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Customers get their nails done outside Pampered Hands nail salon on Wednesday, July 22, 2020, in Los Angeles. The salon is allowed to operate outside. California's confirmed coronavirus cases have topped 409,000, surpassing New York for most in the nation. (AP Photo/Ashley Landis)

Ein Beautygeschäft, das auf Plastikhockern draussen seine Kunden bedient: Was man von Afrika kennt, ist derzeit auch in Los Angeles ein vertrautes Bild. Bild: keystone

Vom Musterstaat zum Sorgenkind: Das geht gerade in Kalifornien ab

In der US-Coronakrise ging Kalifornien als Paradebeispiel voran. Der Musterknabe erklärte als erster Bundesstaat der USA den Lockdown. Doch dann wurde man ungeduldig – und kassiert jetzt die Quittung. Wie es dazu kam.



Was ist passiert?

Kalifornien ist seit gestern der Staat in den USA mit den meisten positiv getesteten Corona-Fällen, Los Angeles das County mit den meisten Fällen landesweit.

Das ist zum einen wenig überraschend, denn Kalifornien ist auch einwohnermässig der deutlich grösste Staat der USA, Los Angeles (im gleichnamigen County) hinter New York die zweitgrösste Stadt.

Trotzdem ist die Situation im Westen der USA ernst: Denn lange galt der Staat als Musterschüler, jetzt gerät die Situation ausser Kontrolle.

Visitors crowd the beach Sunday, July 12, 2020, in Santa Monica, Calif., amid the coronavirus pandemic. A heat wave has brought crowds to California's beaches as the state grappled with a spike in coronavirus infections and hospitalizations. (AP Photo/Marcio Jose Sanchez)

Ein letztes Bad im Meer vor dem zweiten Lockdown? Der Strand von Santa Monica am 12. Juli. Bild: keystone

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Was sagen die Zahlen?

Die aktuellen Zahlen vom Mittwoch der John Hopkins Universität zeigen: Kalifornien zählt 409'500 Corona-Fälle, New York 405'000. Damit weist Kalifornien erstmals am meisten Fälle aus in den USA – und der Trend zeigt deutlich nach oben. Die Kurve mit den täglich neuen Fällen geht nur in eine Richtung.

Tägliche neue Fälle in Kalifornien seit dem 1. Mai

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Tote zählt der Staat mit rund 8000 noch deutlich weniger als New York (rund 32'000). Bei der Anzahl Tests steht Kalifornien mit über 6,5 Millionen an der Spitze in absoluten Zahlen.

Total Anzahl Fälle in Kalifornien seit dem 1. Mai

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Weit besser sieht die Statistik aus, wenn man die Fall-Zahlen pro eine Million Einwohner anschaut. Dann kommt Kalifornien auf rund 11'000 Fälle pro eine Million Einwohner und liegt auf Rang 24 der amerikanischen Staaten, also im Mittelfeld. Die schlechteste Quote hat noch immer New York mit rund 22'000.

Warum ist Kalifornien trotzdem ein Hotspot?

12'112 neue Fälle meldete Kalifornien am Mittwoch – mehr als je zuvor an einem einzelnen Tag. Und auch bei den Toten wurde mit 159 ein neuer Rekord registriert.

Contact Tracing ist bei diesen Fallzahlen unmöglich. Insbesondere in Los Angeles. Die Metropole (rund 13 Millionen Einwohner) verzeichnet rund einen Drittel aller Coronafälle in ganz Kalifornien.

A volunteer stands in the middle of two vehicle lanes as cars line up at a food distribution center Wednesday, July 22, 2020, in the Mission Hills area of Los Angeles. (AP Photo/Marcio Jose Sanchez)

Drive-in-Essensverteilung in Los Angeles. Bild: keystone

Die Spitäler füllen sich mit Corona-Patienten, Plätze auf der Intensivstation sind bereits Mangelware. Schon vor einigen Tagen kam die Meldung, dass einige Spitäler keinen Platz mehr haben. Gemäss einem Bericht des Guardian sind rund 45'000 der 50'000 Spitalbetter belegt. Das Personal leistet seit Wochen Überstunden. Mit anderen Worten: Das Gesundheitssystem stösst an seine Grenzen.

Aber Kalifornien war doch ein Musterschüler?

Ja, das ist so. Der demokratische Gouverneur Gavin Newsom rief schon am 4. März den Notstand aus. Nach weiteren Massnahmen erklärte er am 19. März den Lockdown – als erster Staat der USA. Es schien der richtige Schritt zu sein. Die Fallzahlen blieben mehr oder weniger konstant.

FILE - In this May 14, 2020, file photo, California Gov. Gavin Newsom discusses his revised 2020-2021 state budget during a news conference in Sacramento, Calif. Gov. Gavin Newsom announced Friday, July 17, 2020, that most counties will start the school year online due to soaring coronavirus cases and hospitalizations, but counties that have seen little of the virus, mostly towns and rural communities in California's north and east can bring students and teachers back to campus. (AP Photo/Rich Pedroncelli, Pool, File)

Erst gelobt, jetzt in der Kritik: Der demokratische Gouverneur Gavin Newsom. Bild: keystone

Was geschah dann?

Allerdings litt die Bevölkerung unter den Einschränkungen und der Druck der Wirtschaft wurde gross und grösser. So verkündete Newsom per 8. Mai weitgehende Lockerungen. Man habe das Virus unter Kontrolle, liess er verlauten. In vier Phasen sollte wieder hochgefahren werden.

Das brachte einige Kritik von Experten ein. Sie warnten, die Schritte kämen zu früh – und lagen damit richtig. Die Kurve zeigt seither immer steiler nach oben mit dem vorläufigen Höhepunkt vom am Mittwoch.

A waiter takes a food order Saturday, July 18, 2020, in Burbank, Calif. The city of Burbank has closed off some streets in the downtown district to allow restaurants to expand their outdoor seating arrangements amid the Coronavirus pandemic. (AP Photo/Marcio Jose Sanchez)

In der kalifornischen Stadt Burbank wurden einige Strassen im Zentrum geschlossen, damit die Restaurants mehr Sitzplätze draussen anbieten können. Bild: keystone

Die Bewohner würden sich nicht an die Regeln halten, Masken werden nicht getragen und das Social Distancing zu lasch betrieben.

Gibt es den zweiten Lockdown?

Einige sagen, es sei der einzige Weg und der Entscheid stehe kurz bevor. Newsom hat zumindest schon einmal einige Schritte zurück gemacht. Am 1. Juli mussten einige Counties neben Bars und Indoor-Restaurants auch Zoos und Freizeitangebote wieder schliessen.

Die Wirkung war nicht gross genug. Der Gouverneur erklärte darum am 14. Juli: «Die Daten zeigen, dass nicht alle Bewohner gesunden Menschenverstand anwenden.» Er schloss darum Bars und Indoor-Restaurants im ganzen Staat wieder, dazu kommen in besonders betroffenen Counties (wie beispielsweise Los Angeles), dass Kirchen, Fitnesscenter und Coiffeure wieder schliessen mussten. Ausnahmen sind entsprechende Freiluftangebote.

Hair stylists work on clients hair outside of Janette's Beauty Salon in downtown Ontario on Wednesday, July 22, 2020. Gov. Gavin Newsom this week allowed reopening of outdoors services for hair salons, barbershops, nail salons, massage parlors and other beauty services amid coronavirus pandemic. (Watchara Phomicinda/The Press-Enterprise via AP)

Dieser Coiffeur in Ontario verlegte sein Geschäft kurzerhand vor die Tür. Bild: keystone

Viel mehr Optionen als einen zweiten Lockdown hat Newsom nicht mehr, sollten sich die Fallzahlen und die Auslastung der Spitäler nicht erholen. Im County Los Angeles erklärte Gesundheitsvorsteherin Barbara Ferrer, dass man zumindest diese Woche keine Pläne für einen ähnlichen Lockdown wie im März habe.

Die aktuelle Lage im County Los Angeles.

Kann die Schweiz etwas von Kalifornien lernen?

Das ist schwierig zu sagen, die Ausgangslage und Regelungen sind zu unterschiedlich. Die Schweiz lockerte viele der Massnahmen am 6. Juni, also rund einen Monat später als Kalifornien. Allerdings sind unsere Fallzahlen seither zwar auch wieder leicht gestiegen, aber nicht in dem Ausmass wie im US-Westküsten-Staat, wo es seit der Öffnung praktisch nur noch nach oben zeigt.

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40Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ökonometriker 23.07.2020 23:46
    Highlight Highlight In den USA sind mangels Sozialsystemen in der Folge der Finanzkrise 500'000-1Mio. Menschen zusätlich gestorben. Wirtschaftlicher Schaden bedeutet in diesem System eben allzuoft Tod. Daher sieht sich das Land gezwungen, zwischen toten Alten und toten Jungen zu wählen. Traurige Zustände...
    • Toastbrot 2.0 24.07.2020 05:56
      Highlight Highlight Spannender Input, danke dafür. Eine breit angelegte Studie fand im 2016 tatsächlich Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit, allgemeiner Krankenversicherung, öffentlichen Gesundheitsausgaben und Übersterblichkeit infolge Krebs.

      Das rückt den Umgang mit SARS-CoV-2 in Ländern ohne allgemeine Kranken- resp. ohne vernünftige Arbeitslosenversicherung und tiefen Gesundheitsausgaben in ein anderes Licht. Und ist ein brutal starkes Plädoyer für einen gut ausgebauten Sozial- und Wohlfahrtsstaat.

      Für Interessierte: https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(16)00577-8/fulltext
    • zipper 24.07.2020 13:40
      Highlight Highlight das mag jetzt vielleicht zynisch klingen, aber sonst interessiert es ja auch keine sau wieviele menschen an irgendwas sterben (hunger, krieg, drogen etc.) und nun kommt corona und alle müssen auf einmal solidarisch und sozial sein. ich finde das extrem heuchlerisch, wenn die länder gleichzeitig waffen an dubiose staaten exportieren (schweiz ja ebenso). das leben ist hart, menschen sterben. man muss abwägen, will man wegen ein paar tausend corona toten im land, millionen tote als kollateralschaden in kauf nehmen, nur weil es sonst asozial wäre? ich weiss, das ist sehr zynisch formuliert ;)
  • HERR BünzliSchweizer mit Käse 23.07.2020 22:25
    Highlight Highlight Ja nur Schweiz mit ihren braven Füdlibürger sind ein Paradebeispiel
    • Mijasma 24.07.2020 00:51
      Highlight Highlight Lebende Füdlibürger, Lebend.

      that is the difference.
    • Peter Vogel 24.07.2020 13:04
      Highlight Highlight Das liegt an den Sozialsystemen und bestimmt nicht an den "braven" Leuten. Als Schweizer empfinde ich meine Landsleute je länger je mehr als arrogant und besserwisserisch.
  • dmark 23.07.2020 19:37
    Highlight Highlight "...litt die Bevölkerung unter den Einschränkungen und der Druck der Wirtschaft wurde gross und grösser"

    Das genau ist das Problem, wenn man von der Hand in den Mund lebt, keine Rücklagen hat, die Investoren bedienen will und Teile der Bevölkerung nach einigen Tagen zu Hause, bereits wegen eingeschränkter sozialer Kontakte und geschlossenen Freizeitvergnügen, Bars, Clubs usw. regelrecht auf einen trockenen Entzug kommt...

    Geduld und Menschenverstand sind neben Eigenverantwortung in der heutigen Zeit wohl wirklich Mangelware geworden?
    • Pafeld 25.07.2020 10:04
      Highlight Highlight Nö, dieser Zustand ist von unserem Finanzadel und deren Sockenpuppen in den Parlamenten unter Predigung von genau jener Eigenverantwortung aus egoistischen Motiven systematisch angestrebt worden. Denn nichts ist motivierender als die Aussicht, mit ein wenig zu wenig Anstrengung in der Gosse zu landen und die Illusion, mit ein bisschen mehr auch irgendwann mal Teil des Finanzadels zu sein. Denn die Sicherstellung eines gesellschaftlichen Mindeststandards ist ja bekanntlich böser Sozialismus. Mit dem Ergebnis, dass weite Teile der Bevölkerung vollends damit ausgelastet ist, täglich zu überleben.
    • dmark 25.07.2020 14:37
      Highlight Highlight @Pafeld:
      Passt.
      Der Finanzadel fällt mit denjenigen, welche in der Gosse landen. Und mit jeden einzelnen davon, muss ein anderer mehr leisten.
      Wenn nun keiner mehr etwas leistet, dann gibt es auch keinen Geldadel mehr.
      Deshalb erschaffte man diese Illusion und legte entsprechende Köder (Gehalt) aus.
  • Clank 23.07.2020 19:17
    Highlight Highlight Jaja, überall das gleiche. Sobald man lockert, steigen die Zahlen wieder. Was ist denn die Moral der Geschichte? Nie mehr zu lockern und den ganzen Staat in den Ruin zu treiben. Wenn ich die Folgen eines Lockdown auf die arme bis mittlere Bevölkerungsschicht sehe (z.B. in Südafrika), da scheinen mir die steigenden Fälle, doch weniger dringend Problem zu sein. So etwas wie eine langfristig gute Lösung gibt es nicht.
    • MeinSenfHierUndJetzt 23.07.2020 19:38
      Highlight Highlight @ Clank: Das stimmt eben nicht. Wenn kompetente und motivierte Leute am Ruder sitzen, kann das sehr wohl funktionieren (siehe die asiatischen Staaten, aber "neuer" auch Europa). Es muss aber darauf geachtet werden, dass die Test&Trace-Strategie funktionieren kann, d.h. es muss genügend und genügend schnell getestet werden, es muss in Tracer investiert machen. Zusätzlich müssen die (meisten) Leute kooperieren. Wenn mächtige Kräfte das Ganze als "hoax" verkaufen, und einen Teil der Gesellschaft dazu bringen, sich an gar keine Regeln zu halten, dann wird es schwierig.
    • Basti Spiesser 23.07.2020 19:45
      Highlight Highlight In Afrika und Südamerika sind die Massnahmen teilweise wirklich tödlicher als das Virus.
    • Reto Kehrli 23.07.2020 20:55
      Highlight Highlight Mein Lieblingsargument ist immer, was wäre wenn es deine Eltern/Grosseltern trifft?
      Darum gehts hier nämlich, solange es nur irgendwelche Zahlen sind kann man grosse Töne spucken, wenn die eigene Grossmutter auf der Intensivstation liegt heissts dann wieder "blubb warum hat die Regierung nichts getan?".

      An einem Lockdown stirbt hierzulande fast niemand, eine ältere Person an Covid + opportunistische Infektion aber durchaus.
    Weitere Antworten anzeigen
  • fools garden 23.07.2020 19:11
    Highlight Highlight Am Strand haben Viren keine Chance...die können nicht schwimmen😎
  • «Shippi» 23.07.2020 18:48
    Highlight Highlight Leute, Leute, seit vier Monaten geht es nur noch um den Virus. Wird euch das auf der Redaktion nicht langsam langweilig? Oder verlangt eure Chefin, euer Chef «Corona-Artikel»? Dann habe ich Mitleid.
    • rönsger 23.07.2020 19:14
      Highlight Highlight Mein Geschenk an dich, @Shippi: Eine Augenbinde und Ohrstöpsel. Helfen dir vielleicht mehr als eine Gesichtsmaske.
    • odie 23.07.2020 19:20
      Highlight Highlight Danke, ich wollte das Gleiche schreiben.
    • dodo, dodo? 23.07.2020 19:27
      Highlight Highlight @shippi:
      bringt jetzt glaub nix berichterstattung über covid-19 berichte zu dissen..
      die gibts einfach🤷🏽‍♀️
      dann informier dich doch weiter! reg dich über anderes auf:
      https://www.faz.net/aktuell/politik/thema/mittelmeer

    Weitere Antworten anzeigen
  • rburri68 23.07.2020 18:43
    Highlight Highlight Hatte eben einen Call mit meinem US Boss aus San Jose, CA, der sich testen lassen musste. Wartezeit bis Test-Ergebnis: 9 Tage.
    • MeinSenfHierUndJetzt 23.07.2020 19:14
      Highlight Highlight Ja, das ist halt Sch... Nach 9 Tagen bringt das Testresultat wirklich nichts mehr. Noch nicht mal mehr "informelles Contact Tracing", à la selber Kontakte anrufen etc ist dann möglich, weil viel zu spät...
      Die zahlen jetzt teuer für die Inkompetenz ihrer Bundesregierung, die Amerikaner.
    • ast1 23.07.2020 19:18
      Highlight Highlight Ab wann macht es wohl Sinn, den ganzen Backlog einfach wegzuwerfen und bei den neuen Tests wieder zu starten?
    • Booboo 23.07.2020 20:04
      Highlight Highlight Die Bundesregierung ist auch meiner Meinung nach inkompetent, was bei diesem Präsidenten nicht erstaunt. Aber die Lage in CA wird nicht nur von dieser Donald-Figur bestimmt. Eigenverantwortung und Rücksicht der Kalifornier würden genügen, um die Situation zu beruhigen.

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