tracing-Apps können/sollen ein wertvolles Werkzeug sein in der Exit-Phase, wenn es darum geht, neuerliche, grosse Ausbrüche zu verhindern.
      Ein Werkzeug von vielen, natürlich.
    • bebby 15.04.2020 08:26
      Highlight Highlight Das Virus wird bleiben, wie viele andere auch. Einfach den Schrecken verlieren, sobald wir uns daran gewöhnt haben.
      Was mir immer noch nicht klar ist: Was genau nützt mir die Info, dass ein Kontakt von mir krank geworden ist? Testen kann man sich ja erst, wenn man starke Symptome hat.
    • @schurt3r 15.04.2020 08:40
      Highlight Highlight @bebby

      Berechtigter Einwand! Der Staat muss dafür sorgen, dass sich alle Verdachtsfälle (gemäss Corona-Warn-App) testen lassen können.

      Wie ich in einem früheren Artikel schrieb, sind Contact-Tracing-Apps nur wirksam in Kombination mit anderen Methoden:
      - Testen, testen, testen
      - Social Distancing
      etc.
    Weitere Antworten anzeigen
  • THEOne 15.04.2020 07:43
    Highlight Highlight und plötzlich spannen apple und google zusammen. aus reiner wohltätigkeit und gaaanz ohne eigennutzen und hintergedanken.... ja klar....
    so glaubwürdig wie chinas 0 neuansteckungen von corona oder trumps reden.
    • @schurt3r 15.04.2020 07:56
      Highlight Highlight Nicht mal Apple und Google selbst behaupten, aus reiner Wohltätigkeit zu handeln. Das sind Wirtschaftsunternehmen, die handeln selbstverständlich wirtschaftlich. Die Frage, bei der ich mich auf die unabhängigen Forscher/Experten verlasse, ist doch: Wie profitieren wir als Gesellschaft, und wie schützen wir wirksam unsere Daten.
    • sheshe 15.04.2020 08:07
      Highlight Highlight Profitieren wir denn als Gesellschaft wirklich davon, wenn Massenüberwachung salonfähig wird?!

      Natürlich sind die Umstände momentan speziell, aber wollen wir wirklich eine breite Akzeptanz dafür in der Bevölkerung schaffen? Wenn der Grundstein erst mal gesetzt ist, wie lange dauert es dann nach der Krise bevor dieses "Instrument" auch ohne Notwendigkeit verpflichtend eingesetzt wird?

      Ich bleibe skeptisch.
    • @schurt3r 15.04.2020 08:42
      Highlight Highlight @ sheshe

      Nichts einzuwenden gegen "skeptisch".

      Ein Instrument wie die Corona-Warn-App ist nur so gut wie seine Schutzmechanismen. Und die gilt es durch Fachleute zu entwickeln und von unabhängigen Fachleuten kritisch zu überprüfen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Conflux 15.04.2020 07:35
    Highlight Highlight Ich frage mich, wie viele leute überhaupt bluetooth ständig aktiv haben. Ich selbst brauche bluetooth ausschliesslich für meine kopfhörer und habe es früher ohne kopfhörer nie aktiviert gehabt.
    • glass9876 15.04.2020 07:45
      Highlight Highlight Auch ich habe es selten an, aber hierfür würde ich es ständig aktivieren...
    • frog77 15.04.2020 09:56
      Highlight Highlight Genauso wie Du die App installieren müsstest, wenn Du dich dafür entscheiden solltest, müsstest Du dich in demselben Zug ev. dafür entscheiden Dein BT zu aktivieren. Aber soviel ich weiss funktioniert das BT low Energy auf viel kleinerer Flamme als ein regulär aktiviertes BT. Gibt sicher Infos im Netz.
    • Ueli der Knecht 15.04.2020 10:34
      Highlight Highlight Das OS/Betriebssystem (Android bei Google oder iOS bei Apple) kann dein Bluetooth jederzeit aktivieren und benutzen, selbst wenn du es in deinen Einstellungen ständig abgestellt hast.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Meinsch 15.04.2020 07:31
    Highlight Highlight Ich bin kein IT-Experte, aber irgendwie läuft jetzt etwas total aus dem Ruder, wenn Apple & Google zusammen mitmischen wollen.

    Der 9/11 Überwachungsapparat wurde damals auch so aufgebaut und nie mehr zurückgeschraubt.

    Google nutzt ja standortbezogene Daten und wer irgendwo ein Facebook-App besitzt, ist sowieso total verloren, weil die App auch überall – ja überall – mitschnüffelt.

    Keine Ahnung was das alles zu bedeuten hat, aber ich lasse mich sehr gerne belehren.
    • @schurt3r 15.04.2020 07:46
      Highlight Highlight Gut zu wissen, dass beim Contact Tracing übers Handy keine Ortungsdaten erhoben werden. Es gilt der Grundsatz «Privacy by Design».

      Ich setze hier auf die Expertise der unabhängigen IT-Fachleute und Wissenschaftler von der ETH/EPFL und anderen renommierten Institutionen.
    • glass9876 15.04.2020 07:49
      Highlight Highlight Google & Apple können dich eh überall hin tracken und alle deine Aktivitäten verfolgen, wenn sie möchten. Um das zu verhindern, müsstest du schon dein Smartphone ghüdern. Niemand hindert dich daran.

      Das Covid-19-App wird deshalb nicht viel ändern.
    Weitere Antworten anzeigen
  • @schurt3r 15.04.2020 07:24
    Highlight Highlight Diskussionen können anregend sein 🤗 Ich antworte gerne auf sachliche, begründe Kritik. Und brennende Fragen leite ich an die zuständigen IT-Experten weiter.
    • nadasagenwirjetzteinfachmal 15.04.2020 09:36
      Highlight Highlight @schurt3r...
      Danke dafür und wieder mal meine Verwunderung über die Blitzer...

      Diskussionen nicht aufregend?
      Soll man lieber schweigen und nicht diskutieren?

      Sollst du auch auf dämliche und diffamierende Kommentare reagieren?

      Sollst du brennende Fragen nicht an IT-Experten, sondern Verschwörer weiterleiten ?

      Ja, da sind viele Fragen noch offen :-)
    • Alpaka 8 15.04.2020 10:16
      Highlight Highlight @schurt3r, ich finde es super dass du dich so aktiv an der Diskussion beteiligst. Das sollte Watson viel öfters machen. So lassen sich Fragen von Lesern beantworten und die Meinung von Lesern miteinbeziehen, welche sich in ihren Fächern (z.B. IT) auskennen. Und nicht zuletzt kann man Fakten etwas von Fakenews trennen.

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