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Schulz Meme

Rund ein Jahr ist es her: «Straight outta Würselen» mal Europa retten: «Make Europe great again»-Meme nach Schulz' Ernennung zum Kanzlerkandidaten. bild: youtube.com 

Der Fall des «Super-Martin» in 7 Akten

Selten ist ein Politiker so steil aufgestiegen und kurz darauf wieder so tief gefallen wie Martin Schulz. Am Freitag verkündete der 62-Jährige seinen Verzicht auf das Amt des Aussenministers, das er erst zwei Tage zuvor für sich reklamiert hatte. Der Überblick über eine beispiellose Berg- und Talfahrt.



Der «Schulz-Zug» rollt

Im Januar 2017 tritt Martin Schulz seinen – vorerst – Siegeszug an; die SPD ernennt ihn zum Kanzler-Kandidaten. Man jubelt über den «Befreier aus Brüssel», sieht den «Schulz-Zug» rollen, den «Gotteskanzler» bereits antreten. Der Spiegel setzt «Sankt Martin» auf die Titelseite, lässt ihn, in einer späteren Ausgabe, eine kleine Beton-Merkel vom Thron schubsen.

Nach dreieinhalb Wochen erreicht Schulz Höchstwerte für die SPD: Von 21 Prozent in Wahlumfragen auf 33 Prozent. Im März wählt ihn seine Partei mit 100 Prozent zum Parteichef. Der – man meint vorläufige – Höhepunkt seiner Karriere. «Ich glaube, dass dieses Ergebnis der Auftakt zur Eroberung des Kanzleramtes ist», sagt Schulz.

Die SPD-Niederlagen

Der SPD-Kanzlerkandidat und Parteivorsitzende, Martin Schulz, spricht am 15.05.2017 in Berlin in der SPD-Parteizentrale nach der verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, hinten  Aussenminister Sigmar Gabriel (SPD). Mit 31,2 Prozent hat die SPD ihr schlechtestes Ergebnis in der Geschichte des Landes NRW eingefahren. (KEYSTONE/DPA/Kay Nietfeld)

Schulz nach der Niederlage: Noch bleiben vier Monate. Bild: DPA

Im Mai stockt der «Schulz-Zug»: Nach dem Rückschlag in den Landtagswahlen im Saarland fährt die SPD in den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfahlen (historischer Tiefstand) krachende Niederlagen ein. Die Euphorie ist verflogen, Schulz in Erklärungsnot.

«Ich habe von Anfang an vor dem Schulz-Hype gewarnt», lässt er sich in der «Zeit» zitieren, es sei nicht ausgeschlossen, dass er sich selber davon habe beeindrucken lassen. Vom «Gotteskanzler» heisst es nun in der Presse: Er müsse an Kontur gewinnen, «jetzt noch rasch Staatsmann lernen». Kann Schulz aus der Niederlage Kraft schöpfen?

Schulz verliert

Mitarbeiter einer Firma für Plakatwerbung laden am 25.09.2017 in Kirchhaslach (Bayern) eine zuvor in Augsburg abmontierte Plakatwand der SPD zur Bundestagswahl mit einem Bild von Spitzenkandidat Schulz von einem Lieferwagen, um diese dort in einer Halle zwischen zu lagern. (KEYSTONE/dpa/Karl-Josef Hildenbrand)

Der Kandidat wird abtransportiert: Schulz wird nicht Kanzler. Bild: dpa

Nein, kann er nicht: Die SPD kassiert mit nur noch 20,5 Prozent der Stimmen auch bei der Bundestagswahl eine historische Niederlage. Spitzenkandidat Schulz kündigt an, dass die Sozialdemokraten in die Opposition gehen werden. Es sei einer der emotionalsten und stärksten Auftritte von Schulz gewesen in den letzten Monaten, schreibt der «Spiegel» später in seiner grossen Schulz-Reportage.

Nur einen Tag nach der Wahl versichert er: «In eine Regierung von Angela Merkel werde ich nicht eintreten.»

Nach dem Schaden der Spott

Martin Schulz Reportage Spiegel

Am 30. September veröffentlicht der «Spiegel» die brillante Reportage über Schulz. Journalist Markus Feldenkirchen hat Schulz während Monaten begleitet – herausgekommen ist ein unzimperlich naher Bericht über den gefallenen Kandidaten.

Auf die Wahlniederlage folgt nun die Häme, die nicht gerade besten Zitate von Schulz prangen auf den Titelseiten der Presse. «Schulz jammerte schon im Wahlkampf», schreit «die Bild».

No Groko

Bild

Groko, no Groko? bild: youtube.com

Auch nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche zur Bildung einer Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen bleibt die SPD-Spitze um Schulz zunächst bei ihrem Nein zur grossen Koalition. «Wir halten Neuwahlen für den richtigen Weg», sagt der SPD-Chef.

Die Wende folgt auf dem Fuss. Als Schulz in seinem Chef-Posten bestätigt wird, zeigen sich die Sozialdemokraten zu ergebnisoffenen Gesprächen mit der Union bereit. Kurz darauf spricht sich der SPD-Vorstand für Sondierungsgespräche mit der Union aus. Der Durchbruch gelingt: Schulz will an einem Sonderparteitag die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen empfehlen – trotz grossen Widerstands in der Partei.

Die Aussenminister-Frage

Nach der Einigung auf einen Koalitionsvertrag mit CDU und CSU kündigt Schulz an, sich als Parteichef zurückziehen und als Aussenminister in ein schwarz-rotes Kabinett eintreten zu wollen. An die Parteispitze soll Fraktionschefin Nahles rücken. Der Widerstand gegen einen Posten unter Merkel und der Widerstand gegen die Grosse Koalition sind damit gebrochen. 

Der Verzicht

Schulz reagiert auf die Kritik aus den eigenen Reihen an seinen Aussenminister-Ambitionen. Er erklärt seinen Verzicht auf den Posten, um durch die Debatte um seine Person das SPD-Mitgliedervotum zum Koalitionsvertrag nicht zu gefährden. Wieder muss Schulz Häme einstecken. Zwei Posten verloren in so kurzer Zeit! Doch es gibt auch andere Stimmen. «Spiegel»-Autor Roland Nelles schreibt:

«Martin Schulz, der glücklose Noch-SPD-Chef wäre für das Außenamt sicherlich auch geeignet gewesen. Aus vielerlei Gründen ist sein Rückzug trotzdem richtig (...), seine Personalie wäre zur zusätzlichen Belastung für den Mitgliederentscheid geworden. Mit seinem Rückzug hat er der SPD einen letzten Dienst erwiesen. Es ist besser so.»

(dwi)

Fortsetzung folgt.

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