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epa04923217 Mogfaba, a 16-year-old refugee from Afghanistan, uses a mobile phone at the train station in Flensburg, Germany, 10 September 2015. A first train with refugees left in the morning from Flensburg towards Denmark. About 100 migrants spent the night at Flensburg's train station. Denmark would resume international rail services to Germany on 10 September, the Danish railway company DSB said, the day after trains were halted in an attempt to come to terms with an influx of migrants. Trains between Flensburg in Germany and Padborg in southern Denmark would resume, as well as the intercity service between Flensburg and the Danish capital Copenhagen. Germany and Sweden have been among the top destinations for those seeking to file asylum applications, while Denmark has in recent years introduced tougher restrictions.  EPA/CHRISTIAN CHARISIUS

WhatsAapp, Skype und Messenger: Für die Flüchtlinge ist das Handy die einzige Möglichkeit zu erfahren, wie es ihren Liebsten im Heimatland ergeht. Bild: EPA/DPA

Facebook, WhatsApp und Co.: Auf der Flucht sind Handy und Prepaid-Karte überlebenswichtig



Der Flüchtling von heute ruft die Daheimgebliebenen über Skype an. Wenn er einen Freund auf dem Weg verliert, kontaktiert er ihn via WhatsApp. Moderne Kommunikationsmittel und soziale Netzwerke ebnen den Weg für jeden, der die Flucht nach Europa antritt. In früheren Zeiten mussten Flüchtlinge nach dem Weg fragen, auf den Kompass schauen oder sich am Stand der Sonne orientieren. Heute hilft ihnen oft das Handy aus der Patsche. Die erste Tat nach Ankunft in einem neuen Land ist daher die Organisation einer SIM-Karte.

Refugees and migrants charge their mobile phones as they wait to cross the borders of Greece with Macedonia, near the village of Idomeni, September 6, 2015. Greece is struggling to cope with the hundreds of migrants and refugees from the war in Syria making the short crossing every day from Turkey to Greece's eastern islands, including Kos, Lesbos, Samos and Agathonisi. REUTERS/Alexandros Avramidis

Stromquellen sind nach den langen Reisen oft heiss begehrt. Bild: ALEXANDROS AVRAMIDIS/REUTERS

Selbst die Ärmsten der Armen haben auf ihrem beschwerlichen Weg nach Westeuropa alle ein Smartphone und einen Zusatz-Akku dabei. Allerdings benutzen viele von ihnen billigere Geräte, die von den Herstellern als abgespeckte Version speziell für den arabischen Markt entwickelt wurden. Für die gefährliche Überfahrt von der Türkei nach Griechenland wickeln die Flüchtlinge das Telefon oft in Plastikfolie ein – für den Fall, dass ihr Schlauchboot kentern sollte.

«Wir haben in jedem Land etwa 20 Euro für eine Prepaid-Karte ausgegeben.»

Syrischer Flüchtling

Rebwar Maao, ein junger Kurde aus dem syrischen Grenzort Ras al-Ain, sieht müde und ziemlich abgerissen aus, als er vor dem Ostbahnhof in Budapest eintrifft. Einen Teil der Strecke von der serbischen Grenze haben er und seine vier Weggefährten zu Fuss zurückgelegt. Geschlafen haben sie im Wald.

Schlupfloch dank Facebook und Co.

In der rechten Hosentasche seiner engen Jeans steckt ein Handy. In der linken Tasche hat er ein mobiles Ladegerät. «Das reicht, um das Telefon dreimal voll aufzuladen», sagt Maao. Das Handy ist für ihn das wichtigste Hilfsmittel auf seiner Reise, die – wenn alles nach Plan läuft – in Hannover enden soll. Mit der Gratis-Kartensoftware und der Ortung per GPS finden die Asylbewerber den Weg nach Deutschland.

Über geschlossene Facebook- und WhatsApp-Gruppen stellen die Flüchtlinge den Kontakt zu lokalen Menschenschmugglern her, die sie für viel Geld mit Lastwagen, Booten oder zu Fuss über die nächste Grenze bringen.

The personal belongings of 32-year old refugee Mohammed Shed from Afghanistan are photographed just after his arrival at a refugee camp built in former U.S. army barracks in Hanau, Germany, August 18, 2015. The picture on his mobile phone on top of the few clothes he brought shows his four sons he had to leave behind. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Damit die Familie immer mit dabei ist: Das Handy gehört zu den wenigsten Habseligkeiten eines syrischen Flüchtlings. Bild: KAI PFAFFENBACH/REUTERS

Ausserdem verfolgen sie per Smartphone die Nachrichten. Wo ist ein Schlupfloch geschlossen worden? Wo ist das Risiko am grössten, von der ungarischen Polizei geschnappt und registriert zu werden? Einige syrische Flüchtlinge haben auch die App «Gherbetna» heruntergeladen, die ihnen nicht nur praktische Informationen liefert, sondern auch die Möglichkeit bietet, andere Flüchtlinge zu orten, die sich in der näheren Umgebung befinden.

«Wir haben in jedem Land etwa 20 Euro für eine Prepaid-Karte ausgegeben», sagt Maao. Die Karte, mit der man im Internet surfen und telefonieren kann, ist ihm so wichtig, dass er erst einmal zu einem Handyladen läuft – noch bevor er sich ein Billett für den Zug zur österreichischen Grenze kauft.

Wie wichtig Handys und Internet für die Flüchtlinge sind, haben auch ungarische Helfer erkannt. In Budapest hat eine Gruppe von Greenpeace-Aktivisten das «Refugees Internet» eingerichtet. «Information und die Kommunikation mit Freunden und Verwandten sind für die Menschen hier am allerwichtigsten», sagt Flora Hevesi, Sprecherin von Greenpeace Ungarn.

In kürzester Zeit haben hier über 100 Flüchtlinge ihre Handys aufgeladen oder das Internet benutzt. Vorerst werden die Aktivisten in der ungarischen Hauptstadt bleiben, sagt Hevesi. Aber wenn sie woanders gebraucht werden, ziehen sie auch weiter – etwa zum Flüchtlingslager Röszke an der ungarisch-serbischen Grenze.

Immer auf der Suche nach der nächsten SIM-Karte

Auf Gleis 8 des Budapester Bahnhofs, wo die Züge nach Westen abfahren, sitzt an diesem sonnigen Mittag eine Gruppe junger Männer. Die Syrer sind Angehörige der drusischen Minderheit. Sie gehören nicht zu den Regimegegnern. Trotzdem wollten sie weg – weil es wegen des Krieges keine Jobs mehr gibt und das Leben teuer geworden ist. Mit Luftangriffen mussten sie in ihren Dörfern und Stadtvierteln zwar nicht rechnen. Dafür schlugen gelegentlich Granaten von Rebellen und sunnitischen Terrormilizen ein.

A migrant checks a mobile device after crossing with a dinghy from Turkey to the southeastern Greek island of Kos, Wednesday, Aug. 12, 2015. Dozens of boat people from the Middle East are flowing into the Greek holiday island of Kos from nearby Turkey, joining thousands of refugees camped under wretched conditions. (AP Photo/Yorgos Karahalis)

Weit weg von zuhause wissen Flüchtlinge oft nur dank GPS, wo genau sie gelandet sind. Bild: Yorgos Karahalis/AP/KEYSTONE

«Wir haben jetzt alle leere Akkus», sagt einer von ihnen. «Mit meiner Familie in Syrien habe ich seit fünf Tagen nicht mehr Kontakt gehabt». Wenn er in Österreich angekommen ist, will er sich eine neue SIM-Karte besorgen. In Serbien, erzählt er, habe ihm ein Strassenhändler für viel Geld eine gefälschte Handykarte verkauft. (sda/dpa)

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