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Famous Bongeunsa Temple Buddha Statue at Night - Twilight. Modern Skyscrspers of downtoen Seoul illuminated in the background. Half aerial view from the jungle behind the temple.

In Seoul gibt es einen erneuten Ausbruch (Symbolbild). Bild: E+

Wie die Partynacht eines Südkoreaners die Angst vor einer zweiten Welle entfacht

Südkorea gilt als Musterland bei der Bewältigung der Coronakrise. Nun weckt eine einzelne Partynacht eines 29-Jährigen die Angst vor einer zweiten Welle. Und die Schwulen-Szene muss als Sündenbock hinhalten.



Was ist passiert?

Südkorea erlebt derzeit einen Mini-Ausbruch an neuen Coronafällen. Über das Wochenende meldete Südkoreas Zentrum für Seuchenkontrolle (KZSK) einen Anstieg von täglich bis zu 34 neuen Fällen – und das, nach einer Woche mit 0 inländischen Neuansteckungen.

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Grund dafür ist die Partynacht eines 29-Jährigen in einem multikulturellen Viertel Seouls: Itaewon – oder «Homo-Hill» wie es teils genannt wird. Es ist ein Ort der Freiheit, wo die strengen Zwänge der koreanischen Gesellschaft abgelegt werden können.

Bereits Mitte April gab es angesichts der Menschenmassen in Itaewon Bedenken:

Der Mann hatte die Freitagnacht vor einer Woche in den gerade wiedereröffneten Clubs in Itaewon durchgefeiert. Am darauffolgenden Donnerstag wurde er schliesslich positiv auf das Coronavirus getestet.

Am Sonntag präsentierte das KZSK die Rechnung: 75 Personen haben sich in Itaewon angesteckt. Es könnten aber weit mehr sein: Die Behörden rechnen damit, dass der 29-Jährige potentiell mit bis zu 2000 Menschen in Kontakt geriet.

Wie weiter?

Aber wie viele haben sich wirklich angesteckt? Man weiss es nicht. Denn das Erfassungssystem sei fehlerhaft gewesen. Park Wan-soon, der Bürgermeister von Seoul, sagte, dass man deshalb mehr als 1300 Personen nicht ausfindig machen könne.

Am Samstag folgte dann die Reaktion: Die Stadtregierung von Seoul gab bekannt, dass alle Clubs und Bars der Stadt geschlossen werden. «Wir haben keine andere Wahl, weil wir den Eindruck haben, dass die Empfehlungen an Betreiber zur Selbstkontrolle nicht ausreichend sind, wenn man die Anfälligkeit der Eingangserfassung in den Clubs bedenkt», sagte Park gemäss Korea Times.

Einen strengen Lockdown hat Südkorea nie erlebt. Viele Geschäfte und Cafés blieben offen, die Strassen waren gut bevölkert. Möglich war das dank dem umfassenden Ermittlungs- und Testsystems der südkoreanischen Behörden. Und: Die Südkoreaner zeigten grosse Disziplin und hielten die Hygienemassnahmen ein – in Südkorea hat man aus vergangenen Erfahrungen mit hochansteckenden Viren gelernt.

In Südkorea hat die linksgerichtete Regierungspartei von Präsident Moon Jae In bei der Parlamentswahl einen haushohen Sieg erzielt. (Archivbild)

Südkoreas Präsident Moon Jae In. Bild: AP

Präsident Moon Jae In mahnte in einer Rede am Wochenende, bei der Wachsamkeit gegen den Covid-19-Ausbruch nicht nachzulassen: «Es ist nicht vorbei, bis es vorbei ist.» Zugleich versuchte er, die Bürger zu beruhigen. Es gebe keinen Grund, «aus Furcht stehen zu bleiben». Die Corona-Situation in Südkorea sei zuletzt in eine Phase der Stabilisierung eingetreten.

Was sind die Folgen?

Der aktuelle Ausbruch weckt aber auch Ängste in der homosexuellen Community in Südkorea. Denn: Die potentiellen Virenherde in Itaewon sind sämtlich einschlägige Schwulen-Clubs.

Der Fall habe «regelrechte Panik» in der Schwulenszene ausgelöst, erzählt Künstler Heezy Yang, der sich in der Szene engagiert. «Wir wissen darum, welche Folgen etwa die HIV-Epidemie in unserer Community hatte. Und auch während Mers haben verschiedene Gruppen versucht, Stimmung gegen Homosexuelle zu machen.»

Das birgt auch ein zusätzliches Risiko: Die Clubbesucher, die sich nun bei den zuständigen Stellen melden, riskieren ein Zwangs-Outing. Denn: Die Behörden veröffentlichen jeweils die persönlichen Daten jedes Neuinfizierten. Zwar anonymisiert, aber mit Angabe des Alters, der Nationalität, des Wohnbezirks und der Bewegungsabläufe während jener Nacht. Aktivist Yang dazu: «Die Betroffenen könnten ihre Arbeit, Familie, Freunde verlieren», man könne sich glücklich schätzen, wenn sich keiner von den Betroffenen das Leben nehme.

Yang befürchtet, dass nun die Schwulen zu den Sündenböcken einer möglichen zweiten Welle werden, berichtet die «BZ Basel».

Bittere Ironie der Geschichte: Die Ressentiments gegen Schwule kommen hauptsächlich von den grossen Freikirchen des Landes – also jenen Organisationen, die selbst Opfer von Hassattacken wurden, weil sie sich zu Beginn der Krise weigerten, ihre Gottesdienste abzusagen. Und so für 60 Prozent der Fälle (Januar bis März) verantwortlich waren. (jaw)

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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • COVID-19 ist Evolution 11.05.2020 18:47
    Highlight Highlight Es ist fachlich nicht korrekt und verwirrend wenn die Journalisten beim Wiederaufflammen von Infektionen von einer 2. Welle schreiben. Voneinander unabhängige Infektionsverläufe werden als Wellen bezeichnet, z.B. die saisonalen Grippen zu verschiedenen Jahreszeiten.

    Wir sind mit COVID-19 immer noch in der ersten Infektions-Welle. Ob es weitere Wellen gibt ist aktuell unklar. Beim Ausbruch der ersten SARS-Pandemie 2002/2003 gab es keine.
  • Clank 11.05.2020 15:09
    Highlight Highlight Komischer Artikel:
    Auf der einen Seite macht man den einen Südkoreaner und die Partyszene für die zweite Welle verantwortlich. Auf der anderen Seite will man nicht die Schwulenpartyszene als Sündenbock dafür verantwortlich machen.
    Ganz einfach liebe Medien: wenn ihr keinen Sündenbock und somit Stimmungsmache betreiben wollt, dann hört auf mit diesen Clickbait-Titel: "Partynacht löst Welle aus"
    Anstecken kann man sich überall. Dass tatsächlich diese eine Partynacht, für die Ansteckungen verantwortlich war und nicht sonst eine Mensa oder ein Zug ist auch nicht bewiesen.
  • Snowy 11.05.2020 14:00
    Highlight Highlight "Das birgt auch ein zusätzliches Risiko: Die Clubbesucher, die sich nun bei den zuständigen Stellen melden, riskieren ein Zwangs-Outing. Denn: Die Behörden veröffentlichen jeweils die persönlichen Daten jedes Neuinfizierten. Zwar anonymisiert, aber mit Angabe des Alters, der Nationalität, des Wohnbezirks und der Bewegungsabläufe während jener Nacht."

    WTF?!

    Und es gibt tatsächlich auch hier bei uns Menschen, welche Südkorea als leuchtendes Beispiel sehen in der Bekämpfung der Pandemie?
    • B-Arche 11.05.2020 14:15
      Highlight Highlight Das ist der grosse Rollback-Moment der Konservativen und Religionsfundamentalisten.
      Hier in den USA wo ich momentan lebe ist das ein Kulturkampf geworden.
      Früh heiraten aus der Umgebung, arrangiert nach "Schwiegereltern können miteinander" und "genug Geld zum zusammenlegen für Haus-/Ranchkauf", eigener Acker, Waffen zur Selbstverteidigung, keine Clubs sondern alles in der Familie, ansonsten drei Meilen zum nächsten Haus.
      Nur dass sei das richtige Leben und nur die "dekadenten Gottlosen" sind gefährdet durch eine Pandemie.

      In Südkorea ziehen diese Evangelikalen Kirchen denselben Mist auf.
    • poltergeist 11.05.2020 15:15
      Highlight Highlight Habe ich mir auch gedacht. Von wegen anonym! Scheinbar ist der Arbeitgeber auch bekannt. Wenn sowas an die Öffentlichkeit kommt bist du dem Mob ausgesetzt, nein Danke!
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 11.05.2020 19:15
      Highlight Highlight Na denn..., just don't go there. Dann läufst du auch nicht Gefahr, Probleme zu bekommen. Hat ja auch bestimmt niemand gesagt, dass es aktuell eine gute Zeit ist, um Party zu machen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Auric 11.05.2020 13:49
    Highlight Highlight Wie kann denn einer der da allein Party macht 75 andere anstecken?
    • Amboss 11.05.2020 15:12
      Highlight Highlight Ich stell mir dich gerade so vor: Stehst mit grossen runden Augen da und denkst "ooooh 75. das ist ja viel. Ist Corona etwa doch nicht wie eine Grippe. Mit der Grippe steckt man ja nicht 75 andere an..."

  • Satan Claws 11.05.2020 11:34
    Highlight Highlight "Südkoreas Zentrum für Seuchenkontrolle (KZSK)"

    Weshalb wurde nicht gleich die korrekte Abkürzung verwendet?

    KCDC

    https://www.cdc.go.kr/cdc_eng/
    • Ohniznachtisbett 11.05.2020 13:53
      Highlight Highlight Könnte es sein, dass Korean Center for Desease Control und Koreanisches Zentrum für Seuchen Kontrolle in etwa das gleiche sind und dem entsprechend andere Abkürzungen haben. Vgl. Bundeshaus und Palais fédéral oder gar die UNO heisst auf französisch ONU. Nei so aberau.
    • DocHoliday 11.05.2020 15:15
      Highlight Highlight Ach deswegen sagt man hier auch immer BdE und ZAG für das amerikanische "FBI und die "CIA" :D
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 11.05.2020 19:55
      Highlight Highlight KCDC ist auch falsch. Korrekt ist: 질본

      Denn KCDC ist die englische Bezeichnung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • lilie 11.05.2020 11:00
    Highlight Highlight Mindestens 75 Ansteckungen in einer einzigen Nacht? 😳

    Ich verstehs nicht. Sollte nicht gerade die Schwulenszene seit HIV sensibilisiert sein für solche Themen? Irgendwie schwer nachzuvollziehen. ☹
    • Satan Claws 11.05.2020 11:25
      Highlight Highlight @lilie

      Sollten nicht ALLE seit HIV sensibilisiert sein?
    • lilie 11.05.2020 11:53
      Highlight Highlight @Satan_Claws: Deshalb habe ich geschrieben "gerade" die Schwulenszene.

      In der Heteroszene kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass der Eindruck, den Aids hinterlassen hat, zumindest in meiner Generation erschreckend gering ist. Von anderen Geschlechtskrankheiten schon gar nicht zu sprechen... 🙄

      @Silent_Revolution: In den 80ern war ich ein Teenager und da redete man über Drogen und nicht über Aids.

      Und das, was die jungen Leute da in Südkorea veranstaltet haben, trägt grad gar nichts dazu bei, um irgendwelche Vorurteile gegen Schwule zu entkräften (desgleichen die Freikirche).
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 11.05.2020 20:14
      Highlight Highlight @Lilie, wenn man sich bewusst wird, wieviele gerade schwule HIV-Infizierte einen Feuchten auf ihre Gesundheit geben, alle Warnungen der behandelnden Ärzte in den Wind schlagen und trotzdem weiterrauchen, dann kannst du dir in etwa ausmalen, wie bekümmert diese Menschen sind.
      Ich kenne eine ganze Menge davon und ausnahmslos alle rauchen, geben aber den Medikamenten die Schuld, dass sie schwerwiegende Lungenprobleme haben. https://link.springer.com/article/10.1007/s15006-017-0153-x
      Du bist ja in Zürich zuhause, oder? Vielleicht sollten wir uns mal treffen, dann stelle ich dir diese Leute vor...
    Weitere Antworten anzeigen
  • KarlWeber 11.05.2020 10:54
    Highlight Highlight Sorry aber solche Artikel, dass irgendwo irgendwie ein paar Menschen angesteckt wurden, könnte man jeden Tag zu 100en schreiben. Was soll den das bringen ???
    • lilie 11.05.2020 11:08
      Highlight Highlight @KarlWeber: Es gibt nur wenige Länder, die so rigoros messen wie die Südkoreaner. Da kann man viel genauer abschätzen, wieviele Leute tatsächlich wegen einer einzigen Partynacht angesteckt werden.

      Hier: mindestens 75 in einer Nacht

      Übliche Ansteckungsrate bei 2 Wochen Inkubationszeit und "normalem" Alltag: 3

      Kann man sich ja mal reinziehen.
    • ChillDaHood 11.05.2020 11:18
      Highlight Highlight Ich bekomme von einigen wenigen Kollegen immer wieder Filmli und Texte geschickt, dass dieser ganze Hype übertrieben sei und die glauben immer noch nicht daran, dass BAG und RKI und die Regierungen zwar nicht ausnahmslos, aber in der Summe recht haben mit ihrem Vorgehen. Diese Artikel zeigen auf, was diese vermaledeiten Aluhüte anrichten können. 75 in einer Nacht bedeutet dass das inder Schweiz unsere ganze Anstrengung einer Woche zu nichte macht. Und dass man diesen ignoranten Egomanen leider in aller Deutlichkeit sagen muss, dass das unsozial ist.
    • eldorak 11.05.2020 11:32
      Highlight Highlight Theoretisch ja.
      Aber mal unabhängig davon, ob das Virus so schlimm ist oder nicht:
      Wenn wir schon so drastische Massnahmen durchführen, um es einzudämmen und dadurch auch viele darunter leiden, ist es einfach nur asozial und egoistisch solche Partys zu veranstalten, einfach weil man sich nicht mal für ein paar Wochen zusammenreissen kann.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Notabik 11.05.2020 10:44
    Highlight Highlight Partynacht? Tempi passati!
  • landre 11.05.2020 10:41
    Highlight Highlight Falls die Berichterstattung in diesem Artikel der Realität entspricht, dann zeigt diese einmal mehr explizit dass "Egozentrismus" und "Selbstüberzeugung", seien diese individuell oder kollektiv durch eine spezifische Interessengruppe gelebt, um einiges zerstörerischer sein können/ sind als ein Virus an sich...

    PS. "Selbstüberzeugung" ist nicht mit "Selbstwertschätzung" zu verwechseln...
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 11.05.2020 19:12
      Highlight Highlight Dass Anthropozentrismus die grösste zerstörerischste Kraft ist, wissen wir ja seit einigen Dekaden. Da sind die kleinen egozentrischen Auswüchse einiger Individuen vernachlässigbar. Viren greifen da höchstens noch korrigierend ein, wenn sie denn dazu kommen.
  • Posersalami 11.05.2020 10:21
    Highlight Highlight Hoffentlich sind die Besucher des fraglichen Clubs vernünftig und begeben sich ohne Aufforderung in Quarantäne..

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