International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05942515 French presidential election candidate for the far-right Front National (FN) party, Marine Le Pen (L) and French presidential election candidate for the En Marche ! movement, Emmanuel Macron pose prior to the start of a live brodcast face-to-face televised debate in television studios of French public national television channel France 2, and French private channel TF1 in La Plaine-Saint-Denis, north of Paris, France, on 03 May 2017 as part of the second round election campaign. Pro-EU centrist Emmanuel Macron and far-right leader Marine Le Pen face off in a final televised debate on 03 May that will showcase their starkly different visions of France's future ahead of this weekend's presidential election run-off.  EPA/ERIC FEFERBERG / POOL MAXPPP OUT

Marine Le Pen und Emmanuel Macron: Der 39-Jährige machte im gestrigen TV-Duell die bessere Figur. Bild: EPA/AFP POOL

Klarer Sieg im TV-Duell – so demontierte Emmanuel Macron Marine Le Pen 

Am Sonntag wird in Frankreich gewählt. Gestern duellierten sich die beiden Kandidaten im TV. Marine Le Pen zeichnete ein düsteres Bild von Frankreich, Emmanuel Macron blickte mit Optimismus in die Zukunft. 



Die Taktik war von Anfang an klar. Marine Le Pen hatte auch nicht im Entferntesten vor, etwas Konstruktives an der Diskussion beizutragen, sondern nur ihren Gegner zu zerstören. Macron sei schuld an allem, wollte die Kandidatin des ultrakonservativen Front National dem Fernsehzuschauer klar machen.

Sie eröffnete die TV-Debatte mit: «Herr Macron ist der Kandidat der wilden Globalisierung, der Uberisierung, der Prekarität, der sozialen Brutalität, des Krieges aller gegen alle, der wirtschaftlichen Plünderung.»

abspielen

Totaler Angriff: Marine Le Pen macht Emmanuel Macron Verantwortlich für alles, was schlecht läuft.  Video: streamable

«Liebling der Eliten»

Le Pens Plan: Macron in dieselbe Ecke wie den äusserst unpopulären Präsidenten François Hollande stellen, dessen Partei in den Vorwahlen gerade grandios scheiterte. Denn der 39-jährige Präsidentschaftskandidat arbeitete bis im August 2016 für die aktuelle Regierung als Wirtschaftsminister, ehe er seine eigene Partei «En Marche !» gründete und in den Wahlkampf zog.

«So oder so wird Frankreich künftig von einer Frau regiert – entweder von mir oder von Frau Merkel.»

Marine Le Pen

Macron sei der Liebling des «Systems und der Eliten», schimpfte Le Pen. Sie flirtete gar mit einer Verschwörungstheorie und behauptete, der Präsident würde Macron «fernsteuern». 

Le Pen bezichtigte Macron des «europäischen Extremismus». Er unterwerfe sich Deutschland und Angela Merkel. Sie scherzte: «So oder so wird Frankreich künftig von einer Frau regiert – entweder von mir oder von Frau Merkel.»

Die 48-Jährige wurde nicht müde zu betonen, Macrons Philosophie sei es, alles zu verkaufen. Nicht zuletzt ans Ausland. Es gehe ihm nur um den Profit. «Alles steht zum Verkauf: Die Leute, die Geschäfte!» Und der Euro sei sowieso nur «die Währung der Bankiers», sagte die Rechtspopulistin die eine Rückkehr zum Franc möchte.

Und weil momentan keine politische Angstmacherei ohne das Thema Terrorismus komplett ist, griff Le Pen ihren Kontrahenten auch auf diesem Gebiet an. Sie unterstellte ihm «Gefälligkeit mit dem islamistischen Fundamentalismus».

Und wie reagierte Macron auf die pausenlosen Attacken? 

Meistens mit diesem Gesicht hier, ...

... einem durchaus entnervtem «Madame Le Pen» und einem komplett anderen Narrativ. Während Le Pen alles schlecht redete, setzte Macron auf die Karte Optimismus. Le Pen verbreite den «Geist der Niederlage», er trage den «Geist der Eroberung», verkündete Macron selbstbewusst. 

Macron will ein starkes Europa

Frankreich sei schon immer erfolgreich gewesen, meinte der Ex-Banker, weil es in der Welt immer präsent gewesen sei. Die französische Sprache werde auf jedem Kontinent gesprochen, Frankreich sei heute die fünftstärkste Wirtschaftskraft weltweit.

«Sie haben kein Projekt für unser Land.»

Emmanuel Macron

Sie aber wolle die Grenzen wieder schliessen, Europa verlassen, weil für sie alles zu schwierig sei, so Macron. Sie bewirtschafte nur Probleme, präsentiere keine Lösungen. «Sie haben kein Projekt für unser Land», sagte der 39-Jährige. «Das Land verdient etwas Besseres.»

abspielen

Emmanuel Macron steht für ein offenes Frankreich ein. Video: streamable

Macron warb für ein starkes Europa und warnte vor einer Abkehr des Euros. Dies wäre «tödlich» für die Kaufkraft Frankreichs, meinte der sozialliberale Reformpolitiker. 

Bei der Terrorbekämpfung setzt Macron auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern. Es gehe darum, die Gefahren und Terroristen gemeinsam frühzeitig zu erkennen. Die Grenzen zu schliessen, sei keine Lösung.

Die Forderungen Le Pens seien «Augenwischerei», meinte Macron, sie spiele den Terroristen sogar in die Hände, in dem sie die Situation weiter anheize und einen «Bürgerkrieg» androhe. 

In die Ecke gedrängt

Immer wieder drängte Macron seine Kontrahentin mit Detailfragen in die Ecke. Le Pen wusste sich jeweils nicht mehr anders zu wehren als mit einem hämischen Lächeln und zusammenhangslosen Schlagwörtern. Sie warf dann auch schon mal ein unpassendes «Hollande Junior» in die Runde.

Die beiden Kandidaten unterbrachen sich ständig – und die zuweilen etwas überfordert wirkenden Moderatoren dürften froh gewesen sein, als die Sendezeit vorüber war.

abspielen

Macron argumentiert, Le Pen provoziert und die Moderatoren verzweifeln fast.  Video: streamable

Macron klarer Sieger

Die Fernsehzuschauer liessen sich von der schlechten Stimmung Le Pens nicht anstecken und sprachen sich nach der Sendung mit grosser Mehrheit für Macron aus. 63 Prozent der Zuschauer fanden, dass der Kandidat von «En Marche !» besser abgeschnitten hatte als seine Kontrahentin vom «Front National». Dies geht aus einer Umfrage des «Institut Elable» hervor, das nach der Debatte 1314 Zuschauer befragt hatte. 

Laut den letzten Umfragen vor der TV-Debatte lag Macron mit rund 60 Prozent der Stimmen vorne. Er machte nach der ersten Wahlrunde den Fehler, dass er sich etwas gar überschwänglich feiern liess. Ihm wurde Überheblichkeit vorgeworfen. Dies dürfte ihm zurecht einiges an Sympathien gekostet haben.

Der Auftritt gestern machte jedoch klar, dass es für all jene, die an eine Zukunft Frankreichs glauben, eigentlich nur eine Wahl gibt. Die Alternative ist ein Schritt in die Vergangenheit ohne jegliche Vision.

Mehr zu den Wahlen in Frankreich

«Le Kid» ist an der Macht: Diese 7 Sorgen rauben Macron jetzt den Schlaf

Link zum Artikel

Präsident Macron ist nicht zu beneiden – doch seine «Geheimwaffe» heisst Le Pen

Link zum Artikel

Wenn du dieses Frankreich-Quiz vergeigst, wird Le Pen gewählt 

Link zum Artikel

Der Anti-Trump-Effekt: Warum wir uns nicht zu früh freuen sollten

Link zum Artikel

Groupies, Gedränge, Geschrei: So war Justin Biebers ... ähm ... Emmanuel Macrons Party

Link zum Artikel

Eine Liebe à la Macron: Schweizer Paar (sie 76, er 52) spricht über Altersunterschied

Link zum Artikel

Der Flop mit den Fake-News: Putin-Trolle haben in Frankreich keine Chance

Link zum Artikel

Aus aktuellem Anlass: 10 flache Franzosenwitze (über die wir trotzdem lachen können)

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Donald Trump bastelt sich eine Dolchstosslegende

Das Verhalten des abgewählten Präsidenten erinnert an einen verrückten König. Doch leider gilt: Ist es auch absurd, so hat es doch Methode.

Drei Millionen Dollar musste das Trump-Team aufwerfen, um eine neue Auszählung der Stimmen im Bundesstaat Wisconsin zu erreichen. Nun liegt das Resultat dieser Nachzählung vor: Joe Biden hat 87 Stimmen hinzu gewonnen. Wisconsin hat deshalb den Sieg des Demokraten offiziell bestätigt.

Nicht nur im mittleren Westen blamiert sich Trump. Auch in Arizona hat der republikanische Gouverneur Doug Doucey, ein enger Verbündeter von Trump, Bidens Sieg verkündet. Damit haben sämtliche Swingstates Trumps …

Artikel lesen
Link zum Artikel