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Carola Rackete tritt erstmals in Talksendung auf – und schlägt sich wacker

Philip Buchen / watson.de



Schon vor der Sendung hatte ihr Auftritt für Kritik gesorgt: Am Mittwochabend war die frühere «Sea Watch 3»-Kapitänin Carola Rackete in der ZDF-Talkshow von Dunja Hayali um 22.45 Uhr zu Gast. In den sozialen Medien war von «einseitiger Parteinahme», «Grünfunk» oder «Dauerwerbesendung» auf «Kosten der «GEZ-Gebühren» zu lesen.

Zuvor diskutierte die ZDF-Moderatorin mit dem Grünen-Politiker Robert Habeck, Raoul Holle, dem Chef des Flughafens Hannover und Melanie Zirzow, einer Personalreferentin der Braunkohleindustrie die Klimapolitik.

Doch Rackete sollte der Stargast der Sendung werden. Hayalis Team stellte das Interview mit Rackete ganz ans Ende der Sendung – vielleicht ja in der Hoffnung, dass so möglichst viele Zuschauer bis zum Schluss dranbleiben würden. Ende Juni war die 31-jährige Rackete mit rund 40 Migranten an Bord der «Sea Watch 3» ohne Erlaubnis der Behörden in den Hafen von Lampedusa gefahren. Die italienische Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur illegalen Migration. Rackete drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Zu Beginnn des Gesprächs fragte Hayali Rackete, ob ihr im Moment ihrer folgenschweren Entscheidung, in den Hafen von Lampedusa einzulaufen, die Konsequezen bewusst gewesen wären. Rackete zeigte sich festentschlossen: «Die Konsequenzen waren mir prinzipiell klar, allerdings war die Sicherheit der Menschen (an Bord, Anm. d. Red) nicht mehr gewährleistet. Die hatte deutlich Vorrang.»

Hayali fragte kritisch nach – die ZDF-Moderatorin verwies darauf, dass Kapitäne im Falle einer Notsituation an Bord in den nächsten sicheren Hafen fahren sollen. Und sie fragte: «Lampedusa hatte Ihnen die Einfahrt verweigert. Genauso wie Spanien oder Malta. Hätte es keinen anderen Hafen gegeben?»

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Rackete erklärte dazu, dass man keinen anderen Hafen gefunden hätte: «Wir haben alle angefragt, und niemand wollte einen Hafen zur Verfügung stellen.» Hayali hakte weiter nach: Ob Rackete nicht verstehen könne, dass Länder wie Italien mit den Mengen von Migranten nicht zurechtkommen können und daher die Häfen schliessen.

Die Seenotretterin dazu: «Teilweise. Diese Frage wird auch zu parteipolitischen Zwecken genutzt.» Und weiter: «Das Dublin-III-Abkommen ist nicht fair, das ist allen bekannt.» Dann ging Rackete über Hayalis Frage hinaus, und verwies auf Probleme bei der Unterbringung der «Sea Watch 3»-Migranten. Hier habe Bundesinnenminister Seehofer Bemühungen der Stadt Rottenburg am Neckar, die Migranten aufzunehmen, blockiert.

Die europäische Flüchtlingspolitik habe

Bild: AP

In einem «Bild»-Interview hatte Rackete gefordert, eine halbe Million Klimaflüchtlinge aufzunehmen. Hayali konfrontierte die Seenotretterin mit ihrer Aussage, und fügte hinzu: «Haben Sie Verständnis für die Menschen, die sagen, irgendwann reicht's auch mal?»

Rackete reagierte trocken: «Ne, eigentlich nicht.» Da gab es Applaus von den Zuschauern des ZDF-Studiopublikums. Rackete mahnte: «Deutschland und die anderen europäischen Staaten haben eine historische Verantwortung für die aktuelle Situation, für die Machtstrukturen die da sind.»

Hayali befreite sich in dem Gespräch von den Vorwürfen, auf Racketes Seite zu stehen. Immer wieder fragte sie bei Rackete kritisch nach, erinnerte die Seenotretterin an die von ihr gestellten Fragen. Dann kam Hayali auf den sogenannten «Pull-Effect» zu sprechen – die Annahme, dass die Rettung und Aufnahme von Migranten in den EU-Staaten weitere Migranten zur Flucht nach Europa motivieren würde.

Rackete meinte über ihre Fahrt mit der «Sea Watch 3»: «Am Anfang hatten wir 53 Personen an Bord – und es ist wirklich so, dass alle diese 53 Personen einen Teil dieser Menschenrechtsverletzungen erlebt haben.»

Auf die Frage, ob sie sich erneut an das Steuer eines Seenotrettungsschiffs stellen würde, sagte Rackete: «Wir brauchen dringend mehr Schiffe in der Such- und Rettungszone, das ist ganz klar. Je weniger Schiffe wir haben, desto mehr Menschen sterben.» Hayali hakte nach, denn Rackte hatte ihre eigentliche Frage ja gar nicht beantwortet.

Am Montag hatte die italienische Regierung Strafen von bis zu einer Million Euro beschlossen, wenn ein Kapitän mit einem Schiff ohne Erlaubnis in die Gewässer des Landes fährt. In solchen Fällen können die Behörden ein Schiff künftig umgehend konfiszieren.

Hayali brachte Rackete zum deutlichsten Statement des Abends: «Wenn wieder ein Kapitän ausfällt und keiner da ist, dann auf jeden Fall.»

Und damit endete die ZDF-Sendung, die Hayali mit ihrem souveränen Auftritt für sich als Erfolg für sich verbuchen kann.

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Sea Watch 3 und Carola Rackete

Kapitänin der Sea-Watch 3 verhaftet

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