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Joe Biden in «Animal Crossing: New Horizons»: Wie frisch er da aussieht.

Joe Biden betreibt eigenes Wahlkampfbüro in «Animal Crossing» – so sieht es aus

Die Demokraten haben in der Corona-Krise den Wahlkampf zu grossen Teilen ins Internet verlagert. Joe Biden nutzt gar die Popularität des Nintendo-Hits «Animal Crossing». Spieler können Biden in der Lebenssimulation besuchen.

Tim Kröplin / watson.de



«Animal Crossing: New Horizons» kam gerade zur rechten Zeit. Als im März der erste Corona-Lockdown in Kraft trat, wir angehalten waren, zu Hause zu bleiben, bot das Spiel für die Nintendo Switch Entspannung. Spielerinnen und Spieler fischten, sammelten Obst, bauten ihr Eigenheim. Vor der eigenen Türe grassiert ein neuartiges Virus, in «Animal Crossing» grassieren grasen Kühe. Und nach wie vor ist das Spiel ein Zufluchtsort für Pandemie-Gebeutelte. Verwunderlich ist das nicht. Während uns in der Realität die desinfektionsmittelbedingt glitschigen Zügel jeden Moment zu entgleiten drohen, bekommen wir in der Lebenssimulation die volle Kontrolle geboten.

Wir erschaffen darin eine Privatinsel nach unserer Vorstellung, können sogar die Landschaft individuell gestalten. Berge und Täler auf Knopfdruck, wenn man so will. Auch soziale Distanz ist kein Thema, virtuell kann ja nichts passieren. Entsprechend gross war der Hype um das Spiel. Weltweit verkaufte es sich über 22 Millionen Mal (Stand August). Damit belegte es den zweiten Platz der meistverkauften Switch-Spiele – direkt hinter «Mario Kart 8 Deluxe». Viele Menschen also, die sich auf den Inseln austoben. Einer von ihnen ist US-Demokrat und Präsidentschaftskandidat Joe Biden.

Wahlkampf im virtuellen Eiland

Er, oder vielmehr sein Team, schuf eine Insel in dem Game, die Spielerinnen und Spieler besuchen können. Natürlich nicht aus Spass. Das sogenannte Biden HQ ist ein Idyll aus Wahlplakaten und Pro-Biden-Schildern. Auch ein Wahlkampfbüro sowie ein Wahllokal finden sich dort. Wer sie besucht, bekommt Informationen zur anstehenden Präsidentschaftswahl.

So kommst du auf Bidens Insel

Eigentlich ist es ganz einfach. Lediglich eine Nintendo Switch-Online-Mitgliedschaft wird benötigt – na ja, und das Spiel. Ist beides vorhanden, musst du dich in dein virtuelles Bett legen und schlafen. Kurz darauf kannst du sogenannte Trauminseln besuchen. Für Bidens Insel gibst du dann den Code DA-7286-5710-7478 ein.

Bidens Team probiert bereits seit einiger Zeit, Menschen über «Animal Crossing» zu erreichen. Bereits im September gab es Werbeschilder, die sich Spielerinnen und Spieler herunterladen konnten. «Team Joe» stand dann im virtuellen Vorgarten neben dem Blumenbeet und spiessig anmutenden Briefkasten. Biden ist übrigens nicht der Erste, der das Spiel für politische Botschaften nutzt. US-Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez trat darin bereits im Mai auf. So besuchte sie einige Inseln mit ihrer Spielfigur und hinterliess persönliche Nachrichten.

Die Black-Lives-Matter-Bewegung fand sich ebenfalls auf den Inseln wieder, erstellte Gedenkstätten für die ermordeten Schwarzen George Floyd und Breonna Taylor. Es folgte eine Funktion, um im Spiel Muster für Kleidung oder Tapeten zu erstellen, die die Slogans der Bewegung tragen. Parallel dazu verbreiteten Aktivisten aus Hongkong in dem Spiel ihre Forderungen. Das führte dazu, dass es in China temporär nicht mehr verfügbar war.

Moderner Ansatz

Natürlich ist die Frage naheliegend, ob politische Diskurse oder gar Wahlkampagnen in Videospielen Platz haben. Das ist Ansichtssache. Doch so viel sei gesagt: In «Animal Crossing» können sich Spieler frei entscheiden, ob sie sich mit den Inhalten von Aktivisten oder Politikern beschäftigen wollen. Aggressive Werbung gibt es nicht. Generell ist es aber ein moderner Ansatz, der in die heutige Zeit passt. Videospiele sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, haben sich vom Subkultur-Status gelöst. Es ist also durchaus sinnvoll, dort die Nähe zu Menschen zu suchen.

Auch ein Donald Trump, der sich höhnisch über Bidens Vorgehen äussert – er trete in der echten Welt vor echten Amerikanern auf – kann das nicht ändern. Echte Amerikaner gibt es auch in virtuellen Räumen, nur sitzen sie hinter Bildschirmen. Wählen können sie trotzdem, sofern das Alter stimmt.

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