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Die taiwanesische Präsidentin Tsai Ing-wen gilt als Peking-kritisch. Ob sie darum beim WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus schlecht ankommt? montage: watson

Der Streit zwischen der WHO und Taiwan spitzt sich zu – und mittendrin steht China

Der kleine Inselstaat Taiwan macht in der Coronakrise alles richtig und muss sich trotzdem viel gefallen lassen dieser Tage. Nun eskaliert der Streit mit der Weltgesundheitsbehörde. Wie es dazu kam.



Am Donnerstag platzte der Präsidentin von Taiwan, Tsai Ing-wen, der Kragen. Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, hatte sich am Tag zuvor an einer Pressekonferenz darüber beschwert, dass er seit Monaten rassistischen Beleidigungen ausgesetzt sei, die seiner Meinung nach aus Taiwan stammen würden. Anschuldigungen, die sich Tsai nicht gefallen lassen wollte. Sie schoss scharf zurück.

«Taiwan hat sich immer gegen alle Formen der Diskriminierung ausgesprochen. Seit Jahren sind wir von internationalen Organisationen ausgeschlossen und wissen besser als jeder andere, wie es sich anfühlt, diskriminiert und isoliert zu sein»,

schrieb sie in sozialen Netzwerken. Tedros dürfe gerne für einen Besuch nach Taiwan kommen. Dann könne er auch gleich selbst erfahren, wie engagiert das taiwanesische Volk dabei sei, die Atemwegserkrankungen Covid-19 zu bekämpfen.

Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Auseinandersetzung zwischen der WHO-Führung und dem kleinen Inselstaat im Osten Chinas. Seinen Ursprung nahm der Zwist zu Beginn der Coronakrise oder sogar noch früher.

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Denn dem demokratischen Taiwan wird auf Druck Chinas der Zutritt zu den meisten internationalen Organisationen – darunter auch zur WHO – verwehrt. Peking sieht die Inselrepublik als sein eigenes Territorium an.

Während China zu zögerlich auf den Ausbruch des Coronavirus reagiert hatte, agierte Taiwan sehr schnell und vorbildlich. Schon früh ergriff das Land Massnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung und schaffte es, dass sich bis heute lediglich 380 Menschen mit dem Virus infizierten und fünf Personen daran starben. Bei internationalen Experten erntete die taiwanesische Regierung für sein Vorgehen viel Lob.

Die Regierung von Taiwan meldete der WHO schon früh, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werde und dass es jetzt schnellen und gezielten Massnahmen bedürfe. Doch die WHO hielt sich an die chinesische Linie. Und diese war: Vertuschen, abstreiten, kritische Ärzte und Journalisten verschwinden lassen.

Inzwischen weiss man, dass Chinas Behörden den Ausbruch von Sars-CoV-2 lange geheim hielten. Bereits Mitte November soll sich die erste Person in Wuhan mit dem Virus infiziert haben. Doch während Taiwan bei der WHO Druck machte, twitterte diese noch Mitte Januar, chinesische Untersuchungen hätten gezeigt, dass es keinen Beweis gebe für eine Übertragung des Coronavirus von Mensch zu Mensch.

Es dauerte nochmals zwei Monate, bis die WHO Mitte März eine Pandemie ausrief. Zu diesem Zeitpunkt trat das Virus bereits in über 100 Ländern auf. Eine Kritik am Vorgehen Chinas äusserte die Organisation bis heute nie. Immer lauter werden die Vorwürfe, dass die Weltgesundheitsbehörde vor Peking kusche.

Dass nun Generaldirektor Ghebreyesus dem kleinen Taiwan auch noch Rassismus vorwirft, muss der kleinen Insel wie ein schlechter Witz anmuten.

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