International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa07786190 French President Emmanuel Macron (L) and British Prime Minister Boris Johnson (R) during their meeting at the Elysee Palace in Paris, France, 22 August 2019. Johnson is in Paris after a one day visit in Berlin.  EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON / POOL

Schlechte Manieren im Elysee-Palast: Boris Johnson stellt bei Emmanuel Macron den Fuss auf den Tisch. Bild: EPA

Fuss auf dem Tisch und Klatsche von Macron – So war Boris Johnsons Besuch in Paris



Nicht unbedingt die feine englische Art: Grossbritanniens Premierminister Boris Johnson hat bei seinem Antrittsbesuch beim französischen Präsidenten seinen Fuss auf einen Beistelltisch gestellt und dafür online böse Kommentare kassiert.

Auf einem Foto ist zu sehen, wie Johnson am Donnerstag im Pariser Elysee-Palast seinen rechten Fuss auf ein rundes Tischchen stützt und sich im Sessel zurücklehnt. Ihm gegenüber sitzt Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron.

In den sozialen Medien war der Ärger über Johnsons flapsigen Auftritt gross. Die britische Tageszeitung «The Guardian» schrieb, der britische Premier habe sich für einen eher «informellen Ansatz» entschieden, als er sich mit Macron zusammensetzte.

Kein neues Brexitabkommen

Auch im Gespräch erreichte Johnson nicht das, was er sich wohl erhofft hatte. Macron hat ihm beim Brexit klare Grenzen aufgezeigt. Die Zeit reiche nicht mehr, um eine neue Scheidungsvereinbarung zwischen der EU und Grossbritannien auszuhandeln, sagte Macron.

«Ich möchte das sehr deutlich sagen: Im kommenden Monat werden wir kein neues Austrittsabkommen finden, das gross vom Original abweicht», sagte Macron am Donnerstag an der Seite seines Staatsgastes im Hof des Elysee-Palasts in Paris. Im Poker um den Brexit gilt der Franzose als Hardliner.

Der britische Premier betonte nach dem Treffen, er wolle eine Einigung für den Austritt seines Landes aus der EU erzielen. «Ich möchte ein Abkommen.»

epaselect epa07785596 French President Emmanuel Macron (R) and British Prime Minister Boris Johnson (L) give a press conference prior to their  meeting at the Elysee Palace in Paris, France, 22 August 2019. Johnson is in Paris after a one day visit in Berlin.  EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON

Bild: EPA

Sein Treffen mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel habe ihn «stark ermutigt». Johnson plädierte dafür, den Brexit «vernünftig und pragmatisch sowie im Interesse beider Seiten» zu regeln und damit nicht bis zum 31. Oktober zu warten. «Lassen Sie uns nun damit weitermachen, unsere Freundschaft und Partnerschaft zu vertiefen und zu intensivieren.»

Johnsons Furcht vor dem Backstop

Boris Johnson, der seit einem Monat im Amt ist, will den zwischen seiner Vorgängerin Theresa May und der EU ausgehandelten, vom britischen Parlament aber mehrfach abgelehnten Brexit-Vertrag wieder aufschnüren und die Notfalllösung zur irischen Grenze kippen.

Dieser sogenannte Backstop soll eine harte Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem zu Grossbritannien gehörenden Nordirland verhindern - und damit auch ein potenzielles Wiederaufflammen des Irland-Konflikts.

Johnson aber fürchtet, dass sein Land durch den Backstop, sollte er denn eintreten, dauerhaft eng mit der EU verbunden bliebe und so keine unabhängige Handelspolitik betreiben könnte.

Die EU hat jedoch wiederholt unterstrichen, dass am Austrittsabkommen nicht gerüttelt wird. Gelingt keine Einigung, droht ein Brexit ohne Abkommen. Experten warnen für so einen Fall vor schweren wirtschaftlichen Verwerfungen beiderseits des Ärmelkanals.

Johnsons Versprechen

Macron betonte, sowohl der Backstop als auch die Integrität des EU-Binnenmarkts seien Elemente, die man beibehalten müsse. Johnson versicherte, die britische Regierung werde «unter keinen Umständen» irgendeine Art von Kontrollen an der Grenze zu Irland einführen.

Er glaube auch nicht, dass die EU dies tun müsse, um ihren Binnenmarkt zu schützen. «Wir denken, dass es andere Wege gibt.» Er sei überzeugt, dass die Zeit dafür ausreiche. Vieles sei schon erledigt worden, um einen sanften Übergang Ende Oktober zu gewährleisten.

Mit Blick auf die Debatte über den Brexit-Vertrag merkte Johnson an, Merkel habe gesagt, dass man binnen 30 Tagen Überlegungen dazu entwickeln könne, was sich schaffen lasse. Diesen Geist bewundere er.

epa07784827 German Chancellor Angela Merkel (L) receives British Prime Minister Boris Johnson (R) with military honors at the Chancellery in Berlin, Germany, 21 August 2019. Prior to the G7 summit in Biarritz form 24 to 27 August 2019, Johnson meets Angela Merkel and on the next day French President Emmanuel Macron. In the talks, Johnson is expected to try to resume the Brexit talks, so that it will not come to a 'no deal' exit of the United Kingdom from the EU on 31 October 2019.  EPA/CLEMENS BILAN

Bild: EPA

Die deutsche Kanzlerin hatte am Mittwoch gesagt, dass der Backstop nur als «Rückfallposition» gedacht sei, falls man in dem zweijährigen Übergangszeitraum nach dem EU-Austritt zur Regelung des Grenzverkehrs an der irischen Grenze keine Einigung finde. «Man hat gesagt: Die finden wir wahrscheinlich in den nächsten zwei Jahren. Aber man kann sie vielleicht auch in den nächsten 30 Tagen finden. Warum nicht?»

Am Donnerstag präzisierte sie bei einem Besuch in Den Haag, dass sie keine 30-Tages-Frist gesetzt habe. Dieser Zeitraum sei nur sinnbildlich gemeint gewesen und habe deutlich machen sollen, dass auch in einem kurzen Zeitraum eine Lösung angestrebt werden könne, sagte Merkel.

An den Finanzmärkten kam am Donnerstag Hoffnung auf, dass nun doch Bewegung in den festgefahrenen Brexit-Streit kommt. Das britische Pfund stieg im Wert. (sda/dpa/reu/afp)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Diese 20 Cartoons fassen das Brexit-Chaos perfekt zusammen

EU-Ratspräsident Tusk beweist Galgenhumor

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Diese 20 knallharten Cartoons bringen das Brexit-Chaos auf den Punkt

Noch keine zwei Monate ist es her, seit Boris Johnson das Amt von Theresa May übernommen hat. Seine Vorgängerin hatte als Premierministerin vergebens versucht, das Vereinigte Königreich aus der EU zu führen, und nahm im Sommer 2019 als Konsequenz den Hut.

Johnson sah sich am Ziel seiner politischen Träume: Er hatte es in die Downing Street Nummer 10 geschafft. Den traditionellen Wohnsitz des britischen Regierungschefs. Mit einer trüben Aussicht allerdings, denn die Insel zeigte sich ob des …

Artikel lesen
Link zum Artikel