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«Absolut keine Gnade» – neues Leak zu Uiguren-Lagern in China

Eine Million Uiguren und andere grösstenteils muslimische Minderheiten sollen in Inhaftierungslagern in China festgehalten werden. Eine Enthüllung der «New York Times» zeigt nun das Ausmass des humanitären Desasters. 



Ein Artikel von

T-Online

Peking bestreitet das Ausmass der Verfolgung der Volksgruppe der Uiguren in China. Die «New York Times» hat nun jedoch Hunderte interne Staatsdokumente über die Internierung von Uiguren in Lagern veröffentlicht.

Auf insgesamt 403 Seiten gibt es darin Details zur Überwachung der uigurischen Bevölkerung in Xinjiang. Nach Einschätzung der «New York Times» handelt es sich bei den Dokumenten, um eines der «bedeutendsten Leaks von Regierungspapieren aus der Kommunistischen Partei Chinas seit Dekaden».

epa07996635 Chinese President Xi Jinping arrives to participate in the BRICS Summit dome session in Brasilia, Brazil, 14 November 2019. The event is part of the XI Summit of the main emerging economies of the BRICS, which brings together Brazil, Russia, India, China and South Africa.  EPA/ANDRE COELHO

Xi Jinping: Chinas Staatschef ordnete einem Bericht zufolge «keine Gnade» im Umgang mit den Uiguren an. Bild: EPA

Aus dem Bericht geht hervor, dass Chinas Staats- und Regierungschef Xi Jinping im Jahr 2014 Xinjian besuchte und in mehreren Reden ein scharfes Vorgehen gegen die Uiguren anordnete. Im Umgang mit der muslimischen Minderheit solle dabei «absolut keine Gnade» gezeigt werden, wird Xi zitiert. Demnach forderte er einen umfassenden «Kampf gegen Terrorismus, Infiltration und Separatismus».

Ob er die Internierungslager selbst angeordnet hatte, wird aus den Dokumenten jedoch nicht ersichtlich. Hintergrund seiner verschärften Rhetorik waren mehrere Terroranschläge im Land gewesen – unter anderem ein Messerangriff von uigurischen Extremisten im südwestchinesischen Kunming, bei dem 31 Chinesen starben.

Menschenrechtsorganisationen prangern schon lange die Unterdrückung der Uiguren an. Demnach sind mehr als eine Million Uiguren und Angehörige anderer muslimischer Minderheiten in Umerziehungslagern inhaftiert, wo sie zur Aufgabe ihrer Religion, Kultur und Sprache gezwungen werden. Die chinesische Führung bestreitet die Vorwürfe und spricht von «Bildungszentren», die dem Kampf gegen islamistische Radikalisierung dienten. 

epa01787319 A men belonging to the Chinese Uyghur Moslem miniority (C) runs from Han Chinese armed with clubs and metal pipes towards a line of soldiers to get access to a Uyghur neighbourhood in Urumqi, China, 08 July 2009. After two days of violent riots Beijing has put the city under martial law and deployed thousands of soldiers to the city to regain safty. This week's ethnic riots in western Xinjiang province are the deadliest on record since the end of the Cultural Revolution in the 1970s.  EPA/OLIVER WEIKEN

Ein Uigure an einer Demonstration. Bild: EPA

Die geleakten Papiere belegen nun, dass das Vorgehen der kommunistischen Führung in Peking auf lokaler Ebene aber durchaus umstritten war. Offenbar habe es auch Hinweise auf Pläne gegeben, die den Islam in anderen Teilen Chinas einzuschränken.

Aus den Papieren geht auch hervor, dass es Gesprächsanleitungen für örtliche Behörden gegeben hat, um mit Familien zu sprechen, deren Angehörige inhaftiert wurden. Auswärtige Studenten wurden demnach bei ihrer Rückkehr mit Hinweisen bedroht, dass der Aufenthalt ihrer Angehörigen in den Camps verlängert werden könne.

Aktivisten beschuldigen China der heimlichen Inhaftierung

Kurz bevor das Leak von der Zeitung veröffentlicht wurde, hatten US-Aktivisten in China nach eigenen Angaben Hunderte bislang unbekannte Lager zur Inhaftierung von Uiguren entdeckt. Die in Washington ansässige Gruppe East Turkistan National Awakening Movement (ETNAM) erklärte am Dienstag, mehr als 450 Orte lokalisiert zu haben, an denen China mutmasslich Uiguren festhalte. Die Regierung in Peking wies die Anschuldigen zurück.

Die mehr als zehn Millionen Uiguren sind eine muslimische Minderheit und leben mehrheitlich in der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas. Sie sind ethnisch mit den Türken verwandt und fühlen sich von den herrschenden Han-Chinesen unterdrückt. Nach ihrer Machtübernahme 1949 in Peking hatten die Kommunisten das frühere Ostturkestan China einverleibt. 

Die Regierung in Peking wirft uigurischen Gruppen Separatismus und Terrorismus vor. Nach wiederholten gewaltsamen Angriffen von Uiguren hat China in den vergangenen Jahren auch mithilfe modernster Technologie die Überwachung der Minderheit massiv ausgeweitet. 

Verwendete Quellen:

(aj/t-online.de)

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Die unterdrückten Uiguren in China

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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • TheKen 18.11.2019 12:44
    Highlight Highlight Wusste gar nicht dass Uiguren einen türkischen Dialekt sprechen.
  • RatioRegat 18.11.2019 10:59
    Highlight Highlight Das sind Konzentrationslager.

    Aber wir betreiben weiterhin lieber Appeasement-Politik, weil uns das Freihandelsabkommen wichtiger ist als Menschenrechte.

    Widerlich.
  • Super8 18.11.2019 09:17
    Highlight Highlight Steve Bannon hat schon vor ein paar Jahren gesagt, dass die Chinesen die neuen Nazis sind. Er wurde damals entweder dafür beschimpft oder erst gar nicht ernst genommen. Nun merkt der Westen langsam, dass er recht hatte.

    Und nein, ich bin sonst ganz und gar kein Bannon-Fan.
  • dä dingsbums 18.11.2019 08:25
    Highlight Highlight Als vor 20 Jahren das Thema Tibet aktuell war hiess es:

    "Lasst uns mit China handel treiben. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung wird sich auch das System weniger repressiv."

    Tja.
    • Jawolaufensiedenn 18.11.2019 10:57
      Highlight Highlight Du glaubst doch nicht im ernst, dass der Westen aus Mitgefühl zu welcher Minderheit auch immer Handel treibt.
      Wir haben einzig und allein unseren Profit im Auge.
      Zuerst kommt das Fressen und dann kommt die Moral.
    • dä dingsbums 18.11.2019 16:41
      Highlight Highlight @Lokutus: Ich hab ja nicht gesagt, dass ich diesen Unsinn damals geglaubt habe.

  • So en Ueli 18.11.2019 06:44
    Highlight Highlight Irgendwann wird man dann von einem Genozid hören. Und der Westen hätte dies verhindern können. Weh dem.
    • TodosSomosSecondos 18.11.2019 11:47
      Highlight Highlight Hätte er nicht.. wie denn? Willst du in China einmarschieren? Mittlerweilen ist sogar deren Binnenmarkt gross genug, dass sie mit Sanktionen nicht mehr zu treffen sind. Traurig aber wahr.
    • So en Ueli 18.11.2019 14:39
      Highlight Highlight Nuke theses bastards. So oder ähnlich würde Trump auf deine Frage antworten. Alternativ würde er auch ein Mauerbau vorschlagen.
  • Kronrod 18.11.2019 06:37
    Highlight Highlight Und der einzige westliche Staatschef, der sich getraut, Druck auf die Chinesen zu machen: Trump. Das darf man aber hier nicht erwähnen, weil “orange man bad”.
    • lilas 18.11.2019 06:48
      Highlight Highlight Ja Dein Orangendonnie ist wirklich ein Held, was der schon alles Gutes getan hat. So selbstlos, klug, leise und mutig...
    • Die_andere_Perspektive 18.11.2019 06:52
      Highlight Highlight Für deren Menschenrechte macht das Mr. Orange jedoch nicht... Die sind ihm herzlichst egal... Also nein, diesbezüglich unternimmt der renitente Spinner nichts
    • Hercanic 18.11.2019 06:57
      Highlight Highlight Ja die Türkei hat das schlauer gemacht.
      Erdogan darf ganz offiziell, mit Erlaubnis des Welt-Präsidenten, die Minderheit namens Kurden gleich einfach komplett auslöschen.
      Kommt erst noch billiger. Trump ist halt ein Kapitalist.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Chääschueche 18.11.2019 06:21
    Highlight Highlight Gesponsert by: Europäern (u.a.) weil Geiz ist Geil.
    • Toerpe Zwerg 18.11.2019 08:10
      Highlight Highlight Sauglatt
  • trio 18.11.2019 06:12
    Highlight Highlight Unbedingt dran bleiben, Westen!
    • Scaros_2 18.11.2019 06:25
      Highlight Highlight und dann? Wir wissen beide wie das enden wird. NIcht positiv für die uiguren.

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