DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Nach illegaler Sexparty in Brüssel: Wird der Dachrinnen-Flüchter jetzt zur Schwulenikone?

Eine Street-Art-Künstlerin setzt dem EU-Abgeordneten Jozsef Szajer, der kürzlich auf einer illegalen Sexparty in Brüssel aufgeflogen ist, ein Denkmal. Und auch die weltbekannt gewordene Dachrinne ist mittlerweile mit einer Plakette verziert.

Remo Hess, Brüssel / Ch media



Von seinem langjährigen Freund Viktor Orban wurde Jozsef Stajer umgehend verstossen: Seine Handlungen seien «inakzeptabel» und «mit den Werten unserer politischen Familie» nicht vereinbar, erklärte der ungarische Ministerpräsident. Dass Szajer aus der Fidesz-Regierungspartei ausgetreten ist, die er zusammen mit Orban vor über 30 Jahren gegründet hat, sei «die einzige richtige Entscheidung» gewesen, so Orban.

Welche «Handlungen» er aber genau als «inakzeptabel» klassifizierte, liess Orban offen. War es die Tatsache, dass Szajer an einer Sexparty in Brüssel teilnahm, obwohl die Regeln des Corona-Lockdown solche momentan verbieten? Waren es die Extasy-Pillen, die in seinem Rucksack gefunden wurden? Nahm Orban Anstoss daran, dass Szajer über eine Dachrinne zu flüchten versuchte, als die Polizei eintraf?

Oder lag das Problem für Orban doch eher darin, dass an der Sexparty ausschliesslich Männer teilnahmen, es sich also um eine Schwulen-Orgie handelte? Immerhin kämpfen Orban und Fidesz seit Jahren für ein traditionelle Geschlechterverständnis und schrecken nicht davor zurück, die Rechte von Schwulen, Lesben und transgender-Menschen in Ungarn einzuschränken.

Darauf wies nun auch eine italienische Street-Art Künstlerin hin, die Joszef Szajer mit einem Bild in Rom ein Denkmal gesetzt hat. «Jozsef Szajer: die neue ungarische Schwulenikone» heisst das Werk und zeigt den bärtigen EU-Parlamentarier mit nacktem Oberkörper und Ledergurt. Sein Arm ziert eine Tätowierung mit einem Wappen in den Farben der Regenbogenfamilie. Im Hintergrund das Logo von Orbans Fidesz-Partei und eine Gruppe nackter Männer. «F**k Orban! I am what I am» - «Scheiss auf Orban, ich bin, was ich bin», lautet die Bildunterschrift.

In ihrer Erklärung schreibt Laika zu ihrem Bild: «Ich wünsche mir eine Welt, in der sogar Szajer frei sein kann, seine Sexualität so zu leben, wie er glaubt, ohne sich vor den Augen seiner eigenen Partei verstecken zu müssen. Vielen Dank an Joszef für den schweren Schlag gegen die Intoleranz. Ab heute bist du die neue ungarische Schwulenikone».

Zum Schluss fügt die Künstlerin noch hinzu: «Aber respektiere das nächste Mal die Anti-Corona-Regeln!»

Aber nicht nur in Rom, sondern auch in Brüssel selbst hat die Affäre um Jozsef Szajer nun ein Andenken bekommen. Die Dachrinne, die mittlerweile weltbekannt geworden ist, wurde von vier in Brüssel lebenden Ungaren mit einer Erinnerungsplakette versehen. Darauf zu lesen steht neben dem Foto von Joszef Szayer: «Hier endete die politische Karriere von Jozsef Szajer, EU-Abgeordneter von Fidesz und Mitglied der Europäischen Volkspartei, als er über die Dachrinne vor der Polizei nach einer illegalen, mit Extasy versetzten Orgie während der Covid-19 Pandemie am 27 November 2020 zu flüchten versuchte».

Neben dem Manneken Pis, der Grand Place und dem Atomium hat Brüssel nun also eine weitere Touristenattraktion.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Warum Harry Potter in Ungarn per sofort erst ab 18 ist

Ungarn verbannt mit einem neuen Gesetz Homo- und Transsexualität aus der Werbung und schränkt die Verfügbarkeit von Filmen ein. Kritiker befürchten weitere Einschränkungen nach dem Vorbild Russlands.

Mit den Stimmen der Rechten hat das ungarische Parlament ein Gesetz gebilligt, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität einschränkt. Für die Vorlage stimmten am Dienstag 157 Abgeordnete der regierenden rechtsnationalen Fidesz-Partei sowie der rechten Jobbik-Partei, die der Opposition zugerechnet wird.

Ein fraktionsloser Linker stimmte dagegen. Die Abgeordneten der linken und liberalen Parteien verliessen vor der Abstimmung aus Protest gegen …

Artikel lesen
Link zum Artikel