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BERLIN, GERMANY - JULY 07:  Terry Richardson poses during Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Spring/Summer 2012 at the new location at Brandenburg Gate on July 7, 2011 in Berlin, Germany.  (Photo by Gareth Cattermole/Getty Images for IMG)

Terry Richardson ist ein wirklich schöner Mann, der bei Frauen immer prima ankommt. Bild: Getty Images Europe

Showbusiness heisst nicht Sexgewerbe! Der Sturz des Fotografen Terry Richardson 

Nach der Film- hat jetzt auch die Modebranche genug und distanziert sich von ihrem übergriffigsten Starfotografen. Ist dies der Anfang einer Machtverschiebung?



Als Terry Richardson gefragt wurde, ob es wirklich okay sei, eine 21-Jährige in einen Mistkübel zu stecken, «Slut» über ihre Brust zu schreiben und sie dabei zu fotografieren, wie sie ihm, Richardson, einen runterholt, sagte er: «Menschen machen Dinge, die sie dann bereuen, aber das hat nichts mit mir zu tun. Dann sollen sie halt einfach keine solchen Bilder machen ... Ich bin mit mir und allem im Reinen, das ist für mich das Wichtigste.»

Nun kann man sagen, dass die 21-Jährige von damals tatsächlich keine Probleme mit ihm hatte, sie ist heute, mit 34, seine Frau und die Mutter seiner Kinder. Für andere, sehr oft Jüngere, brach eine Welt zusammen, wenn der weltweit begehrte Modefotograf während eines Shootings seinen Schwanz auspackte, vor ihnen masturbierte, sie zwang, ihn zu befriedigen, mit ihnen Sex hatte. Das Sperma, mit denen seine Models auf den Fotos dekoriert sind, ist oft echt.

NEW YORK - SEPTEMBER 10:  Artist Terry Richardson and his girlfriend Alex Bolotow attend the Terry Richardson Gallery opening at Deitch September 10, 2004 in New York City.  (Photo by Teresa Lee/Getty Images)

Richardson mit seiner Frau Alex Bolotow. Bild: Getty Images North America

«Die Modeindustrie ist voll von Raubtieren, die von der dauernden Zurückweisung und der Einsamkeit profitieren, die so viele von uns an irgendeinem Punkt ihrer Karriere erfahren.»

Christy Turlington, Topmodel der 90er-Jahre, in einem Interview zu sexueller Belästigung und Gewalt in der Modebranche vom 18. Oktober.

Richardson gibt freimütig alles zu, es war schliesslich immer alles out in the open, sein Team sei dabei gewesen (wie pervers ist das denn?), sagt er, alles sei «Arbeit» und einvernehmlich. Seit 16 Jahren treten immer wieder Models an die Öffentlichkeit und sagen: Nein, war es nicht. Die Reaktion? Ihr seid halt einfach alle zu jung, dumm und unerfahren, so ist es halt.

Wie beim Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein, wussten alle, was Sache war. Alle Fashion-Magazine, grossen Modehäuser und Model-Agenturen wollten, wie bei Weinstein, trotzdem mit Richardson arbeiten. Weil man mit ihm, wie mit Weinstein, zu Fame kam. Weil sich seine Bilder, wie Weinsteins Filme, verkauften. «Porn Chic», Pornoschick, hiess sein Stil. Die Welt war geil darauf. Weil die Bilder zwar sehr sexy, aber auch sehr ironisch waren. Ein lustiges Spiel mit der Lust. Irgendwie erfrischend.

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Christy Turlington. bild: via instagram/cturlington

«Oft konnte ich nicht glauben, wer mich da auf meinen frühen Reisen nach Mailand, Paris oder London betreuen musste. Ich verliess das Flugzeug und wurde von einem gruseligen Playboy-Typ in Empfang genommen.»

Christy Turlington

Jetzt ist Schluss mit Lustigpornos. Condé Nast, der wichtigste Verlag für Hochglanz-Zeitschriften, hat Terry Richardson gefeuert. Alle Fotostrecken, die er für Magazine wie «Vogue», «GQ» und «Vanity Fair» bereits geschossen hat, werden versenkt. Die italienischen Modehäuser Valentino und Bulgari haben ihn ebenfalls gefeuert. Terry Richardson ist damit der erste, aber gewiss nicht der letzte Grüsel, mit dem die Modebranche endlich ihre Geduld verliert.

Wenige Tage vor Richardsons Fall lancierte das amerikanische Model Cameron Russell auf Twitter und Instagram den Hashtag #MyJobShouldNotIncludeAbuse. Und wie schon bei #metoo meldeten sich viel zu viele Frauen, jetzt mit Übergriffen aus der Fashion-Welt. Geschichten von Fotografen, Designern, Agenten, allzu ungeschützten Backstage-Räumen während Modeschauen. Geschichten von unzähligen Terry Richardsons. Unzähligen Harvey Weinsteins.

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Cameron Russell. bild: via instagram/cameron russell

«Das ist keine Blossstellung, denn nichts in diesen Geschichten ist neu für diejenigen, die in unserer Industrie arbeiten. Das ist vielmehr der Anfang einer Machtverschiebung.»

Model Cameron Russell über #MyJobShouldNotIncludeAbuse.

Genau. Es ist – zusammen mit Weinstein, #metoo und allen weiteren Protesten – der Anfang einer Machtverschiebung im Showbusiness. Das ja bekanntlich von «to show», von «zeigen», kommt. Gezeigt werden Kleider, Filme, Musik. Und die dazugehörigen Körper, die machen, dass wir dafür Geld bezahlen wollen vor lauter Begeisterung und Begehren. Oder wie meine Ballettlehrerin vor vielen Jahren einmal sagte: «Wenn die Leute euch auf der Bühne sehen, müssen sie euch kaufen wollen.» Äääähm ... ?!? Ja, sie sagte das wirklich.

Man kann den Sex nicht aus dem Showbusiness kriegen. Es wäre ja auch ein bisschen schade. Und Sex ist nicht Sexismus. Aber in den Arbeitsbeziehungen, die dahinterstecken, hat er nichts zu suchen. Am wenigsten zwischen Parteien, die durch ein hierarchisches Gefälle voneinander getrennt sind. Das gilt für alle. Immer.

Was ist noch erlaubt, was bereits sexuelle Belästigung?

Video: watson

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