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Stau im Suezkanal
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Der Suezkanal ist wieder frei: «Ever Given» bewegt sich vom Ufer weg

Das im Suezkanal auf Grund gelaufene Riesen-Containerschiff «Ever Given» ist nach offiziellen Angaben wieder frei.



Das Heck des riesigen Containerschiffs «Ever Given», das seit rund einer Woche den Suezkanal blockiert, wurde laut offiziellen Angaben und mehreren Medienberichten zufolge befreit: «Das Schiff bewegt sich (...) und das Schiffshorn dröhnt, es klingt nach einer Feier», schreibt etwa der NBC-Korrespondent Raf Sanchez auf Twitter.

Der Kanalbetreiber SCA teilte am Montag mit, dass der Verkehr in der für die globale Schifffahrt so wichtigen Wasserstrasse wieder aufgenommen werde.

Die 400 Meter lange «Ever Given» hat rund eine Woche lang den Weg für mindestens 369 wartende Schiffe versperrt und damit für Verzögerung im Welthandel und bei Lieferketten gesorgt.

Die ungünstige Position der rund 400 Meter langen «Ever Given» konnte – nach Angaben der «Suez Canal Authority» – bereits um 80 Prozent korrigiert werden. Der Leiter eines Unternehmens, das an der Befreiungsoperation beteiligt ist, teilte der BBC mit, dass auch die letzen Schritte kein «Kinderspiel» werden würden.

Seit fast einer Woche stauen sich Schiffe aus aller Welt wegen der quergestellten «Ever Given» im Suezkanal. Jetzt, nach tagelangen Arbeiten, kann das Schiff in der Seestrasse teils bewegt werden. Die Hoffnung wächst, dass sich die Krise am Kanal dem Ende neigt.

Die ohnehin durch die Corona-Pandemie gebeutelte Schifffahrt könnte die Folgen der Blockade laut dem weltgrössten Reeder Maersk noch Monate lang spüren. Die «Ever Given» gehört zu den grössten Containerschiffen der Welt. Sie hatte sich am Dienstag vergangener Woche bei starkem Wind in dem Kanal zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer verkeilt.

Um das mit 13'800 Containern beladene Schiff wieder flott zu bekommen, hatte die Suez Canal Authority (SCA) zuletzt schon eine Entladung vorbereitet. Letztlich kam das Schiff aber mit Hilfe von Schleppern frei, nachdem in den vergangenen Tagen Zehntausende Kubikmeter Sand ausgebaggert worden waren.

Applaus und Hupkonzert

Als der Frachter am frühen Montagmorgen ägyptischer Zeit in Gang kam, gab es Applaus und ein Hupkonzert der Schlepper-Crews, wie in Social-Media-Videos zu sehen und zu hören war. An der Bergung der «Ever Given» ist auch die niederländische Firma Smit Salvage beteiligt. Der Chef des Mutterkonzerns Boskalis, Peter Berdowski, zeigte sich erfreut über den Fortschritt.

Das vollständige Freischleppen sei aber «keine leichte Übung», warnte Berdowski im niederländischen Rundfunk. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte sich bisher noch nicht öffentlich zur Lage im Suezkanal geäussert. Am Montag erklärte er, Ägypten habe die Krise beendet und die Wiederaufnahme des Handels durch den Kanal gesichert.

Laut Kanalbehörde hatten zehn Schlepper aus vier Richtungen seit dem Morgengrauen versucht, das gewaltige Schiff zu bewegen. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte bereits angeordnet, die teilweise Entladung von Containern vorzubereiten, falls die Versuche zur Freilegung weiter erfolglos bleiben sollten. Hilfs- und Bergungsteams hatten mit Schleppern und Baggern über Tage versucht, das Schiff eines japanischen Eigentümers zu befreien, das am Dienstag auf Grund gelaufen war.

Wann die «Ever Given» ihre Fahrt in nördlicher Richtung auf dem Weg nach Rotterdam im Kanal fortsetzen kann, war nach der Erfolgsmeldung zunächst unklar. Laut Kanalbehörde warteten zuletzt rund 370 Schiffe auf beiden Seiten des Kanals auf Durchfahrt, darunter 25 Öltanker. Der Finanznachrichtendienst Bloomberg berichtete am Montag von 450 wartenden Schiffen.

Am Montagmorgen kursierten im Internet Videos von erleichterten Crewmitgliedern der anderen Schiffe im Kanal. «Das Boot schwimmt», sagt ein Mann an Bord eines Schiffs und streckt seinen Daumen nach oben. Auf einem der Videos ist immer wieder der Ausspruch «Alhamdulillah» (Gott sei Dank) zu hören.

Folgen für den Welthandel

Laut Maersk könnte es mindestens sechs Tage dauern, bis der Stau ganz aufgelöst werden kann. Der Kanalbetreiber SCA geht dagegen von maximal drei Tagen aus und sicherte zu, die Beförderung der wartenden Schiffe durch den Kanal nach Bergung der «Ever Given» zu beschleunigen. «Wir werden nicht eine Sekunde vergeuden», versprach der SCA-Vorsitzende Osama Rabie.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft rechnet noch nach einer Bergung der «Ever Given» mit Nachwirkungen für den Welthandel. Die Ratingagentur Fitch geht davon aus, dass auf Rückversicherer wegen der Blockade Verluste von Hunderten Millionen Euro zukommen. Das werde auf die Bilanzen durchschlagen und auch die Preise für Rückversicherungen der Schifffahrt in die Höhe treiben.

Positive Effekte meldet dagegen die Bahn: Die Blockade im Suez-Kanal hat nach Worten einen Konzernsprechers die Nachfrage nach Schienen-Transporten von und nach Asien spürbar erhöht. Die Züge benötigten nach China ohnehin mit zehn Tagen nur etwa halb so lang wie das Schiff. Die Nachfrage habe schon mit Beginn der Pandemie zugenommen. (awp/sda/reu)

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