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Sebastian Hein hat dieses Foto mit «Der Morgen danach» betitelt. bild: paranoid prepper

Interview

Wenn der Weltuntergang kommt, sind sie bereit: Willkommen in der Welt der Prepper

Sebastian Hein beschäftigt sich beruflich und privat mit Krisenvorsorge. Das Interview mit dem deutschen Prepper dreht sich um Notvorräte und Überlebenstipps, aber auch um Waffenfanatiker und sensationsgeile Medien.



Sie rechnen mit dem Zusammenbruch der Zivilisation und sind darauf vorbereitet: Die Prepper sind unter uns. Wer als Journalist einen auskunftsfreudigen (und kompetenten) Gesprächspartner sucht, hat es allerdings schwer.

In privaten Foren herrscht ein reger persönlicher Austausch, doch «mit den Mainstream-Medien» will niemand reden. Die Prepper fühlen sich missverstanden. Zu oft schon sind sie von TV-Sendern und Zeitungen als Waffenfanatiker, Spinner und Verschwörungstheoretiker dargestellt worden.

Diese Prepper-Begriffe musst du kennen

Auch darum geht es in diesem ausführlichen Interview mit dem erfahrenen Prepper Sebastian Hein. Im Gegensatz zu den meisten Kollegen scheut der Deutsche die Öffentlichkeit nicht. Als Buchautor weiss er sie viel mehr zu schätzen.

Aus zeitlichen Gründen könne er Fragen nur schriftlich beantworten, schreibt er mir auf die erste Anfrage per E-Mail. Und später: «Ich hoffe sehr, dass meine Antworten genauso veröffentlicht werden und nicht zerstückelt oder nur teilweise den Weg in die Story finden, damit wäre ich nicht einverstanden.»

Herr Hein, wiegen wir uns in falscher Sicherheit?
Sebastian Hein:
Die Menschen sind faul und träge geworden. Durch die ständige Verfügbarkeit sämtlicher Güter, zu jeder Tages- und Nachtzeit, hält es ein überwiegender Teil der Bevölkerung, über 98 Prozent, für unnötig, Vorräte bereitzuhalten. Was früher oder später ihr Verhängnis sein wird. Die Tankstelle wird nicht immer geöffnet haben.

Welches Bedrohungsszenario halten Sie in Westeuropa für besonders wahrscheinlich?
Einen grösseren Blackout im Stromnetz, bedingt durch Hackerangriffe oder Unwetter wie zum Beispiel durch einen EMP. Ebenso AKW-Unfälle und eine Pandemie oder Epidemie.

«Viele Prepper werden sich am Tag X ganz schnell und unter Tränen die oberflächliche bunte Bilderbuchwelt, in der wir heute leben, zurückwünschen.»

Ist es in der Stadt gefährlicher als auf dem Land?
Ganz klar ja, hier ist die Bevölkerungsdichte grösser, was gewalttätige Übergriffe und Krankheiten begünstigen kann, wenn die Wasser- und Lebensmittelversorgung zusammengebrochen ist und kein Müll mehr abtransportiert wird. Auch das Hamstern und Plündern wird dort wohl zu einem grossen Problem werden. Es spielen viele Faktoren eine übergeordnete Rolle und zusammen können diese tödlich enden.

Was bereitet Ihnen mehr Sorgen: die Katastrophe an sich oder das Verhalten der Leute?
Der Mensch ist ein egoistischer Geselle und wenn dieser noch von Hunger und Durst geplagt ist, wird das Animalische nach aussen gekehrt. Wie dies enden wird, ist vorhersehbar: Zu den eigentlichen Katastrophen wird der Faktor Mensch dazu kommen. (...) Der tobende Mob und marodierende Banden auf den Strassen werden zu einem ernsten Problem.

Hand aufs Herz: Wenn man sich ständig auf den Notfall vorbereitet, fängt man dann irgendwann an zu hoffen, dass er eintritt?
Nein, ich bin froh, wenn ich meine Vorkehrungen niemals nutzen muss. Daher pflege ich zu sagen: «Lieber haben und nicht brauchen, als brauchen und nicht haben!» Viele Prepper, die sich eine alles verändernde Katastrophe herbeisehnen, werden sich am Tag X ganz schnell und unter Tränen die oberflächliche bunte Bilderbuchwelt, in der wir heute leben, zurückwünschen.

Das «Fluchtfahrzeug»

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Weil im Krisenfall viele Strassen verstopft sind, bevorzugen Prepper Off-Road-Fahrzeuge. bild: paranoid prepper

Der Begriff Prepper ist nicht zuletzt wegen sensationsheischender US-TV-Berichte in Verruf geraten. Was macht für Sie einen echten Prepper aus?
Ein echter Prepper ist in meinen Augen, ein ruhiger, besonnener und gebildeter Charakter, der die Notwendigkeit, für verschiedene Eventualitäten vorzusorgen, erkannt hat. Jemand, der in der Lage ist, verschiedene Gefahrensituationen bzw. das Gefahrenpotenzial einzuschätzen. Ich würde sagen, ein normaler Bürger mit Interesse an Sicherheit, der nicht alles als selbstverständlich betrachtet.

Mit Militär- und Waffenfanatikern oder politisch radikalen Personen hat ein Prepper nichts zu tun. Dies sind nur die reisserischen, sensationsgeilen Überschriften in den Mainstream-Medien, um eine Story besser verkaufen zu können. Klassische Vorurteile.

«Wir sind sozusagen die Schweiz, neutrales Gebiet.»

Auf Ihrer Website paranoid-prepper.com distanzieren Sie sich ausdrücklich von «politischen, paramilitärischen und religiösen Gruppen». Warum ist das nötig?
Heutzutage tummeln sich in jeder Bevölkerungsschicht die besagten Gruppierungen, darunter sehr viele Spinner, deren moralischer Kompass schief hängt. Es ist mir persönlich sehr wichtig, dass man sich ganz klar und deutlich hiervon distanziert. Ich bzw. unsere Gemeinschaft möchten in keinem Atemzug mit politischen, paramilitärischen oder religiösen Gruppen und Hardlinern in Verbindung gebracht werden. Wir bieten hierfür auch keine Plattform. Wir sind sozusagen die Schweiz, neutrales Gebiet.

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Sebastian Hein. bild: zvg

Sind Prepper nicht einfach überängstliche Menschen?
Auf keinen Fall, ich würde sogar das Gegenteil behaupten. Prepper sind Menschen, die basierend auf den Grundlagen des Bevölkerungsschutzes Vorkehrungen treffen, um eine gewisse Zeit autark überstehen zu können. Bis der Staat wieder handlungsfähig ist und die gerissene Versorgungslücke geschlossen hat. Man kann es mit einer Versicherung vergleichen.

Warum haben viele Leute das Bedürfnis, sich über Prepper lustig zu machen?
Das ist eine gute Frage, ich weiss es nicht. Meine Gegenfrage dazu wäre, warum gibt es dumme Menschen?

Viele Prepper sind verschwiegen und erzählen niemandem von ihren Notvorräten oder Fluchtplänen. Weil sie sich schämen?
Ich glaube, es schämt sich hierfür kein einziger Prepper. Das Hauptproblem ist, kaum jemand bereitet sich vor und legt Vorräte an. Erzählt man nun von solchen Massnahmen, kommt ein Schmunzeln vom Gegenüber und es wird hinterrücks gelästert. Aber wenn die Krise kommt und es nirgendwo mehr etwas zu holen gibt, stehen genau diese Leute vor der Haustür und betteln um Asyl. Es wird sich dann nicht nur um die eigenen Arbeitskollegen handeln, sondern gleich um eine ganze Meute.

Sind wir mal ehrlich: Jeder hat die Möglichkeit, den Empfehlungen der Regierung nachzukommen, bezüglich der Vorräte und anderer wichtiger Gegenstände. Wer dies versäumt, aus welchen Gründen auch immer, hat einfach Pech. Prepper sind nicht die Wohlfahrt und können keine Leute umsorgen, die vorher über die Materie gelacht haben. Jene, die es taten, werden ganz schnell begreifen, dass dies ein folgenschwerer Fehler war, wenn das eigene Leben und das der Familie auf dem Spiel steht.

Notvorrat im Keller

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bild: paranoid prepper

Normale Bürger können sich nicht auf jede Katastrophe vorbereiten. Wie beurteilen Sie dieses Dilemma und wie soll man darauf reagieren?
Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Damit muss man sich einfach abfinden und versuchen, das Beste im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten zu machen.

«Die Menschen haben einfach Angst und wollen sich selbst schützen, um kein Opfer von Gewalt zu werden.»

Auf paranoid-prepper.com raten Sie, man solle als Prepper im Verborgenen agieren. Das klingt sehr egoistisch. Man ist also in Krisensituationen auf sich allein gestellt?
Wie bereits erwähnt, hat jeder die Möglichkeit, sich entsprechend vorzubereiten. Informationen dazu gibt es auf Webseiten der Regierung, bei uns auf der Homepage und in meinem Buch, welches Ende dieses Jahres erscheinen wird. Man muss einfach nur die Prioritäten richtig setzen. Wer nicht vorsorgt, hat nichts und wird auch nichts bekommen.

Prepper agieren übrigens keineswegs alleine, es haben sich Gruppen ausserhalb der virtuellen Onlinewelt gebildet. Dort sind vom Bauern über den Soldaten bis zum Arzt alle Berufsgruppen vertreten. Es werden gemeinsam sogenannte Fluchtorte ausgebaut und am Tag X bezogen, da man über eine längere Zeit nur in Gruppen überlebensfähig sein wird.

Inhalt des «Fluchtrucksacks»

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bild: paranoid prepper

Stichwort persönliche Bewaffnung: Was ist aus Ihrer Sicht sinnvoll?
Waffen sind immer ein verpöntes, verschwiegenes und kontrovers diskutiertes Thema. Man sollte aus meiner persönlichen Sicht alle Register ziehen und die Möglichkeiten, die man hat, wahrnehmen. Natürlich muss man sich immer penibel und gewissenhaft an die Gesetze des entsprechenden Landes halten, in dem man lebt oder sich aufhält.

In der Schweiz kaufen immer mehr Bürger Schusswaffen. Was halten Sie von dieser Entwicklung?
Die Menschen haben einfach Angst und wollen sich selbst schützen, um kein Opfer von Gewalt zu werden, was ihnen auch nicht zu verübeln ist. Mitten in Deutschland werden auf offener Strasse Menschen mit Macheten enthauptet, mit Messern niedergestochen, mit einer Axt attackiert, durch selbstgebaute Spreng- und Brandfallen verletzt oder auf öffentlichen Veranstaltungen absichtlich von LKWs erfasst. Dies sind schon lange keine sogenannten Einzelfälle mehr, und wenn man die Terroranschläge in Europa addiert, ist klar, warum Produkte zum Selbstschutz den Händlern aus den Händen gerissen werden.

«Wenn ich Geld hätte, hätte ich es bestimmt nicht auf der Bank oder unter der Matratze.»

Sie sind gegen strengere Waffengesetze?
Ich empfinde es als totalen Blödsinn, die Waffengesetze immer wieder verschärfen zu wollen. Es sind nicht die Jäger, Sportschützen oder Waffensammler, die mit legal erworben und registrierten Waffen Terroranschläge verursachen. Es wäre mir auch neu, dass man im Wald mit vollautomatischen AK47-Sturmgewehren und Handgranaten Schwarz- und Rotwild jagt. Leider sind es aber genau diese Waffen, die bei solchen Gewaltakten vorgefunden wurden und in Zukunft auch immer wieder vorgefunden werden.

Es ist völlig egal, ob das Waffengesetz dutzendfach geändert und verschärft wird, egal was Politiker im entsprechenden Land oder auf EU-Ebene fordern. Es wird sich einfach nichts verändern, da es sich um illegale Waffen vom Schwarzmarkt handelt, mit denen die infernalischen Taten verübt werden. Man schadet letztlich immer nur den gesetzestreuen Bürgern, die legal Waffen besitzen, und entmündigt diese.

Zur Person

Sebastian Hein ist «gelernter Fachinformatiker und professionelle Sicherheitskraft mit breitem Erfahrungsspektrum aus der privaten Sicherheitswirtschaft. Er ist tätig bei der saarländischen Polizei und beschäftigt sich seit vielen Jahren, intensiv seit 2010, mit der Thematik Krisenvorsorge, Selbstversorgung, Prepper, Survival und Sicherheitstechnik.
Die ersten Berührungen mit den Themen Outdoor und Survival kamen in der Kindheit und Jugend zustande, schon damals war er von der Natur begeistert. Als Blogger ist er in vielen Prepper-Kreisen bekannt und durch seine Expertise geschätzt.»
(Quelle: Beschrieb des Autors bei Amazon.de, wo Heins Buch über Einbruchsschutz bestellt werden kann.

Wenn es nach der Logik der Politiker geht, müssten in der Schweiz, einem Land mit einem der liberalsten Waffengesetze der Welt, sich auf den Strassen täglich postapokalyptische Szenen widerspiegeln und die Zahl der Tote durch Feuerwaffen explodieren. Nachweisslich ist dies ja nicht der Fall, daher sollte man sich dringend ein Beispiel an den dort vorherrschenden Waffengesetzen nehmen und diese auf Deutschland übertragen.

Welche Schusswaffe empfehlen Sie?
Dies kann ich pauschal nicht beantworten, da es immer auf den gewünschten Verwendungszweck ankommt.

Stichwort Bankenkrise und plötzliche Enteignung: Haben Sie Ihr Geld auf der Bank oder unter der Matratze?
Wenn ich Geld hätte, hätte ich es bestimmt nicht auf der Bank oder unter der Matratze. Man sollte das bunte Schuldversprechen aus Baumwollpapier anonym in reale Werte wie Gold und Silber tauschen und dies an einem geheimen Ort gut verstecken oder vergraben. So kann das Geld auf der Bank nicht enteignet und zuhause nicht durch Einbrecher gestohlen werden.

Dieses Video der Swiss Prepper zeigt, wie man einen «Erd-Tresor» baut

abspielen

Video: YouTube/SwissPrepper

Welche Wertsachen soll man als Krisenvorsorge horten? Und wo soll man dies tun, um nicht bestohlen zu werden?
Gold, Silber, Salz, Honig, Medikamente, Alkohol, Tabak, Kaffee etc. Alles, was in Kriegs- und Nachkriegszeiten begehrt war.

Sie arbeiten bei der Polizei und sind ein leidenschaftlicher Prepper. Muss ich daraus schliessen, dass sie Vater Staat nicht zutrauen, die eigenen Bürger in einer Krise ausreichend zu schützen und zu versorgen?
Ich persönlich denke, dass der Staat, je nach Intensität, Grösse und Ausdehnung einer möglichen Krise, durchaus in der Lage ist, die eigene Bevölkerung temporär mit Lebensmitteln und Wasser zu versorgen. Über den Schutz bzw. die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit mache ich mir zunächst keine Sorgen. (...) Problematisch wird es erst bei länger anhaltenden Krisen, über einen Zeitraum von 6 Monaten, was man pauschalisierend aber auch nicht so einfach festlegen kann. Es spielen immer viele Schlüsselfaktoren eine Rolle.

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Eingemachtes in Gläsern: Prepper üben sich auch darin, Früchte lange haltbar zu machen. bild: paranoid prepper

Im Schweizer Mittelland leben sehr viele Menschen in der Nähe eines Atomkraftwerks – und wären bei einem AKW-Unfall durch radioaktive Wolken gefährdet. Was raten Sie: Wie bereite ich mich auf einen GAU vor?
In erster Linie sollte man das Fernseh- und Radiogerät einschalten, um die Meldungen der Behörden zu verfolgen. Empfehlenswert wäre auch, meteorologische Daten über Tief- und Hochdruckgebiete, Windrichtung und Stärke einzuholen. Auf jeden Fall sollte das Haus nicht verlassen werden, und man sollte die Türen und Fenster geschlossen halten. Die Lüftung und Klimaanlage sind abzustellen und man sollte den am tiefsten gelegenen Punkt im Gebäude, z.B. den Keller oder einen Raum mit Hanglage aufsuchen und dort ausharren.

Kaliumiodid-Tabletten können in einer bestimmten Altersspanne hilfreich sein, sollten aber nur gemäss Anweisung der Behörden eingenommen werden. Atemschutzmasken und Schutzkleidung wären je nach Lage ratsam, was aber im Vorfeld mit regelmässigem Training verbunden ist. Reinigungsmittel zur Dekontaminierung, Wasser- und Lebensmittelvorräte sowie ein Strahlenmessgerät, auch als Dosimeter zu finden, schliessen meine Empfehlung ab.

ARCHIVBILD ZUR MEDIENKONFERENZ DER WIRTSCHAFTSVERBAENDE GEGEN DIE ENERGIESTRATEGIE 2050, AM MONTAG, 20. MAERZ 2017 - Ein Fischer fischt vor dem Kuehlturm des Kernkraftwerks Goesgen, aufgenommen am 27. Maerz 2016, in Niedergoesgen. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der Kühlturm des AKW Gösgen, in Däniken (SO) an der Aare. Baujahr: 1979. Bild: KEYSTONE

Stellen wir uns folgendes Szenario vor: Sie befinden sich in Zürich, als in der Innenstadt eine Bombe explodiert, daraufhin der Strom ausfällt und überhaupt nichts mehr geht. Wie kommen Sie heil aus dem Schlamassel raus?
Allgemein sollte man sich schnellstmöglich und unauffällig aus dem Zentrum entfernen. Unter Umständen kann man Schutz bei den Behörden suchen, bis die Lage unter Kontrolle ist. Auf keinen Fall sollte man in den sozialen Netzwerken Informationen posten, die dem oder den Tätern hilfreich sein könnten. Dies behindert immer die Ermittlungen und könnte Leben kosten.

Ich persönlich würde mich ebenfalls an diese Basics halten, aber wie speziell ich jetzt genau vorgehen würde, kann ich nicht sagen. Man muss vor Ort alle Optionen in Betracht ziehen. So könnte es hilfreich sein, sich mit anderen Personen in öffentlichen Gebäuden zu verschanzen, was aber auch genauso gut ein Fehler sein könnte. Es gibt hier keine pauschale Lösung. Ein weiterer beliebter Leitsatz lautet «Hide, Fight, Run».

«Benzin kann ohne Pumpen nicht getankt und befördert werden. Kühlketten werden unterbrochen, leicht Verderbliches wird schlecht.»

Als ausgebildeter Fachinformatiker haben Sie sich bestimmt auch mit einem möglichen Internet-Totalausfall befasst. Ist das aus Ihrer Sicht ein realistisches Szenario?
Das Bedrohungspotenzial ist tatsächlich allgegenwärtig vorhanden und präsenter denn je. Nie war es so leicht, auch für Computerlaien, Viren, Trojaner, Würmer oder sonstige Schadsoftware zu programmieren, dank Baukastensystemen, die sowohl im Clear Web wie auch im Darknet zu finden sind.

Einen Vorgeschmack haben wir Ende 2016 erlebt. Mit Hilfe eines riesigen Botnets, bestehend aus gehackten IT-Haushaltsgeräten, haben Unbekannte weite Teile des Internets lahmgelegt, da kaum noch Server und somit Websites erreichbar waren. Es wird davon ausgegangen, dass dies nur ein Test einer Cyberwaffe war, und die wirklichen primären Ziele dieses Netzwerks aus Zombie-Rechnern noch unbekannt sind.

Dies war nur ein simples Beispiel aus der Vergangenheit. Die Möglichkeiten, einen massiven Schlag über das Internet und die Datenleitungen zu führen, sind unerschöpflich, da heute alles und jeder vernetzt und somit online ist. Also keine schönen Zukunftsaussichten für unsere hochtechnologische Welt.

Verheerende Monster-Stürme in den USA und der Schweiz

Dank wissenschaftlicher Studien und Real-World-Ereignissen wie dem Hurrikan Katrina wissen wir, dass die Decke der Zivilisation relativ dünn ist. Wenn die Stromversorgung länger als eine Woche ausfällt, wird's lebensgefährlich. Wie ist Ihre Einschätzung?
Strom ist die Achillesferse unserer modernen Gesellschaft. Ohne Strom ist ein Leben, wie wir es kennen, nicht mehr möglich. Dann funktioniert nahezu nichts mehr, weder die Toilettenspülung, Wasser, die Beleuchtung, die Heizung, die Kommunikation übers Handy, Festnetztelefon oder Internet und vieles mehr.

Auch der Fernverkehr und somit die Warenlieferungen bleiben aus, Benzin kann ohne Pumpen nicht getankt und befördert werden. Kühlketten werden unterbrochen, leicht Verderbliches wird schlecht. Wenn man dann noch an die unzähligen Atomkraftwerke denkt, mit ihren Kühlbecken, in denen die Brennstäbe permanent gekühlt werden müssen, wird einem ganz anders.

Mit dieser Antwort habe ich nur einen kleinen Teil möglicher Auswirkungen angerissen, da es sonst zu viel wird. Dieser Thematik widme ich in meinem erscheinenden Buch ein ganzes Kapitel, mit allen daraus resultierenden Auswirkungen eines Stromausfalles von Epidemien über eine Hungersnot bis hin zu lodernden Flammeninfernos, die in den Städten toben werden.

Sie beschäftigen sich seit 2010 intensiv mit privater Krisenvorsorge. Was war der Auslöser?
Einen wirklichen Auslöser kann ich nicht benennen. Durch die Kriegsgeschichten und damaligen Erlebnisse, auch in der Nachkriegszeit meiner Oma, wie sie zum Überleben hamstern mussten, fast an Hunger, Kälte und Krankheit zugrunde gingen, auf dem Schwarzmarkt tauschen mussten und schutzlos den Launen der Invasoren ausgesetzt waren, könnte bei mir den ersten Denkanstoss in Richtung Krisenvorsorge gegeben haben.

Dazu kam eine Flut an Informationen über vergangene Katastrophen, Kriege und Krisen, die Aussenpolitik, Weltwirtschaftskrise, Ressourcen-Verschwendung durch massiven Überkonsum und unsere Wegwerfgesellschaft, Überbevölkerung, diverse Lobbys und natürlich das relativ unstabile Papiergeldsystem.

Dies sind alles sehr interessante Fakten, die nicht weg zu diskutieren sind und jeder nachlesen kann. Von da an verschoben sich meine Prioritäten. Da ich von klein auf schon an dem Thema Survival interessiert war, ausserdem schon immer ein paar Konservendosen mehr im Schrank stehen hatte, war die Umstellung zur Vorsorge für mich nichts Aussergewöhnliches.

Zum Schluss: Was ist das Wichtigste, dass alle Leute bezüglich Krisenvorsorge so schnell wie möglich tun sollten?
Ich würde sagen, man sollte zuerst unsere Seite Paranoid Prepper bei Facebook mit einem Like abonnieren, um so keine kostenlosen Informationen mehr über die Thematik Krisenvorsorge, Outdoor und Survival zu verpassen. Dort werden auch bei gegebener Zeit Infos über mein Buch erscheinen. Auf unserer Website finden sich dann auch viele breitgefächerte Informationen zum Einstieg in die Krisenvorsorge, die man sich zu Herz nehmen sollte, um später nicht in die Statistik einzugehen.

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