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Bolsonaro im Regenwald in Brasilien.

Bild: Keystone/watson

Waldbrände im Amazonas: Bolsonaro krebst zurück – und greift Macron gleichzeitig heftig an



Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat eingeräumt, dass die massiven Waldbrände im Amazonas möglicherweise illegal von Landwirten gelegt wurden. Zugleich verwahrte er sich aber gegen internationale Einmischung.

Die Länder, die Geld an Brasilien zahlten, schickten es nicht aus Grosszügigkeit, sagte er in einer Facebook-Sendung: «Sie schicken es mit dem Ziel, unsere Souveränität zu beschneiden.» Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Uno-Generalsekretär Antonio Guterres hatten zuvor auf Twitter ihre Sorgen wegen der Feuer zum Ausbruch gebracht, die in diesem Jahr so gross sind wie nie zuvor.

Bolsonaro kritisierte Macron wegen dessen Äusserungen zu den Amazonas-Waldbränden scharf. Er warf Macron am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter eine «kolonialistische Mentalität» vor. Macron wolle beim G7-Gipfel in Biarritz über die Feuer sprechen, ohne dass die Länder der Amazonas-Region dabei seien.

Der ultrarechte Präsident beschuldigte Macron zudem, eine «innere» Angelegenheit Brasiliens und anderer Staaten im Amazonasgebiet «instrumentalisieren» zu wollen, um «persönlichen politischen Profit» daraus zu schlagen. Macrons «sensationsgieriger Ton» trage nicht zur Lösung des Problems bei, schrieb Bolsonaro.

Thunberg-Bewegung ruft zu Demos auf

Zudem warf er Macron vor, für seinen Tweet ein falsches Bild verwendet zu haben. Tatsächlich zeigt das Foto nicht die aktuellen Brände und ist schon Jahre alt. Es stammt vom US-Fotografen Loren McIntyre, der bereits 2003 starb. In der aktuellen Debatte über die Brände wird das Bild häufig gepostet, zuletzt auch von Hollywoodstar und Umweltaktivist Leonardo DiCaprio.

Die Klimaschutzbewegung «Fridays for Future» rief für Freitag zu Demonstrationen vor brasilianischen Botschaften und Konsulaten unter dem Motto «SOS Amazonas» auf. Die von der schwedischen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg initiierte Bewegung warf Bolsonaro vor, mit seiner Umweltpolitik zu den Feuern beizutragen. Dessen Regierung sehe den Amazonas-Regenwald lediglich als «Milchkuh».

Staatsanwälte ermitteln

Der französische Präsident Macron hatte die schweren Waldbrände im Amazonasgebiet am Donnerstag als «internationale Krise» bezeichnet. Er kündigte an, mit den anderen G7-Mitgliedern beim Gipfel in Biarritz am Wochenende «über diesen Notfall» zu sprechen. Brasilien ist bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industriestaaten nicht dabei.

Brasilianische Staatsanwälte wollen wegen der Brände Ermittlungen einleiten. Angesichts der zunehmenden Zerstörung des Urwaldes gehe es darum zu untersuchen, ob der Umweltschutz vernachlässigt worden sei, teilte die Strafverfolgungsbehörde mit. Weltweit kritisieren Umweltschützer die Abholzung des Regenwaldes, der auch als «Lunge der Welt» bezeichnet wird.

Ecuadors Staatschef Lenín Moreno bot Bolsonaro derweil an, Feuerwehrleute zu entsenden, um die Waldbrände zu bekämpfen.

Präsident Bolsonaro hatte zuletzt nahe gelegt, Umweltschützer hätten die Brände gelegt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und seine Regierung in ein schlechtes Licht zu rücken. Naturschützer hingegen gehen davon aus, dass Farmer mit den Feuern neue Weideflächen erschliessen. Sie könnten sich von Bolsonaro ermutigt fühlen, der sich für den Regenwald vor allem wegen dessen ungenutzten wirtschaftlichen Potenzials interessiert.

Neue Flächen für Agrarindustrie

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahmen die Feuer und Brandrodungen im grössten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zu, wie die Zeitung «Folha de S. Paulo» berichtete. Insgesamt wurden demnach 72'843 Brände registriert. In den meisten Fällen waren Flächen in Privatbesitz betroffen, aber auch in Naturschutzgebieten und indigenen Ländereien brechen immer wieder Feuer aus.

Unter dem ultrarechten brasilianischen Präsidenten Bolsonaro hat sich die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes massiv beschleunigt. Allein im Juli war die Fläche des zerstörten Waldes nach offiziellen Angaben um fast das Vierfache höher als im gleichen Monat des Vorjahres. Bolsonaro ist Klimaskeptiker und Freund der Agrarindustrie, die neue Flächen für den Anbau von Soja und die Rinderzucht benötigt. (sda/afp/reu/dpa)

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