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epa08124595 French former priest Bernard Preynat arrives at the court for his trial, in Lyon, France, 13 January 2020. Bernard Preynat, 74, a priest from Lyon, is charged with abusing young scouts in his parish in the years 1980-1990. It is one on the major pedocrime scandals that erupted within the Catholic Church of France.  EPA/ALEX MARTIN

Bernard Preynat am Dienstag vor dem Gericht in Lyon. Bild: EPA

Französischer Priester missbrauchte bis zu fünf Kinder pro Woche – das ist seine Ausrede



In einem Prozess um Kindesmissbrauch durch einen früheren katholischen Priester in Frankreich hat der Angeklagte mit seinem Geständnis schockiert. Er habe als Leiter von Ferienlagern zeitweise «vier bis fünf Kinder pro Woche» missbraucht, sagte der ehemalige Geistliche Bernard Preynat am Dienstag zum Auftakt seines Verfahrens in Lyon. Er gab sexuelle Übergriffe auf Knaben über einen Zeitraum von 20 Jahren zu.

«Für mich stellte es sich damals nicht als sexuelle Gewalt dar, sondern als Zärtlichkeit und Liebkosung», sagte der heute 74-jährige Preynat. «Ich habe mich getäuscht. Erst durch die Anklagen der Opfer habe ich verstanden», sagte er über die Jungen im Alter von damals sieben bis 15 Jahren.

Der frühere Priester ist angeklagt, zwischen 1971 und 1991 als Leiter von Pfadfinder-Gruppen dutzende Jungen sexuell missbraucht zu haben. Nach seiner Aussage liegt die Dunkelziffer aber offenbar deutlich höher. Gerichtspräsidentin Anne-Sophie Martinet äusserte sich schockiert über das Geständnis: «Das macht fast ein Kind pro Tag», sagte sie. Dem Angeklagten drohen zehn Jahre Haft, ein Teil der Taten ist bereits verjährt.

Als Zeuge sagte François Devaux aus, der den Prozess als Gründer eines Opferverbands mit ins Rollen gebracht hatte. Er berichtete von «Leid und Wut» über den Priester, der ihn missbrauchte. Er habe als Heranwachsender ein «sehr dunkles Leben» geführt und einen Suizidversuch unternommen. Weil er den Priester als «Verbindung zwischen Gott und den Menschen» sah, habe er sein eigenes Schicksal jahrzehntelang verschwiegen, sagte Devaux.

Former French priest Bernard Preynat, center, arrives at the Lyon court house, central France, Monday Jan.13, 2020. Bernard Preynat, is accused of sexually abusing some 75 Boy Scouts went on trial Monday _ but the proceedings were delayed until Tuesday because of a strike by lawyers. Preynat admitted in the 1990s to abusing boys, but was only removed from the priesthood last year. (AP Photo/Laurent Cipriani)
Bernard Preynat

Das Medieninteresse zu Prozessbeginn ist gross. Bild: AP

Zehn Opfer als Zivilkläger

Die Opfer-Anwältin Emmanuelle Haziza sagte, der frühere Priester sei «einer der grössten Sexualverbrecher der Region von Lyon». «Nicht nur leugnet er den sexuellen Charakter seiner Übergriffe auf die Knaben, sondern gibt auch noch zu, hunderte Kinder angefasst zu haben.» Insgesamt treten zehn Opfer in dem Verfahren als Zivilkläger auf.

Die katholische Kirche Frankreichs hatte den heute 74-Jährigen im vergangenen Juli seiner geistlichen Würden enthoben, gut vier Jahre nach Bekanntwerden der Missbrauchs-Vorwürfe.

Der Fall führte zum Sturz des höchsten Geistlichen Frankreichs: Kardinal Philippe Barbarin trat als Erzbischof von Lyon zurück, nachdem ihn ein Gericht in erster Instanz schuldig gesprochen hatte, den Priester jahrelang gedeckt zu haben.

Im Zusammenhang mit dem Fall Preynat läuft derzeit das Berufungsverfahren gegen den Kardinal, der sich gegen seinen Schuldspruch wehrt. Die Staatsanwaltschaft hat auf Freispruch plädiert. Sie argumentiert, der Kardinal könne nicht persönlich für «Fehler» der katholischen Kirche haften. Das Urteil gegen den Kardinal soll am 30. Januar in Lyon verkündet werden. (sda/afp)

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