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epa01368664 Two Eurofighter fighter planes fly past the Tivoli Neu stadium in Innsbruck, Austria, one of the EURO 2008 soccer tournament venues, 04 June 2008. The flypast was part of the security preparations of Austrian Defence Forces. The Austrian defence ministry is in charge, among others, of the security of the air space during the tournament.  EPA/BMLV/ZINNER/HO  EDITORIAL USE ONLY

Nur am Tag voll einsatzfähig: Österreichische Eurofighter fliegen über das Tivoli-Stadion in Innsbruck. Bild: EPA

Technisch veraltet

Nachts sind Österreichs Eurofighter blind

Es gibt einen guten Grund, warum sich die Schweizer Armee nicht mit dem Nachbarland messen will.



Stefan Schmid / Aargauer Zeitung

Der Vergleich brachte Verteidigungsminister Ueli Maurer in Rage: Mit nur 15 Eurofightern bewacht unser östliches Nachbarland Österreich seinen Luftraum, der doppelt so gross ist wie jener der SchweizEin TV-Bericht suggerierte, dass die Schweiz mit dem Kauf von 22 schwedischen Gripen-Jets eine Luxusluftwaffe anstrebt, die im internationalen Vergleich angesichts der bereits vorhandenen 32 amerikanischen F/A-18 viel zu gross sei. 

Recherchen der «Nordwestschweiz» zeigen nun, dass die Verärgerung von Ueli Maurer zumindest teilweise berechtigt ist. Der Vergleich mit Österreich hinkt tatsächlich. Die Eurofighter, die unsere Nachbarn 2007 für 1,5 Milliarden Euro gekauft haben, sind technisch nicht auf dem neusten Stand. Sie entsprechen damit nicht den Anforderungen, welche die Schweizer Luftwaffe an ihre eigenen Flugzeuge stellt, die rund um die Uhr einsetzbar sein müssen. 

Um Geld zu sparen, hat die damalige Regierung in Wien auf den Kauf der technisch aufgerüsteten zweiten Tranche verzichtet und stattdessen Flugzeuge der ersten Tranche bestellt. Zusätzlich verzichteten die Österreicher aus Kostengründen auf den Einbau der Systeme Praetorian, ein Selbstschutzprogramm, das Störsender, Radar und Laserwarnungen enthält, sowie auf die Infrarotsensoren Pirate. 

Folge davon ist, dass die österreichischen Eurofighter in der Nacht nur auf Sichtdistanz etwas sehen, wie das Verteidigungsministerium in Wien auf Anfrage bestätigt. Flugobjekte, die mehrere Kilometer entfernt sind, können nicht identifiziert werden.

Swiss Defence Minister Ueli Maurer speaks to the media during a news conference after the Federal Council weekly meeting in Bern February 19, 2014. REUTERS/Denis Balibouse (SWITZERLAND - Tags: POLITICS MILITARY)

Verteidigungsminister Ueli Maurer ärgerte sich über den Vergleich mit der österreichischen Luftwaffe. Bild: Reuters

Zu blind für Nachteinsätze

Diese beschränkten Nachtkapazitäten sind wohl der Grund, warum die österreichische Armee nur bei Tageslicht Luftpolizeieinsätze fliegt. «In der Nacht sind die Flugzeuge am Boden», sagt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Offiziell begründet wird der Verzicht zwar mit der geringen Anzahl ziviler Flugbewegungen in der Nacht. Doch für Militärexperten ist der Fall klar: Österreichs Kampfjets können nicht eingesetzt werden, weil sie fast blind sind. 

Die Mängel der österreichischen Luftwaffe sind sogar dem Rechnungshof in Wien aufgefallen. In einem Bericht vom März 2013 heisst es: «Im Fähigkeitenkatalog für die Luftraumüberwachung und -sicherung vom April 2011 wurde weiterhin eine Nachtsichtfähigkeit der Einsatzmittel gefordert. Das Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport hatte den Bedarf an entsprechender Einsatzausrüstung noch nicht konkretisiert.» 

Weiter bemängelt der Rechnungshof, dass die Piloten der Luftwaffe viel zu wenig Flugstunden auf dem Eurofighter absolvieren können. «Die für die durchgängig volle Einsatzbefähigung vorgesehenen 110 Flugstunden jährlich hatte in den Jahren 2010 und 2011 kein Pilot erreicht. Die durchschnittliche Flugstundenleistung je Pilot betrug im Jahr 2010 74 Stunden und ging im folgenden Jahr auf 70 Stunden zurück.» 

Armee: So kooperiert die Schweizer Luftwaffe 

Die Gripen-Gegner bemängeln die mangelhafte internationale Kooperation der Schweizer Luftwaffe. Die Zusammenarbeit mit der NATO sei rudimentär, das Alarmierungssystem mit den Nachbarstaaten massiv ausbaufähig und die Teilnahme der Schweiz am Air Situation Data Exchange System (ASDE) der NATO zwingend. Das ist eine von der NATO betriebene technische Plattform für den Austausch von Daten zur Luftlage. Dass die Schweiz hier nicht Mitglied ist, war vielen Sicherheitspolitikern bis vor kurzem nicht bewusst. «Bevor wir neue Flugzeuge kaufen, muss Bundesrat Maurer endlich aufzeigen, wo die Kooperation mit anderen Staaten verbessert werden kann», sagt GLP-Nationalrat Beat Flach. Die Luftwaffe weist auf Anfrage auf zahlreiche existierende Kooperationsformen hin. Namentlich im Ausbildungsbereich arbeite die Schweiz intensiv mit Nachbarstaaten, aber auch mit Schweden oder Norwegen zusammen. Die Luftwaffe nimmt zudem jährlich an multinationalen Übungen teil. Im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden der NATO sind Vertreter der Luftwaffe an Sitzungen beteiligt. Dort geht es darum, die internationalen Standards kennen zu lernen und an deren Weiterentwicklung mitzuwirken. Weiter erwägt die Schweiz gemäss Aussagen von Bundesrat Ueli Maurer in der TV-«Arena» den Beitritt zur ASDE. (ssm/az) 

Folgen für das WEF

Die mangelhafte Ausrüstung der Eurofighter hat Auswirkungen auf das Weltwirtschaftsforum in Davos. Da sich der Bündner Ort nahe an der Grenze befindet, muss auch der österreichische Luftraum gesichert werden. Schweizer Jets haben aber keine Erlaubnis, ennet der Grenze einzugreifen. Die Schweiz als Organisatorin des WEF ist deshalb auf die österreichische Luftwaffe angewiesen. Tagsüber funktioniert diese Zusammenarbeit tadellos. Doch in der Nacht sind die österreichischen Flugzeuge «nur im Notfall» in der Luft, wie das Ministerium in Wien bestätigt. Die Sicherheit sei aber jederzeit gewährleistet, weil mit Radaranlagen der Luftraum permanent überwacht werde und damit die Schweizer sofort alarmiert werden könnten. 

Ueli Maurer vergleicht die Schweiz deshalb lieber mit Holland, das über 60 moderne Jets besitzt. Allein: Auch dieser Vergleich greift zu kurz. Im Unterschied zur Schweiz, die sich auf den Schutz ihres Luftraums beschränkt, beteiligt sich Holland aktiv an NATO-Operationen und stellt Teile seiner Luftwaffe in den Dienst des westlichen Militärbündnisses. 

Alles zum Gripen, über den das Schweizer Volk in drei Wochen abstimmt, finden Sie hier

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