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Bild: keystone/epa/watson

Wie rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke instrumentalisieren

felix huesmann / watson.de



Notre-Dame konnte vor der völligen Zerstörung gerettet, einige Kunstwerke und Reliquien konnten in Sicherheit gebracht werden. Doch während das Dach der Kathedrale am Montagabend noch in Flammen stand, begannen Rechtspopulisten und Rechtsextreme bereits, Falschinformationen und Verschwörungstheorien über den Brand zu verbreiten. Auch Teile der AfD beteiligen sich daran. Verbreitet wird dabei, was in das eigene Weltbild passt und als Werbung für das eigene politische Anliegen dient.

Verschwörungstheorien aus der AfD

Gegen 18:50 Uhr brach das Feuer im Dachstuhl von Notre-Dame aus. Knapp eine Stunde später veröffentlichte der AfD-Stadtverband Solingen auf Facebook einen Post:

«Würde wohl niemanden verwundern, wenn es ein Anschlag mit islamistischen [sic!] Hintergrund wäre. Doch noch weiss man nichts genaues [sic!], aber ob man später wirklich die Wahrheit preisgibt? Die Antwort könnte ja die Bürger verunsichern. [...]»

AfD Solingen

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bild: screenshot

Am Tag nach dem Brand von Notre-Dame ist die Facebook-Seite der Solinger AfD von der Partei selbst auf unsichtbar geschaltet, der Post geistert nur noch als Screenshot durchs Netz. Verschiedene Verschwörungstheorien und Falschmeldungen über den Brand werden jedoch weiter verbreitet – von rechten Ideologen aus mehreren Ländern.

Das Verschwörungstheorie-Medium #1 aus den USA

Das US-Portal Infowars gehört zu den international bekanntesten Verbreitern von Falschmeldungen und Verschwörungstheorien. Sein Gründer Alex Jones behauptete in der Vergangenheit etwa, dass Amokläufe an US-Schulen mit Schauspielern inszeniert seien, und dass Chemikalien ins Trinkwasser gemischt würden, die Frösche homosexuell machen.

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In einem Artikel berichtete der Infowars-Autor Paul Joseph Watson, die Kathedrale sei absichtlich in Brand gesetzt worden. Die Quelle dafür war der Tweet eines US-Journalisten, der behauptete, einen Notre-Dame-Angestellten zu kennen. Der Tweet wurde schon nach kurzer Zeit wieder gelöscht, Belege für die Behauptung gibt es keine. Im Gegenteil: Die französischen Behörden erklärten schnell, es gebe keine Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung.

Anonyme Falschmeldungen in den Sozialen Medien

Schnell wurden auch Falschmeldungen von anonymen und gefälschten Accounts in den Sozialen Medien verbreitet. Rechte Trolle unterlegten etwa Aufnahmen des Brandes mit «Allahu Akbar»-Rufen. Fake-Accounts, die sich als amerikanische Nachrichtensender ausgaben, berichteten von einem angeblichen Terroranschlag auf Notre-Dame.

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Der Mikrokosmos der rechten Telegram-Channel

Rechte Verschwörungsideologen sind mit ihren Posts in den Sozialen Medien oft für ein grosses Publikum sichtbar und erreichen so auch viele Menschen, die noch nicht zur «Szene» gehören.

Auf Facebook und YouTube aber laufen die Rechten Gefahr, gesperrt zu werden, wenn ihre Beiträge gegen die Nutzerrichtlinien oder gegen Gesetze verstossen. Sie haben sich deshalb alternative Kanäle geschaffen. Manche betreiben Seiten auf dem russischen Facebook-Klon VK, andere verbreiten ihre Inhalte über die Messenger-App Telegram.

Dort lassen sich mit wenigen Klicks Kanäle einrichten, die von anderen abonniert werden können. Ein Betreiber eines solchen Channels ist Oliver Janich. Janich ist nicht irgendwer. Der ehemalige Journalist gehört zu den Grössen der rechten Verschwörungstheorien-Szene in Deutschland. Auf Facebook folgen ihm allein auf seiner Haupt-Seite fast 20'000 Menschen. Seine Posts werden regelmässig von AfD-Verbänden geteilt. Zum Brand in Notre-Dame veröffentlichte Janich auf Facebook und Twitter jedoch nur wenige unverfängliche Posts.

Anders als in seinem Telegram-Channel. Dort erreicht er ebenfalls mehr als 20'000 Abonnenten. Und dort ist Notre-Dame seit Montagabend das bestimmende Thema.

Janich ist offenbar davon überzeugt, dass der Brand eine «False Flag»-Aktion war, also eine Inszenierung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Ausserdem glaubt er, dass US-Präsident Donald Trump bereits im Vorfeld von dem bevorstehenden Brand gewusst und die Welt in einem Tweet davor gewarnt habe.

Der vermeintliche Beleg dafür: eine alte hebräische Zahlenmystik namens Gematrie. In der Gematrie werden Buchstaben bestimmte Zahlenwerte zugeordnet. Und laut Oliver Janich lassen sich dadurch versteckte Hinweise in diesem Trump-Tweet finden, der mehrere Stunden vor dem Ausbruch des Brandes in Paris veröffentlicht wurde:

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bild: screenshot/hervorhebung: watson

Geteilt wurde diese Nachricht von Oliver Janich auch in dem rechten Verschwörungstheorie-Kanal «Qlobal-Change». Das «Q» ist eine Anleihe aus den USA, unter dem Pseudonym «QAnon» werden dort seit 2017 oftmals sehr absurde Verschwörungstheorien verbreitet. Diese Verschwörungstheorien haben in den USA einige Wirksamkeit entfaltet und bereits zu bewaffneten Zwischenfällen geführt. In Deutschland eifern rechte Kreise «QAnon» nach.

Der oder die Betreiber des deutschen «Qlobal-Change»-Telegram-Channels hielten den Brand von Notre-Dame nicht nur für eine «False Flag»-Aktion, sondern bejubelten die Katastrophe in einer weiteren Nachricht auch noch.

Auch die Abonnenten des Kanals glauben die Verschwörungstheorie offenbar:

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In dieser Nachricht bezeichnete «Qlobal-Change» die brennende Kathedrale als "wunderschöne[n] Anblick":

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bild: screenshot

Teil einer christenfeindlichen Angriffsserie?

Mehrere rechte Medien und Politiker versuchen ausserdem, einen Zusammenhang zwischen dem Brand von Notre-Dame und einer Reihe von Vandalismus-Fällen in katholischen Kirchen in Frankreich in den vergangenen Monaten herzustellen. An mehreren Orten im Land kam es zu Sachbeschädigungen an Kirchen, teilweise wurden Altare verwüstet und Beichtstühle zerschlagen. Premierminister Edouard Philippe verurteilte die Angriffe im März.

In einem Facebook-Post brachte etwa die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel diese Taten in einen Zusammenhang mit dem Brand von Notre-Dame. Sie teilte einen Artikel eines katholischen Onlinemagazins über die Sachbeschädigungen und den Brand der Pariser Kirche Saint-Sulpice vom 25. März. Dazu schrieb sie:

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Weidel wies nicht daraufhin, dass die Behörden keinen Hinweis auf eine vorsätzliche Brandstiftung sehen.

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Brand in der Notre-Dame

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Brand in der Notre-Dame
quelle: ap/ap / christophe ena
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So immens sind die Schäden des Grossbrands von Notre-Dame

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