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Canopus, Atompilz, französischer Atomtest auf Fangataufa, 1968

Schaurig-schön: Atompilz des französischen Atomtests Canopus, 1968.  Bild: Imgur

Hat Trump wirklich den «grössten Atomknopf»?

Daniel Huber, Lea Senn



Das Jahr 2018 hat mit einem verbalen Showdown zwischen dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump begonnen. Zuerst drohte Kim in seiner Neujahrsansprache den USA: «Die gesamten Vereinigten Staaten liegen in Reichweite unserer Kernwaffen und auf meinem Schreibtisch steht immer ein Atomknopf.» Darauf schoss Trump per Twitter zurück: 

«Könnte jemand aus Kims ausgebeutetem und hungerndem Regime ihn bitte darüber informieren, dass auch ich über einen Atomknopf verfüge, aber meiner ist viel grösser und stärker als seiner, und mein Knopf funktioniert!»

Tatsächlich hat Trump – mal abgesehen von der martialischen Rhetorik – recht: Das nukleare Arsenal der USA ist, trotz des massiven Abbaus nach dem Ende des Kalten Krieges, ungleich grösser als das nordkoreanische. Die USA waren die erste Atommacht, und sie sind das bisher einzige Land, das Atomwaffen in einem Krieg eingesetzt hat. 

70 Jahre Atombombenabwurf auf Hiroshima

Seit das Atomzeitalter am 16. Juli 1945 mit dem Trinity-Test begann, haben die USA über 70'000 Atomwaffen produziert – insgesamt 70 verschiedene Typen, von der Atommine bis zur Wasserstoffbombe. 1967 erreichte das US-Arsenal seinen Zenit: Damals verfügten die Vereinigten Staaten über 31'255 Sprengköpfe. Aktuell sind es noch 6800. 

Doch die USA beherrschen das Feld nicht allein. Ihr Atom-Monopol wurde schon 1949 gebrochen, als die Sowjetunion ihre erste Atombombe zündete. Die UdSSR hinkte in den 50er- und 60er-Jahren zwar in Sachen atomarer Aufrüstung hinter der westlichen Supermacht hinterher, doch 1978 überholte die Sowjetunion die USA. Mitte der 80er-Jahre erreichte das sowjetische nukleare Arsenal die unglaubliche Anzahl von über 40'000 Sprengköpfen – diese massive Aufrüstung dürfte übrigens einer der Sargnägel für die Sowjetunion gewesen sein. 

Atommächte USA und Russland / Sowjetunion

Quelle: Wikipedia

Russland als Nachfolgestaat der UdSSR verfügt im Augenblick mit 7000 Sprengköpfen knapp vor den USA über das grösste nukleare Arsenal. Die beiden grössten Atommächte besitzen zusammen über 90 Prozent der weltweit aktuell vorhandenen knapp 15'000 Sprengköpfe. In dieser Zahl inbegriffen sind allerdings nicht nur die einsatzbereit montierten Sprengköpfe – von denen Russland 1561 und die USA 1393 besitzen –, sondern auch die als Reserve eingelagerten und die zur Demontage vorgesehenen Atomwaffen. 

Atommächte der Welt

Zahlen von 2017. Die Arsenale Russlands und der USA sind hier aus technischen Gründen nicht proportional, sondern verkleinert dargestellt.  Quelle: Armscontrol.org

Im Vergleich zu diesen beiden nuklearen Giganten nehmen sich die Arsenale aller anderen Atommächte bescheiden aus. Frankreich, die Volksrepublik China und Grossbritannien verfügen jeweils über 200 bis 300 Sprengköpfe; die erklärten Atommächte Indien und Pakistan, die dem Atomwaffensperrvertrag nicht beigetreten sind, kommen auf ca. 120 bis 140 Sprengköpfe. Israel, das sich nicht als Atommacht erklärt hat, soll über rund 80 Sprengköpfe verfügen. Und Kim Jong Uns atomare Streitmacht umfasst vermutlich gegen 10 Sprengköpfe. 

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Die Arsenale der 9 Atommächte von 1945 bis 2020 (ab 2018 Prognosen).  Quelle: Wikipedia

Die Zahl der Sprengköpfe allein sagt jedoch noch nicht alles über die nukleare Potenz eines Staates – das dürfte Trump mit dem Nachsatz «und meiner funktioniert» gemeint haben. Noch ist nicht klar, inwiefern Nordkorea in der Lage ist, seine Sprengköpfe so zu verkleinern, dass sie auf Interkontinentalraketen passen. Auch die Frage, ob Nordkorea über zuverlässige Trägersysteme verfügt, ist noch nicht abschliessend beantwortet. 

Neben den offiziellen Atommächten und den Ländern, die de facto über Atomwaffen verfügen, gibt es noch fünf Nato-Staaten, in denen im Rahmen der sogenannten «nuklearen Teilhabe» US-Atomwaffen stationiert sind: Belgien, die Niederlande, Deutschland, Italien und die Türkei

Atomwaffernsperrvertrag

Der Atomwaffensperrvertrag (engl. Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons) trat 1970 in Kraft. Bis auf vier Staaten – Indien, Israel, Pakistan und Südsudan – sind sämtliche Staaten Mitglied geworden. Nordkorea trat 2003 wieder aus. 
Die Staaten, die nicht im Besitz von Atomwaffen sind und den Vertrag unterzeichnet haben, verzichten darin auf den Erwerb von Atomwaffen. Die fünf offiziellen Atommächte (USA, Russland, Frankreich, Grossbritannien und China) verpflichten sich dazu, Verhandlungen zu führen, die in eine vollständige Abrüstung münden. Jeder Mitgliedsstaat hat zudem das Recht, ein ziviles Atomprogramm zu entwickeln. 
Die offiziellen Atommächte haben bisher kaum Schritte zur vollständigen nuklearen Abrüstung vorgenommen. Im Gegenteil wurden verschiedentlich nukleare Arsenale modernisiert. 

Der Einsatz dieser Atomwaffen unterliegt dem Zweischlüssel-Abkommen; das heisst, die Befehlsgewalt über die nuklearen Gefechtsköpfe liegt bei den USA, während die verbündeten Staaten Trägersysteme und Bedienmannschaften kontrollieren. 

Die amerikanische Nuklearstrategie beruht auf der sogenannten «nuklearen Triade»: Sie besteht aus stark geschützten landbasierten Interkontinentalraketen, strategischen U-Booten mit seegestützten Interkontinentalraketen und Langstreckenbombern mit nuklear bestückten Marschflugkörpern oder Atombomben. Diese Dreiteilung soll verhindern, dass ein Gegner mit einem nuklearen Erstschlag sämtliche amerikanischen Atomwaffen vernichten kann. Sie gewährleistet die sogenannte Zweitschlagsfähigkeit. Nordkorea ist noch weit davon entfernt. 

Diese Fähigkeit, einen noch so vernichtenden nuklearen Angriff mit einem ebenfalls vernichtenden Zweitschlag zu beantworten, wird als Gleichgewicht des Schreckens bezeichnet. Der englische Begriff dafür lautet «Mutually Assured Destruction», das Akronym «MAD» bedeutet auf Deutsch passenderweise «verrückt».

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