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Demonstranten protestieren gegen den Ausbau des 5G-Netzes, bei der nationalen Kundgebung

Demonstranten protestierten im Mai 2019 gegen den Ausbau des 5G-Netzes in Bern. Bild: KEYSTONE

Zum ersten Mal liegt ein umfassender Faktenbericht zu 5G vor – das solltest du wissen

Die Schweizer Mobilfunknetze stossen an ihre Grenzen. Swisscom und Co. wollen das leistungsfähigere 5G-Netz rasch ausbauen. Kritiker befürchten gesundheitliche Risiken. Ein lang erwarteter Expertenbericht des Bundes gibt nun teilweise Entwarnung – mit einem grossen Aber.



Mobilfunkstrahlung, insbesondere 5G, erhitzt die Gemüter. Vor einem Jahr hatte die damalige Umweltministerin Doris Leuthard eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Diese hat nun am Donnerstag ihre Ergebnisse präsentiert. Mit dem Bericht legt die Arbeitsgruppe einen umfassenden Faktenbericht vor (PDF).

Das sind die wichtigsten Ergebnisse.

Kein Freipass für höhere Grenzwerte

Auf eine Änderung der Grenzwerte für das 5G-Netz, wie sie die Mobilfunkanbieter gefordert hatten, konnte sich die Expertengruppe nicht einigen. Daher gibt sie auch keine Empfehlung dazu ab.

Angesichts der breiten Zusammensetzung der Arbeitsgruppe erstaunt das nicht: In der Gruppe sassen Umwelt- und Telekommunikationsexperten des Bundes, Vertreter der Mobilfunkanbieter, Umweltwissenschaftler und Mediziner sowie Vertreter der Kantone, Städte und Gemeinden.

Wofür steht 5G genau?

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) schreibt: «5G ist der Name der fünften Mobilfunkgeneration, die als New Radio bezeichnet wird. Die über das Mobilfunknetz übertragene Datenmenge verdoppelt sich jedes Jahr. Mit der Einführung der dritten Mobilfunkgeneration (3G, UMTS) Mitte der 2000er-Jahre und der vierten Generation (4G, LTE) ab 2012 konnte der Bedarf bisher abgedeckt werden. Nun stossen diese Technologien jedoch an ihre Grenzen. Die Einführung von 5G wird für eine deutliche Erhöhung der Datenübertragungskapazitäten sorgen.»

Keine schädliche Wirkung von 5G, aber...

Die Arbeitsgruppe hat den aktuellen Stand des Wissens zum Gesundheitsrisiko zusammengetragen. Ihr Fazit: Unterhalb der geltenden Grenzwerte konnten gesundheitliche Auswirkungen nicht nachgewiesen werden. Aus Praxis und Wissenschaft gebe es aber unterschiedlich gut abgestützte Beobachtungen. Gesundheitsauswirkungen liessen sich zudem wissenschaftlich nie mit absoluter Sicherheit ausschliessen.

Wegen dieser Unsicherheit gibt es bei den gesetzlich vorgeschriebenen Anlagegrenzwerten grosse Sicherheitsmargen, die auch vom 5G-Netz eingehalten werden müssen.

Die neuen 5G-Antennen nutzen eine effizientere Technologie als 3G- oder 4G-Antennen, dank der mehr Informationen schneller übermittelt werden können. Die Eigenschaften der Wellen sind aber die gleichen wie für 4G und somit gesundheitlich unbedenklich, sofern sie unter dem Grenzwert liegen. Das Vorsorgeprinzip verlangt Grenzwerte für die Strahlung, die in der Schweiz zehnmal tiefer als in den Nachbarländern sind. Dieser Wert muss auch von 5G-Antennen eingehalten werden.

Gesundheitliche Effekte künftig genutzter Frequenzen unklar

«Die gesundheitlichen Effekte von Mobilfunkstrahlung und insbesondere von Frequenzen, die in Zukunft voraussichtlich für 5G verwendet werden sollen, sind noch nicht abschliessend geklärt», heisst es im Bericht (PDF). Solche Millimeterwellen werden in der Schweiz aktuell noch nicht für das 5G-Netz genutzt. Swisscom und Co. stellen sich daher auf den Standpunkt, dass das 5G-Netz ohne Millimeterwellen ausgebaut werden könne.

Ein Zeitplan, wann in der Schweiz künftig Millimeterwellen zur Anwendung gelangen könnten, liegt noch nicht vor. Bei der Einwirkung solcher Strahlung auf den Menschen bestehen aus wissenschaftlicher Sicht noch Unklarheiten.

Das sagt der Bundesrat

Der Bundesrat will die Digitalisierung der Gesellschaft und Wirtschaft vorantreiben und erachtet dafür leistungsfähige Mobilfunknetze nach dem 5G-Standard als unverzichtbar. Am Vorsorgeprinzip des Umweltschutzgesetzes sei aber festzuhalten.

Das sagen die Mobilfunkanbieter

Die Mobilfunkanbieter möchten naturgemäss 5G flächendeckend im Aussen- und Innenbereich anbieten können. Der Fachbericht bestätige, «dass der Einführung von 5G aus gesundheitlicher Sicht nichts entgegensteht.» Das sorge für Entwarnung und Klarheit. Die Kantone und Gemeinden seien jetzt gehalten, die Bewilligungsverfahren gemäss den geltenden Empfehlungen ohne Verzug zu behandeln.

Wie soll das 5G-Netz nun ausgebaut werden?

Swisscom, Sunrise und Co. schlagen verschiedene Optionen vor, die von höheren Anlagegrenzwerten ausgehen. Je nach Variante könnte ein leistungsfähiges 5G-Netz flächendeckend innerhalb weniger Jahre oder aber mit einigen tausend zusätzlichen Antennenstandorten innerhalb von 10 bis 20 Jahren realisiert werden. Dies würde zwischen 1 und 3 Milliarden Franken kosten.

Eine weitere Option ist die Beibehaltung der heutigen Anlagegrenzwerte. Für ein leistungsfähiges 5G-Netz wären dann aber rund 26‘000 zusätzliche Antennenstandorte nötig, sagt die Mobilfunkbranche. Die Investitionskosten werden auf knapp 8 Milliarden Franken geschätzt.

Bleibt der Grenzwert bestehen, wäre auch ein 5G-Netz mit schwächeren Kleinzellenantennen denkbar. Für ein 5G-Netz zumindest im Freien wären bei dieser Option über 46‘000 neue Standorte nötig, die Kosten belaufen sich auf geschätzte 13 Milliarden Franken. Dies wäre die mit Abstand teuerste Option. Trotzdem liesse sich in Innenräumen unter diesen Bedingungen keine flächendeckende Abdeckung erreichen.

Wohnst du neben einer 5G-Antenne? Hier findest du es auf einen Blick heraus

Anfang Jahr hatte die Mobilfunkbranche noch damit geworben, bis Ende Jahr ein flächendeckendes 5G-Netz zu haben. Davon ist sie meilenweit entfernt. Einsprachen verlangsamen den Ausbau. Aktuell werden zudem für mehrere Stopp-5G-Volksinitiativen Unterschriften gesammelt.

Trotzdem wächst die Anzahl der 5G-Antennen. Deren Standorte werden in der Schweiz fast auf den Meter genau angezeigt.

Du kannst in der Karte zoomen, um deinen Standort zu finden.

Erläuterungen zur Karte des Bundes finden sich hier.

Was geschieht nun?

Die Arbeitsgruppe hat ihren Bericht, der mehrere Optionen zum Ausbau des 5G-Netzes vorschlägt, dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) eingereicht. Dieses entscheidet über das weitere Vorgehen.

Unabhängig von der gewählten Ausbau-Option empfiehlt die Arbeitsgruppe die Fortsetzung des Monitorings zu den Gesundheitsrisiken und die Intensivierung der Forschung. Zudem soll die Information der Bevölkerung verstärkt werden.

Aufgabe der Arbeitsgruppe war es, die Fakten im Hinblick auf den zukünftigen Ausbau der Mobilfunknetze zusammenzufassen und Optionen aufzuzeigen. Es ging also nicht darum, über die Einführung von 5G-Netzen zu entscheiden oder wissenschaftliche Forschung zu gesundheitlichen Aspekten durchzuführen.

Der Bericht der Arbeitsgruppe Mobilfunk und Strahlung kann auf der Webseite des Bundesamtes für Gesundheit heruntergeladen werden.

Warum braucht es überhaupt 5G?

Der 5G-Standard erlaubt um ein Vielfaches höhere Datenübertragungsraten und sehr viel kürzere Antwortzeiten. Zudem können weit mehr Geräte gleichzeitig von einer Funkzelle versorgt werden. 5G gilt damit als Voraussetzung für die Nutzung neuer Technologien. Waren 3G und 4G vor allem für Smartphones ausgelegt, kommen bei 5G gewaltige Mengen vernetzter Geräte hinzu – beispielsweise Industrie-Roboter, smarte Verkehrsampeln, die sich automatisch dem Verkehrsaufkommen anpassen oder autonom fahrende Autos. So kann ein 5G-Netz zum Beispiel in einer Fertigungshalle besonders viele Maschinen miteinander vernetzen.

Diesem Potenzial gegenüber steht die Befürchtung, dass die Funkstrahlung ein bisher nicht bekanntes Gesundheitsrisiko darstellen könnte.

Je nach Anwendung (Netflix, autonome Fahrzeuge etc.) sind andere Eigenschaften des 5G-Netzes wichtig.

5G 5G-Netz

Der Ort einer Anwendung im Dreieck zeigt, welche 5G-Eigenschaft wie wichtig ist. Bild: watson

Welcher Nutzen und welche Risiken 5G im Detail hat, haben wir in diesem Hintergrundartikel ausführlich erklärt.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA.

14 Fakten zu 5G: Alle Informationen zu Vorteilen, Gefahren und Einführung

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Die fünf ersten 5G-Smartphones im Überblick

Hier stehen die ersten 5G-Antennen der Schweiz

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