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Tesla Model S 100D.
Tesla Model S 100D.
bild: pae

Ein Tesla als Familienauto? Ich habe es ein Jahr getestet

12.12.2018, 19:0721.02.2019, 16:51
Philipp Aeberli / ch media

Dies ist kein Dauertestbericht im üblichen Sinne. Denn für einen Dauertest, wie er normalerweise beschrieben wird, stellt der Hersteller oder Importeur einen Testwagen für einen längeren Zeitraum kostenlos zur Verfügung. Doch diese Geschichte beginnt anders.

Im Oktober 2017 haben wir uns dazu entschieden, unser «Haushaltauto» durch einen Tesla Model S zu ersetzen. Ein grosser Schritt, schliesslich kostet der Wagen über 100'000 Franken Neupreis, weswegen ein Leasing unumgänglich war. Doch langfristig sollte sich dieser Schritt dennoch lohnen; tiefe Unterhalts- und Betriebskosten relativieren den hohen Anschaffungspreis über die gesamte Lebensdauer des Autos.

Zudem gab es auch ideologische Gründe für den Wechsel auf ein E-Auto. Nicht nur die CO2-Einsparungen durch den in der Schweiz sauberen Strom, sondern auch eine gewisse berufliche Neugierde – die E-Mobilität ist schliesslich in aller Munde. Tests von E-Autos sind aber meist nur kurzzeitige Erfahrungen. Will man die Herausforderungen und Chancen der Elektromobilität verstehen und erkennen, braucht es aber mehr als das. Es braucht tiefgründigere Betrachtungen, ein genaueres Kennenlernen, wie ich es nun seit einem Jahr und knapp 30'000 Kilometern erfahre.

Die Wahl fiel auf einen Tesla Model S 100D, weil dieser Wagen alle Anforderungen an ein Alltagsauto erfüllen konnte: viel Platz, vor allem auch im Kofferraum, wo regelmässig zwei Hunde mitreisen, Allradantrieb für winterliche Ausflüge in die Berge, guter Fahrkomfort und ein souveräner Antrieb. Und vor allem: genügend Reichweite; bis zu 632 Kilometer laut der damals gültigen NEFZ-Norm. Als E-Auto-Neuling ist die Reichweite natürlich das wichtigste Kriterium. Nach einem Jahr Erfahrung sieht dies schon etwas anders aus.

Sorgenfrei fahren? Wie gut ist die Reichweite im Alltag wirklich?

Im Alltag liegt die maximale Reichweite bei mindestens 350 Kilometern und harten Winterbedingungen wie Eis und Schnee und bis zu mehr als 500 Kilometern im Sommer. Im Normalfall wären es rund 450 Kilometer ohne Sorgen und Bangen, doch: Im Alltag spielt das keine Rolle. Den täglichen Pendelbetrieb zieht sich die kalifornische E-Limousine sowieso problemlos aus dem grossen Akku. Und auf Langstrecken?

Selbstverständlich ist der Stromer auf dem Papier einem Diesel, der 1000 Kilometer am Stück zurücklegen kann, unterlegen. Doch die Frage lautet: Macht man das wirklich? Allerspätestens nach drei bis vier Stunden Fahrt ist es ohnehin ratsam, eine Pause einzulegen – meist braucht sowieso der Fahrer vor dem Auto eine Pause. Und hier kommt das grosse Plus des Tesla zum Tragen. Die Supercharger, die in Europa an rund 400 Standorten geschickt verteilt sind, bringen in 30 Minuten mindestens 250 Kilometer Reichweite zurück in den Akku – abhängig von Temperatur, Ladezustand und Auslastung der Ladestation.

Eine Tesla-Ladestation in Dietlikon bei Zürich.
Eine Tesla-Ladestation in Dietlikon bei Zürich.
Bild: KEYSTONE

Mit einer Pause von 20 Minuten erreicht man fast alle Ziele mühelos; nutzt man die Pause für einen Kaffeestopp, ergibt sich eine Win-win-Situation, zumal der Ladevorgang für unser Auto noch kostenlos ist. Vor allem aber muss man sich vor Augen führen, dass man über das Jahr hinweg mit Sicherheit weniger Zeit damit verbringt, das Auto mit Energie zu versorgen, als mit einem Verbrenner. Denn man fährt höchst selten zur «Tankstelle» nur um des «Tankens» willen. In der Regel steckt man das Auto zu Hause oder bei einer öffentlichen Ladestation bei Supermarkt, Kino usw. ein und fertig.

Tesla Wallbox Model S: Die private Schnelllade-Station zu Hause.
Tesla Wallbox Model S: Die private Schnelllade-Station zu Hause.
bild: Tesla Motors

Eine Wallbox zu Hause ist dabei die Ideallösung. Doch selbst über eine normale Haushaltsteckdose lädt man über Nacht Strom für rund 120 Kilometer, was für das tägliche Pendeln meist ausreicht. Die Stromkosten für 30'000 Kilometer lagen bei knapp 300 Franken. Meist wurde zu Hause geladen, auf langen Strecken am Supercharger und gelegentlich kostenlos an öffentlichen Stationen. Das Versprechen der günstigen Betriebskosten kann das Model S also einhalten.

Was negativ auffällt

Oft kritisiert wird die Qualität der amerikanischen Stromautos. Auch unser Model S war nicht ganz frei von Tadel. Einige Spaltmasse der Karosserie mussten nachgebessert werden, die Führungsschienen des Schiebedachs mussten neu eingestellt werden. Ein gelber Rand beeinträchtigte die Darstellung des grossen Displays. Doch der Service von Tesla zeigt sich mustergültig und behebt auch kleine kosmetische Fehler anstandslos und sauber.

Noch stört ein gelegentliches Klappergeräusch an der Vorderachse, das beseitigt wird, sobald die entsprechenden Teile eingetroffen sind. Insgesamt sind dies aber Kleinigkeiten und das Auto wirkt solide und stimmig zusammengebaut.

Digitaler Komfort

Bild: EPA/EFE

Die Bedienung über den grossen Touchscreen gibt keine Rätsel auf. Praktisch ist ausserdem die Smartphone-App, über die sich beispielsweise die Heizung aktivieren lässt oder Ziele sich direkt ans Navi schicken lassen.

Zu einem Tesla gehören regelmässige Software-Updates. So kamen in dem einen Jahr zahlreiche Funktionen hinzu, beispielsweise ein Totwinkel-Warner oder eine Dashcam-Funktion, und die Software des Fahrassistenten wurde laufend verbessert.

Funktionierte der «Autopilot» auf Autobahnen zu Beginn noch eher unzuverlässig, fährt er nun problemlos auch längere Strecken ohne abenteuerliche Manöver. Ein echter Komfortgewinn auf langen Autobahnetappen.

Das Fazit

Nach dem ersten Jahr ergibt sich ein positives Urteil über das Model S und die E-Mobilität. Die Limousine erfreut durch uneingeschränkte Alltags- und Langstreckentauglichkeit und einen Antrieb, der an Souveränität kaum zu übertreffen ist. Das Platzangebot überrascht immer wieder, nicht zuletzt dank des zusätzlichen kleinen Kofferraums unter der Fronthaube.

Das Model S 100D wurde in diesem Jahr definitiv zu einem Auto, das wir nicht mehr missen möchten. Und es zeigt vor allem, dass die Hersteller für einen Erfolg der E-Mobilität etwas über die Motorhaube hinaus denken müssen. Es braucht eine auf das Auto abgestimmte Infrastruktur und intelligente Software-Lösungen, um die E-Mobilität praktikabel zu machen. Ein Beispiel? Das Navi rechnet Ladestopps automatisch mit ein, schlägt vor, wie lange man laden soll, und passt die Ankunftszeit entsprechend an. Das kann kein anderes Auto, weder mit E-Motor noch mit Verbrenner. (aargauerzeitung.ch)

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