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FILE - In this file photo dated Thursday, Dec. 5, 2019, an Huawei employee talks on a cellphone, as she stands next to a sign at Huawei's campus in Shenzhen in southern China's Guandong Province. The European Union unveiled security guidelines for next generation high-speed wireless networks that stop short of calling for a ban on Huawei, in the latest setback for the U.S. campaign against the Chinese tech company, the EU's executive vice president overseeing digital strategy, Margrethe Vestager, said at a press briefing in Brussels, Wednesday Jan. 29, 2020. (AP Photo/Mark Schiefelbein, FILE)

Huawei-Campus in Shenzhen, Südchina. Angeblich gibt es kein Zurück zu Google. Bild: AP

Tschüss, Google? Huawei Schweiz dementiert Berichte aus Österreich

Am Donnerstag gabs Berichte, dass Huawei auch nach Aufhebung des US-Handelsbanns einen Alleingang mache, was weitreichende Konsequenzen hätte. Auch für Smartphone-User in der Schweiz. Doch dann folgte ein Dementi.



Update: Huawei Schweiz dementiert auf Anfrage die Berichte aus Österreich. Sprecherin Mirjam Berger erklärt deutlich: «Das ist nicht korrekt. Ein offenes Android-System und -Ökosystem ist nach wie vor unsere erste Wahl».

Was ist passiert?

Huawei verabschiedet sich angeblich endgültig von Google, bzw. von den Google-Diensten für Android-Smartphones. Dies berichtete der österreichische Tech-Journalist Andreas Proschofsky am Donnerstag bei derstandard.at. Dies hätten ihm Vertreter des chinesischen Konzerns bei einem Mediengespräch auch auf Nachfrage hin so gesagt.

Der Paukenschlag – dann das Dementi

Selbst wenn die USA den Handelsbann aufheben sollten, werde Huawei nicht mehr zu den Google-Diensten zurückkehren, habe Huawei betont, schreibt derstandard.at.

Auch andere österreichische Medien zitieren den gleichen Huawei-Vertreter: Fred Wangfei, Country Manager der Konsumentenprodukte von Huawei in Österreich.

Erstmals seit Inkrafttreten des US-Banns habe sich Huawei am Donnerstag bei einem Meeting in Wien zur Zukunft vor allem in Europa und Österreich geäussert, berichtet heute.at. Und habe grosse Umbrüche angekündigt: «Man macht sich unabhängiger von Google beim Betriebssystem, gleichzeitig wird die Produktpalette gewaltig ausgebaut und ein eigenes Software-Ökosystem entsteht.»

watson hat bei Huawei Schweiz angefragt, ob diese Berichte, die weitreichende Konsequenzen hätten, stimmen.

Die Antwort fällt unmissverständlich aus. Mirjam Berger von Huawei Schweiz dementiert, dass es einen Alleingang gebe:

«Das ist nicht korrekt. Ein offenes Android-System und -Ökosystem ist nach wie vor unsere erste Wahl.»

Huawei-Sprecherin

Was würde das für Huawei-Kunden bedeuten?

Das österreichische Techportal futurezone.at gibt in einem ausführlichen Artikel die Antworten auf die brennendsten Fragen zur Zukunft von Huawei und dessen Produkten.

Für alle bereits auf dem Markt befindlichen und bereits verkauften Huawei-Smartphones ändere sich nichts. Diese Geräte würden weiterhin mit Software-Updates beliefert und die Google-Dienste funktionierten weiter wie gewohnt.

Hingegen würden alle in Zukunft lancierten Huawei-Smartphones keine Google-Services mehr vorinstalliert haben, aber immer noch mit dem bekannten Android-Betriebssystem laufen. «Um neue Anwendungen installieren zu können, müssen die User in der Folge nicht mehr den Google Play Store aufsuchen, sondern die Huawei App Gallery.»

Am Betriebssystem selbst ändere sich für die Nutzer laut Bericht kaum etwas. Android werde wie gewohnt aussehen und funktionieren – nur eben gänzlich ohne Google.

Huawei arbeite daran, dass App-Käufe auch in das Huawei-System übernommen werden können, heisst es. Sollte jemand viel Geld für Apps im Google Play Store ausgegeben haben, wolle man eine Lösung finden, «dass diese künftig auch über den Huawei App Store angerechnet werden».

Was hat es mit den «Huawei Mobile Services» auf sich?

Das ist das Pendant zu gewissen Google-Diensten, die Apps auf modernen Smartphones funktionieren lassen.

Dazu erklärt derstandard.at:

«Bei den Huawei Mobile Services (HMS) handelt es sich um das Pendant zu den Google Play Services, also jenes Infrastrukturdiensts, dessen Verlust Huawei am härtesten getroffen hat. Immerhin wird diese Komponente von einem grossen Teil aller Android-Apps genutzt, ohne sie funktionieren die betreffenden Programme nicht – oder nur eingeschränkt. Dabei handelt es sich um rund 60 unterschiedliche Services, die App-Entwicklern das Leben erheblich leichter machen, von der Einbindung von Karten in die eigene App bis zur Abwicklung von Login-Aufgaben oder die Standortbestimmung reicht die Palette.»

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Karten-App auf einem Huawei-Smartphone: Gelingt es dem Konzern, alle wichtigen Anbieter zu gewinnen? Und dürfen US-Firmen wegen des Handelsbanns überhaupt mitmachen? bild: unsplash/Sebastian Hietsch

Für seinen Alleingang wolle Huawei allein 2020 rund 3 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung eigener Software-Dienste fliessen lassen, berichtet derstandard.at. Es seien rund 4000 Entwickler derzeit mit dieser Aufgabe betraut.

Huawei wolle nun die App-Entwickler dazu bringen, ihre Apps anzupassen, damit sie sowohl mit der Google-Lösung als auch mit der eigenen Software-Alternative laufen.

Was bietet Huaweis eigener App-Store?

Bei Huawei heisst die Plattform, über die mobile Anwendungen angeboten werden, App Gallery. Während sich im Google Play Store über eine Milliarde Apps tummeln, gebe es beim chinesischen Pendant 1,2 Millionen Apps zu finden – unter anderem auch die watson-News-App (seit 12. Nov. 2019).

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Einige der weltweit populärsten Apps, wie Facebook, Instagram oder WhatsApp, sind allerdings in der App Gallery noch nicht anzutreffen. Das werde noch kommen, gebe sich das Unternehmen zuversichtlich, schreibt futurezone.at. «Denn die Daten des Huawei-Ökosystems wolle man in Europa speichern, um den US-Bann umgehen zu können.»

Was bedeutet das für Google und für Apple?

Den Branchenbeobachtern ist beizupflichten, die sagen, dass Prognosen aktuell noch sehr schwierig seien.

Jedenfalls ist es eine Kampfansage an das Duopol der mächtigsten Unternehmen im Silicon Valley: Mit Apples iOS und Googles Android haben sich zwei Tech-Konzerne den Markt fast vollständig aufgeteilt. Nun will ein dritter Player die Kräfteverhältnisse ändern und das versuchen, woran zum Beispiel Microsoft scheiterte: eine kommerziell erfolgreiche Mobile-Plattform zu betreiben.

Die Entscheidung von Huawei, auf seine eigenen Dienste zu setzen, sei nicht mit der Lancierung eines eigenen Betriebssystems vergleichbar, meint futurezone.at. Parallelen zu Firefox OS oder Windows Mobile seien kaum zu finden.

«Da Huawei weiterhin auf Android setzt, ist es für App-Entwickler wesentlich einfacher, ihre Apps auch auf Huawei-Geräten anbieten zu können. Solange ein User nicht tief im Google-Universum verankert ist, sollte sich nicht viel ändern, da die gewohnte Android-Umgebung bleibt.»

Für viele User dürften Microsofts und Googles Office-Apps und andere populäre Dienste unverzichtbar sein. Ob diese in Zukunft auf Huawei-Smartphones landen, ist fraglich.

Sicher ist: Uns erwartet ein spannendes 2020.

Anmerkung: Der Zeitpunkt für die überraschende Ankündigung des Alleingangs wäre gut gewählt. Gerade erst teilten Marktforscher laut The Verge mit, dass es Huawei trotz US-Bann gelungen sei, 2019 am zweitmeisten Smartphones zu verkaufen und Apples iPhone-Verkäufe zu überflügeln. Wobei dies nicht für das Weihnachtsquartal gilt: Da verkaufte Apple dank iPhone 11 meisten, gefolgt von Samsung.

Quellen

Wir haben Malbun beleidigt – so kontern die Liechtensteiner

Video: watson/Corsin Manser, Emily Engkent

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39 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
bebby
30.01.2020 17:29registriert February 2014
Das Apps von Facebook nicht auf dem Huawei Android laufen macht Sinn, wenn man bedenkt, dass diese Apps in China verboten sind...
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Madison Pierce
30.01.2020 19:15registriert September 2015
Falls das stimmt, lässt Huawei nicht Android links liegen, sondern nur die Google Services. Das ist vergleichbar mit einer Software, die weiterhin auf Windows läuft, aber nicht mehr den Internet Explorer verwendet, sondern einen eigenen Browser mitliefert.
Früher hiess es ja mal, sie würden ein eigenes Betriebssystem entwickeln. Anscheinend haben sie jetzt einen einfacheren Weg gewählt.
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leverage
30.01.2020 18:42registriert December 2017
Etwa 50% der "Indi" Apps werden nicht portiert werden können. Das Problem sind die fehlenden Google APIs.
Ich schreibe selbst ab und zu ein App und nutzte bisher eigentlich immer mindestens eine Google API.
Natürlich kann ich mit etwas Aufwand den QR Code auch ohne Google API auswerten oder die GPS Koordinaten abfragen, aber das mache ich nur für Apps die mir Umsatz generieren und es sich lohnen würde. In meinem Fall bei keinem, da ich nur aus Spass entwickle.
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